Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 22 › Seite 147

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-15, Seite 147

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt 3 · Taufe 52 · Taufe 71

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Nicht minder aber mißbrauchen der heiligen

Taufe:
2.) die grob und offenbarlich von dem Glauben
an den dreieinigen Gott abgefallen ſind und ſich
dem Teufel und ſeinem Weſen und Werk wieder
zugekehrt haben, obwohl ſie getauft wurden; das
iſt das unſchlachtige und verkehrte Geſchlecht, das
ſind die Fleiſchesmenſchen und der Geſinnung
nach die Kinder Eſaus; denn wie dieſer ſeine
Erſtgeburt um ein Linſengericht verkaufte, ſo ver⸗
kaufen jene ihre Gotteskindſchaft, die ſie durch die
heilige Taufe empfingen, um Geld und Gut,
Macht und Ehre, Augen⸗ und Fleiſchesluſt;
ſolche haſſen nicht den befleckten Rock des Flei—
ſches, ſondern vielmehr die Kleider des Heils und
den Rock der Gerechtigkeit Chriſti, den ſie durch
die heilige Taufe vormals angezogen hatten; ſol—
chen iſt widerfahren das wahre Sprüchwort: der
Hund frißt wieder, was er geſpeiet hat, und die
Sau wälzt ſich nach der Schwemme wieder im
Koth. Wider ſolche, ſo ſie alſo beharren, wird das
Blut Chriſti in ihrem Todesſtündlein nicht mehr
Barmherzigkeit, ſondern Rache ſchreien und gerade
um ihres Mißbrauchs und Verachtung der heili⸗
gen Taufe willen wird es den Kindern der Sünd⸗
fluth am jüngſten Tage erträglicher ergehen, denn
ſolchen Chriſten. .

Aber auch um ſolcher Edomiter willen beſchul⸗
digen die Schwärmer die liebe heilige Taufe und
unſere ſchriftgemäße Lehre von ihr mit großem
Unrecht; denn was können beide dafür, wenn der
Getaufte, ſtatt durch die Taufgnade die Erbſünde
immer mehr abzuſchwächen und der Heiligung
nachzujagen, mit Luſt und Liebe die Taufgnade
durch die wachſende Erb- und Thatſünde immer
mehr abſchwächt und der Verweltlichung nach—
jagt? Erkranken und ſterben nicht gar manche
ins natürliche Leben geborne Kinder, ohne daß
die Eltern und Pfleger daran ſchuld ſind? Und
wenn der Diener eines Fürſten auf deſſen Geheiß
einem elenden nackten Bettler ein herrliches Ehren⸗
kleid anlegt, iſt er dann ſchuldig, wenn der Be⸗
ſchenkte ſich ſpäter mit dieſem Kleide im Kothe
der Straße herumwälzt? Ebenſo iſt die heilige
Taufe und die Kirche, wenn dieſe ſonſt mütterlich
mit der Milch und feſten Speiſe des göttlichen
Wortes ihre neugeborenen Kindlein genährt
hat, unſchuldig, wenn dieſe ſpäter des Vaters
Haus verlaſſen, in der Fremde dieſer argen Welt
ihre Heimath ſuchen und zu verlornen Söhnen
werden.

Oeffentliche und unbußfertige Sünder ſollen
freilich, nachdem die erſten beiden Grade der brü—
derlichen Ermahnung fruchtlos an ihnen geweſen,
nach des HErrn Chriſti Ordnung in Matth. 18,
15—17. öffentlich und feierlich von der Gemeinde
ausgeſchloſſen und in den Bann gethan werden,
damit ſie, ob Gott will, dann endlich zu gründ⸗
licher Buße und Bekehrung gelangen; und das
iſt in der That ein Krebsſchaden der lutheriſchen
Kirche in Deutſchland und gar mancher lutheri⸗
ſcher Gemeinden allhier, daß dieſe von dem HErrn
befohlene Kirchenzucht nicht gebührend gehand⸗
habt wird, ſo daß z. B. offenbare und unbußfer⸗
tige Ehebrecher, Säufer, Wucherer, Unverſöhnliche

u. ſ. w. das heilige Abendmahl bekommen; und Zeit geſtattete, von dem Nutzen des rechten Ge⸗

hier haben die Schwärmer ganz recht, wenn ſie
die betreffenden lutheriſchen Gemeinden um ſol⸗
cher ſchlaffen Kirchenzucht willen ſcharf angreifen.

