Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 13 › Seite 49

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-02-22, Seite 49

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Oſtern

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 1.

St. Louis, Mo., den 22. Februar 1845.

No. 13.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.

Der unterbrochene Aufbau des
Tempels zu Jerusalem.
(Nach den Quellen bearbeitet von E. G. W. Keyl.)

Julian, geb. im J. 331 nach Chr. Geb., der unwürdige Bruderssohn Constantins des Gr., wurde zwar in seiner Jugend mit aller Treue im Christenthum unterrichtet; da er aber außerdem und wider den Willen seiner Eltern dem Unterrichte heidnischer Lehrer mit großer Vorliebe beiwohnte, so wurde in ihm gar bald die Aussaat des göttlichen Wortes durch das Unkraut heidnischer Lehre erstickt. Doch wußte er seinen Abfall so lange zu verbergen, bis ihn das Volk, in der Meinung, er sei ein Christ, im Jahre 361, zum Kaiser erwählt hatte. Dann aber zog er die Maske ab, sagte sich öffentlich von Christo los und nahm ungescheut das Heidenthum mit allen seinen Greueln an, weshalb er von der christlichen Kirche mit Recht den Beinamen Apostata oder der Abtrünnige erhielt. Er war aber auch darauf bedacht, in seinem ganzen Reiche das Christenthum zu unterdrücken und das Heidenthum wieder in Aufnahme zu bringen; nicht zwar das alte (denn das hatte sich beinahe ganz überlebt), wohl aber ein neues Heidenthum, dem er durch Beimischung einiger christlicher Gebräuche und Sittenlehren einen christlichen Anstrich zu geben suchte. Um jene Absicht zu erreichen, gebrauchte er gegen die Christen mancherlei listige Kunstgriffe, und wo diese nicht helfen wollten, offenbare Gewalt; namentlich war er bemüht, die Christen und Alles, was ihnen heilig war, ihren Glauben, die Bibel, den HErrn Christum, den er spottweise nur den Galiläer nannte, vor aller Welt lächerlich und verächtlich zu machen. Leider ließen sich viele Christen zum Abfall bewegen, von denen jedoch einige mit Reue zu Christo zurückkehrten. Viele aber blieben standhaft bei ihrem Glauben und erduldeten lieber Alles, auch selbst den Tod, ehe sie Christum verleugneten. Dazu wurden sie von ihren Lehrern mit Wort und That ermuntert, z. B. von Basilius, der mit Freuden den Märtyrertod erlitt, und vom heil. Athanasius, der die Christen wegen des wüthenden Julian mit den heldenmüthigen Worten tröstete: „Erschrecket nicht; es ist eine kleine Wolke, sie wird bald vorüber gehen.“ Und dies geschah auch; denn es waren noch nicht zwei Jahre vergangen, seitdem Julian Kaiser und ein offenbarer Feind Christi geworden war, so zog er in den Krieg wider die Perser und schwur es den Christen zu, wenn er als Sieger zurückkehren werde, so solle der nächste Krieg gegen sie gerichtet sein. Aber siehe da, Christus besiegte ihn, und Julian selbst mußte dies noch bekennen; denn als ihn ein feindliches Geschoß tödtlich verwundet hatte, schleuderte er eine Handvoll des herausströmenden Blutes voll Ingrimm in die Höhe und rief sterbend: „Galiläer, du hast gesiegt!“ —

Unter den mannigfaltigen, aber mißlungenen Versuchen Julians, die christliche Religion zu Schanden zu machen, ist einer der merkwürdigsten der unternommene, aber durch Gottes Hand unterbrochene Aufbau des Tempels zu Jerusalem. Mit bitterem Haß gegen die Christen erfüllt und um sie recht empfindlich zu kränken, fing Julian an, gegen die Juden, weil sie ebenfalls die Christen von ganzem Herzen haßten, sich äußerst wohlwollend und freundlich zu beweisen; er erbat sich ihre Fürbitte für seine und des Reiches Wohlfahrt, und als sie, ermuthigt durch diese unerwarteten Beweise der kaiserlichen Huld, eine Gesandtschaft an ihn schickten, fragte er sie mit erheuchelter Theilnahme, warum sie nicht mehr, wie doch Moses geboten hätte, ihrem Gott Opfer darbrächten. Sie erwiederten, daß sie dies an keinem andern Orte, als im Tempel zu Jerusalem thun dürften; da aber schon längst Stadt und Tempel zerstört und ihr Volk zerstreut worden wäre, so sähen sie sich außer Stand, jenem Gebote wegen der Opfer Folge zu leisten. Julian, dem die Weissagung Christi: „Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden“ (Matth. 23, 38.), wohl bekannt war, glaubte dieselbe am besten durch den Wiederaufbau des Tempels zu Schanden zu machen und dadurch zugleich der christlichen Religion überhaupt den sichersten und letzten Stoß zu geben. Deshalb ertheilte er den jüdischen Gesandten die Erlaubniß zur Wiederherstellung ihres Tempels und Gottesdienstes, und zwar in seiner ganzen früheren Pracht; ja er versprach sogar dazu alle nöthige Unterstützung aus den öffentlichen Cassen.

