Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 22 › Seite 151
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-15, Seite 151
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Regiſter · Anhang
ihn natürlich nicht bei den Haaren hinzugezogen;
aber nur durch Dringen, Nöthigen und Ziehen
brachten ſie ihn in die Scheuer, wo das Abend⸗
mahl gefeiert wurde.
5. Daß Herbſt aus der Verſammlung lief, ehe
dieſe zu Ende war, iſt gegründet; aber darin be⸗
kenne ich einen Irrthum meinerſeits, daß ich ge⸗
ſagt habe, er wäre erſt am dritten Tage geſucht
und gefunden worden; dies geſchah am erſten,
wie im Apologeten ſteht. Urſache des Irrthums
iſt, daß wir ſein zweimaliges Entweichen und
Ausbleiben, welches gerade drei Tage ausmacht,
für eins hielten. Was das „herzliche Mitlei⸗
den“ ſeiner „Blutsfreunde und übrigen Brüder“
anlangt, ſo konnten Menſchenaugen und Men⸗
ſchenohren keines wahrnehmen. Ganz gleichgültig
erwiderten ſie auf die Frage: Warum ſie den
Verſtorbenen nicht bewacht hätten: „Wir haben
ihn nicht halten können.
6. Endlich ſagen ſie noch: „Daß Br. Peters
eine Leichenrede halten ſollte, iſt unwahr.“. Wie
jedermann in der erwähnten Nummer dieſes Blat⸗
tes ſehen kann, ſo habe ich ja nicht behauptet, daß
er kommen ſollte, ſondern nur geſagt: es hieß
alſo, wie es denn auch in der That war. Wie
ſehr ſie ſich doch abmühen, um mit ihrem Herrn
Peters nicht zu Schanden werden zu müſſen. Vol⸗
lends aus Allem glauben ſie ſich herauszuhelfen
durch Verdrehung einiger Worte aus meiner
Grabrede. Die Sache iſt zwar nicht ſo gar hübſch,
doch, wenn man ſich damit in ein ſchönes Licht
ſtellen kann, muß man es mit dem Gewiſſen nicht
ſo genau nehmen. Da aber nichtsdeſtoweniger
noch eine ziemlich dicke Finſterniß ſich vorfindet, ſo
iſt nothwendig, den Gegenſtand näher zu beleuch—
ten. So wenig der Anfang meiner Rede der⸗
ſelbe war, den die Methodiſten angeben, ſo wen ig
habe ich in ihr die Gemeinde „geſchimpft“.
Der Inhalt derſelben war kein anderer, als ich
ihn in Nro. 7. mitgetheilt habe; daß ſie aber
einen andern Sinn daraus genommen haben, iſt
mir ein abermaliger Beweis, daß ſie muthwillens
nicht hören und verſtehen wollen. Es iſt ihnen
das Reine unrein geworden; wie will es noch mit
ihnen werden! Die Behauptung, daß ich geſagt
hätte: Wenn ſie zur „alleinſeligmachenden luthe⸗
riſchen Kirche“ zurück kehrten, könnte ihnen noch
geholfen werden, iſt, mit Erlaubniß zu reden, eine
grobe Unwahrheit. Obſchon ich weiß und glaube,
daß, wer des Tages wandeit, ſich nicht ſtößt, ſo
glaube ich doch auch, daß es dem HErrn möglich
iſt, auch in andern chriſtlichen Gemeinſchaften,
durch die einzelnen Strahlen des Lichts, welche
ſich hin und wieder mehr oder minder zeigen, eine
Seele von der ewigen Finſterniß zu erretten.
Den Schluß der „Erwiderung“ bildet eine von
dem wohl unterrichteten „Ermahner“ an mich ge—
richtete Ermahnung. Sie iſt zu ſinnreich, als
daß ich ſie nicht wenigſtens zur Hälfte anführen
ſolte, und in einigen Punkten zu geheimnipvoll,
als daß ſie nicht zu gleicher Zeit der Erklärung
bedürfte. Der „Ermahner“ (Geyer der Aeltere)
beginnt folgendermaßen: „Du nennſt Dich einen
berufenen Diener Chriſti. Warum thuſt Du denn
nicht Deine Pflicht? Habe ich Dich nicht mehrere⸗
mal eingeladen, in mein Haus zu kommen? Du
biſt aber nicht gekommen; oder ſollen die Schaafe
den Hirten ſuchen? Du ſagſt, Du liebeſt nicht
Winkelſchleicherei. Warum verſteckſt Du Dich
denn wie ein Wolf in einem kleinen Blockhaus
am Wege, um auf den vorübergehenden Pilger
im Thale zu lauern“? Wer könnte hieraus nicht
ſehen, daß der „Ermahner“ ſein Aint trefflich aus⸗
zurichten weiß, und die Pflicht eines Hirten auf
das Genaueſte erkennt? Er iſt zwar noch nicht
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aufs Bekehren ausreiten dürfen. Ehe er geht,
will ich nur noch geſchwind ſagen, warum ich
ihn nicht beſucht habe. Erſtlich um deßwillen
nicht: weil er ſeinen eigenen Hirten hat und nie
ein Schaaf meiner Heerde war, und ich ihm alſo
keinen amtlichen Beſuch abſtatten hätte können,
ohne zugleich in ein fremdes Amt zu greifen.
