Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 5 › Seite 33
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-10-27, Seite 33
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4
Ber Lutheraner.
„Gottes Mlort und Kuthers Xehr' vergehet.nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Belligirt von C. F. 4W. Walther.
gZahrgang 6.
Hl. Louis, Mo., den 30. October 1849.
No. 5.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezahlen und das Poſtgeld N tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
E Nur die Briefe, welche
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
(Eingeſandt.)
Darf ein Chriſt ſich den ſogenannten geheimen
Geſellſchaften anſchließen?
(Schluß.)
P. Würdeſt du noch einen Augenblick in den
Geſellſchaften bleiben, wenn du dich dadurch der
Theilnahme am Götzendienſte ſchuldig
machteſtꝰ
C. Gott bewahre, wie kommſt du darauf?
Unſere Geſellſchaften haben ja nichts mit Religion
zu thun, wie können wir uns denn des Götzen⸗
dienſtes ſchuldig machen?
P. Ja, ſo geht's leider! Wir meinen immer
noch, der Teufel muß mit Hörnern, Pferdefuß
und Kuhſchwanz auftreten, ſonſt nehmen wir ihn
nicht dafür an. So kommt er aber nicht, denn
er weiß beſſer als wir's glauben, daß man ver⸗
geblich das Netz auswirft vor den Augen der
Vögel, Spr. 1, 17. Habt ihr nicht beſtimmte
Gebete in euren Verſammlungen, bei euren Be⸗
gräbniſſen, beſtimmte Ceremonien, beſtimmte Per⸗
ſonen, die ihr Propheten nennt, oder Prieſter oder
ſonſt wie, durch welche ihr die Gebete ſprechen,
und die Ceremonien verrichten laſſet?
C. Ja, aber ich begreife nicht, wie Beten und
Ceremonien einen zum Götzendiener machen können!
P. Je nachdem! Indeſſen hier kommt's nur
für's Erſte darauf an, ob eure Geſellſchaften mit
Religion etwas zu thun haben oder nicht; ob es
nicht religiöſe Geſellſchaften ſind. Denn wenn
ihr betet, ſo müßt ihr doch ein höheres Weſen an⸗
beten, und wenn ihr religiöſe Ceremonien habt, ſo
gehört auch ein Gott dazu, dem ihr damit dient;
oder treibt ihr dies Alles nur zum Scherz und
macht Narrenpoſſen daraus? Das wäre doch
eine zu greuliche Läſterung.
C. Wir haben ja freilich Gebete und Ceremo⸗
nien, aber es iſt mir noch nie eingefallen, daß
unſere Geſellſchaften dadurch eigne religiöſe
Geſellſchaften würden, denn wäre das, ſo hät⸗
ten wir uns dadurch von der Kirche
getrennt!
P. Ohne Zweifel, und das iſt auch der
Fall, obgleich es bei den chriſtlichen Gliedern
der Geſellſchaft noch nicht klar in's Bewußtſein
getreten ſein mag; daß aber die Geſellſchaften, als
Geſellſchaften, das recht gut wiſſen, das zeigen ſie
damit an, daß, wo ſie können, ſie ſich eigne Kirch⸗
höfe oder Begräbnißplätze einrichten, um ſo ganz
und gar ſich von der Kirche zu ſcheiden. Genug!
die Geſellſchaften haben als Geſellſchaften eigne
Gebete, eigne Ceremonien, einen eignen Gottes⸗
dienſt und gottesdienſtliche Perſonen, das kannſt
du nicht leugnen. Ihr habt alſo als Geſellſchaft
auch einen eignen Gott, den ihr anbetet und dem
ihr dienet.
C. Nun wenn auch, ſo kannſt du das doch noch
keinen Götzendienſt nennen.
P. Es fragt ſich nur: Welchen. Gott betet ihr
an? den Chriſtengott oder einen andern?
C. Welche Frage? es gibt doch nur einen
Gott, wen ſollten wir denn anbeten, als dieſen
Einen wahren Gott?
