# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 13_S43 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gen der Wahrheit oder eine Widerlegung des Irrthums; eine entſchiedene Feſtigkeit, das edle Kleinod der reinen Lehre auch zu bewahren und zu bleiben in dem, was ihnen vertraut iſt, ver⸗ bunden mit einem redlichen Haß und Ab⸗ ſcheu wider alle ſchriftwidrige und men⸗ ſchelnde Kirchenmengerei und Unioniſterei der Gegenwart und Zukunft; ein ſtiller, feſter, gottſeliger Wandel vor und in dem HErrn, beſtehend in einer einfältigen Bethätigung des Glaubens durch die Liebe, einer geſunden Erzeigung von allerlei Frucht des Geiſtes und ſonderlich in einer gotter⸗ gebenen Gelaſſenheit und Geduld in allerlei Kreuz und Trübſal — Summa: ein recht⸗ ſchaffenes Weſen in Chriſto IEſu und nicht bloß das Bekenntniß, ſondern auch die Nach⸗ folge des HErrn Chriſti. Und ob zwar, nach Gottes Wort und dem Laufe der Geſchichte, nicht gedenkbar ſei, daß dieſes mannhafte, lebendige, ehrliche Bibelchriſtenthum im Herzen, Verſtand und Willen alle unſre Kirch⸗ kinder ergreifen und in ihnen wohnen und walten werde; vielmehr, ob zwar ſehr zu beſorgen ſei, daß vielleicht der größte Theil todte Maulchriſten oder krankhafte Gefühlschriſten bleiben, ja dane⸗ ben vielleicht auch bei uns der offenbare Abfall vom Chriſtenthum hereinbrechen und der Unglaube zunehmen werde, ſo werde es doch hoffentlich nirgends, wo auf obgemeldete Weiſe auch der kleine lutheriſche Katechismus getrieben wird, an einem Kern lebendiger Bibelchriſten und geſunder Kirchkinder fehlen. (Jortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) Heidenmiſſion. Gewiß werden die Leſer des Lutheraner mit Freuden die, Nr. 26. des öten Jahrganges ge⸗ machte Mittheilung begrüßt haben, daß die Sta⸗ tionen Frankenmut und Bethanien von ihren Gründern unſerer Synode übergeben ſind und daß auch die Station Siboying dazu gekommen iſt. In der That eine erfreuliche Nachricht, welche uns zu herzlichem Danke gegen den gnädigen Gott erwecken muß. Unſere Synode beſitzt jetzt unter den Indianern Michigans drei Stationen, auf denen die Miſſionare den Heiden das Wort Got⸗ tes verkündigen, und durch deren Dienſt bereits eine kleine Anzahl von Indianern bekehrt und getauft iſt. Möge der HErr auch ferner den Dienſt derſelben ſegnen und täglich hinzuthun, die da ſelig werden, zu der Gemeinde. Es iſt nun jedenfalls die nächſte Pflicht und Aufgabe unſerer Synode, jenen Stationen eine teue und weiſe Pflegerin zu ſein. Damit iſt aber keinesweges die Nothwendigkeit geſetzt, daß wir Oregon ganz aus den Augen verlieren; vielmehr müſſen wir auch fernerhin unſer Augenmerk auf den Weſten unſers Landes gerichtet halten, wohin uns noch immer ſo viele Fingerzeige weiſen, da⸗ mit wir bereit ſind, wenn der HErr uns Bahn dahin macht und uns dort eine Thür öffnet, ſei⸗ 43 nem Rufe Folge zu leiſten. Dieſe Rückſicht darf uns aber durchaus nicht hindern, den Stationen in Michigan unſeren herzlichſten Liebeseifer zuzu⸗ wenden. Indem Gott uns dieſelben übergibt, gebietet er uns zugleich, Alles zu thun, was in unſeren Kräften ſteht, um das Gedeihen derſelben zu befördern. Und wir dürfen ja auch nur dann hoffen, daß Gott uns würdigen wird, in anderen und weiteren Kreiſen zur Ausbreitung ſeines Reiches beizutragen, wenn wir uns auf dem uns jetzt angewieſenen Gebiete nicht bloß im Großen, ſondern auch im Kleinen als treu bewährt haben. Wenn wir aber auf die großen Schwierigkeiten ſehen, mit welchen die Miſſion unter den India⸗ nern zu kämpfen hat, ſo müſſen wir geſtehen, daß außer dem Gedeihen, welches Gott gibt, nur ein feuriger Eifer und eine unermüdliche Geduld im Stande ſind, dieſelben zu überwinden. Die In⸗ dianer ſind kein civiliſirtes Voll, ſondern ſtehen auf der unterſten Stufe der Geſittung, wenn man bei ihnen überhaupt von Geſittung reden darf. Sie haben größtentheils keine feſten Wohnplätze, ſondern ziehen unſtät umher, bald hie, bald da ihre Hütten aufſchlagend, je nachdem es die Jagd oder die Fiſcherei, wovon ſie leben, erfordert. Ihre Sprache iſt ſo ſchwer, daß die Erlernung derſelben nur bei den größten Opfern von Zeit und Mühe möglich iſt, weßhalb die Miſſionare noch genöthigt ſind, Dolmetſcher in ihre Dienſte zu nehmen, die aber nicht immer ein ſicheres Mittel der Mitthei⸗ lung ſind. Von den Weißen haben ſie ſeit langen Jahren alle Arten von Unterdrückung und Betrü⸗ gerei zu leiden gehabt; von ihnen ſind ſie aus ihrem Vaterlande vertrieben, von ihnen werden ſie vielleicht