Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 13 › Seite 52

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-02-22, Seite 52

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch · Lehre. — Falſche Lehrer 16 · Union 2 · Union 3 · Union 8 · Union 10 · Spaltung 6

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so ist nicht derjenige, der auf der Wahrheit besteht, die Ursache der Trennung, sondern allemal derjenige, der auf seinem Irrthum beharrt. So lange man daher nicht beweist, daß nicht die Reformirten, sondern die Lutheraner in den streitigen Punkten in Irrthum sind, so lange sind und bleiben die Reformirten die Friedens- und Ruhestörer, von denen Gott das Blut aller der Seelen fordern wird, welche sich an der großen ungeschlichteten Zwietracht ärgern, und verloren gehen.

Aber warum wollt ihr nicht die Liebe walten lassen? Wir antworten: Wir wollen gern den Reformirten alle Liebe erweisen, wie wir sie denn auch alle von Herzen lieben; wir beurtheilen sie auch nicht jetzt so streng, wie einst Luther einen Zwingli beurtheilen mußte; wir wollen uns ferner nicht zänkisch, nicht bitter, nicht verdammungssüchtig gegen sie zeigen, aber kirchlich können wir uns nicht mit ihnen vereinigen und in ihrer Gemeinschaft das heilige Abendmahl genießen, noch weniger können wir ihren Hirten unsere Schafe anvertrauen, so lange sie auf ihren Abweichungen von dem klaren Buchstaben des Wortes Gottes bestehen, mögen sie nun dabei der Verführung eines plumpen Zwingli oder eines feinen, polirten, geschmeidigen Calvin folgen. Durch eine solche Union würden wir die Wahrheit verleugnen, uns zu falscher Lehre bekennen, die Irrenden in ihrem Irrthum stärken, die rechtgläubigen Christen irre machen, die Schwachen ärgern, unsere Kirche verrathen und der Religionsgleichgültigkeit und somit dem Unglauben (Rationalismus, Naturalismus und Atheismus) Thür und Thor öffnen.

Wohl sollen wir als Christen uns der Liebe befleißigen, aber die Schrift sagt auch, wie die rechte gottgefällige Liebe beschaffen sein müsse; sie sagt: „Lasset uns rechtschaffen sein in der Liebe“ (Ephes. 4, 15.); die Liebe „freut sich aber der Wahrheit“ (1 Cor. 13, 6). Die Schrift sagt ferner: „Liebet Wahrheit und Frieden (Sach. 8, 19.): „wir können nichts wider die Wahrheit, sondern für die Wahrheit.“ (2 Cor. 13, 8.) Was hilft daher alles Reden von Liebe, von Frieden, von Einigkeit, wenn man die rechte Liebe und den rechten Frieden nicht meint? Eine Liebe, die man der Wahrheit vorzieht, ist eine geistliche Hurerei, vor welcher Gottes Wort an so vielen Stellen warnt, und ein Friede, der sich nicht auf die Wahrheit gründet, ist ein falscher Friede, da man, wie der HErr durch Hesekiel spricht, sein Volk verführt und sagt: Friede: so doch „kein Friede ist.“ Solche Unionsmacher sind gleich den falschen Baumeistern, die den Rissen an einem grundlosen Hause dadurch abzuhelfen trachten, daß sie sie mit einer losen Tünche überziehen! was aber Gottes Wort von solchen Baumeistern und ihrem Bau weissagt, das finden wir Hesekiel 13, 10—16., was der g. Leser daselbst nachlesen wolle.

Es ist sonach kein anderer Weg, eine wahre Union zu stiften, als daß man die Wahrheit predige! was sich mit diesem Bande nicht verbinden lassen will, das bleibt doch unvereinigt, man kleistere, kitte und flicke, wie man wolle.