P. Das kommt mir gerade ſo vor, um ein
ſchlechtes Gleichniß zu nehmen, als wenn vor
einer Schützencompagnie eine Scheibe hingeſtellt
wäre, und der Hauptmann ſagte: Nun ſchießt
nur zu, Leute! Kümmert euch nicht darum, ob
ihr ins Blaue hineinſchießt; ihr ſeht ja, es iſt
nur Eine Scheibe da, ihr könnt alſo keine an⸗
dere treffen!
. C. Man kkönnte aber doch beizuſchießen —
P. So könntet ihr auch beizubeten, und
das Gebet, was den Einen wahren Gott nicht
zum Ziel hat und trifft, iſt eben Götzendienſt.
C. Es iſt aber doch ein Unterſchied, die Scheibe
ſteht an einem Ort und nimmt Einen gewiſſen
Raum ein, Gott iſt allenthalben, und was ſich
mir im Gebet erhebt, erhebt ſich zu Ihm, und
trifft Ihn.
P. Das iſt ein trefflicher Beweis, und zeigt
zur Genüge, wie du an Weisheit und Verſtandes⸗
ſchärfe in deinen Geſellſchaften zugenommen!
Denke doch nur nach, welch ein greulich Wort du
geſprochen. Nach deinem Glauben wäre es alles
einerlei, ob man Heide, Jude, Türke oder Chriſt
ſei, ſie beten ja alle den Einen Gott an. Und
das iſt auch der Glaube oder Wahnſinn der heu⸗
tigen Welt, die ſich noch chriſtlich nennt, aber in
ein kraſſes Heidenthum zurückgefallen iſt, und
nun erſt bei den noch etwa gläubigen Chriſten
Indifferentismus und Glaubensmengelei einzu⸗
ſchmuggeln ſucht, um ſie nach und nach in die
allgemeine Weltreligion hineinzuleiten; und das
iſt auch die Richtung und, wenn auch vielen un⸗
bewußt, der Zweck der Geſellſchaften.
C. Das habe ich damit keineswegs ſagen
wollen.
P. So haben ſich die Gedanken deines Her⸗
zens wider deinen Willen verrathen. Nach deiner
Anſicht muß der wahre Gott, der ſich in der hei⸗
ligen Schrift offenbart hat, ein Lügengötze ſein,
weil er gegen die Götzen und Götzendiener eifert.
Die Propheten und Apoſtel waren abſcheuliche
Narren, daß ſie um ihres Glaubens und ihrer
Predigt willen den Kopf ſich vor die Füße legen
ließen, und ſammt dem ganzen Heer der heiligen
Märtprer Gott durch ihren Tod prieſen. Dann
iſt's auch heute noch nicht allein die größte Thor⸗
heit, ſondern der grauſamſte Aberglaube, daß die
chriſtliche Kirche Miſſionäre ausſchickt, überhaupt
noch predigt, um die Heiden zu dem einen wah⸗
ren Gott zurückzuführen, den ſie verlaſſen haben,
und nun Götzen dienen. Denn es gibt nur Einen
Gott, der iſt allenthalben — alſo muß ein Jeder,
der überhaupt irgend etwas anbetet, den Einen
wahren Gott anbeten, und die verſchiedenen Re⸗
ligionen ſtehen ſich nicht wie Wahrheit und Lüge,
Gottesdienſt und Götzendienſt gegenüber, ſondern
ſind nur verſchiedene Anſchauungsweiſen des
Einen wahren Gottes, die ſich nach der geringern
oder höhern Erken niniß der verſchiedenen Völker
oder Perſonen auch verſchieden erweiſen, im
Grunde aber auf Eins herauskommen. Siehſt
du denn nicht, daß du ganz und gar wieder in
den allerſeichteſten und abſcheulichſten Rationalis⸗
mus zurückſinkſt, der noch viel greulicher iſt, als
der, den du durch Gottes Gnade in der Erkennt⸗
niß Chriſti verlaſſen und zu verabſcheuen gelernt
haſt? Es iſt ja freilich nur Ein Gott, und gibt
keine andere Götter, als nur den Einen, den alle
Creatur anbeten ſoll. Der Teufel leidet's aber
nicht, daß dieſem Einen Gott die Ehre gegeben
werde, die ihm zukommt. Deswegen hat er ja
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