Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 5 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-27, Seite 38

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hoffart 2 · Tod 3 · Werke 30 · Erziehungsmittel

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Was das ungariſche Volk anbelangt, ſo mag der
Chriſt es wohl bemitleiden, aber rechtfertigen darf
er's nicht, er würde ſonſt Revolution, die in
Gottes Wort ſchlechtweg verpönt iſt, rechtfertigen
müſſen. Das Wort des HErrn: ihr ſollt nicht
widerſtreben dem Uebel, iſt die Regel für einzelne
Perſonen ſowohl, als für ganze Völker, und wer
nicht von Amtswegen das Schwert trägt, darf es
nicht ergreifen, auch nicht unter dem Vorgeben,
ein vorenthaltenes Recht zu ſuchen, ſondern hier
gilt es, ſich unter Gottes Hand demüthigen und
ſeine Gnade bußfertig zu ſuchen. Wir wiſſen
wohl, daß wir mit dieſen Grundſätzen die geſammte
öffentliche Meinung wider uns haben; um ſo mehr
aber werden wir nicht aufhören, unſere Leſer zu
warnen, ſich auch in dieſem Stücke der Welt nicht
gleich zu ſtellen.

Der däniſche Krieg iſt zum großen Verdruß der
Schleswig⸗Holſieiner vorläufig durch einen Waf⸗
fenſtillſtand zwiſchen Preußen und Dänemark be⸗
endigt.

Dem König von Preußen ſcheint es in ſeinen
Beſtrebungen, ſich an die Spitze eines deutſchen
Staatenbundes zu ſtellen, wenigſtens ſoweit ge⸗
lungen zu ſein, daß er jetzt alle nördlichen Staa⸗
ten mit Ausnahme Oldenburgs auf ſeiner Seite
hat. Ihm gegenüber ſteht Oeſterreich mit Bayern
und Würtemberg, und es werden Verhandlungen
gepflogen, um eine friedliche Vereinbarung dieſes
nördlichen und ſüdlichen Bundes herbeizuführen.
In Kurzem ſoll ein Fürſtencongreß gehalten wer⸗
den, der die deutſche Frage zu einem endlichen
Abſchluß bringen ſoll.

Wenn Gerüchten zu glauben iſt, ſo zieht ſich
jetzt über die Schweiz ein gefährliches Gewitter
zuſammen. Die großen Herren ſollen es auf
nichts geringeres abgeſehen haben, als auf eine
Zerſtückelung und Vertheilung der Schweiz unter
ſich, um ſo den Herd republikaniſcher Ideen und
den Schlupfwinkel der deutſchen Republikaner im
Angeſicht Europas zu vertilgen.

Ein Teſtament.
(Siehe: Sonntagsblatt 1840, No. 41.)

„Es war ein Bürger geplagt mit einer eigenſin⸗
nigen und ſtolzen Frau, die nicht fürlieb nehmen
wollte mit dem, was ihr der Mann nach ſeinem
Vermögen gab, ſondern hoch herfahren und den
Reichſten gleich ſein wollte. Der arme Mann
wollte die Frau nicht erzürnen, ließ ſein Hand⸗
werk, ward ein Kaufmann und brachte groß
Geld und Gut mit Wucher und Betrug zuſam⸗
men. Nun lebte er mit ſeiner Frau in täglicher
Freude, Wolluſt und Kurzweil. Endlich pochte
Gott an, der Mann ward todtkrank. Die Frau
und ſeine Freunde vermahnten ihn, ein Teſtament
zu machen. Er ſprach aber, er hätte ſein Teſta⸗
ment ſchon gemacht. Sie ließen aber nicht ab.
Da willigte er ein und hub an vor Notarien und
Zeugen: „Zum erſten beſcheid ich zum Teſtament
meinen Leib und meine Seele dem Teufel und
allen hölliſchen Geiſtern ewiglich, mit ihnen im
Abgrund der Höllen zu brennen. Denen gehört
ſie.“ Die Frau ſprach: „Ei, Mann, ſeid Ihr