Diese Nachricht verbreitete sich schnell in alle Länder und erfüllte alle Juden mit unaussprechlicher Freude, die in solche Frechheit ausartete, daß sie die Christen öffentlich verhöhnten, ihnen mit harten Verfolgungen droheten und an mehrern Orten sogar ihre Kirchen in Brand steckten. In der gewissen Hoffnung, das vorhabende Werk werde gelingen, griffen sie es nun eiligst und mit großem Eifer an. Von nah und fern, selbst aus den entlegensten Ländern strömten Juden haufenweise nach Jerusalem; große Summen Geldes wurden zusammengebracht und selbst die jüdischen Weiber brachten ihren kostbarsten Schmuck zur Beisteuer dar. Die nöthigen Werkzeuge und Baumaterialien wurden in großer Menge herbeigeschafft, und damit das ganze Unternehmen desto bessern Fortgang habe, so befahl Julian einem seiner höchsten Beamten, Namens Alipius, die Aufsicht darüber.

Nachdem nun Alles in Bereitschaft und eine unzählige Menge Arbeiter und unter ihnen sogar viele Weiber in ungeduldigem Warten versammelt waren, so wurden die Vorarbeiten zum Bau mit großem Eifer begonnen. Der Bauplatz wird abgeräumt; die aufgefundenen Ueberreste des frühern Baues werden hinweggeschafft; es wird von Neuem Grund gegraben, um die frühere Grundmauer aufzufinden. Allein mitten in der Arbeit erhebt sich plötzlich ein gewaltiger Sturm und Wirbelwind, und zerstäubt eine große Menge Gyps und Kalk, der in vielen tausend Säcken aufgehäuft war. —

Damals lebte zu Jerusalem ein berühmter Bischof, Namens Cyrillus; als dieser sah, daß viele fromme Christen dem Erfolge dieses Unternehmens mit bangen Erwartungen entgegensahen, beruhigte er sie mit den Weissagungen Daniels (Cap. 9, 26. 27.) und des HErrn Christi (Matth. 23, 38. Cap. 24, 2.) indem er ihnen daraus bewies, daß dieser Bau keinen glücklichen Fortgang haben könne, wie dies auch gar bald vor aller Augen offenbar wurde. — Die Trümmer des früheren Tempels waren nun schon so weit hinweggeräumt, daß man auf den Grund gekommen und im Begriffe war, darauf des andern Tages den Neubau zu beginnen, als in der Nacht vorher ein unerhörtes Erdbeben entstand und die untersten Grundsteine mit allen, die sie umgaben, herausschleuderte. In Folge dieses Erdbebens stürzten viele Gebäude in der Nähe des Tempelplatzes zusammen und viele Juden fanden unter den Trümmern ihren Tod, oder wurden verstümmelt hervorgezogen. Allein dies Zorneszeichen des starken eifrigen Gottes schreckte die Juden noch nicht von ihrem Vorhaben ab.

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall never now nor ever pass away."

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 1.

St. Louis, Mo., February 22, 1845.

No. 13.

Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for out-of-town subscribers, half of which they must pay in advance, and who must also bear the cost of postage. — In St. Louis, each single issue is sold for 6¼ cents.

The Interrupted Rebuilding of the
Temple at Jerusalem.
(Compiled from the sources by E. G. W. Keyl.)