Deutlich sagt St. Paulus: „Es müssen Rotten unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.“ (1 Cor. 11, 19.) Christus spricht ferner: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“ (Matth. 10, 34.) Damit will Christus und seine Apostel freilich nicht sagen, daß er Lust habe an Unfrieden, aber daß da unmöglich Friede bleiben könne unter den Menschen, wo die Wahrheit seines Evangeliums geprediget und von einigen festgehalten wird. Daher spricht Luther: „Es fahen wohl itzt etliche Klüglinge an, zu flicken, wollen der Sachen rathen und den Hader schlichten, geben für, man sollte auf beiden Seiten weichen und nachgeben. Die lassen wir zwar machen und versuchen, was sie können, gönnen ihnen der Mühe wohl; werden sie aber den Teufel fromm und mit Christo eins machen, so sind sie die ersten. Ich halte es aber, es sei mit solchem Flickwerk eben wie Sirach 22. sagt, als man Scherben wollte zusammen flicken. Und sind zwar bereits derer Schuster viel gewesen, so sichs unterstanden, aber auch umsonst gearbeitet und beide Draht und Stich verloren.“ (Erkl. des 110 Ps.)

Wir fürchten jedoch freilich, daß trotz aller dieser klaren Darlegungen viele sagen werden, wir sehen wohl, ihr wollt Israel nur verwirren (1 Kön. 18, 17.), ihr eifert fleischlich, ihr setzt das Christenthum nur in das Bekennen, ja in Disputiren und Zanken; wir mögen nichts weiter hören, bekehrt euch und eure Gemeinden, das ist die Hauptsache, die ihr über eurem Streiten vergesset. Solche, die durch dergleichen richtende Urtheile die Liebe in der That schlecht beweisen, die sie doch immer im Munde führen, erinnern wir an einen Arnd, Paul Gerhard und Spener. Diese werden sie doch schwerlich zu denen rechnen, welche fleischlich für Orthodoxie (Rechtgläubigkeit) auf Kosten eines thätigen Christenthums geeifert hätten! Wie aber diese Männer gesinnt waren, sehen wir daraus, daß sich erstlich Arnd, um der Wahrheit nichts zu vergeben, im J. 1590 lieber absetzen ließ, ehe er zu Gunsten derjenigen, die der reformirten Lehre hold waren, auch nur die Ceremonie des Exorcismus (der Beschwörung) bei der Taufe fahren lassen wollte, obgleich es sein Herzog, Georg von Anhalt, ihm geboten hatte. Arnd wußte recht wohl, daß der Exorcismus eine freie Ceremonie sei, aber er fürchtete, wenn er hier nachgäbe, dadurch die lutherische Wahrheit zu verleugnen und zu gefährden.

Von dem gesalbten Liederdichter Paul Gerhard ist bekannt, daß auch er sich im Jahre 1666 lieber seines Amtes als Archidiakonus zu Berlin entsetzen ließ, als daß er dem königlichen Befehl hätte gehorchen wollen, bei Widerlegung der calvinistischen Irrthümer die Reformirten wenigstens nicht mehr auf der Canzel mit Namen zu nennen. Er wollte also auch nicht das geringste thun, wodurch er den Verdacht erregen könnte, als halte er es mit falschen Lehrern, oder als sei er doch ihnen zu gefallen etwas gewichen. (Gal. 2, 5). Sein getrostes Herz hierbei sehen wir aus seinem herrlichen Liede: „Befiehl du deine Wege“ ꝛc., was er auf der Reise nach seiner Verjagung seinem Weibe zum Troste gedichtet hat. Selbst ein Spener endlich, welcher bisher gewiß von keiner Partei für einen Mann angesehen worden ist, der weniger auf christliches Leben, als auf reine Lehre gedrungen habe, selbst dieser sonst nur zu nachgiebige Mann schreibt von christlichgesinnten Reformirten folgendermaßen: „Ob ich schon mit solchen Menschen keine kirchliche Gemeinschaft in Communion, öffentlichem Gottesdienst und dergleichen halte — denn wie ich in dieser und jener Person mich des Glaubens versehen (ihn hoffen), bei einigen gar versichern kann, so kann ich ihre Gemeinde durchaus nicht billigen oder in völliger Gemeinschaft derselben stehen — so kann ich doch das Gute eines solchen Menschen rühmen.“ (Bedenken III, 203.) An einem andern Orte sagte derselbe: „So erkenne ich auch gerne, daß wir die Einigung auf alle ergebliche Art zu suchen haben. . . . Wo auch mit meinem Leben solche Vereinigung (ich will nur sagen zwischen uns und den Reformirten, sovielmehr, wo es noch mehrere mit treffen sollte) erkauft werden könnte, ich ja dasselbe nicht besser angewandt zu werden wüßte; aber ich meine, wir haben bei der Einigkeit und Friedfertigkeit wohl Acht zu geben, daß solche der Wahrheit keinen Eintrag auf einigerlei Weise thue, und wir also alle Liebe und Sanftmuth an in der Religion Irrenden von Grund unserer Seele erzeigen, aber wohl dabei Acht geben, daß dadurch weder bei den Unsrigen eine gegen Gott undankbare Geringhaltung der uns geschenkten Wahrheit oder wohl gar Gefahr, von derselben abzuweichen, noch bei den andern eine Bestärkung in ihrem Irrthum, als welches beides wider das Gewissen streiten würde, verursacht werde. Sodann daß wir in Verhütung des Aergernisses derer, die einigerleimaßen draußen sind, nicht diejenigen, welche in unserer Gemeinde stehen, und deren wir desto mehr zu schonen haben, noch gefährlicher ärgern, und da wir gleichsam den Riß unter uns und den Reformirten vermeinten zu heilen, unter uns selbst . . . noch mehr und weitere Risse verursachen.“ (Letzte Bdk. I, 434.) So zeugte ein Spener, den selbst die Evangelischen für einen Mann ihrer Partei ansehen.