bald wieder weiter nach dem Weſten ge⸗ drängt. Von ihnen ſind ſie zu den Laſtern der gebildeten Völker verführt; durch ihre Schuld iſt es geſchehen, daß auch der letzte Reſt von äußerlich ehrbarer Zucht und Sitte, der ſich noch bei ihnen fand, nun entſchwunden iſt. Von ihnen lernten ſie die chriſtliche Religion meiſt allein in ihrer Entartung und Mißgeſtalt kennen, ſo daß ſie jetzt auch gegen die reine Lehre des Evangeliums ein⸗ genommen und verbittert ſind. Dabei hängen ſie an ihrem heidniſchen Aberglauben mit ſo furcht— barer Zähigkeit, daß ſie mit demſelben völlig zu⸗ ſammengewachſen ſcheinen, zum deutlichen Beweis, daß es der Teufel iſt, der ſie mit ſeinen Stricken ſo feſt gefangen und gebunden hält. So hat der ſtarke Gewappnete nach allen Sei⸗ ten hin gewallige Bollwerke aufgeworfen, um ſei⸗ nen Palaſt zu bewahren; aber unſer Troſt iſt der, daß es heißt: „Dazu iſt erſchienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerſtöre“, 1 Joh. 3, 8. Der Sohn Gottes hat auch für die Heiden ſein Blut vergoſſen zur Vergebung der Sünden, denn „derſelbige iſt die Verſöhnung für unſere Sünden; nicht allein aber für die unſere, ſondern auch für der ganzen Welt“, 1 Joh. 2, 2. Und er will auch, daß ſie ſelig werden ſollen; denn „Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen“, 1 Tim. 2, 4. Dazu hat er ſeiner Kirche das Evangelium gegeben, und ihr geboten, dasſelbe allen Völkern zu predigen: „denn es iſt eine Kraft Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glau⸗ ben“, Röm. 1, 16. Der Glaube an das Evan⸗ gelium iſt demnach für alle Menſchen der einzige Weg zur Seligkeit: „wer da glaubet und getauft wird, der wird ſelig werden, wer aber nicht glau⸗ bet, der wird verdammet werden“, Marc. 16, 16. Darum iſt es Alles Lüge und Irrthum, was die Schwärmer von einer Seligkeit der Heiden ſagen, welche dieſelben ohne die Predigt des Evange⸗ liums, ohne den Gebrauch der von Gott verord⸗ neten Saeramente und ohne den Glauben an den HErrn IEſum erlangen ſollen. Auch iſt es klar, wie mit dieſem Irrthum unmöglich ein wahrer Miſſionseifer beſtehen kann. Denn wenn die Heiden, wie die Schwärmer träumen, ohne den Gebrauch der Gnadenmittel ſelig werden, warum ſie denn noch mit dieſen Dingen beläſtigen? Es wird aber um unſern Miſſionseifer immer etwas Kränkliches und Kümmerliches ſein und bleiben, ſo lange wir uns zu demſelben nicht durch Gottes Wort und Befehl reizen laſſen, ſondern denſelben durch andere Gründe hervorrufen oder auf etwas in uns Liegendes ſtützen wollen. Man hat dieſes nicht ſelten verſucht; man hat den leib⸗ lichen und geiſtlichen Jammerſtand der Heiden, der ja allerdings ſchrecklich genug iſt, ſo ergreifend und ſo rührend zu ſchildern gewußt, daß dadurch die Herzen vieler Chriſten zum Mitleiden und zu lebendiger Theilnahme an der Miſſionsſache be⸗ wegt wurden. Oder man ſuchte ſich und Andern durch die Ausſicht auf den Erfolg zum Miſſions⸗ eifer anzuregen, indem man ſich vorhielt, wie die Heiden durch die Einführung des Chriſtenthums in jeder Beziehung zu einem glücklicheren Daſein gelangen würden. Allein wenn auch alles dieſes in guter Meinung geſchah und ſeinen großen Nutzen haben mag, ſo wird doch ein Chriſt ſich damit nicht begnügen können. Er wird fragen: was ſagt Gottes Wort darüber? Gebietet mir Gott, daß ich mich der Miſſionsſache annehmen ſoll und in welcher Weiſe? Und wenn er ſich dann durch die hellen, klaren Sprüche der heiligen Schrift überzeugt hat, daß ihm Gott in ſeinem Worte allerdings ernſtlich gebietet, zur Ausbrei⸗ tung ſeines Reiches auf Erden mitzuwirken, ſo wird ihm die Miſſionsangelegenheit zu einer hei⸗ ligen und theuren Gewiſſensſache, der er bis zum letzten. Athemzuge ſeine herzlichſte Theilnahme widmet. Einen klaren, deutlichen Befehl Chriſti, daß wir die Miſſionsſache eifrig fördern ſollen, haben wir in allen den Stellen, in welchen er ſeiner Kirche gebietet, ſein Wort der Welt zu verkündigen: „Lehret alle Völker“, Matth. 28, 19. „Prediget das Evangelium aller Creatur“, Marc. 16, 15. Demnach iſt die Theilnahme an der Miſſion nicht etwas, das wir nach Belieben thun oder laſſen können. Sondern indem der HErr ſeiner ganzen Kirche dieſen Befehl gibt, ſo verpflichtet er damit auch jedes einzelne Glied derſelben, nach ſeinen Gaben und Kräften treulich dazu beizutragen daß das Wort Gottes allen Völkern gepredigt werde. Vor allen Dingen will nun der HErr, daß wir fleißig für die Miſſion beten. Darum ſchreibt er uns ſelbſt im heiligen Vaterunſer drei