# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 15_S147 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Nicht minder aber mißbrauchen der heiligen Taufe: 2.) die grob und offenbarlich von dem Glauben an den dreieinigen Gott abgefallen ſind und ſich dem Teufel und ſeinem Weſen und Werk wieder zugekehrt haben, obwohl ſie getauft wurden; das iſt das unſchlachtige und verkehrte Geſchlecht, das ſind die Fleiſchesmenſchen und der Geſinnung nach die Kinder Eſaus; denn wie dieſer ſeine Erſtgeburt um ein Linſengericht verkaufte, ſo ver⸗ kaufen jene ihre Gotteskindſchaft, die ſie durch die heilige Taufe empfingen, um Geld und Gut, Macht und Ehre, Augen⸗ und Fleiſchesluſt; ſolche haſſen nicht den befleckten Rock des Flei— ſches, ſondern vielmehr die Kleider des Heils und den Rock der Gerechtigkeit Chriſti, den ſie durch die heilige Taufe vormals angezogen hatten; ſol— chen iſt widerfahren das wahre Sprüchwort: der Hund frißt wieder, was er geſpeiet hat, und die Sau wälzt ſich nach der Schwemme wieder im Koth. Wider ſolche, ſo ſie alſo beharren, wird das Blut Chriſti in ihrem Todesſtündlein nicht mehr Barmherzigkeit, ſondern Rache ſchreien und gerade um ihres Mißbrauchs und Verachtung der heili⸗ gen Taufe willen wird es den Kindern der Sünd⸗ fluth am jüngſten Tage erträglicher ergehen, denn ſolchen Chriſten. . Aber auch um ſolcher Edomiter willen beſchul⸗ digen die Schwärmer die liebe heilige Taufe und unſere ſchriftgemäße Lehre von ihr mit großem Unrecht; denn was können beide dafür, wenn der Getaufte, ſtatt durch die Taufgnade die Erbſünde immer mehr abzuſchwächen und der Heiligung nachzujagen, mit Luſt und Liebe die Taufgnade durch die wachſende Erb- und Thatſünde immer mehr abſchwächt und der Verweltlichung nach— jagt? Erkranken und ſterben nicht gar manche ins natürliche Leben geborne Kinder, ohne daß die Eltern und Pfleger daran ſchuld ſind? Und wenn der Diener eines Fürſten auf deſſen Geheiß einem elenden nackten Bettler ein herrliches Ehren⸗ kleid anlegt, iſt er dann ſchuldig, wenn der Be⸗ ſchenkte ſich ſpäter mit dieſem Kleide im Kothe der Straße herumwälzt? Ebenſo iſt die heilige Taufe und die Kirche, wenn dieſe ſonſt mütterlich mit der Milch und feſten Speiſe des göttlichen Wortes ihre neugeborenen Kindlein genährt hat, unſchuldig, wenn dieſe ſpäter des Vaters Haus verlaſſen, in der Fremde dieſer argen Welt ihre Heimath ſuchen und zu verlornen Söhnen werden. Oeffentliche und unbußfertige Sünder ſollen freilich, nachdem die erſten beiden Grade der brü— derlichen Ermahnung fruchtlos an ihnen geweſen, nach des HErrn Chriſti Ordnung in Matth. 18, 15—17. öffentlich und feierlich von der Gemeinde ausgeſchloſſen und in den Bann gethan werden, damit ſie, ob Gott will, dann endlich zu gründ⸗ licher Buße und Bekehrung gelangen; und das iſt in der That ein Krebsſchaden der lutheriſchen Kirche in Deutſchland und gar mancher lutheri⸗ ſcher Gemeinden allhier, daß dieſe von dem HErrn befohlene Kirchenzucht nicht gebührend gehand⸗ habt wird, ſo daß z. B. offenbare und unbußfer⸗ tige Ehebrecher, Säufer, Wucherer, Unverſöhnliche u. ſ. w. das heilige Abendmahl bekommen; und Zeit geſtattete, von dem Nutzen des rechten Ge⸗ hier haben die Schwärmer ganz recht, wenn ſie die betreffenden lutheriſchen Gemeinden um ſol⸗ cher ſchlaffen Kirchenzucht willen ſcharf angreifen. 3.) Dagegen müſſen wir ſie auch ernſt angrei⸗ fen, um ihrer Verachtung und ihres Nicht⸗— gebrauchs der heiligen Taufe willen, wenn ſie nämlich, obwohl als Kinder getauft, darnach aber aus ihrem Taufbunde gewichen und ſpäter durch falſche Lehre verführt, in den Wahn gerathen, als bedürfe es der Aufrichtung menſchlicher Erfindun— gen, Anſtalten, Uebungen und Bräuche, z. B. der methodiſtiſchen Bußbank, Schreigebete u. ſ. w., um, wie ſie meinen, erſt zur Wiedergeburt zu gelangen. All dieſes geſetzestreikeriſche Hantieren nemlich, und all dieſe Werkerei ſtammt aus der geheimen Hoffahrt des Herzens, daß der Menſch aus eige⸗ nem Vermögen doch etwas mitwirken könne, um, wie ſie meinen, zur Wiedergeburt und zur Ver⸗ gebung der Sünden zu gelangen; und deshalb geſchieht ſolche Treiberei zur Schmach und Un⸗ ehre der heiligen Taufe; denn dieſe ſetzt voraus, daß der Menſch, aus Adam geboren, durch und durch ein armer und durch das Geſetz verfluchter und verdammter, geiſtlich todter Sünder ſei, der zu ſeiner