Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 2 › Seite 11
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-18, Seite 11
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 12 · Recht in der Kirche haben und die Laien den · Kirche. r · rutheriſche ainche 1 · rutheriſche ainche 2 · Paſtor 5
Religion oder eine neue Kirche, oder auch nur
mitten in der Chriſtenheit eine beſondere Par⸗
thei zu ſtiften, die ſeinen Namen tragen, unter
einer beſonderen Conſtitution beſtehen und etwa,
wie die herrnhutiſche und methodiſtiſche Parthei,
durch einen beſonderen Eifer ſich auszeichnen und
ſo, in ſich abgeſchloſſen, auf die anderen ſoge⸗
nannten Benennungen und kirchlichen Verfaſ⸗
ſungen belebend einwirken ſollte. Nein, Luther
glaubte nach Gottes Wort, daß trotz aller Greuel
des Pabſtthums, mit denen er alles bedeckt ſah,
ſich die wahre allgemeine Kirche fort und fort er⸗
halten habe; er war daher nur bemüht, die Feſ⸗
ſeln ſprengen zu helfen, in welche die Kirche ge⸗
rathen war, und den Schutt von Menſchenlehren
hinwegräumen zu helfen, welcher ſie bisher be⸗
deckt hatte. Er ſelbſt wollte nur ein Glied und
ein Lehrer dieſer Kirche ſein und zu ihr wies er
auch alle hin, denen er mündlich und ſchriftlich
predigte. Weit entfernt, von dieſer alten allge⸗
meinen Kirche ſich ſondern und abtrünnig wer⸗
den und andere aus derſelben herausführen zu
wollen, ſo wollte er vielmehr in derſelben bleiben
und forderte auch jedermann zum Bleiben in der⸗
ſelben ernſtlich auf. Wir haben ſchon öfters
deutliche Zeugniſſe für dieſe Behauptung aus
Luthers Feder beigebracht.“) Zum Ueberfluß thei⸗
iſt uns darum ſehr feind“, ſchreibt der Gottes⸗
mann in ſeiner Auslegung des 1. B. Moſe, „daß
man von uns ſaget, wir ſeien von der alten
Kirche abgefallen; wiederum rühmen ſich die
Papiſten, daß ſie bei der Kirche geblieben ſeien
und derſelben Urtheil und Erkenntniß alles unter⸗
werfen wollen. Man klaget uns aber mit Unrecht
an. Denn ſo wir die Wahrheit bekennen wol⸗
len, ſo ſind wir vom Wort abgefallen geweſen,
da wir noch in ihrer Kirche geweſen ſind; nun
aber haben wir. uns wieder zum Wort begeben
und ſind nicht mehr Abtrünnige. Und ob ſie uns
wohl den Namen der Kirche, wie ſie meinen,
abrauben, ſo behalten wir doch das Wort und
rechten Kirche.“ (Werke. I, 839. Ueber Gen. 7, 24.)
A. Da nun wir Lutheraner keine beſondere
Parthei bilden und keine Kirche in der Kirche
(ecclesiola in ecclesia) ſein wollen, ſondern uns
allein zu der alten allgemeinen chriſtlichen Kirche
bekennen, und Glieder allein dieſer ſein und nur
zu ihr uns gerechnet wiſſen wollen, ſo meinen
wir auch, wenn wir von unſerer luthe⸗
riſchen Kirche reden, keine andere und
können keine andere meinen, als die
Eine heilige allgemeine chriſtliche
Kirche. Geben wir aber unſerer lutheriſchen
Kirche dieſen hohen Namen, ſo wollen wir da⸗
mit nicht ſagen, daß die Geſammtheit aller der
Leute, welche ſich lutheriſch nennen, auch nicht,
daß die Geſammtheit aller derer, welche mit dem
lutheriſchen Namen auch den lutheriſchen Glau⸗
ben haben, die wahre alleinſeligmachende“)
X*) Siehe: „Lutheraner“, Jahrgang 3, No. 2 und 3.
