# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 13_S47 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * zween Zeugen, die niemand ſtrafen kann, nemlich Gottes Gebot und unſer Gewiſſen. Hier iſt mir nicht möglich, Nein zu ſagen. Soll ich denn Ja ſagen, als ich thun muß, ſo bin ich des Todes und des Teufels; aber da leugt er, wenn er darüber mich treibt, ich ſoll verzwei— feln, wie Cain ſprach: Meine Sünden ſind größer, denn Gottes Gnade. 1 Moſ. 4, 13. Und hier iſt denn Zeit und Noth Rettens und Helfens oben vom Himmel herab, daß entweder ein Bruder bei dir ſei mit einem äußerlichen Wort Gottes oder der Heilige Geiſt ſelbſt im Herzen mit Erinnerung ſolcher äußerlichen Worte, und ſpreche: Du haſt bekannt und nicht geleugnet, der Teufel hat das Jawort gewonnen, daß du geſündigt und billig verdammt ſeiſt, wie Judas; aber nun wende dich herum zu Chriſto, wie St. Petrus, und ſiehe, was er für dich gethan hat; Chriſtus hat ſolch dein Jawort durch ſein Blut wiederum verdammt und zunicht gemacht und ſoll dir nicht ſchaden. Außer Chriſto hätte er wohl Recht zu dir, aber weil du in Chriſto biſt und ihn anrufeſt, ſo iſt ſolch dein Jawort wiederum zu Nein worden, und kannſt trotzen und rühmen wider den Teufel: Bin ich denn ja ein Sünder, ſo bin ich doch ja kein Sünder. Ein Sünder bin ich in mir ſelbſt außer Chriſto, kein Sünder bin ich in Chriſto außer mir ſelbſt; denn er hat meine Sünde ver⸗ tilgt durch ſein heiliges Blut, da zweifle ich nicht an, darauf habe ich Taufe und Abſolution und Sacrament, als gewiſſe Siegel und Briefe.“ (Werke. Hall. A. XIX. 1498. 99.) ——— Evangeliſch⸗lutheriſches Miſſionslied.“) Mel.: Nun ruhen alle Wälder. 1. O JEſu, Freund der Sünder, Du mächt'ger Ueberwinder Von Hölle, Welt und Tod, Wir preiſen Deine Liebe, Die Dich, aus freiem Triebe, Gezoͤgen in die tiefſte Noth. .Und daß Du auch uns Armen Dein ewiges Erbarmen So freundlich kund gethan; Daß Deine Gnad' und Wahrheit. Uns ſcheint in voller Klarheit: Nimm unſer ſchwaches Loblied an! Doch, ach! ſo viele Seelen Sich noch in Sünden quälen, Von Finſterniß umhüllt. Sie gehn auf wüſten Wegen Der Ewigkeit entgegen, Das Herz von Furcht und Angſt erfüllt. O IeEſu, großer Retter, Laß alle falſchen Götter „Doch gänzlich untergehn! Laß Deine Kirche ſiegen Und Satan unterliegen: Erhör', erhöre uuſer Flehn! .Erwecke, HErr, uns Laue Recht aus dem Schlaf, und baue Dein Zion wieder auf! O rüſte Deine Glieder Zum Glaubenskampfe wieder, Und ſtärke uns zum Siegeslauf! 4 * *) Den jetzt in Elſaß verbreiteten und Nr. 4 des „Luthe⸗ raner“ angezeigten lutheriſchen Tractaten eninommen. D. Red. 47 6. O, öffne das Verſtändniß Vom herrlichen Bekenntniß, Das unſre Kirche ziert, Damit wir auch die Heiden Zur vollen Wahrheit leiten, Dir ſie zum vollen Heile führt. — — Gib treue Glaubenszeugen, Die nichts von dem verſchweigen, Was Sünder ſelig macht — Die Deine Rechte lehren Und allem Irrthum wehren, Auf Deine Ehre nur bedacht. Du ewiger Verſöhner, Laß ſchön und immer ſchöner Dein Werk von Statten gehn; Zerbrich die Sündenbande, Und laß doch alle Lande Dein Licht und Deine Freiheit ſehn! F. Weyermüller. * (Aus dem Novemberheft des „deuiſchen Kirchenfreundes“.) Lutheriſche Kirche. Ein neues Zeichen von der merklichen Verän⸗ derung, welche im engliſchen Theil der lutheriſchen Kirche ſeit einiger Zeit vorgeht, iſt die Erklärung der neulichen Synode von New York, daß der „Lutheran Observer“ dem Geiſte und Charakter der lutheriſchen Kirche, die er vertheidigen und würdig vertreten ſollte, widerſpreche, und die Er⸗ nennung einer Committee, welche bei der Buch⸗ compagnie in Baltimore eine radicale Verände⸗ rung in der Redaction auswirken und im Falle des Mißlingens bei der nächſten Generalſynode auf die Gründung eines neuen Kirchenblattes antragen ſolle. Der pfiffige Herausgeber wird ſich natürlich hüten, dieſe Nachricht ſeinen Leſern mitzutheilen, doch verdanken wir ſie der zuverläſ⸗ ſigen mündlichen Mittheilung eines Gliedes jener Synode. So wird unſerem Freunde in Baltimore Ein Grablied nach dem andern