Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 9 › Seite 36

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-12-22, Seite 36

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Spendeformel 38 · Buße 9 · Taufe 60

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Die Bittsteller unterstützen ihren Wunsch, jene Formel abgeschafft zu sehen, mit vier Gründen. Sie zeigen erstlich, daß sie eine störende, menschliche Zuthat sei, indem ja beim heil. Abendmahl der Diener der Kirche nicht erzähle, sondern an Christi statt stehe (2 Cor. 5, 20.). Sie weisen zweitens darauf hin, daß diese Formel dunkel und zweideutig sei, wenn man bedenke, wie man darauf gekommen sei, gerade diese Formel zu wählen. Es ist dies nehmlich erst in neuerer Zeit geschehen, wo man Lutheraner und Reformirte äußerlich zu uniren (zu vereinigen) gesucht hat; dazu fand man jene Formel ganz geeignet, denn wenn der Prediger sagt: „Christus spricht: das ist mein Leib“ ꝛc. so ist es beiden Theilen überlassen, wie sie die Worte deuten wollen. (Darum sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: „Schreibe nicht: der Juden König; sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König.“ — Diese Formel wollten sich also auch die Feinde Christi gern gefallen lassen. Daher weigern sich auch die ungläubigen Rationalisten d. i. die Vernünftler nicht, das heil. Abendmahl mit denselben Worten wie die Evangelischen auszutheilen.)

Der dritte Grund, welchen die Bittsteller für Abstellung jener Formel angeben, ist, weil sie ein Kennzeichen der reformirten Kirche immer war und nun auch ein Schiboleth (Erkennwort, vgl. Buch der Richter 12, 6.) der Unirten geworden sei. Sei es nun Pflicht jeder rechtgläubigen Gemeinde zu allen Zeiten, nichts annehmen, wodurch sie den Verdacht auf sich laden könne, als billigte sie die falsche Lehre irrgläubiger Gemeinschaften, so hätten viertens die lutherischen Gemeinden in Nordamerica besonders nöthig, sich in dieser Rücksicht wohl vorzusehen, da sie hier von so unzähligen Secten umschwärmt seien. Jeder Lutheraner, der alle Zweizüngigkeit haßt und es mit der Wahrheit und seiner Kirche treu meint, wird von Herzen wünschen, daß die gerechte Bitte der Genannten eine gute Statt finden möge. Die Unirtgesinnten sagen zwar, daß ihre Darreichungsformel echt biblisch sei, daß hingegen die Lutheraner etwas hinzusetzen, wenn sie sprechen: „Das ist der wahre Leib“ ꝛc.; aber so leicht sich damit ein Einfältiger täuschen läßt, so ungegründet ist diese Behauptung. Der HErr hat erstlich bei der Austheilung nicht gesagt: „Christus spricht: das ist“ ꝛc. Und wenn uns die Unirten beschuldigen, daß wir etwas hinzusetzen, indem wir bekennen, daß das wahr ist, was Christus sagt, so verrathen sie damit einen Sinn, vor welchem ein christliches Herz erschrecken muß. Wie? das nennt ihr ein Hinzuthun (Offb. 22, 18.), wenn wir unserm Heilande, dem Allmächtigen und Wahrhaftigen, die Ehre geben? wenn wir sagen: Du sprichst, HErr JEsu: „Das ist mein Leib,“ darum glauben wir es auch, daß es wirklich dein Leib sei? — O, daß man doch erkennen möchte, was man thut, wenn man seine armen Zuhörer zu überreden sucht, daß diejenigen einen Zusatz machen, die da bekennen, daß das wahr sei, was der Sohn Gottes redet! Wer kann ein Christ sein, wer kann seinen Heiland lieben, der nicht wünschen müste, daß alle Menschen zu jedem Worte Christi von ganzem Herzen hinzusetzten: Das ist wahr!?

Merkwürdige Bekehrung eines Spötters, als er die heil. Taufe zum Scherz empfangen wollte.