) Schon das faſt nur von Katholiken gebrauchte Wort:
„alleinſeligmachende Kirche“, iſt ſehr mißverſtändlich, in⸗
dem es nicht nur Chriſto, dem einigen Seligmacher, die
len wir unſern Leſern noch folgendes mit: „Man
durch dasſelbige allen Schmuck und Zierde der
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Kirche ſei. Mit den heuchleriſchen Leuten, die
den Namen lutheriſch führen und doch den luthe⸗
riſchen Glauben nicht haben, haben wir gar
nichts zu thun; und was diejenigen betrifft,
welche den lutheriſchen Namen mit der That tra⸗
gen, ſo achten wir dieſe nicht für die Kirche, ſon⸗
dern allein für Glieder, für Theile derſelben und
die aus denſelben beſtehenden Gemeinſchaften
allein für Zweige der wahren Kirche oder Parti⸗
cularkirchen.
Dies iſt unſer Bekenntniß. Schreibt man un
nun deswegen einen excluſiven Charakter zu, ſo
geſtehen wir gern und willig ein, daß wir in ſol⸗
chem Sinne allerdings excluſiv ſind; und warum
wir dieſen Charakter uns auch ferner durch Gottes
Gnade als die einzig rechte Katholicität zu be⸗
wahren gedenken, darüber wollen wir, ſo Gott
will, in nächſter Nummer ſagen.
Die Sache der Miſſion betreffend.
Bericht der Committee, die zum Zweck
der Unterhandlung mit der Miſſions⸗
Geſellſchaft zu Ann-Arbor, Mich., we—
gen Uebergabe der Miſſionsſtation
Siboying von der deutſchen evange—
liſch-lutheriſchen Synode von Miſ—
ſouri, Ohio u. a. St. ernannt
worden iſt.
Ehrwürdige Synode!
Durch die gnädige Hilfe unſeres treuen Gottes
ſind wir bereits in den Stand geſetzt, daß wir über
die Ausführung. des uns gegebenen Auftrages:
„im Namen der Synode mit der Miſſions⸗
„Committee zu Ann⸗Arbor, Mich., wegen
„der von ihr angebotenen Uebergabe der Miſ⸗
„ſions⸗Station Siboying zu verhandeln“
folgenden erfreulichen Bericht erſtatten können.
Als wir auf unſerer Rückreiſe von der Syno⸗
dalverſammlung zu Fort Wayne bis nach Mon⸗
roe gekommen waren, fanden wir daſelbſt nicht
nur eine dringende Einladung des Herrn Paſtor
Schmidt von Ann⸗Arbor vor, in genannter
Ehre zu rauben ſcheint, ſondern auch auf die Gedanken
führt, als mache die bloße äußerliche Gemeinſchaft mit der
wahren Kirche ſchon ſelig, während doch der Heiland deut⸗
lich erklärt, daß in dieſer Welt das Unkraut mitten unter
dem Weizen ſtehe, daß alſo auch Heuchler und Gottloſe
mitten in der Kirche ſind. Wir pflegen daher nicht, uns
dieſes Ausdrucks zu bedienen. In einem gewiſſen Sinne
kann jedoch allerdings von einer ſeligmachenden und ſelbſt
einer alleinſeligmachenden Kirche geredet werden; denn ob⸗
wohl Chriſtus allein uns ſelig macht, inſofern er allein
uns die Seligkeit erworben hat, ſo kann man doch in ande⸗
rer Beziehung noch von vielen anderen Dingen ſagen, daß
auch ſie uns ſelig machen. Man kann ſagen: Der Glaube
macht ſelig, indem er die von Chriſto erworbene Selig⸗
keit ergreift; das Wort Gottes macht ſelig, indem es dit
Seligkeit verkündigt, bringt und wirket; die heiligen
Sacramenie, Taufe und Abendmahl, machen ſelig, indem
ſie die Seligkeit anbieten, mittheilen und verſiegeln; der
Prediger macht ſelig, indem er dieſe Gnadenmittel verwal⸗
tet: ſo kann man auch ſagen, die Kirche mache ſelig, indem
in ihr allein Chriſtus mit ſeinen Gnadenmitteln zu finden
iſt, in welchem Sinn man mit Recht ſagt: Extra eccle-
siam non est salus, d. i.: Außer der Kirche iſt kein Heil;
oder, wie Cyprian ſchreibt: Non habet Deum patrem,
qui non habet ecclesiam matrem, d. i.: Gott hat nicht
zum Vater, wer die Kirche nicht hat zur Mutter.
