Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 2 › Seite 16

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-18, Seite 16

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtenverfolgung · Leutheriſce airhe

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Bald aber mehrten ſich die Krämpfe und die
gefährlichen wäſſerigen Entleerungen, die keine
angewandten Mittel zu hemmen vermochten.
Da ward Kraft und Stimme ſchwächer; doch
vermochte er noch Amen zu ſagen auf kurze kräf⸗
tige Troſt⸗ und Kernſprche der heiligen Schrift
und Liederverslein, die ich ihm von Zeit zu Zeit
vorſagte, um ſeinen Glauben zu ſtärken und
die kämpfende Seele zu erquicken, als z. B.:
„Chriſtus iſt mein Leben und Sterben iſt mein
Gewinn“; „Ich bin die Auferſtehung und das
Leben“ ꝛc. „Wer mein Wort hält, der wird den
Tod nicht ſehen ewiglich.“ „Chriſti Blut und
Gerechtigkeit, das iſt mein Schmuck und Ehren⸗
kleid“ u. ſ. f. Eine beſondere Freude aber haite
er an dem Spruche 1 Tim. 1, 15.: „Das iſt je
gewißlich wahr und ein theuerwerthes Wort, daß
Chriſtus IEſus gekommen iſt in die Welt, die
Sünder ſelig zu machen“; bei dieſen letzten Wor⸗
ten verklärte ſich ſein Geſicht und die folgenden:
„unter welchen ich der vornehmſte bin“, ſprach
er noch mit vernehmlicher Stimme mit. Spä⸗
ter trug er mir noch auf, ſeine Braut zu grüßen;

und als er nicht mehr ſprechen konnte, da neigte
er noch mehrmals leiſe das Haupt, um dadurch
ſein Amen zu dem Troſte des Evangeliums zu
bezeugen. Als ſein Ende herzunahte, ſo richtete
er ſeine Augen gerade gen Himmel und entſchlief
ſauft und ſeliglich in ſeinem HErrn und Hei⸗
land.

Dreimal hatte ich oben im Kämmerlein zum
HErrn geſchrieen, daß, wenn es möglich wäre,
dieſer Kelch an uns vorüberginge, konnte aber
doch meine Seele mit und in der dritten Bitte
ſtillen; und dieſer gute gnädige Gotteswille allein
iſt es, der auch jetzt unſer aller Herzen beruhi⸗
gen kann.

Tags darauf wurden die geliebten Ueberreſte,
nachdem wir uns noch alle an dem tiefen, ſtillen
Gottesfrieden, der auf ſeinem Angeſichte lag, lieb⸗
lich erquickt hatten, unter herzlichem Beileid der
herzugeſtrömten Gemeinde, unter einem Pfirſich⸗
baum im Seminargarten kirchlich beſtattet, und
am 13. Sonntag nach Trinitatis ſeine Leichen⸗
predigt gehalten über Offenb. 14, 13.:

„Selig ſind die Todten, die in dem HErrn
ſterben, von nun an; ja der Geiſt ſpricht,
daß ſie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre
Werke folgen ihnen nach.“

Eine mächtige Bewegung und Erſchütterung
ging hin und her durch die ganze Gemeinde, und
viele aufrichtige Thränen floſſen ſeinem Anden⸗
ken; denn meine Kirchkinder hatten ihn alle herz⸗
lich lieb.

Meinem und meiner jungen Freunde Herzen
aber iſt durch ſeinen Abſchied eine tiefe Wunde
geſchlagen, die nur durch die gläubige Ergebung
in Goties Willen und durch die fröhliche Hoffnung
geheilt wird, ihn, ſo wir anders im Glauben be⸗
harren, dereinſt bei dem HErrn wiederzufinden
und uns daſelbſt nach kurzer Trennung mit ihm
in dem Anſchauen Goites ewiglich zu freuen mit
unausſprechlicher und herrlicher Freude und das
Ende unſeres Glaubens davon zu bringen, der
Seelen Seligkeit.

So diene denn dieſer Todesberichi allen aus⸗
wärtigen Amtsbrüdern, ſonderlich aber denen zur
Nachricht, die vormals Schüler und Zöglinge des
Entſchlafenen waren, aus vertrauterem Umgange
ihn auch kennen, lieben und achten gelernt hatten
und theilweis noch in brieflicher Gemeinſchaft mit
ihm ſtanden.