Zweitens war es nicht nöthig, ihn zu beſuchen,
weil er mir durch ſein zudringliches Benehmen
außer ſeinem Hauſe mehr denn ein- und zweimal
Gelegenheit gab, ihn zu ermahnen. Da er ſich
aber immer als ein hartnäckiger Ketzer zeigte, ſo
vermied ich das öftere Zuſammentreffen mit ihm.
Seine Ketzerei beſteht darin, daß er neben dem
Feſthalten an andern Irrthümern das Weſentliche
der heiligen Sacramente leugnet. Mit großem
Fleiße hat er einen Tractat, der über die heilige
Taufe und Wiedergeburt ganz der heiligen Schrift
zuwider handelt, verbreitet. Einen ſolchen Men⸗
ſchen beſuchen, hieße das nicht Gott verſuchen?
Der Apoſtel Paulus ſagt Titus 3, 10.: „Einen
ketzeriſchen Menſchen meide, wenn er ein und aber⸗
mal ermahnet iſt.“
Was Herr Geyer mit dem „Verſtecken im
Blockhaus“ meinte, konnte ich mir nicht denken,
ich mußte ihn deßhald gelegentlich um Aufklä⸗
rung darüber bitten. Dieſe erhielt ich auch; er
ſagte nämlich: er habe' mich einmal aus einem
Blockhaus herausgehen ſehen. Eben ſo konnte
ich auch nicht wiſſen, wie er die Worte rechtferti⸗
gen oder verſtanden haben wolle: „und biſt mit
dem weltlichen Gerichte bedroht“. Als ich ihn
darum gefragt hatte, antwortete er nach langem
Beſinnen: er müßte noch länger darüber nachden⸗
ken, es fiele ihm für jetzt nicht ein, was er damit
gemeint hätte; daß ihm aber mit der Zeit etwas
rinfällt, daran zweifle ich nicht, denn er iſt reich
an Einfällen. Was zuletzt den „Hader und Streit“
betrifft, in dem ich mit meinen „eigenen Kirchen⸗
gliedern“ liege, oder beſſer geſagt, gelegen bin, ſo
findet der ſeine Urſache darin, daß, die der Wahr⸗
heit nicht gehorchen, wenn ich Frieden predige,
Krieg anfahen. Aber daß das die hieſigen Me⸗
thodiſten nicht ſahen, iſt ein Beweis, daß ſie den
Geiſt aus Gott nicht haben, ſie würden ſonſt die
Sache ganz anders richten. Ein gemeiner Geiſt
iſt es, der ſie durchdringt. Wenn ſichs darum
handelt, das helle Licht von ſeiner Stätte zu
ſtoßen, ſo werden ſie Freunde mit denen, die wider
den HEren toben, und heißen deren Sache gut,
„zuvor“ aber „waren ſie einander feind“. (Lue.
23, 12.) Paulus Heid.
Wir, die Unterzeichneten, Glieder der evange⸗
liſch-lutheriſchen Gemeinde dahier, bezeugen, daß
ſichs mit der Sache alſo verhält, wie es unſer
Herr Pfarrer Heid dargethan hat.
Michael Groß, Michael Reinhardt, jun.
Ludwig Helmlinger, Philipp Munſch,
Philip Leininger.
Clay Townſhip, Auglaize Co., O., 1. Mai 1849.
Kirchliche Nachricht.
Am 15. April, Dom. Quasimod., iſt der ordi⸗
nirte Pfarrvicar von Windsbach in Bayern, Herr
Gottlieb Schaller, welcher ſogleich nach ſei⸗
ner Ankunft in Amerika von der deutſchen evan⸗
geliſch-lutheriſchen Gemeinde ungeänderter Augs⸗
burgiſchen Confeſſion zu Philadelphia, Pa., zu
deren Paſtor ordentlich berufen worden war, durch
die Paſtoren Brohm, Wyneken und Hoyer im
Auftrag der Synode von Miſſouri, Ohio u. a.