Genesius, ein Comödiant zu Rom, suchte sich einst unter anderm auch dadurch die Gunst des Kaisers Diokletian (starb im Jahre 313 nach Christo) zu erwerben, daß er in den öffentlichen Schauspielen, die er dirigirte, den Glauben der verhaßten Christen zu einem Gegenstande des Gelächters machte. Um desto lebhaftere Vorstellungen auf die Bühne bringen zu können, besuchte er öfters die Versammlungen der Christen, wo er auf ihre Gebräuche genau Acht gab. Einst sollte er bei der Aufführung eines Lustspiels auch die Taufe der Christen nachahmen und die Rolle eines Menschen spielen, der auf dem Sterbebette dieses Sacrament verlangte. Doch was geschah? In dem Augenblicke, wo sich der verkleidete Presbyter (Prediger) ihm näherte, die heilige Handlung an ihm zum Spotte zu vollziehen, da stellte sich plötzlich jenes apostolische Wort vor seine Seele, das er kurz vorher in einem Bethause der Christen gehört hatte: „Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater unser aller.“ (Ephes. 4, 5. 6.) Mit göttlicher Gewalt drang dieses Zeugniß in sein Herz, er konnte nicht widerstehen, entschloß sich sogleich, ein Christ zu werden, und bekannte dies jetzt laut vor der anwesenden Versammlung. Der Kaiser, der auch zugegen war, war hierbei höchst vergnügt, indem er noch immer meinte, Genesius spiele seine Rolle mit täuschender Lebendigkeit fort. Als er aber endlich sah, daß es Genesius voller Ernst sei, ein Christ werden zu wollen, indem dieser laut seine Reue bekannte, die heilige christliche Religion und ihre Geheimnisse verspottet zu haben, gerieth der Kaiser in ebenso großen Zorn als Bestürzung. Er gab Befehl, den Bekenner auf der Stelle durchzuprügeln, und da er standhaft blieb, ihn auf's grausamste zu martern, über eiserne Stacheln nackt hin und her zu wälzen und mit Fackeln zu rösten. Doch kein Schmerz war vermögend, Genesius, den Gottes Hand gerührt hatte, in seinem Entschlusse wankend zu machen. So wurde ihm denn endlich der Kopf abgeschlagen.

Der Heiland ein Kindlein — großer Trost!

Einer großen Sünderin wollte einstmals aller Trost zerrinnen. Wenn sie an den jüngsten Tag dachte, so sprach sie: Meiner Sünden sind mehr, denn des Sandes am Meer, wie will ich da bestehen? Wenn sie an das Paradies gedachte, so hieß es in ihrem Herzen: Da gehörst du nicht hinein, denn haußen sind die Hunde. Offbg. 22, 15. Wenn sie an das Leiden Christi gedachte, so kamen die schweren Gedanken: Ja, deß hast du dich muthwillig beraubt; du hast das Blut des HErrn Christi mit Füßen getreten. In solcher Trostlosigkeit ging diese Sünderin einstmals am Christtage zur Kirche; als sie nun hier von dem HErrn JEsu hörte, daß er auch ein kleines Kindlein gewesen sei, faßte sie alsbald die tröstlichen Gedanken: Die Kindlein können ja nicht Zorn halten; so laß doch, mein HErr JEsu, deinen gerechten Zorn auch wider mich arme Sünderin fallen und erweise dich gegen mich, was du warest, als ein Kindlein. Die Kindlein lassen sich alles abreden; ach, du liebes, frommes, süßes, löbeliches Kindlein JEsu, laß dir doch auch abreden die Vergebung meiner Sünden, damit ich selig werde. — Darauf gab sich ihr Herz zufrieden.

Beste Zeit, Buße zu thun.

M. Eleazar pflegte zu sagen: Thue Buße, wenigstens einen Tag vor deinem Tode. Als aber seine Schüler ihn einst fragten, wie man solche Zeit treffen könne, indem ja die Stunde des Todes so ungewiß sei? gab er ihnen zur Antwort: Eben darum soll man sich heute bekehren, damit man nicht vielleicht morgen in seinen Sünden sterbe, und ewig verloren werde. Denn wie derjenige, der zu Schiffe geht und sich zuvor auf dem Lande nicht mit Speise und anderen Lebensbedürfnissen versehen hat, hernach solche auf dem Wasser nicht bekommen kann: also ist es auch mit dem beschaffen, welcher in diesem Leben nicht Buße thut.

Lied an der Krippe.

Weg Welt! hier ist mein Schmuck, mein Gold; / Weg! hier ist mein Vergnügen; / Hier find ich, was das Herz gewollt, / Drum laß ich alles liegen., / Ja, Kindlein, liebes Kindelein, / Du sollst mein Eins und Alles sein.

So oft ich lache, lach' ich dir, / Dir fließen meine Thränen, / Mein Himmel bist du mir schon hier, / Du stillst des Herzens Sehnen. / Mein Heil, mein HErr und Gott bist du, / Bringst meinen Geist zu seiner Ruh!

Drum schlägt mein Herz, drum wallt mein Blut / Mit Dank, und Preis, und Loben / Dir, Vater, für das höchste Gut, / Das du mir gabst von oben. / Komm bald, mein Vater, hole mich, / So will ich ewig preisen dich.

Urtheil über ein gottloses Buch.

Kästner, der sich durch seine Sinngedichte so berühmt gemacht hat (er starb 1800 als Professor der Naturlehre zu Göttingen), wurde einmal in einer Gesellschaft von dem bekannten Juristen Böhmer gefragt: Was er wohl von Voltaire's Pucelle hielte.

