Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 22 › Seite 146

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-15, Seite 146

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Taufe 71

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ſpringen, oder Kriegsvolk zerſchmeißen, ſondern da
er, ohne daß er etwa einen ſündigen Rückfall ge⸗
wan, kläglich zu Boden liegt und jämmerlich
winſelt; denn es ſcheint ihm, als habe Gott ſein
gnädiges Antlitz verborgen und habe ſein Auge
wie Feuerflammen nur gerichtet auf ſeine alten
und neuen Sünden; da erfährt er denn viele und
große Angſt; er fürchtet ſich, daß ihm die Haut
ſchauert, und entſetzet ſich vor Gottes Rechten; die
Pfeile des Allmächtigen ſtecken in ihm, derſelben
Grimm ſäuft aus ſeinen Geiſt wie Waſſer und
die Schreckniſſe Gottes ſind auf ihn gerichtet.
Satan, Geſetz und Gewiſſen ſtehen zugleich als
Zeugen wider ihn auf und halten ihm das uner—
meßliche Schuldenregiſter ſeines ganzen Lebens
vor, und der Teufel thut, was an ihm iſt, um ihm
die Gnade Gottes hinter ſeiner Heiligkeit und
Gerechtigkeit zu verbergen und des Menſchen
Sünde ihm als größer vorzumalen, denn Chriſti
Verdienſt, auf daß der Angefochtene in den Un⸗
glaͤuben der Verzweiflung gerathe und ganz von
Chriſto abfalle.

Wie nun? was gibt wohl dem Angcefochtenen
einen feſten und gewiſſen Troſt, wenn nach Gottes
Verhängung ſolche Zeit über ſeine Seele kommt?
Wird etwa dann der Rath der methodiſtiſchen
Seelſorger anſchlagen, der ihn zum Beten antreibt,
um das Gefühl der Gnade und der Empfindungen
des- Glaubens wiederzugewinnen? Nicht alſo;
denn er kann eben nicht beten, wie er gern möchte,
ſein Glaube iſt eben keine Flamme, die kräftig
zum Himmel hinauflodert, ſondern wie eine unter
der Aſche glimmende Kohle, er kann der Angſt
ſeines Herzens kaum mit einem Seufzer Luft
machen. Ebenſo unfruchtbar aber erweiſ't ſich ein
anderer Rath des Methodiſten, da dieſer ihn auf
ſeine früher doch innerlich erfahrene Buße und
Bekehrung hinweiſet.

Denn zuerſt erkennt der Ermahnte gar wohl,
daß ſeine Buße und Bekehrung nichts als Stück—⸗
und Flickwerk ſei, die den Menſchen wohl ſtrafen,
aber nicht tröſten könne, ſodann aber verbirgt ſich
ihm in der Angſt der Anfechtung das Werk Gottes
darin; und indem er dermalen eben nicht mehr
die Liebesküſſe des himmliſchen Vaters fühlt, der
früher ihm, dem umkehrenden verlornen Sohn,
entgegenlief und ihm die Süßigkeit ſeiner barm—
herzigen Liebe und zu ſich ziehenden Gnade em⸗
pfindlich ins Herz dkückte, ſondern vielmehr die
Zornesruthen eines Richters und Rächers, ſo
ſcheint es ihm eher beim Gedanken an die frühern
Gnadenerfahrungen, als ſei er jetzt abgefallen
und der HErr habe ſeine Barmherzigkeit von ihm
gewendet.

Nicht mehr aber will es bei dem Angefochtenen
recht belfen, wenn man ihm troſt- und gnaden—
reiche Macht- und Kernſprüche aus der heiligen
Schrift vorhält, denn in ſeinem verzagten klein⸗
müthigen Zuſtande wagt er eben nicht, dieſen
Troſt ſich anzueignen; vielmehr drängen ſich ihm
meiſt die erſchrecklichen Droh- und Gerichts⸗
ſprüche, wie z. B. Hebr. 6, 4—8., 10, 26. 27.,
Joh. 15, 6., dazwiſchen, da er ſich in der Angſt
ſeiner Seelen für einen Solchen hält, der wirklich
abgefallen ſei.

