# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 15_S146 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſpringen, oder Kriegsvolk zerſchmeißen, ſondern da er, ohne daß er etwa einen ſündigen Rückfall ge⸗ wan, kläglich zu Boden liegt und jämmerlich winſelt; denn es ſcheint ihm, als habe Gott ſein gnädiges Antlitz verborgen und habe ſein Auge wie Feuerflammen nur gerichtet auf ſeine alten und neuen Sünden; da erfährt er denn viele und große Angſt; er fürchtet ſich, daß ihm die Haut ſchauert, und entſetzet ſich vor Gottes Rechten; die Pfeile des Allmächtigen ſtecken in ihm, derſelben Grimm ſäuft aus ſeinen Geiſt wie Waſſer und die Schreckniſſe Gottes ſind auf ihn gerichtet. Satan, Geſetz und Gewiſſen ſtehen zugleich als Zeugen wider ihn auf und halten ihm das uner— meßliche Schuldenregiſter ſeines ganzen Lebens vor, und der Teufel thut, was an ihm iſt, um ihm die Gnade Gottes hinter ſeiner Heiligkeit und Gerechtigkeit zu verbergen und des Menſchen Sünde ihm als größer vorzumalen, denn Chriſti Verdienſt, auf daß der Angefochtene in den Un⸗ glaͤuben der Verzweiflung gerathe und ganz von Chriſto abfalle. Wie nun? was gibt wohl dem Angcefochtenen einen feſten und gewiſſen Troſt, wenn nach Gottes Verhängung ſolche Zeit über ſeine Seele kommt? Wird etwa dann der Rath der methodiſtiſchen Seelſorger anſchlagen, der ihn zum Beten antreibt, um das Gefühl der Gnade und der Empfindungen des- Glaubens wiederzugewinnen? Nicht alſo; denn er kann eben nicht beten, wie er gern möchte, ſein Glaube iſt eben keine Flamme, die kräftig zum Himmel hinauflodert, ſondern wie eine unter der Aſche glimmende Kohle, er kann der Angſt ſeines Herzens kaum mit einem Seufzer Luft machen. Ebenſo unfruchtbar aber erweiſ't ſich ein anderer Rath des Methodiſten, da dieſer ihn auf ſeine früher doch innerlich erfahrene Buße und Bekehrung hinweiſet. Denn zuerſt erkennt der Ermahnte gar wohl, daß ſeine Buße und Bekehrung nichts als Stück—⸗ und Flickwerk ſei, die den Menſchen wohl ſtrafen, aber nicht tröſten könne, ſodann aber verbirgt ſich ihm in der Angſt der Anfechtung das Werk Gottes darin; und indem er dermalen eben nicht mehr die Liebesküſſe des himmliſchen Vaters fühlt, der früher ihm, dem umkehrenden verlornen Sohn, entgegenlief und ihm die Süßigkeit ſeiner barm— herzigen Liebe und zu ſich ziehenden Gnade em⸗ pfindlich ins Herz dkückte, ſondern vielmehr die Zornesruthen eines Richters und Rächers, ſo ſcheint es ihm eher beim Gedanken an die frühern Gnadenerfahrungen, als ſei er jetzt abgefallen und der HErr habe ſeine Barmherzigkeit von ihm gewendet. Nicht mehr aber will es bei dem Angefochtenen recht belfen, wenn man ihm troſt- und gnaden— reiche Macht- und Kernſprüche aus der heiligen Schrift vorhält, denn in ſeinem verzagten klein⸗ müthigen Zuſtande wagt er eben nicht, dieſen Troſt ſich anzueignen; vielmehr drängen ſich ihm meiſt die erſchrecklichen Droh- und Gerichts⸗ ſprüche, wie z. B. Hebr. 6, 4—8., 10, 26. 27., Joh. 15, 6., dazwiſchen, da er ſich in der Angſt ſeiner Seelen für einen Solchen hält, der wirklich abgefallen ſei. 146— Da gibt es nun nichts Tröſtlicheres, als den Troſtloſen ſeiner Taufe zu erinnern und ihn des feſten Gnadenbundes zu vergewiſſern, den Gott in ihr mit ihm ſonderlich gemacht und ihn um Chriſti willen an Kindes Statt angenommen habe; und da er ja nicht muthwillig und vorſätzlich ſolche Gnade verachte und ſein einiges Sehnen und Verlangen dahin ſtehe, dieſer Gnade auch jetzt gewiß zu ſein, ſo ſolle er kraft ſeiner Taufe nur ſtracks zufahren, durch den dicken Nebel der Anfechtung hindurchbrechen und den ewig treuen und wahrhaftigen Gott nur in kindlichem und einfältigem Glauben, ſei dieſer auch noch ſo ſchwach, in ſeiner Gnaden-Verheißung feſthalten, die Er durch den Mund ſeines Dieners ein für alle Mal bei ſeiner Taufe geredet. Es iſt bekannt, wie Dr. M. Luther den Hiero⸗ nymus Weller, der auch in einer ſchweren Anfech⸗ tung ſtand und durch nichts gründlichen Troſt empfing, durch die einige Frage aus ſeinem Elend aufrichtete und die dunkeln Gewitterwolken mit einem Male zerſtreute: „Seid Ihr nicht ge— tauft?