3.) Dagegen müſſen wir ſie auch ernſt angrei⸗
fen, um ihrer Verachtung und ihres Nicht⸗—
gebrauchs der heiligen Taufe willen, wenn ſie
nämlich, obwohl als Kinder getauft, darnach aber
aus ihrem Taufbunde gewichen und ſpäter durch
falſche Lehre verführt, in den Wahn gerathen, als
bedürfe es der Aufrichtung menſchlicher Erfindun—
gen, Anſtalten, Uebungen und Bräuche, z. B. der
methodiſtiſchen Bußbank, Schreigebete u. ſ. w.,
um, wie ſie meinen, erſt zur Wiedergeburt zu
gelangen.

All dieſes geſetzestreikeriſche Hantieren nemlich,
und all dieſe Werkerei ſtammt aus der geheimen
Hoffahrt des Herzens, daß der Menſch aus eige⸗
nem Vermögen doch etwas mitwirken könne, um,
wie ſie meinen, zur Wiedergeburt und zur Ver⸗
gebung der Sünden zu gelangen; und deshalb
geſchieht ſolche Treiberei zur Schmach und Un⸗
ehre der heiligen Taufe; denn dieſe ſetzt voraus,
daß der Menſch, aus Adam geboren, durch und
durch ein armer und durch das Geſetz verfluchter
und verdammter, geiſtlich todter Sünder ſei, der
zu ſeiner geiſtlichen Wiederbelebung auch nicht
das Mindeſte beitragen könne, ſon dern der vol⸗
len Gnade Gottes und des alleinigen Ver⸗
dienſtes Chriſti und der ganzen Wirkung des
Heiligen Geiſtes im Evangelio und der heiligen
Taufe bedürfe, um wiedergeboren und vor Gott
gerecht erklärt zu werden.

Hat aber ein Menſch nach der Taufe durch
Sündigen dieſe Gerechtigkeit verloren, iſt er ſei—
nerſeits aus dem Bunde gewichen, den der ge⸗
treue Gott in der heiligen Taufe mit ihm gemacht
hat, und geht ihm, eben um dieſer Gnadentreue
Gottes im heiligen Taufbunde willen der Heilige
Geiſt mit dem Worte Gottes nach, damit er ſich von
Herzen wieder zu dem gnädigen und barmherzigen
Gott bekehre: — ſo bedarf der reumüthige Sün⸗
der keines jener methodiſtiſchen Zwangs⸗ und
Drangsmittel und jener künſtlichen Bekehr—
Anſtalten; es genügt, daß er es mache, wie der ver⸗
lorne Sohn, zu dem Gotte ſeiner Taufe zurück⸗
kehre, vor ihm aufrichtig und gründlich ſeine
Sünde bekenne, darnach aber auch der gnädigen
Verheißung des getreuen Vaters, die er ihm ein
für allemal in der heiligen Taufe (Marc. 16, 16.)
zugeſagt, ſich wiederum gläubig annehme und
getröſte und alſo durch Erneuerung der Buße und
des Glaubens die ſeinerſeits verlorne Kindſchaft
wiedergewinne.

Nur auf dieſe Weiſe gebrauchet und ehret der
rückkehrende Sünder recht die heilige Taufe und
trauet dem nimmerwankenden Gnadenworte Got⸗
tes in ihr; und nur auf dieſe Weiſe kann er zu
einer gründlichen Bekehrung und zu einem feſten
und geſunden Gnadenſtande gelangen, darin er
ſich nicht, wie der methodiſtiſche Bekehrte auf ſeine
Gefühle an der Bußbank, ſondern auf die gnädige
Zuſage und Verheißung ſeines Gottes in deſſen
Wort verläßt.