146—

Da gibt es nun nichts Tröſtlicheres, als den
Troſtloſen ſeiner Taufe zu erinnern und ihn des
feſten Gnadenbundes zu vergewiſſern, den Gott
in ihr mit ihm ſonderlich gemacht und ihn um
Chriſti willen an Kindes Statt angenommen habe;
und da er ja nicht muthwillig und vorſätzlich
ſolche Gnade verachte und ſein einiges Sehnen
und Verlangen dahin ſtehe, dieſer Gnade auch
jetzt gewiß zu ſein, ſo ſolle er kraft ſeiner Taufe
nur ſtracks zufahren, durch den dicken Nebel der
Anfechtung hindurchbrechen und den ewig treuen
und wahrhaftigen Gott nur in kindlichem und
einfältigem Glauben, ſei dieſer auch noch ſo ſchwach,
in ſeiner Gnaden-Verheißung feſthalten, die Er
durch den Mund ſeines Dieners ein für alle Mal
bei ſeiner Taufe geredet.

Es iſt bekannt, wie Dr. M. Luther den Hiero⸗
nymus Weller, der auch in einer ſchweren Anfech⸗
tung ſtand und durch nichts gründlichen Troſt
empfing, durch die einige Frage aus ſeinem Elend
aufrichtete und die dunkeln Gewitterwolken mit
einem Male zerſtreute: „Seid Ihr nicht ge—
tauft?“

3.) Das dritte Stück des rechten Gebrauchs
der heiligen Taufe aber iſt dieſes, daß der Menſch
auch bei wirklichem und ſelbſt gröbern und län⸗
gern Abfalle und nachdem er ſich von Gott eine
gute Zeit ab⸗ und dem Teufel und ſeinem Weſen
und Werken zugekehrt hat, die Gnadenthür und
das Vaterherz Gottes noch offen findet, wenn er
wie der verlorne Sohn aufrichtig und rechtſchaffen
wieder zum Vaterhauſe umkehrt und ſich des un⸗
wandelbaren getreuen Gottes feſtiglich getröſtet,
der in der heiligen Taufe mit ihm namentlich und
perſönlich einen Gnadenbund aufgerichtet und
ihn um Chriſti willen ein für alle Mal zu ſeinem
lieben Kinde und Erben angenommen hat.

Möge er auch noch ſo lange bundbrüchig und
treulos in der Welt umhergeirret ſein, fremden
Göitern nachgehuret haben und bis zu den
Säuen und Träbern gekonmnen ſein, das erbar⸗
mende Vaterauge des Gottes ſeiner Taufe iſt ihm
doch überall hingefolgt und eben um des heiligen
Taufbunds willen läßt er ſein abtrünniges und
verlornes Kind in allerlei heilſame Trübſal ge—
rathen und ſchlägt durch ſeinen Heiligen Geiſt in
ſeinem Wort immer von Neuem an ſein Herz,
auf daß er endlich in ſich ſchlage, und ſeinen ge—
treuen Bundesgott wieder ſuche, ſeine Sünde de⸗
müthig und reumüthig bekenne und darnach die
Vaterarme wieder offen finde und aller Güter und
Rechte des Vaterhauſes, d. i. der heiligen Kirche,
theilhaftig werde.

II. Ehe wir nun genauer vom Mißbrauche der
heiligen Taufe handeln, ſo wird es nicht am un—
rechten Orte ſein, zuvor im Allgemeinen zu be—
merken, daß der Mißbrauch eines an ſich guten
Dinges das Weſen desſelben und den Segen des
rechten Gebrauchs nicht auf hebe; der Stand der
weltlichen Obrigkeit, z. B. der Ehe- und Hausſtand,
ſind und bleiben göttliche Ordnungen, wenn es
auch leider viele ungerechte Richter und gottloſe
Eheleute gibt; Gold, Perien und Edelgeſteine ver

dürfen. Da heißt es auch: „Sprecht nicht etwa

eine Hure damit ſchmückt. Ebenſo hält es ſich
auch mit dem Mißbrauch der heiligen Taufe,
denn es benimmt ihrem Weſen und Werth durch⸗
aus gar nichts, wenn es auch leider noch ſo viele
Lutheraner gibt,