Staaten in ſein Amt öffentlich und feierlich ein⸗
gewieſen worden. Mit großer Freude begrüßen
wir dieſen neuen tüchtigen Arbeiter auf einem
ſo wichtigen Punkte des kirchlichen Gebietes von
lange im Amt, aber ich glaube doch, wenn er ſo
forfährt, wird er bald ſein Pferd ſatteln und;
Amerika, wie Philadelphia iſt, und bitten zu Gott,
daß er nun auch hier die Stimme ſeines reinen
Wortes einem großen Volke, nicht nur zu einem
Zeugniß über ſie, ſondern zur Seligkeit erſchallen
laſſe. um IEſu Chriſti, ſeines lieben Sohnes,
unſeres HErrn willen. Amen.
Grade durch!
Sobald wir auf den Himmelsweg treten, zeigt
ſich zur Rechten ein ſchönes Weib, die ſüße Welt,
und lockt mit dem beliebten Apfel; zur Linken ein
häßliches Weib, die bittre Welt, und ſchreckt mit
dem verhaßten Kreuz. Kann uns nun die ſüße
Welt lachend und die bittre Welt weinend machen,
ſo iſt das Erbe verſcherzt. Hier gilt der Rath
des Heiligen Geiſtes: Gerade durch, weder zur
Rechten noch zur Linken. H. Müller.
Erbſünde.
Je weiter man in der Heiligung kommt, deſto
ſchmerzlicher empfindet man, was die Erbſünde
auf ſich habe, und deſto weiter entfernt man ſich
von der ſtolzen und phariſäiſchen Einbildung, daß
man nun gänzlich davon frei ſei.
J. J. Rambach.
„Des Narren Mund iſt nahe dem Schrecken.“
Sprüchw. 10, 14.
Ein Bauer aus D.. . hatte ſich das Fluchen
ſo angewöhnt, daß er bei jeder Gelegenheit aus⸗
rief: der Teufel hole mich! Ein Jäger vermahnte
ihn, dieſe ſchändliche Gewohnheit zu unterlaſſen;
aber der Bauer trieb ſein Geſpött mit dem, was
der Jäger ſagte. Beide befanden ſich am folgen⸗
den Tage wieder in der Schenke beiſammen, und
da der Bauer alle Augenblicke ausrief: der Teu⸗
fel hole mich, ſo ſagte der Jäger, er könne ihn
citiren, und wenn er ſeine Unart nicht unterlaſſe,
ſo wolle er ihm den Herrn Urian von Angeſicht zu
Angeſicht zeigen. Der Bauer lachte darüber; allein
was geſchah? Der Jäger traf im Dorfe einen
Eſſenkehrer an, mit dem er die Sache verabredete.
Neben der Schenke wohnte ein Fleiſcher, bei dieſem
borgte man ein Bockfell, und als des Abends der
Jäger und der Bauer ſich wieder in der Schenke
beiſammen befanden, und dieſer in ſeinem gewöhn⸗
lichen Tone fortfuhr, ſagte ihm der Jäger, er habe
ihn nun oft genug gewarnt, da aber alle ſeine
Bemühungen vergeblich geweſen, wolle er ihm jetzt
beweiſen, daß er den Teufel citiren könne, und daß
er es mit dieſem zu thun haben werde. Der Bauer
lachte dazu. Hierauf machte der Jäger mit Kreide
einen Kreis um ſich her, ſchiug auf den Tiſch,
und in dem Augenblick trat der Eſſenkehrer in die
Stube. — Kaum wurde ihn der Bauer gewahr,
ſo ſtürzte er todt hin; der Schrecken hatte
ihm das Leben geraubt. — Vergebens bemühte
man ſich, ihn wieder zum Leben zu bringen. Dieſe
Begebenheit trug ſich im Januar 1811 zu. So
wurde der eine mit ſeinem Poſſenſpiel zum Mör⸗
der und der andere eine Beute deſſen, den er ſo
oft angerufen hatte. (Geſchichten⸗Almanach.)
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Der Druck von dem
Spruchbuch zum kleinen Katechismus
Lutheri. Im Auftrage der Synode von Miſ⸗
ſouri ꝛc. zuſammen getragen von Fr. Wyneken,
Paſtor an der zweiten deutſchen ev.⸗Iuth. Kirche in
Baltimore, 112 S in 12., iſt beendigt und bei
dem Verfaſſer das Dutzend zu 51.80 zu haben.
In nächſter Num. gedenken wir eine nähere
Anzeige von dieſem Büchlein zu geben. D. R.
Die Deutſche Evangeliſch⸗Lutheriſche Synode
von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten
hält ihre diesjährigen Sitzungen zu Fort Wayne,
Ind., vom 6. Juni, als dem zweiten Mittwoch
nach Pfingſten, bis zum 16. Juni inel. — Die
—————
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