geiſtlichen Wiederbelebung auch nicht das Mindeſte beitragen könne, ſon dern der vol⸗ len Gnade Gottes und des alleinigen Ver⸗ dienſtes Chriſti und der ganzen Wirkung des Heiligen Geiſtes im Evangelio und der heiligen Taufe bedürfe, um wiedergeboren und vor Gott gerecht erklärt zu werden. Hat aber ein Menſch nach der Taufe durch Sündigen dieſe Gerechtigkeit verloren, iſt er ſei— nerſeits aus dem Bunde gewichen, den der ge⸗ treue Gott in der heiligen Taufe mit ihm gemacht hat, und geht ihm, eben um dieſer Gnadentreue Gottes im heiligen Taufbunde willen der Heilige Geiſt mit dem Worte Gottes nach, damit er ſich von Herzen wieder zu dem gnädigen und barmherzigen Gott bekehre: — ſo bedarf der reumüthige Sün⸗ der keines jener methodiſtiſchen Zwangs⸗ und Drangsmittel und jener künſtlichen Bekehr— Anſtalten; es genügt, daß er es mache, wie der ver⸗ lorne Sohn, zu dem Gotte ſeiner Taufe zurück⸗ kehre, vor ihm aufrichtig und gründlich ſeine Sünde bekenne, darnach aber auch der gnädigen Verheißung des getreuen Vaters, die er ihm ein für allemal in der heiligen Taufe (Marc. 16, 16.) zugeſagt, ſich wiederum gläubig annehme und getröſte und alſo durch Erneuerung der Buße und des Glaubens die ſeinerſeits verlorne Kindſchaft wiedergewinne. Nur auf dieſe Weiſe gebrauchet und ehret der rückkehrende Sünder recht die heilige Taufe und trauet dem nimmerwankenden Gnadenworte Got⸗ tes in ihr; und nur auf dieſe Weiſe kann er zu einer gründlichen Bekehrung und zu einem feſten und geſunden Gnadenſtande gelangen, darin er ſich nicht, wie der methodiſtiſche Bekehrte auf ſeine Gefühle an der Bußbank, ſondern auf die gnädige Zuſage und Verheißung ſeines Gottes in deſſen Wort verläßt. So hätten wir nun, ſo weit es die Kürze der brauchs und von dem Schaden des Mißbrauchs und Nichtgebrauchs der heiligen Taufe die Haupt⸗ ſtücke gehandelt. Der gnädige und barmherzige Gott ſegne das gehörte Wort an aller unſer Her⸗ zen um JEſu Chriſti, ſeines lieben Sohnes, unſres HErrn willen. Amen. — „Wo Chriſtus das Seine erhält, wollen wir das Unſere gern um ſeinetwillen fahren laſſen“, ſo ſchreibt Luther, nachdem man ihn zu einem Vergleich in der Religion aufgefordert hatte. (Werke. Hall. A. XIX, 2154.) „Das Evangelium nach ſeinem eigent⸗ lichen Amt ſagt nicht, wer und was die Sünde ſei; ſondern zeigt wohl an, daß da müſſe großer Schade ſein, daß ſo große Arznei daher gehöret: ſagt aber nicht, wie die Sünde heiße oder was ſie iſt. Solches muß das Geſetz thun.“ Luther. (H. A. XX, 2071.) (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. (Fortſetzung.) 5) Die einzelnen Beſtandtheile des Hauptgottesdienſtes. Der Introitus oder Eingang beſtand in der alten Kirche in dem Geſang eines ganzen Pſalmen zu Anfange des Gottesdienſtes; die rö⸗ miſche Kirche kürzie dieſe Pſalmen mit der Zeit bis auf einzelne Verſe ab, denen ſie andere, meiſt aus der Schrift entlehnte Worte beifügte; ſo ent⸗ ſtanden die Introiten, welche die Bedeutung der einzelnen Sonn- und Feſttage ausſprechen. Davon haben namentlich die Sonntage in den Faſten und nach Oſtern ihre Namen erhalten, z. B. Invocavit (er ruft mich an) von dem In⸗ troitus Pſalm 91, 15. Dieſe Introiten gingen, weil ſie ſchriftmäßig waren und als Stimmen eines Vorläufers oder Herolds galten, aus der römiſchen in die lutheriſche Kirche über; ſie wur⸗ den von dem Chore nach den noch vorhandenen Melodieen geſungen, wie einſt die himmliſchen Heerſchaaren den Hirten die freudenreiche Ge— burt Chriſti verkündigten; daher hat jeder Sonn⸗ und Feſttag ſeinen eigenen Introitus, der bei den erſteren in genauer Beziehung auf das Evange— lium, bei den letzteren auf das Wort Gottes ſteht, welches das Feſt verkündiget. Zum Beweis, wie ſehr ſich dieſe Introiten durch inhaltsreiche Kürze, ſo wie durch ſchriftgemäße Auffaſſung auszeich⸗ nen, ſtehe hier der Introitus zum Weihnachtsfeſt: „Uns iſt ein Kind geboren und dieſer Sohn iſt uns geſchenkt; welcher ſeine Gewalt trägt auf ſeinen Schultern und iſt genannt ein Mund⸗ bote eines großen Raths. Darum verkündige ich Euch große Freude, die allem Volk wider⸗ fahren wind, denn Euch iſt heute der Heiland geboren, welcher iſt der HErr Chriſtus. Sin⸗ get dem HErrn ein neues Lied, denn er hat große Dinge gethan.“ Das kleine Gloria (Gloria Patri), oder die Verkündigung göttlichen Lobes (Doxologia) lautet in der vollſtändigſten Form ſo: „Ehre ſei