Gleichſam in Vorahnung ſeiner baldigen Heim⸗
fahrt und angeregt durch Luther's Rath in ſeinem
Sermon von Bereitung zum Sterben, hatte er
noch am Tage vor ſeinem Abſchiede ſeinen letzten
Willen aufgeſetzt, darin ſich auch ſeine Liebe zum

— 16 —
Seminar ſonderlich kundgibt; denn über die Hälfte
ſeines kleinen Vermögens, desgleichen Pferd und
andere Sachen, hat er darin dieſem ſeinem lieben
Pflegekinde vermacht.

Der Schluß ſeines Teſtamentes lautet alſo:
„Nun befehle ich alle die Lieben, welche ich lebend
hinter mir zurücklaſſe, in die Vaterneue und Ob⸗
hut unſeres Gottes, der ihnen und mir ſeinen ge⸗
liebten eingebornen Sohn zum Heilande und
Seligmacher gegeben hat, an den ich glaube und
durch den ich auch alleine, aber durch ihn auch
ganz gewiß, verhoffe ſelig zu werden; denn das
iſt je gewißlich wahr und ein theures, werthes
Wort, daß IEſus Chriſtus in die Welt gekom⸗
men iſt, die Sünder ſelig zu machen, unter
welchen ich der vornehmſte bin.“

Der HErr laſſe uns alle ſterben den Tod dieſes
Gerechten und unſer Ende ſein wie ſein Ende.
Amen. W. Sihler,

luth. Paſtor und Lehrer am Seminar.

Ein jeglicher ſehe nicht auf das Seine, ſondern

auf das, das des Andern iſt. Phil. 2, 4.

Im ſiebenjährigen Kriege wurde ein Rinmeiſter
befehligt, zu fouragiren Cauf Fütterung auszu⸗
gehen). Er reitet an der Spitze ſeiner Compagnie
ab, und begibt ſich in die Gegend, die ihm ange⸗
wieſen war. Dies war ein einſames Thal, worin
man nichts als Holz und Geſträuch erblickte. Er
wird da eine armſelige Hütte gewahr, klopft an,
es kommt ein alter Mann mit weißem Bart aus
derſelben heraus. „Vater“, ſagt der Offizier zu
ihm, „kommt mit und zeigt mir ein Feld, wo
meine Leute Futter für die Pferde kriegen kön⸗
nen.“ — „Gleich den Augenblick“, erwiederte der
Alte. Und nun ging er mit ihnen ins Thal hinab.
Nachem ſie eine Weile marſchirt ſind, kommen ſie
zu einem ſchönen Gerſtenfeld. „Nun, da haben
wir ja, was wir ſuchen“, ſagt der Rittmeiſter.
„Warten Sie nur noch einen Augenblick“, ſagt
ſein Führer zu ihm, „Sie werden gewiß zufrieden
ſein.“— Sie marſchiren noch weiter, und kommen
an ein anderes Gerſtenfeld. Die Reiter ſteigen
ab, mähen das Getraide, binden es in Bündel
und ſetzen ſich wieder zu Pferde. Hierauf ſagt
der Rittmeiſter zu ſeinem Führer: „Guter Alter,
Ihr habt uns ohne Noth ſo weit reiten laſſen, das
erſte Feld war beſſer als dies.“ „Das iſt wohl
wahr“, antwortete der Greis, „aber das ge⸗
hörte ja nicht mir, wohl aber das, wo—
hin ich Sie geführt habe.“

Gedenke des Sabbathtags, daß du ihn hei⸗
ligeſt. 2 Moſ. 20, 8.

Der Großvater des letzwerſtorbenen Herzogs
von Braunſchweig war ein großer Freund von der
Jagd, und beſuchte in dieſer Hinſicht nicht ſelten
den wildreichen Harz. Dies geſchah auch einmal
an einem Sonntage, obgleich laut ſeiner eignen
Edicte das Jagen am Sonntage bei harter
Geldſtrafe verboten war. Indeß wollte es der
alte Herzog dennoch bei ſeinem Prediger in Blan⸗
kenburg, in deſſen Umgebungen die Jagd gehal⸗
ten ward, gleichſam dadurch wieder gut machen,
daß er noch am nämlichen Sonntage den Gottes⸗
dienſt beſuchte, ob er gleich ein wenig zu ſpät kam.
Er fürchtete deshalb wirklich die, wenn auch ver⸗
ſieckten, Beſtrafungen ſeines Conſiſtorialraths,
deren er ſchon gewohnt war; allein diesmal ſchwieg
derſelbe, und der Herzog glaubte am Ende der Pre⸗
digt allen Verweiſen entgangen zu ſein, als der
Conſiſtorialrath das weitläufige Ediet des Her⸗
zogs gegen die Sabbathſchänder hewor⸗
zog, und es nebſt den darin enthaltenen Strafge⸗
ſetzen wörtlich ablas. Der Herzog, ein von Natur
milder Mann, nahm dies dem Geiſtlichen nicht
übel, ſondern ſandte vielmehr dem Prediger die

