# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 18_S16 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Bald aber mehrten ſich die Krämpfe und die gefährlichen wäſſerigen Entleerungen, die keine angewandten Mittel zu hemmen vermochten. Da ward Kraft und Stimme ſchwächer; doch vermochte er noch Amen zu ſagen auf kurze kräf⸗ tige Troſt⸗ und Kernſprche der heiligen Schrift und Liederverslein, die ich ihm von Zeit zu Zeit vorſagte, um ſeinen Glauben zu ſtärken und die kämpfende Seele zu erquicken, als z. B.: „Chriſtus iſt mein Leben und Sterben iſt mein Gewinn“; „Ich bin die Auferſtehung und das Leben“ ꝛc. „Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht ſehen ewiglich.“ „Chriſti Blut und Gerechtigkeit, das iſt mein Schmuck und Ehren⸗ kleid“ u. ſ. f. Eine beſondere Freude aber haite er an dem Spruche 1 Tim. 1, 15.: „Das iſt je gewißlich wahr und ein theuerwerthes Wort, daß Chriſtus IEſus gekommen iſt in die Welt, die Sünder ſelig zu machen“; bei dieſen letzten Wor⸗ ten verklärte ſich ſein Geſicht und die folgenden: „unter welchen ich der vornehmſte bin“, ſprach er noch mit vernehmlicher Stimme mit. Spä⸗ ter trug er mir noch auf, ſeine Braut zu grüßen; und als er nicht mehr ſprechen konnte, da neigte er noch mehrmals leiſe das Haupt, um dadurch ſein Amen zu dem Troſte des Evangeliums zu bezeugen. Als ſein Ende herzunahte, ſo richtete er ſeine Augen gerade gen Himmel und entſchlief ſauft und ſeliglich in ſeinem HErrn und Hei⸗ land. Dreimal hatte ich oben im Kämmerlein zum HErrn geſchrieen, daß, wenn es möglich wäre, dieſer Kelch an uns vorüberginge, konnte aber doch meine Seele mit und in der dritten Bitte ſtillen; und dieſer gute gnädige Gotteswille allein iſt es, der auch jetzt unſer aller Herzen beruhi⸗ gen kann. Tags darauf wurden die geliebten Ueberreſte, nachdem wir uns noch alle an dem tiefen, ſtillen Gottesfrieden, der auf ſeinem Angeſichte lag, lieb⸗ lich erquickt hatten, unter herzlichem Beileid der herzugeſtrömten Gemeinde, unter einem Pfirſich⸗ baum im Seminargarten kirchlich beſtattet, und am 13. Sonntag nach Trinitatis ſeine Leichen⸗ predigt gehalten über Offenb. 14, 13.: „Selig ſind die Todten, die in dem HErrn ſterben, von nun an; ja der Geiſt ſpricht, daß ſie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Eine mächtige Bewegung und Erſchütterung ging hin und her durch die ganze Gemeinde, und viele aufrichtige Thränen floſſen ſeinem Anden⸗ ken; denn meine Kirchkinder hatten ihn alle herz⸗ lich lieb. Meinem und meiner jungen Freunde Herzen aber iſt durch ſeinen Abſchied eine tiefe Wunde geſchlagen, die nur durch die gläubige Ergebung in Goties Willen und durch die fröhliche Hoffnung geheilt wird, ihn, ſo wir anders im Glauben be⸗ harren, dereinſt bei dem HErrn wiederzufinden und uns daſelbſt nach kurzer Trennung mit ihm in dem Anſchauen Goites ewiglich zu freuen mit unausſprechlicher und herrlicher Freude und das Ende unſeres Glaubens davon zu bringen, der Seelen Seligkeit. So diene denn dieſer Todesberichi allen aus⸗ wärtigen Amtsbrüdern, ſonderlich aber denen zur Nachricht, die vormals Schüler und Zöglinge des Entſchlafenen waren, aus vertrauterem Umgange ihn auch kennen, lieben und achten gelernt hatten und theilweis noch in brieflicher Gemeinſchaft mit ihm ſtanden. Gleichſam in Vorahnung ſeiner baldigen Heim⸗ fahrt und angeregt durch Luther's Rath in ſeinem Sermon von Bereitung zum Sterben, hatte er noch am Tage vor ſeinem Abſchiede ſeinen