Nennen jetzt viele Evangelische und mit ihnen gleichgesinnte Neulutheraner diejenigen sogleich todte unbekehrte Wortzänker, die noch jetzt auf ungekränktes Bekenntniß der reinen Lehre bestehen, so fragen wir sie, müssen die genannten Theologen wegen ihrer Gewissenhaftigkeit im Bekenntniß auch für solche Leute angesehen werden?

(Schluß folgt.)

Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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then it is not the one who stands firm on the truth who is the cause of the separation, but always the one who persists in his error. So long, therefore, as it is not proven that it is not the Reformed but the Lutherans who are in error on the points in dispute, so long the Reformed are and remain the disturbers of peace and order, from whom God will require the blood of all those souls who take offense at the great unresolved discord and are lost.

But why will you not let love prevail? We answer: We are glad to show the Reformed every love, since indeed we love them all from the heart; nor do we now judge them as severely as Luther once had to judge a Zwingli; we further do not wish to show ourselves quarrelsome, bitter, or eager to condemn toward them. But in church matters we cannot unite with them and partake of the Holy Supper in their fellowship, still less can we entrust our sheep to their shepherds, so long as they persist in their departures from the clear letter of the Word of God—whether they follow in this the seduction of a crude Zwingli or of a refined, polished, smooth Calvin. Through such a union we would deny the truth, confess ourselves to a false doctrine, strengthen those in error in their error, mislead orthodox Christians, give offense to the weak, betray our church, and open the door wide to religious indifference and hence to unbelief (rationalism, naturalism, and atheism).

As Christians we should indeed devote ourselves to love, but Scripture also tells us what true, God-pleasing love must be like; it says, "Let us be truthful in love" (Ephesians 4:15); love "rejoices in the truth" (1 Corinthians 13:6). Scripture further says, "Love truth and peace" (Zechariah 8:19); "we can do nothing against the truth, but for the truth" (2 Corinthians 13:8). What use, then, is all the talk of love, of peace, of unity, when one does not mean the right love and the right peace? A love that one prefers to the truth is a spiritual fornication against which God's Word warns in so many places, and a peace that is not grounded in the truth is a false peace, since one thereby, as the Lord says through Ezekiel, misleads his people and says "Peace," when "there is no peace." Such union-makers are like the false builders who seek to remedy the cracks in a house without foundation by covering them over with loose plaster! What God's Word prophesies concerning such builders and their building, we find in Ezekiel 13:10–16, which the gentle reader may look up there.

There is, then, no other way to establish a true union than to preach the truth! Whatever will not be bound together by this bond remains unreconciled, no matter how one may paste, cement, and patch it together.