Julian, born in the year 331 after the birth of Christ, the unworthy nephew of Constantine the Great, was indeed instructed with all faithfulness in Christianity in his youth; but because he also attended, with great fondness and against the will of his parents, the instruction of pagan teachers, the seed of the divine Word was soon choked in him by the weeds of pagan doctrine. Yet he knew how to conceal his apostasy for so long that the people, believing him to be a Christian, elected him emperor in the year 361. But then he threw off the mask, publicly renounced Christ, and unashamedly embraced paganism with all its abominations, for which the Christian church rightly gave him the surname Apostata, or the Apostate. He was also intent on suppressing Christianity throughout his entire realm and reviving paganism—not, indeed, the old paganism (for that had almost entirely outlived itself), but rather a new paganism, to which he sought to give a Christian veneer by mixing in some Christian customs and moral teachings. To achieve this purpose he used many cunning devices against the Christians, and where these would not help, open violence; in particular he took pains to make the Christians, and everything that was sacred to them—their faith, the Bible, the Lord Christ, whom he mockingly called only the Galilean—an object of ridicule and contempt before all the world. Unfortunately many Christians were moved to apostatize, though some of these later returned to Christ in repentance. Many, however, remained steadfast in their faith and endured everything, even death itself, rather than deny Christ. In this they were encouraged by their teachers in word and deed—for example, by Basil, who joyfully suffered a martyr's death, and by St. Athanasius, who comforted the Christians in the face of the raging Julian with the courageous words: "Do not be afraid; it is a little cloud, it will soon pass by." And so it happened; for not even two years had passed since Julian had become emperor and an open enemy of Christ, when he marched to war against the Persians and swore to the Christians that, should he return victorious, the next war would be waged against them. But behold, Christ conquered him, and Julian himself was forced to confess this; for when a hostile missile had mortally wounded him, he flung a handful of the streaming blood into the air in rage and cried out as he died: "Galilean, you have conquered!"

Among the manifold but unsuccessful attempts of Julian to bring the Christian religion into disgrace, one of the most remarkable is his undertaking—interrupted, however, by God's hand—to rebuild the Temple at Jerusalem. Filled with bitter hatred toward the Christians, and in order to wound them all the more keenly, Julian began to show himself extremely well-disposed and friendly toward the Jews, since they too hated the Christians with their whole heart. He asked for their intercession for his own welfare and that of the empire, and when they, encouraged by these unexpected tokens of imperial favor, sent an embassy to him, he asked them, with feigned sympathy, why they no longer offered sacrifices to their God as Moses had commanded. They replied that they were permitted to do this in no other place than the Temple at Jerusalem; but since the city and the Temple had long since been destroyed and their people scattered, they found themselves unable to comply with that commandment concerning the sacrifices. Julian, who was well acquainted with Christ's prophecy, "Behold, your house is left unto you desolate" (Matthew 23:38), believed that he could best bring this prophecy into disrepute by rebuilding the Temple, and thereby at the same time deal Christianity in general the surest and final blow. He therefore granted the Jewish envoys permission to restore their Temple and its worship, indeed in its full former splendor; he even promised all the necessary support from the public treasury for this purpose.

This news spread quickly through all lands and filled all the Jews with unspeakable joy, which grew so insolent that they publicly mocked the Christians, threatened them with harsh persecutions, and in several places even set fire to their churches. In the confident hope that the intended work would succeed, they now set about it hastily and with great zeal. From near and far, even from the most remote lands, Jews streamed to Jerusalem in great crowds; large sums of money were collected, and even the Jewish women brought their most precious jewelry as a contribution. The necessary tools and building materials were brought in great quantity, and in order that the whole undertaking might proceed all the better, Julian charged one of his highest officials, named Alypius, with overseeing it. Now that everything was in readiness, and a countless multitude of workers—among them even many women—had gathered in impatient anticipation, the preliminary work for the building was begun with great zeal. The building site was cleared; the remains of the former structure that were found were carried away; new ground was dug in order to locate the former foundation wall. But in the midst of the work a violent storm and whirlwind suddenly arose and scattered a great quantity of gypsum and lime that had been piled up in many thousands of sacks.

At that time there lived in Jerusalem a renowned bishop named Cyril; when he saw that many devout Christians watched the progress of this undertaking with anxious expectation, he reassured them with the prophecies of Daniel (chapter 9:26–27) and of the Lord Christ (Matthew 23:38; chapter 24:2), proving to them from these that this building could not proceed successfully—as indeed soon became evident before the eyes of all.

The rubble of the former Temple had by now been cleared away to such an extent that they had reached the foundation and were on the point of beginning the new construction the following day, when, the night before, an unprecedented earthquake occurred and hurled out the lowest foundation stones along with everything that surrounded them. As a result of this earthquake many buildings near the Temple site collapsed, and many Jews met their death beneath the ruins or were pulled out mutilated. Yet this sign of the wrath of the strong, zealous God did not yet frighten the Jews away from their undertaking.