So hätten wir nun, ſo weit es die Kürze der

brauchs und von dem Schaden des Mißbrauchs
und Nichtgebrauchs der heiligen Taufe die Haupt⸗
ſtücke gehandelt. Der gnädige und barmherzige
Gott ſegne das gehörte Wort an aller unſer Her⸗
zen um JEſu Chriſti, ſeines lieben Sohnes,
unſres HErrn willen. Amen.

—

„Wo Chriſtus das Seine erhält, wollen wir
das Unſere gern um ſeinetwillen fahren laſſen“,
ſo ſchreibt Luther, nachdem man ihn zu einem
Vergleich in der Religion aufgefordert hatte.
(Werke. Hall. A. XIX, 2154.)

„Das Evangelium nach ſeinem eigent⸗
lichen Amt ſagt nicht, wer und was die Sünde
ſei; ſondern zeigt wohl an, daß da müſſe großer
Schade ſein, daß ſo große Arznei daher gehöret:
ſagt aber nicht, wie die Sünde heiße oder was ſie
iſt. Solches muß das Geſetz thun.“ Luther.
(H. A. XX, 2071.)

(Eingeſandt von Paſtor Keyl.)
Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den
deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes.

(Fortſetzung.)
5) Die einzelnen Beſtandtheile des
Hauptgottesdienſtes.

Der Introitus oder Eingang beſtand
in der alten Kirche in dem Geſang eines ganzen
Pſalmen zu Anfange des Gottesdienſtes; die rö⸗
miſche Kirche kürzie dieſe Pſalmen mit der Zeit
bis auf einzelne Verſe ab, denen ſie andere, meiſt
aus der Schrift entlehnte Worte beifügte; ſo ent⸗
ſtanden die Introiten, welche die Bedeutung
der einzelnen Sonn- und Feſttage ausſprechen.
Davon haben namentlich die Sonntage in den
Faſten und nach Oſtern ihre Namen erhalten,
z. B. Invocavit (er ruft mich an) von dem In⸗
troitus Pſalm 91, 15. Dieſe Introiten gingen,
weil ſie ſchriftmäßig waren und als Stimmen
eines Vorläufers oder Herolds galten, aus der
römiſchen in die lutheriſche Kirche über; ſie wur⸗
den von dem Chore nach den noch vorhandenen
Melodieen geſungen, wie einſt die himmliſchen
Heerſchaaren den Hirten die freudenreiche Ge—
burt Chriſti verkündigten; daher hat jeder Sonn⸗
und Feſttag ſeinen eigenen Introitus, der bei den
erſteren in genauer Beziehung auf das Evange—
lium, bei den letzteren auf das Wort Gottes ſteht,
welches das Feſt verkündiget. Zum Beweis, wie
ſehr ſich dieſe Introiten durch inhaltsreiche Kürze,
ſo wie durch ſchriftgemäße Auffaſſung auszeich⸗
nen, ſtehe hier der Introitus zum Weihnachtsfeſt:

„Uns iſt ein Kind geboren und dieſer Sohn
iſt uns geſchenkt; welcher ſeine Gewalt trägt
auf ſeinen Schultern und iſt genannt ein Mund⸗
bote eines großen Raths. Darum verkündige
ich Euch große Freude, die allem Volk wider⸗
fahren wind, denn Euch iſt heute der Heiland
geboren, welcher iſt der HErr Chriſtus. Sin⸗
get dem HErrn ein neues Lied, denn er hat
große Dinge gethan.“

Das kleine Gloria (Gloria Patri), oder
die Verkündigung göttlichen Lobes (Doxologia)

lautet in der vollſtändigſten Form ſo: „Ehre ſei

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