# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 18_S11 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Religion oder eine neue Kirche, oder auch nur mitten in der Chriſtenheit eine beſondere Par⸗ thei zu ſtiften, die ſeinen Namen tragen, unter einer beſonderen Conſtitution beſtehen und etwa, wie die herrnhutiſche und methodiſtiſche Parthei, durch einen beſonderen Eifer ſich auszeichnen und ſo, in ſich abgeſchloſſen, auf die anderen ſoge⸗ nannten Benennungen und kirchlichen Verfaſ⸗ ſungen belebend einwirken ſollte. Nein, Luther glaubte nach Gottes Wort, daß trotz aller Greuel des Pabſtthums, mit denen er alles bedeckt ſah, ſich die wahre allgemeine Kirche fort und fort er⸗ halten habe; er war daher nur bemüht, die Feſ⸗ ſeln ſprengen zu helfen, in welche die Kirche ge⸗ rathen war, und den Schutt von Menſchenlehren hinwegräumen zu helfen, welcher ſie bisher be⸗ deckt hatte. Er ſelbſt wollte nur ein Glied und ein Lehrer dieſer Kirche ſein und zu ihr wies er auch alle hin, denen er mündlich und ſchriftlich predigte. Weit entfernt, von dieſer alten allge⸗ meinen Kirche ſich ſondern und abtrünnig wer⸗ den und andere aus derſelben herausführen zu wollen, ſo wollte er vielmehr in derſelben bleiben und forderte auch jedermann zum Bleiben in der⸗ ſelben ernſtlich auf. Wir haben ſchon öfters deutliche Zeugniſſe für dieſe Behauptung aus Luthers Feder beigebracht.“) Zum Ueberfluß thei⸗ iſt uns darum ſehr feind“, ſchreibt der Gottes⸗ mann in ſeiner Auslegung des 1. B. Moſe, „daß man von uns ſaget, wir ſeien von der alten Kirche abgefallen; wiederum rühmen ſich die Papiſten, daß ſie bei der Kirche geblieben ſeien und derſelben Urtheil und Erkenntniß alles unter⸗ werfen wollen. Man klaget uns aber mit Unrecht an. Denn ſo wir die Wahrheit bekennen wol⸗ len, ſo ſind wir vom Wort abgefallen geweſen, da wir noch in ihrer Kirche geweſen ſind; nun aber haben wir. uns wieder zum Wort begeben und ſind nicht mehr Abtrünnige. Und ob ſie uns wohl den Namen der Kirche, wie ſie meinen, abrauben, ſo behalten wir doch das Wort und rechten Kirche.“ (Werke. I, 839. Ueber Gen. 7, 24.) A. Da nun wir Lutheraner keine beſondere Parthei bilden und keine Kirche in der Kirche (ecclesiola in ecclesia) ſein wollen, ſondern uns allein zu der alten allgemeinen chriſtlichen Kirche bekennen, und Glieder allein dieſer ſein und nur zu ihr uns gerechnet wiſſen wollen, ſo meinen wir auch, wenn wir von unſerer luthe⸗ riſchen Kirche reden, keine andere und können keine andere meinen, als die Eine heilige allgemeine chriſtliche Kirche. Geben wir aber unſerer lutheriſchen Kirche dieſen hohen Namen, ſo wollen wir da⸗ mit nicht ſagen, daß die Geſammtheit aller der Leute, welche ſich lutheriſch nennen, auch nicht, daß die Geſammtheit aller derer, welche mit dem lutheriſchen Namen auch den lutheriſchen Glau⸗ ben haben, die wahre alleinſeligmachende“) X*) Siehe: „Lutheraner“, Jahrgang 3, No. 2 und 3. ) Schon das faſt nur von Katholiken gebrauchte Wort: „alleinſeligmachende Kirche“, iſt ſehr mißverſtändlich, in⸗ dem es nicht nur Chriſto, dem einigen Seligmacher, die len wir unſern Leſern noch folgendes mit: „Man