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St. Paul says plainly: "There must be factions among you, so that those who are approved may be recognized among you." (1 Corinthians 11:19.) Christ further says: "I came not to send peace, but a sword." (Matthew 10:34.) By this Christ and his apostles certainly do not mean to say that he takes delight in discord, but that peace cannot possibly remain among men where the truth of his gospel is preached and held fast by some. Therefore Luther says: "Some clever fellows are now beginning to patch things up; they want to advise on the matter and settle the quarrel, proposing that both sides should yield and give way. We let them go ahead and try what they can do, and grant them the effort willingly; but if they can make the devil pious and make him one with Christ, then they will be the first to do it. But I hold that with such patchwork it is just as Sirach 22 says, as when one tries to mend potsherds together. And indeed there have already been many such cobblers who have attempted it, but who have likewise labored in vain and lost both thread and stitch." (Commentary on Psalm 110.)

We fear, however, that despite all these clear explanations, many will say: we see well enough that you only want to trouble Israel (1 Kings 18:17); you are contending in a merely carnal spirit; you make Christianity consist only in confession, indeed in disputing and quarreling; we wish to hear no more—convert yourselves and your congregations, that is the main thing which you forget over your quarreling. To such people, who by such judgmental verdicts prove rather poorly the very love that is always on their lips, we call to mind an Arndt, a Paul Gerhardt, and a Spener. These, surely, they will scarcely count among those who contended carnally for orthodoxy at the expense of an active Christianity! But how these men were minded we can see from the fact that, in the first place, Arndt, in order to concede nothing of the truth, in the year 1590 preferred to be removed from office rather than give up, in favor of those who were inclined toward the Reformed doctrine, so much as the ceremony of exorcism at baptism—although his prince, George of Anhalt, had commanded him to do so. Arndt knew very well that the exorcism was an optional ceremony, but he feared that by yielding on this point he would thereby deny and endanger the Lutheran truth.

Of the anointed hymn-writer Paul Gerhardt it is known that he too, in the year 1666, preferred to be removed from his office as archdeacon in Berlin rather than obey the royal command to refrain, at least, from naming the Reformed by name from the pulpit when refuting Calvinist errors. He was thus unwilling to do even the smallest thing that might raise the suspicion that he sided with false teachers, or that he had yielded to them in the least to please them (Galatians 2:5). We see his comforted heart in this from his glorious hymn "Commit Thou All Thy Griefs" [Befiehl du deine Wege], etc., which he composed for his wife's comfort on the journey following his expulsion. Even a Spener, finally, who has certainly never been regarded by any party as a man who insisted less on Christian living than on pure doctrine — even this man, who if anything was too yielding, writes as follows concerning Reformed persons of genuine Christian mind: "Although I hold no ecclesiastical fellowship with such people in communion, public worship, and the like — for while in this or that person I may hope for, or even in some cases be assured of, true faith, I nevertheless cannot at all approve of their church body or stand in full fellowship with it — I can still commend the good in such a person." (Bedenken III, 203.) In another place the same man said: "Thus I also readily acknowledge that we must seek unity in every conceivable way. . . . Even if such a union could be purchased with my own life (I mean specifically between us and the Reformed, and all the more so if it should also embrace still others), I would not know how it could be better spent; but I think that in seeking unity and peaceableness we must take care that this does no harm whatsoever to the truth, and that we accordingly show all love and gentleness, from the depths of our soul, to those who err in religion, yet at the same time take care that this causes neither, on our own side, an ungrateful undervaluing of the truth granted to us before God, or even the danger of departing from it, nor, on the other side, a strengthening of them in their error — either of which would offend against conscience. Further, that in guarding against giving offense to those who are in some sense outside, we do not thereby give even more dangerous offense to those who stand within our own congregation, whom we ought to spare all the more, and that, while imagining we are healing the breach between ourselves and the Reformed, we do not thereby cause still more and wider breaches among ourselves." (Letzte Bedenken I, 434.) So testified a Spener, whom even the Evangelicals regard as a man of their own party.

If many Evangelicals, and with them like-minded New Lutherans, now immediately brand as dead, unconverted word-wranglers those who still insist today on an unimpaired confession of the pure doctrine, then we ask them: must the theologians just named, on account of their conscientiousness in confession, likewise be regarded as such people?

(Conclusion to follow.)

The "Lutheraner" can always be obtained at the residence of the carrier, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), further from Mr. Quast (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the publisher.

Printed by Weber and Olshausen.