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thöricht? Wie redet Ihr alſo? Denkt' an den all⸗
mächtigen Gott!“ Er ſprach: „Ich bin nicht
thöricht. Wie ich geſagt habe, ſo muß es ge⸗
ſchehen. Da wird nichts Anders draus. Wem
ſollt' ich mich billiger befehlen, denn dem ich ge⸗
dient habe? Im Leben hab' ich mit Gott nichts
zu ihun gehabt.“ Die Frau ſprach: „Was wollt
Ihr denn mitmir machen?“ Da antwortete er:
„Du ſollſt mit mir brennen im hölliſchen Feuer
ewiglich.“ Die Frau ſchlug das Kreuz und
ſprach: „Da behüte mich Gott vor.“ Antwor⸗
tet er: „Was Gott? Gott hat mit dir nichts zu
ſchaffen. Du biſt eine Urſache geweſen, daß ich
mich dem Teufel um Geldes willen ergeben habe.
Ich konnte dich nie mit Schmuck und Kleidung
ſättigen und deiner Hoffahrt genug thun, mußte
mein ehrlich Handwerk laſſen und ein Kaufmann
werden, die Leute betrügen und übervortheilen in
Worten und Werken, Gewicht, Maaß und Elle.
Darum ſollſt du mit mir Theil haben im ewigen
Feuer. Da wird nichts Anderes draus.“ — Sein
Beichtvater, den er täglich über Tiſch hatte,
fragte ihn auch, was er haben ſollte zum Teſta⸗
mente? Da antwortete er: „Ihr ſollt auch mit
mir das Bwd der ewigen Trübſal eſſen im Ab⸗
grund der Hölle.“ Er ſprach: „Da ſei Gott
für.“ Da antwortete er: „Da hilft kein Segen
noch Hüten davor! Ihr ſeid in meinem Brod ge⸗
weſen und habt täglich meinen böſen, unchriſt⸗
lichen Handel geſehen und erkannt, und habt mich
nie darum geſtraft, weder heimlich noch offenbar;
ſondern Ihr habt geſchwiegen und gefürchtet, ich
würde Euch meines guten Tiſches entſetzen. Ihr
liebtet alſo Freſſerei mehr denn Gottes Gebot, und
Wolluſt mehr, denn die arme Seele, die Ihr hät⸗
tet mögen durch gute Vermahnung aus dem Ra⸗
chen des Teufels erretten. Darum ſollt Ihr auch
nimmermehr in Ewigkeit von meinem Tiſche ge⸗
ſchieden ſein, ſondern ewiglich mit mir eſſen im
Abgrund der Höllen. Da wird nichts Anderes
draus. Eine ſolche Arbeit will ſolchen Lohn
haben.“

Dieſe Geſchichte iſt nicht erdichtet. Es erzäh—
len ſie glaubhafie Männer: Johannes Anglicus,
Johannes Spangenberg im Cheſpiegel und Tho⸗
mas Rorer von Pruck. Laſſet euch warnen, ihr
Töchter Hevä! Ihr Söhne Adams, laßt euch war⸗
nen! Ihr Seelſorger, — ach, ſolltet: auch ihr der
Warnung bedürfen, — die ihr ſein ſollt ein Salz
der Erde! — HErr, entbinde deine Chriſtenheit
von ihren Laſtern! beteten unſere Väter! Knieet
nieder und betet gleich alſo!

Erzählt von Löhe.

*
*

„Dem aber, der nicht mit Werken umgehet,

glaubet aber an den, der die Gottloſen gerecht

utacht, dem wird ſein Glaube gerechnet zur
Gerechtigkeit.“ Röm. 4, 5.