durch dasſelbige allen Schmuck und Zierde der 11 Kirche ſei. Mit den heuchleriſchen Leuten, die den Namen lutheriſch führen und doch den luthe⸗ riſchen Glauben nicht haben, haben wir gar nichts zu thun; und was diejenigen betrifft, welche den lutheriſchen Namen mit der That tra⸗ gen, ſo achten wir dieſe nicht für die Kirche, ſon⸗ dern allein für Glieder, für Theile derſelben und die aus denſelben beſtehenden Gemeinſchaften allein für Zweige der wahren Kirche oder Parti⸗ cularkirchen. Dies iſt unſer Bekenntniß. Schreibt man un nun deswegen einen excluſiven Charakter zu, ſo geſtehen wir gern und willig ein, daß wir in ſol⸗ chem Sinne allerdings excluſiv ſind; und warum wir dieſen Charakter uns auch ferner durch Gottes Gnade als die einzig rechte Katholicität zu be⸗ wahren gedenken, darüber wollen wir, ſo Gott will, in nächſter Nummer ſagen. Die Sache der Miſſion betreffend. Bericht der Committee, die zum Zweck der Unterhandlung mit der Miſſions⸗ Geſellſchaft zu Ann-Arbor, Mich., we— gen Uebergabe der Miſſionsſtation Siboying von der deutſchen evange— liſch-lutheriſchen Synode von Miſ— ſouri, Ohio u. a. St. ernannt worden iſt. Ehrwürdige Synode! Durch die gnädige Hilfe unſeres treuen Gottes ſind wir bereits in den Stand geſetzt, daß wir über die Ausführung. des uns gegebenen Auftrages: „im Namen der Synode mit der Miſſions⸗ „Committee zu Ann⸗Arbor, Mich., wegen „der von ihr angebotenen Uebergabe der Miſ⸗ „ſions⸗Station Siboying zu verhandeln“ folgenden erfreulichen Bericht erſtatten können. Als wir auf unſerer Rückreiſe von der Syno⸗ dalverſammlung zu Fort Wayne bis nach Mon⸗ roe gekommen waren, fanden wir daſelbſt nicht nur eine dringende Einladung des Herrn Paſtor Schmidt von Ann⸗Arbor vor, in genannter Ehre zu rauben ſcheint, ſondern auch auf die Gedanken führt, als mache die bloße äußerliche Gemeinſchaft mit der wahren Kirche ſchon ſelig, während doch der Heiland deut⸗ lich erklärt, daß in dieſer Welt das Unkraut mitten unter dem Weizen ſtehe, daß alſo auch Heuchler und Gottloſe mitten in der Kirche ſind. Wir pflegen daher nicht, uns dieſes Ausdrucks zu bedienen. In einem gewiſſen Sinne kann jedoch allerdings von einer ſeligmachenden und ſelbſt einer alleinſeligmachenden Kirche geredet werden; denn ob⸗ wohl Chriſtus allein uns ſelig macht, inſofern er allein uns die Seligkeit erworben hat, ſo kann man doch in ande⸗ rer Beziehung noch von vielen anderen Dingen ſagen, daß auch ſie uns ſelig machen. Man kann ſagen: Der Glaube macht ſelig, indem er die von Chriſto erworbene Selig⸗ keit ergreift; das Wort Gottes macht ſelig, indem es dit Seligkeit verkündigt, bringt und wirket; die heiligen Sacramenie, Taufe und Abendmahl, machen ſelig, indem ſie die Seligkeit anbieten, mittheilen und verſiegeln; der Prediger macht ſelig, indem er dieſe Gnadenmittel verwal⸗ tet: ſo kann man auch ſagen, die Kirche mache ſelig, indem in ihr allein Chriſtus mit ſeinen Gnadenmitteln zu finden iſt, in welchem Sinn man mit Recht ſagt: Extra eccle- siam non est salus, d. i.: Außer der Kirche iſt kein Heil; oder, wie Cyprian ſchreibt: Non habet Deum patrem, qui non habet ecclesiam matrem, d. i.: Gott hat nicht zum Vater, wer die Kirche nicht hat zur Mutter. Angelegenheit zu ihm zu kommen, ſondern trafen auch Herrn Miſſionar Auch, der es herzlich be⸗ dauerte, durch widrige Winde verſpätet worden zu ſein, ſo daß er nicht mehr zeitig genug zu un⸗ ſerer Verſammlung nach Fort Wayne hätte kom⸗ men können. Auch er wünſchte ſehr, daß wir die günſtige Gelegenheit ergreifen und ſogleich mit ihm nach Ann⸗Arbor gehen möͤchten, welches wir nach reiflicher Ueberlegung für das Zweckmäßigſte erkennen mußten. Da nun der außer dem Schrei⸗ ber dieſes und dem Paſtor Sievers zum Com⸗ mittee⸗Mitglied ernannte Bruder Gräbner nicht zugegen war, ergänzten wir uns durch Bruder Hattſtädt und brachen Donnerstag, den 21. Juni, nach Ann⸗Arbor auf. Sonntag, den 24., fanden die öffentlichen Verhandlungen zwiſchen uns und der dortigen Miſſions⸗Committee ſtatt, welche Committee aus Herrn Paſtor Schmidt und ſechs ſeiner Gemeindevorſteher zuſammengeſetzt war. Da man ſich von Seiten derſelben einmüthig da⸗ hin ausſprach, die Station Siboying, wenn es in ordentlicher Weiſe geſchehen könne, unſerer Synode übergeben zu wollen, und da Herr Miſſionar Auch zugleich im Namen ſeines Collegen, des Herrn Miſſionar Mayer, erklärte, daß ſie beide ſich mit Freuden an unſere Synode anſchliehen würden: ſo legten wir die Bedingungen vor, unter denen ſich die Synode zur Uebernahme bereit erklärt hatte, daß nemlich die Miſſion unter Leitung und Aufſicht unſerer Miſſions⸗Commiſſion geführt werden müſſe und zwar auf Grund der heilſamen Lehre, die aus dem geſammten Worte Gottes, als der einzigen Regel und Richtſchnur des Glaubens und Lebens, in unſern in der Concordia von 1580 enthaltenen Symbolen lauter und rein dar⸗ gelegt iſt, zu welchen ſämmtlichen Symbolen unſerer theuren lutheriſchen Kirche ſich die Miſ⸗ ſionare nicht nur ohne Rückhalt zu verpflichten, ſondern ſich auch vor ihrem förmlichen Eintritt in unſere Synode einem Colloquium zu unter⸗ werfen hätten. Da die beſagte Miſſions⸗Com⸗ mittee ihrerſeits zunächſt nur im Auge hatte, daß durch gemeinſames Wirken die Miſſion auf dem hieſigen Arbeitsfelde mehr aufblühen und erſtar⸗ ken möchte, ſo wies ſie uns mit dieſen Bedingun⸗ gen, die ihr jedoch kein Hinderniß waren, die Miſſionsſtation Siboying unſerer Synode zu überlaſſen, an ihre bisherigen Miſſionare Auch und Mayer. Miſſionar Auch, der öffentlich und feierlich vor der Committee erklärte, daß er und ſein College, und zwar durch keinerlei menſchliche Ueberredung, ſondern durch treues Studium unſerer ſymboliſchen Bücher zu der Ueberzeugung gekommen ſeien, daß nur die lutheriſche Kirche den ſeligmachenden Glauben lauter und rein be⸗ kenne, während die andern kirchlichen Benennun⸗ gen wider die klare Schrift ſeelen verderbliche Irr⸗ thümer feſthielten, die es, ſo lange ſie feſtgehalten würden, unmöglich machten, mit ihnen in glau⸗ bensbrüderlicher Gemeinſchaft zu ſtehen — gab hierauf in ſeinem und ſeines Collegen Namen den runden Beſcheid, daß er mit den geſtellten Be⸗ dingungen, die ganz im Einklang mit unſerer von ihnen bereits geprüften Synodalverfaſſung wären, völlig einverſtanden ſei. Die nun folgende