“ 3.) Das dritte Stück des rechten Gebrauchs der heiligen Taufe aber iſt dieſes, daß der Menſch auch bei wirklichem und ſelbſt gröbern und län⸗ gern Abfalle und nachdem er ſich von Gott eine gute Zeit ab⸗ und dem Teufel und ſeinem Weſen und Werken zugekehrt hat, die Gnadenthür und das Vaterherz Gottes noch offen findet, wenn er wie der verlorne Sohn aufrichtig und rechtſchaffen wieder zum Vaterhauſe umkehrt und ſich des un⸗ wandelbaren getreuen Gottes feſtiglich getröſtet, der in der heiligen Taufe mit ihm namentlich und perſönlich einen Gnadenbund aufgerichtet und ihn um Chriſti willen ein für alle Mal zu ſeinem lieben Kinde und Erben angenommen hat. Möge er auch noch ſo lange bundbrüchig und treulos in der Welt umhergeirret ſein, fremden Göitern nachgehuret haben und bis zu den Säuen und Träbern gekonmnen ſein, das erbar⸗ mende Vaterauge des Gottes ſeiner Taufe iſt ihm doch überall hingefolgt und eben um des heiligen Taufbunds willen läßt er ſein abtrünniges und verlornes Kind in allerlei heilſame Trübſal ge— rathen und ſchlägt durch ſeinen Heiligen Geiſt in ſeinem Wort immer von Neuem an ſein Herz, auf daß er endlich in ſich ſchlage, und ſeinen ge— treuen Bundesgott wieder ſuche, ſeine Sünde de⸗ müthig und reumüthig bekenne und darnach die Vaterarme wieder offen finde und aller Güter und Rechte des Vaterhauſes, d. i. der heiligen Kirche, theilhaftig werde. II. Ehe wir nun genauer vom Mißbrauche der heiligen Taufe handeln, ſo wird es nicht am un— rechten Orte ſein, zuvor im Allgemeinen zu be— merken, daß der Mißbrauch eines an ſich guten Dinges das Weſen desſelben und den Segen des rechten Gebrauchs nicht auf hebe; der Stand der weltlichen Obrigkeit, z. B. der Ehe- und Hausſtand, ſind und bleiben göttliche Ordnungen, wenn es auch leider viele ungerechte Richter und gottloſe Eheleute gibt; Gold, Perien und Edelgeſteine ver dürfen. Da heißt es auch: „Sprecht nicht etwa eine Hure damit ſchmückt. Ebenſo hält es ſich auch mit dem Mißbrauch der heiligen Taufe, denn es benimmt ihrem Weſen und Werth durch⸗ aus gar nichts, wenn es auch leider noch ſo viele Lutheraner gibt, 1.) die ſich in ſelbſtgemachtem und werkheil⸗ gem Thun und Treiben auf ſie verlaſſen, ohne dit rechte Buße zu Gott und den wahren lebendigen Glauben an unſern HErrn IEſum Chriſtum zu haben. Es ſind dies die Namen- und Heuchel⸗ Chriſten, die wohl den Schein haben eines gon⸗ ſeligen Weſens, aber ſeine Kraft verleugnen und die in der Kirche ſind, wie die Spreu im Weizen, wie die faulen Fiſche im Netz. Angeſichts ſolcher A Leute beſchuldigen die Schwärmer ganz mit Un— recht die heilige Taufe und unſte reine Lehre von ihr und den rechtem Gebrauch derſelben; denn was kann ſie dafür, wenn unbußfertige und ſelbſtgerechte Leute ſich eben ſo fleiſchlich auf ſie verlaſſen, als die Juden auf ihre Abſtammung von Abraham und auf die Beſchneidung? Was aber predigt Johannes der Täufer dieſen todten Leuten, die wohl die Beſchneidung, aber nicht den Glauben Abrahams hatten, und nur fleiſclich, aber nicht geiſtlich von ihm abſtammten? „Setet zu, thut rechtſchaffene Früchte der Büße; denet nur nicht, daß ihr bei euch wollt ſagen: wir haben Abraham zum Vater; ich ſage euch, Gott ver⸗ mag dem Abraham aus dieſen Steinen Kinder zu erwecken. Es iſt ſchon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum welcher Baum nicht ö gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins. Feuer geworfen.“ Matth. 3, 8—10. Dieſelbe beilſame Strafpredigt aber thut, ohne Ruhm zu melden, jeder treue lutheriſche Prediger den todten Lutheranern ſeiner Gemeinde, ohne dabei der brü⸗ derlichen Mitarbeit der lieben Methodiſten zu be— bei euch ſelbſt, die ihr den Namen habt, daß ihr lebet, und ſeid todt — ſprecht nicht bei euch ſelbſt: „„wir haben Chriſtum zum Erlöſer, wir ſind ge⸗ tauft und Gottes Kinder!““ ich ſage euch, Gon kann ſich aus ſteinharten Heiden Kinder erwecken, euch aber durch ſchnelle Gerichte dahinraffen, ſo ihr nicht Buße thut.“ O ihr elende, vom Hoffahrtsteufel verführte, ſelbſtgerechte, werkheilige Phariſäer, wollet ihr durch eure böswillige Unbußfertigkeit und Un⸗ glauben fort und fort die Fürbitte des Sohnes Gottes für euch unfruchtbare Feigenbäume ver⸗ geblich machen, die er gerade um der Taufe willen für euch thut, und ſie endlich in Fluch für euch verkehren? Denn wird es euch nicht, wenn ihr alſo beharrer, ergehen wie dem Feigenbaum zu! Jeruſalem, der ein Bild war des jüdiſchen Vollo und den der HErr verfluchte, da er nur Blätter und keine Früchte auf demſelben fand? Wetdet ihr nicht auch mit Schrecken verſtummen, wenn der König mit Augen wie Feuerflammen, dit Herzen und Nieren erforſchen, euch erkennet in der Schande eurer Blöße und zu euch ſaget: wie ſeid. ihr hereingekommen und habt doch kein hochzeitlich Kleid an? Bindet ihnen Hände und Füße und werfet ſie hinaus in die äußerſte Finſterniß, da ſt. lieren nichts an ihrem Werthe, wenn ſich auch Heulen und Zähnklappen.