Strafgelder ſelbſt zu, die er laut des Ediets wegen
der am Sonntage geübten Jagd zu bezahlen hatte.
Der Geiſtliche nahm die Gelder an, und ſandte
ſeinem Landesherrn eine Quittung des Inhalts
zu: „daß er die von Sr. Durchlaucht wegen des
Jagdunfuges am Sonntage von Rechtswegen zu
erlegenden Strafgelder richtig empfangen habe'.

Kirchliche Nachricht. x

Zu un ſerer großen Freude können wir die lie
ben Leſer hierdurch benachrichtigen, daß die durch
den Tod des theuren Bruders Buttermann ver⸗
waiſ't gewordene Gemeinde zu Cheſter, Randolph
Co., Illinois, nun wieder mit einem Hirten ver⸗
ſorgt iſt. Selbige hat nemlich den Candidaten

Herrn Michagel Eirich, der bis zur jüngſt g⸗

haltenen Synodalverſammlung ſeine theologiſchen
Studien im Fort Wayner Seminar vollendet und
in derſelben oͤffentlich ſein Eramen pro Candida-
tura beſtanden hatte, zu des ſeligen Buttermanns
Nachfolger im Amte erwählt, worauf der Beru⸗
fene am 10. d. M. von P. Lehmann, unter
Aſſiſtenz des P. Straſen, zu Cheſter mit Ver⸗
pflichtung auf unſere Symbole ordinirt und in
ſein Amt eingewieſen worden iſt. Möge der liebe
Eirich, was ſein treuer Vorgänger gepflanzt,
ebenſo treulich begießen, der HErr aber ſein Ge⸗
deihen geben und ſo beide einſt eine reiche Ernte
halten laſſen.

Conferenz⸗Anzeige.

Die St. Louis Diſtrict⸗Predigerconferenz hält

ihre diesjährige Verſammlung in St. Louis vom

12. bis 15. nächſten Monats. Dies den Be⸗
treffenden zur Nachricht.

Bücher und Pamphlets zu haben in der Erpedition
des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſt. ö

Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗
veränderter Abdrukk ). 50.10
Das Dutzend P1.00. Hunderi Stück §7.00.
Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im
Jahre 1703 der ev.-lutheriſchen Religion halber
mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern ihr Vater⸗
land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat.
Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück r1.00.
Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum
Sterben“
Die Verfaſſung der deuiſchen ev.⸗luth.
Spynode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten
nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗
merfungen. —.—..—.—.—.—.—
Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück Pl.00.
Erſter Synodalbericht der deutſchen cv.-luih.
Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten

0.0⁵

. ...... *

Dritter Jahrgang des Lutheraner v. 1846
847. No. 8—26
Vierter do. v. 1847—1848 (vollſt.). .
(Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.)
Chriſtliches Concordien buch, d. i. Symbol.
Bücher der ev.-Iuth. Kirche, New Norker Aus⸗
gabe, in elſche Leder gebunden
Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern
über den Meihodismus, (in Pamphlei⸗
form) 2 Stück..——.—.—.—
Dr. M. Luthers Tractat von der wahren
Kirche (aus No. 9. des Lutherauer beſonders
abgedruckt), 2 Stück..
Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten
über die Evangelien auf die Sonn⸗ und Feſt-
tage des ganzen Jahres, New Rorier Ausgabe,
gebunden in Kalbleder. 2..
Kirchengeſangbuch für ev.⸗-luth. Gemein⸗
den, verlegi v. d. hieſ. ev.⸗-luih. Gemeindt
U. A. C., gebunden das Stüb

—1847. No. 8P..

1.25

0.⁰

0.0⁵

2222.**

100 Suict 862.50 gegen Baarzahlung.
A B C Buch, New Rorter Ausgabe, das Stück.. 0.10
Im Dutzend..

0
Der Hirtenbrief des Herm Paſtors Grabau zu
Buffalo (in No. 17. des Luihrraner ausführ⸗
licher angezeigt) 0.25
(Die in No. 21—25 des vor. Jahrg. enthaltent Preisan⸗
gabt von letzterm iſt ein Druckfehler.)

Gedruckt bei Arthur Olshaufen,
Heranzgeber des Aneiger des Weßens,

. .. 5„*

0.05 3

English translation

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