letzten Willen aufgeſetzt, darin ſich auch ſeine Liebe zum — 16 — Seminar ſonderlich kundgibt; denn über die Hälfte ſeines kleinen Vermögens, desgleichen Pferd und andere Sachen, hat er darin dieſem ſeinem lieben Pflegekinde vermacht. Der Schluß ſeines Teſtamentes lautet alſo: „Nun befehle ich alle die Lieben, welche ich lebend hinter mir zurücklaſſe, in die Vaterneue und Ob⸗ hut unſeres Gottes, der ihnen und mir ſeinen ge⸗ liebten eingebornen Sohn zum Heilande und Seligmacher gegeben hat, an den ich glaube und durch den ich auch alleine, aber durch ihn auch ganz gewiß, verhoffe ſelig zu werden; denn das iſt je gewißlich wahr und ein theures, werthes Wort, daß IEſus Chriſtus in die Welt gekom⸗ men iſt, die Sünder ſelig zu machen, unter welchen ich der vornehmſte bin.“ Der HErr laſſe uns alle ſterben den Tod dieſes Gerechten und unſer Ende ſein wie ſein Ende. Amen. W. Sihler, luth. Paſtor und Lehrer am Seminar. Ein jeglicher ſehe nicht auf das Seine, ſondern auf das, das des Andern iſt. Phil. 2, 4. Im ſiebenjährigen Kriege wurde ein Rinmeiſter befehligt, zu fouragiren Cauf Fütterung auszu⸗ gehen). Er reitet an der Spitze ſeiner Compagnie ab, und begibt ſich in die Gegend, die ihm ange⸗ wieſen war. Dies war ein einſames Thal, worin man nichts als Holz und Geſträuch erblickte. Er wird da eine armſelige Hütte gewahr, klopft an, es kommt ein alter Mann mit weißem Bart aus derſelben heraus. „Vater“, ſagt der Offizier zu ihm, „kommt mit und zeigt mir ein Feld, wo meine Leute Futter für die Pferde kriegen kön⸗ nen.“ — „Gleich den Augenblick“, erwiederte der Alte. Und nun ging er mit ihnen ins Thal hinab. Nachem ſie eine Weile marſchirt ſind, kommen ſie zu einem ſchönen Gerſtenfeld. „Nun, da haben wir ja, was wir ſuchen“, ſagt der Rittmeiſter. „Warten Sie nur noch einen Augenblick“, ſagt ſein Führer zu ihm, „Sie werden gewiß zufrieden ſein.“— Sie marſchiren noch weiter, und kommen an ein anderes Gerſtenfeld. Die Reiter ſteigen ab, mähen das Getraide, binden es in Bündel und ſetzen ſich wieder zu Pferde. Hierauf ſagt der Rittmeiſter zu ſeinem Führer: „Guter Alter, Ihr habt uns ohne Noth ſo weit reiten laſſen, das erſte Feld war beſſer als dies.“ „Das iſt wohl wahr“, antwortete der Greis, „aber das ge⸗ hörte ja nicht mir, wohl aber das, wo— hin ich Sie geführt habe.“ Gedenke des Sabbathtags, daß du ihn hei⸗ ligeſt. 2 Moſ. 20, 8. Der Großvater des letzwerſtorbenen Herzogs von Braunſchweig war ein großer Freund von der Jagd, und beſuchte in dieſer Hinſicht nicht ſelten den wildreichen Harz. Dies geſchah auch einmal an einem Sonntage, obgleich laut ſeiner eignen Edicte das Jagen am Sonntage bei harter Geldſtrafe verboten war. Indeß wollte es der alte Herzog dennoch bei ſeinem Prediger in Blan⸗ kenburg, in deſſen Umgebungen die Jagd gehal⸗ ten ward, gleichſam dadurch wieder gut machen, daß er noch am nämlichen Sonntage den Gottes⸗ dienſt beſuchte, ob er gleich ein wenig zu ſpät kam. Er fürchtete deshalb wirklich die, wenn auch ver⸗ ſieckten, Beſtrafungen ſeines Conſiſtorialraths, deren er ſchon gewohnt war; allein diesmal ſchwieg derſelbe, und der Herzog glaubte am Ende der Pre⸗ digt allen Verweiſen entgangen zu ſein, als der Conſiſtorialrath das weitläufige Ediet des Her⸗ zogs gegen die Sabbathſchänder hewor⸗ zog, und es nebſt den darin enthaltenen Strafge⸗ ſetzen wörtlich ablas. Der Herzog, ein von Natur milder Mann, nahm dies dem Geiſtlichen nicht übel, ſondern ſandte vielmehr dem Prediger die