Angelegenheit zu ihm zu kommen, ſondern trafen
auch Herrn Miſſionar Auch, der es herzlich be⸗
dauerte, durch widrige Winde verſpätet worden
zu ſein, ſo daß er nicht mehr zeitig genug zu un⸗
ſerer Verſammlung nach Fort Wayne hätte kom⸗
men können. Auch er wünſchte ſehr, daß wir die
günſtige Gelegenheit ergreifen und ſogleich mit
ihm nach Ann⸗Arbor gehen möͤchten, welches wir
nach reiflicher Ueberlegung für das Zweckmäßigſte
erkennen mußten. Da nun der außer dem Schrei⸗
ber dieſes und dem Paſtor Sievers zum Com⸗
mittee⸗Mitglied ernannte Bruder Gräbner nicht
zugegen war, ergänzten wir uns durch Bruder
Hattſtädt und brachen Donnerstag, den 21. Juni,
nach Ann⸗Arbor auf. Sonntag, den 24., fanden
die öffentlichen Verhandlungen zwiſchen uns und
der dortigen Miſſions⸗Committee ſtatt, welche
Committee aus Herrn Paſtor Schmidt und ſechs
ſeiner Gemeindevorſteher zuſammengeſetzt war.
Da man ſich von Seiten derſelben einmüthig da⸗
hin ausſprach, die Station Siboying, wenn es in
ordentlicher Weiſe geſchehen könne, unſerer Synode
übergeben zu wollen, und da Herr Miſſionar Auch
zugleich im Namen ſeines Collegen, des Herrn
Miſſionar Mayer, erklärte, daß ſie beide ſich mit
Freuden an unſere Synode anſchliehen würden:
ſo legten wir die Bedingungen vor, unter denen
ſich die Synode zur Uebernahme bereit erklärt
hatte, daß nemlich die Miſſion unter Leitung und
Aufſicht unſerer Miſſions⸗Commiſſion geführt
werden müſſe und zwar auf Grund der heilſamen
Lehre, die aus dem geſammten Worte Gottes, als
der einzigen Regel und Richtſchnur des Glaubens
und Lebens, in unſern in der Concordia von
1580 enthaltenen Symbolen lauter und rein dar⸗
gelegt iſt, zu welchen ſämmtlichen Symbolen
unſerer theuren lutheriſchen Kirche ſich die Miſ⸗
ſionare nicht nur ohne Rückhalt zu verpflichten,
ſondern ſich auch vor ihrem förmlichen Eintritt
in unſere Synode einem Colloquium zu unter⸗
werfen hätten. Da die beſagte Miſſions⸗Com⸗
mittee ihrerſeits zunächſt nur im Auge hatte, daß
durch gemeinſames Wirken die Miſſion auf dem
hieſigen Arbeitsfelde mehr aufblühen und erſtar⸗
ken möchte, ſo wies ſie uns mit dieſen Bedingun⸗
gen, die ihr jedoch kein Hinderniß waren, die
Miſſionsſtation Siboying unſerer Synode zu
überlaſſen, an ihre bisherigen Miſſionare Auch
und Mayer. Miſſionar Auch, der öffentlich und
feierlich vor der Committee erklärte, daß er und
ſein College, und zwar durch keinerlei menſchliche
Ueberredung, ſondern durch treues Studium
unſerer ſymboliſchen Bücher zu der Ueberzeugung
gekommen ſeien, daß nur die lutheriſche Kirche
den ſeligmachenden Glauben lauter und rein be⸗
kenne, während die andern kirchlichen Benennun⸗
gen wider die klare Schrift ſeelen verderbliche Irr⸗
thümer feſthielten, die es, ſo lange ſie feſtgehalten
würden, unmöglich machten, mit ihnen in glau⸗
bensbrüderlicher Gemeinſchaft zu ſtehen — gab
hierauf in ſeinem und ſeines Collegen Namen den
runden Beſcheid, daß er mit den geſtellten Be⸗
dingungen, die ganz im Einklang mit unſerer
von ihnen bereits geprüften Synodalverfaſſung
wären, völlig einverſtanden ſei. Die nun folgende
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