1.) die ſich in ſelbſtgemachtem und werkheil⸗
gem Thun und Treiben auf ſie verlaſſen, ohne dit
rechte Buße zu Gott und den wahren lebendigen
Glauben an unſern HErrn IEſum Chriſtum zu
haben. Es ſind dies die Namen- und Heuchel⸗
Chriſten, die wohl den Schein haben eines gon⸗
ſeligen Weſens, aber ſeine Kraft verleugnen und
die in der Kirche ſind, wie die Spreu im Weizen,

wie die faulen Fiſche im Netz. Angeſichts ſolcher A

Leute beſchuldigen die Schwärmer ganz mit Un—
recht die heilige Taufe und unſte reine Lehre von
ihr und den rechtem Gebrauch derſelben; denn

was kann ſie dafür, wenn unbußfertige und

ſelbſtgerechte Leute ſich eben ſo fleiſchlich auf ſie

verlaſſen, als die Juden auf ihre Abſtammung
von Abraham und auf die Beſchneidung? Was
aber predigt Johannes der Täufer dieſen todten
Leuten, die wohl die Beſchneidung, aber nicht den
Glauben Abrahams hatten, und nur fleiſclich,
aber nicht geiſtlich von ihm abſtammten? „Setet
zu, thut rechtſchaffene Früchte der Büße; denet
nur nicht, daß ihr bei euch wollt ſagen: wir haben
Abraham zum Vater; ich ſage euch, Gott ver⸗
mag dem Abraham aus dieſen Steinen Kinder zu
erwecken. Es iſt ſchon die Art den Bäumen an

die Wurzel gelegt. Darum welcher Baum nicht ö
gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins.
Feuer geworfen.“ Matth. 3, 8—10. Dieſelbe
beilſame Strafpredigt aber thut, ohne Ruhm zu

melden, jeder treue lutheriſche Prediger den todten

Lutheranern ſeiner Gemeinde, ohne dabei der brü⸗
derlichen Mitarbeit der lieben Methodiſten zu be—

bei euch ſelbſt, die ihr den Namen habt, daß ihr
lebet, und ſeid todt — ſprecht nicht bei euch ſelbſt:
„„wir haben Chriſtum zum Erlöſer, wir ſind ge⸗
tauft und Gottes Kinder!““ ich ſage euch, Gon
kann ſich aus ſteinharten Heiden Kinder erwecken,
euch aber durch ſchnelle Gerichte dahinraffen, ſo
ihr nicht Buße thut.“

O ihr elende, vom Hoffahrtsteufel verführte,
ſelbſtgerechte, werkheilige Phariſäer, wollet ihr
durch eure böswillige Unbußfertigkeit und Un⸗
glauben fort und fort die Fürbitte des Sohnes
Gottes für euch unfruchtbare Feigenbäume ver⸗
geblich machen, die er gerade um der Taufe willen
für euch thut, und ſie endlich in Fluch für euch
verkehren? Denn wird es euch nicht, wenn ihr
alſo beharrer, ergehen wie dem Feigenbaum zu!
Jeruſalem, der ein Bild war des jüdiſchen Vollo
und den der HErr verfluchte, da er nur Blätter
und keine Früchte auf demſelben fand? Wetdet
ihr nicht auch mit Schrecken verſtummen, wenn
der König mit Augen wie Feuerflammen, dit
Herzen und Nieren erforſchen, euch erkennet in der
Schande eurer Blöße und zu euch ſaget: wie ſeid.
ihr hereingekommen und habt doch kein hochzeitlich
Kleid an? Bindet ihnen Hände und Füße und
werfet ſie hinaus in die äußerſte Finſterniß, da ſt.

lieren nichts an ihrem Werthe, wenn ſich auch Heulen und Zähnklappen.

English translation

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