geſungen und zwar zum Theil von ſeinen eigenen ehemaligen Anhängern, ſo daß wir gerne uns den Gefühlen des Mitleids hingeben würden, wenn der alte Mann nicht noch immer ſo voll von unwürdigen Kniffen wäre. Sobald er dieſe ablegt, verſprechen wir ihm, das Alte zu vergeben und zu vergeſſen. Grundſteinlegung. Der achte Tag dieſes Monats war für die Ge⸗ meinde zu St. Louis ein Tag wahrhaft feſtlicher Freude, und indem wir davon hierdurch eine öf⸗ fentliche Mittheilung machen, hoffen wir damit den lieben Leſern des „Lutheraner“ einen Mit⸗ und Nachgenuß unſerer Freude zu bereiten. Wie aus vorletzter Nummer zu erſehen, hat unſere Synode eine Commiſſion niedergeſetzt zum Bau eines College⸗ und Predigerſeminar⸗Gebäu⸗ des in der unmittelbaren Nähe unſerer Stadt auf einem Grundſtück von zwei Acker Landes, welches die hieſige Gemeinde zu dieſen Zwecke der Synode zum Geſchenke gemacht hatte. So hat denn die Commiſſion einen Plan zur Aufführung eines entſprechenden Gebäudes entworfen, zunächſt aber allein mit dem Aufbau eines (des rechten) Flü⸗ gels in Gottes Namen anzufaugen beſchloſſen, die Fortführung und Vollendung des Werkes durch Errichtung auch des Mittel- oder Haupt⸗ gebäudes mit ſeinem zweiten Flügel ſpäteren Zei⸗ ten überlaſſend. Nachdem nun bereits rüſtig zum Werk geſchritten worden war, wurde beſchloſſen, eine feierliche Grundſteinlegung ſtattfinden zu laſ⸗ ſen, und der oben bezeichnete Tag hierzu beſtimmt. Das heiterſte Wetter begünſtigte die Feier. Nicht nur Glieder der hieſigen Gemeinde jedes Alters ſtrömten in ganzen Schaaren herbei, ſelbſt eine bedeutende Anzahl anderer Bewohner unſerer Stadt und mehrere theure Amtsbrüder aus der Umgegend ſchloſſen mit ſichtlicher Freude dem bunten Zug von Fußgängern, Reitern und zu Waͤgen Fahrenden nach dem Bauplatze ſich an. Hier angekommen, ſchloß die Verſammlung um die noch wie Ruinen zum Theil aus der Erde ſich erhebenden Anfänge des Baues einen Kreis. Ein von dem Muſikchor unſerer Gemeinde ausgeführ⸗ tes Adagio eröffnete die Feier, und nachdem hierauf von allen Anweſenden das Lutherlied: „Ein feſte Burg iſt unſer Gott“, unter Inſtrumentalbeglei⸗ tung abgeſungen worden war, redete Schreiber dieſes die Gegenwärtigen an, wobei er zu zeigen verſuchte, wie die Kirche ſich immer als eine Freundin und Pflegerin der Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft erwieſen habe und ihrer Natur und Beſtim⸗ mung nach immer erweiſen müſſe. Hieran ſchloß ſich ein für dieſe Gelegenheit eigens gedichteter und von den beiden Singvereinen der Gemeinde gemeinſchaftlich vorgetragener Chorgeſang, worauf Paſtor Bünger das Weihgebet ſprach, nach deſſen Beendigung er die auf die Gründung und Geſchichte der Anſtalt Bezug habenden, in ein kupfernes wohlverlöthetes Käſtchen eingeſchloſſe⸗ nen, theils geſchriebenen theils gedruckten Urkun— den, nachdem er dieſelben namentlich aufgeführt, in den zu dieſem Zweck ausgehöhlten Grundſtein vor Aller Augen einfügte und letzteren mit drei kräftigen Hammerſchlägen und mit feierlich erho⸗ bener Stimme im Namen des dreieinigen hochge⸗ lobten Gottes mit einem entſprechenden Wunſch auf ſeinen Platz brachte. Nach Vollziehung die⸗ ſes Aktes ertönte noch einmal ein Chorgeſang, den 46ſten Pſalm enthaltend, auf welchen zum guten Schluſſe das bekannte „Nun danket alle Gott“ von der ganzen Verſammlung geſungen und von Paſtor Bünger das Gebet des HErrn geſprochen wurde. Mit fröhlichen Mienen zer⸗ ſtreute ſich hierauf die Menge und ein Jeder eilte nun, da bereits die Sonne ſich neigte, von dannen. Möge denn der HErr, der zum fröhlichen An⸗ fang Gnade geſchenkt, nun auch, denn das iſt das Nächſtnothwendige, Herzen erwecken, welche ihre milden Hände aufthun, damit das in dieſer guten Hoffnung begonnene Werk auch bald zum guten Ende gebracht werde. An das Wahlcollegium der Synode von Miſſouri, Ohio und andern Stnaten. Da es dem einigen, unſichtbaren Oberhaupte der Kirche gefallen hat, unſeren theuren Bruder, weiland Herrn Auguſt Wolter, geweſenen treuverdienten Paſtor und Profeſſor an dem Se⸗