St. Bernhard, Abt von Clairvaur, geſtorben
1153, gab ſich die äußerſte Mühe, alle Mönche
an Frömmigkeit zu übertreffen, und als er es da⸗
hin gebracht zu haben vermeinte, ſetzte er ſein
Vertrauen auf dieſe ſeine Frömmigkeit. Er
ſchreibt daher, einſt ſei ihm geweſen, als werde er

vor Gottes Richterſtuhl citirt und daſelbſt ange⸗
klagt als ein grober Uebertreter des göttlichen
Geſetzes. Da habe er geantwortet: „Ich habe
gethan, ſo viel ich konnte.“ Aber der
Satan habe ihm entgegnet: „Du hätteſt alles
thun ſollen. Verflucht iſt, wer nicht alle Worte
dieſes Geſetzes erfüllet, daß er darnach thue.“
5 Moſ. 27, 26. Da du nun dies nicht gethan
haſt, ſo haſt du Gottes Zorn verdient.“ Hier rief
Bernhard, in ſich zurückkehrend, aus: „Wehe
mir, ich habe verdammlich gelebtl“
Worauf Satan erwiederte: „So hat Gott Ru⸗
then und Strafen, womit er dir vergelten will.“

Bernhard: „Ach, gütiger Gott, zerſtoße, brenne,

ſchneide hier, ſchone nur in der Ewigkeit.“ Wie⸗
der rief der Satan: „Sowohl hier wie dort iſt
die Strafe zu tragen.“ Hier hielt nun Bernhard
lange inne und ſprach endlich, auf Chriſtum ſich
berufend: „Mein Chriſtus beſitzt das Himmel⸗
reich nach einem zwiefachen Rechte; erſtlich als
wahrer Gott nach dem Rechte ſeiner ewigen Ge⸗
burt, und zweitens als wahrer Menſch nach dem
Rechte ſeiner Erlöſung. Das erſte Recht über⸗
laſſe ich ihm, von dem anderen aber weiß ich, daß
er dasſelbe mit mir und allen Gläubigen theilen
will.“ Und ſo wand ſich Bernhard aus ſeiner
Anfechtung heraus.

O, lieber Leſer, der du ſelig werden willſt, merke
dir dieſes Beiſpiel des heiligen Bernhardus; leme,
wie er, an allen deinen, auch beſten, Werken ver⸗
zagen und des Bettlerrechtes dich bedienen, und
eigne dir durch den Glauben die Gerechtigkeit zu,
die Chriſtus nicht ſich, ſondern uns Menſchen er⸗
worben hat! Dies und kein anderer iſt der Weg,
auf welchem du ſelig werden kannſt.

(Eingeſandt von P. Sievers.)

Mittheilungen aus einem Briefe meines
Freundes vom 10. Juni dieſes Jahres.

Die Verhältniſſe Deutſchlands haben ſich ſei
unſerm letzten Briefwechſel um nichts gebeſſert;
es kann auch wohl nicht anders ſein, als daß die
Saat des Unrechts, die im Anfange der Revolu⸗
tion ſelbſt durch die gemäßigten, von der Nation
gefeierten, Männer, wie H. v. Gagern, Dahl⸗
mann, Uhland u. ſ. w. ausgeſtreut iſt, noch eine
reiche Ernte des Verderbens bringen wird.

Unumſtößlich klar muß es aber beſonders in
jetziger Zeit durch das Beiſpiel der genannten
Männer und vieler anderer werden, wie mit einer
bürgerlichen Rechtſchaffenheit nicht einmal durch
dieſe Welt, geſchweige denn in den Himmel zu
kommen iſt. — ö

Die politiſchen Zuſtände übergehe ich mit Still⸗
ſchweigen, zumal da ſie Dir doch durch die Zei⸗
tungen bekannt ſein werden; nicht überflüſſig
dagegen möchte es ſein, einiger kirchlichen Neue⸗
rungen zu gedenken. Bislang iſt die einzige
Frucht der Revolution für unſere hannoveriſche
Landeskirche, die ſchon in das praktiſche Leben
eingeführt iſt, das Inſtitut des Kirchenvor⸗
ſtands geweſen. Dieſer, beſtehend aus dem
oder den Ortspfarrern und mehreren von der Ge⸗
meinde frei gewählten Laien (wenigſtens vier, in

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