Strafgelder ſelbſt zu, die er laut des Ediets wegen der am Sonntage geübten Jagd zu bezahlen hatte. Der Geiſtliche nahm die Gelder an, und ſandte ſeinem Landesherrn eine Quittung des Inhalts zu: „daß er die von Sr. Durchlaucht wegen des Jagdunfuges am Sonntage von Rechtswegen zu erlegenden Strafgelder richtig empfangen habe'. Kirchliche Nachricht. x Zu un ſerer großen Freude können wir die lie ben Leſer hierdurch benachrichtigen, daß die durch den Tod des theuren Bruders Buttermann ver⸗ waiſ't gewordene Gemeinde zu Cheſter, Randolph Co., Illinois, nun wieder mit einem Hirten ver⸗ ſorgt iſt. Selbige hat nemlich den Candidaten Herrn Michagel Eirich, der bis zur jüngſt g⸗ haltenen Synodalverſammlung ſeine theologiſchen Studien im Fort Wayner Seminar vollendet und in derſelben oͤffentlich ſein Eramen pro Candida- tura beſtanden hatte, zu des ſeligen Buttermanns Nachfolger im Amte erwählt, worauf der Beru⸗ fene am 10. d. M. von P. Lehmann, unter Aſſiſtenz des P. Straſen, zu Cheſter mit Ver⸗ pflichtung auf unſere Symbole ordinirt und in ſein Amt eingewieſen worden iſt. Möge der liebe Eirich, was ſein treuer Vorgänger gepflanzt, ebenſo treulich begießen, der HErr aber ſein Ge⸗ deihen geben und ſo beide einſt eine reiche Ernte halten laſſen. Conferenz⸗Anzeige. Die St. Louis Diſtrict⸗Predigerconferenz hält ihre diesjährige Verſammlung in St. Louis vom 12. bis 15. nächſten Monats. Dies den Be⸗ treffenden zur Nachricht. Bücher und Pamphlets zu haben in der Erpedition des Lutheraner um die beigeſetzten Preiſt. ö Dr. Martin Luthers kleiner Katechismus, un⸗ veränderter Abdrukk ). 50.10 Das Dutzend P1.00. Hunderi Stück §7.00. Merkwürdiger Brief einer Dame, welche im Jahre 1703 der ev.-lutheriſchen Religion halber mit ſechs meiſt unerzogenen Kindern ihr Vater⸗ land und all' ihr Hab und Gut verlaſſen hat. Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück r1.00. Dr. Luthers Sermon von „Bereitung zum Sterben“ Die Verfaſſung der deuiſchen ev.⸗luth. Spynode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten nebſt einer Einleitung und erläuternden Be⸗ merfungen. —.—..—.—.—.—.— Das Dutzend 50 Cis. 25 Stück Pl.00. Erſter Synodalbericht der deutſchen cv.-luih. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten 0.0⁵ . ...... * Dritter Jahrgang des Lutheraner v. 1846 847. No. 8—26 Vierter do. v. 1847—1848 (vollſt.). . (Der 1. und 2. Jahrgang ſind vergriffen.) Chriſtliches Concordien buch, d. i. Symbol. Bücher der ev.-Iuth. Kirche, New Norker Aus⸗ gabe, in elſche Leder gebunden Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern über den Meihodismus, (in Pamphlei⸗ form) 2 Stück..——.—.—.— Dr. M. Luthers Tractat von der wahren Kirche (aus No. 9. des Lutherauer beſonders abgedruckt), 2 Stück.. Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten über die Evangelien auf die Sonn⸗ und Feſt- tage des ganzen Jahres, New Rorier Ausgabe, gebunden in Kalbleder. 2.. Kirchengeſangbuch für ev.⸗-luth. Gemein⸗ den, verlegi v. d. hieſ. ev.⸗-luih. Gemeindt U. A. C., gebunden das Stüb —1847. No. 8P.. 1.25 0.⁰ 0.0⁵ 2222.** 100 Suict 862.50 gegen Baarzahlung. A B C Buch, New Rorter Ausgabe, das Stück.. 0.10 Im Dutzend.. 0 Der Hirtenbrief des Herm Paſtors Grabau zu Buffalo (in No. 17. des Luihrraner ausführ⸗ licher angezeigt) 0.25 (Die in No. 21—25 des vor. Jahrg. enthaltent Preisan⸗ gabt von letzterm iſt ein Druckfehler.) Gedruckt bei Arthur Olshaufen, Heranzgeber des Aneiger des Weßens, . .. 5„* 0.05 3