Kästner schwieg, ergriff sogleich ein Kartenblatt und schrieb Folgendes darauf:

Den Legionen in der Hölle / Las Belzebub Voltaire's Pucelle, / Und jeder Teufel war ganz Ohr. / „Ihr schmeichelt keinem Adamssohne,“ / Sprach Lucifer vom Flammenthrone, / „Er schrieb nur und ich sagt's ihm vor.“

Welches er sodann Böhmer'n überreichte.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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The petitioners support their wish to see that formula abolished with four reasons. They show, first, that it is a disturbing, human addition, since at Holy Communion the minister of the Church does not narrate, but stands in Christ's stead (2 Corinthians 5:20). They point out, second, that this formula is obscure and ambiguous, when one considers how it came about that precisely this formula was chosen. This happened, namely, only in more recent times, when an attempt was made to unite Lutherans and Reformed outwardly; for this purpose that formula was found quite suitable, for when the minister says, "Christ says: this is my body," etc., it is left to both parties how they wish to interpret the words. (For this reason the chief priests of the Jews said to Pilate: "Do not write, The King of the Jews, but that he said, I am King of the Jews." — This formula, too, the enemies of Christ would gladly have accepted. Hence even the unbelieving Rationalists, that is, the mere reasoners, do not refuse to distribute Holy Communion with the very same words as the Evangelicals.)

The third reason the petitioners give for the abolition of that formula is that it has always been a distinguishing mark of the Reformed Church, and has now also become a shibboleth (a password; compare Judges 12:6) of the Unionists. Now if it is the duty of every orthodox congregation at all times to accept nothing by which it might bring upon itself the suspicion of approving the false teaching of heterodox communions, then, fourth, the Lutheran congregations in North America especially have need to be well on their guard in this regard, since here they are swarmed about by so countless a number of sects. Every Lutheran who hates all double-tonguedness and is truly devoted to the truth and to his Church will heartily wish that the just petition of the aforenamed men may find good favor. The Union-minded do indeed say that their formula of distribution is genuinely biblical, whereas the Lutherans add something when they say, "This is the true body," etc.; but however easily a simple person may be deceived by this, the claim is just as groundless. The Lord, in the first place, did not say at the distribution, "Christ says: this is," etc. And when the Unionists accuse us of adding something, in that we confess that what Christ says is true, they thereby betray a way of thinking before which a Christian heart must recoil. What? Do you call it an addition (Revelation 22:18) when we give honor to our Savior, the Almighty and the True One? When we say: You say, Lord Jesus, "This is my body," and therefore we also believe that it truly is your body? — Oh, that one might indeed recognize what one is doing when one seeks to persuade one's poor hearers that those make an addition who confess that what the Son of God says is true! Who can be a Christian, who can love his Savior, who would not

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wish that all people, with their whole heart, would add to every word of Christ: This is true!

The Remarkable Conversion of a Mocker, When He Sought to Receive Holy Baptism in Jest.

Genesius, an actor at Rome, once sought, among other things, to gain the favor of the Emperor Diocletian (died in the year 313 after Christ) by making the faith of the hated Christians an object of ridicule in the public plays which he directed. In order to bring the more lifelike portrayals to the stage, he often attended the assemblies of the Christians, where he took careful note of their customs. Once, in the performance of a comedy, he was also to imitate the baptism of the Christians and play the part of a man who, on his deathbed, desired this sacrament. But what happened? At the very moment when the disguised presbyter (preacher) approached him to perform the holy act upon him in mockery, that apostolic word which he had shortly before heard in a house of prayer of the Christians suddenly presented itself to his soul: "One Lord, one faith, one baptism, one God and Father of us all" (Ephesians 4:5–6). With divine power this testimony pressed into his heart; he could not resist, resolved at once to become a Christian, and now confessed this loudly before the assembled company. The Emperor, who was also present, was at this greatly delighted, still supposing that Genesius was carrying on his role with deceptively lifelike skill. But when he finally saw that Genesius was in dead earnest about wanting to become a Christian — since the latter loudly confessed his repentance for having mocked the holy Christian religion and its mysteries — the Emperor fell into as great a rage as consternation. He gave orders that the confessor be flogged on the spot, and, since he remained steadfast, that he be tortured most cruelly, rolled naked back and forth over iron spikes, and roasted with torches. Yet no pain was able to shake Genesius, whom God's hand had touched, in his resolve. So at last his head was struck off.

The Savior a Little Child — Great Comfort!

A great woman sinner once found all comfort slipping away from her. When she thought of the Last Day, she said: My sins are more numerous than the sand of the sea; how shall I then stand? When she thought of Paradise, it said in her heart: You do not belong in there, for outside are the dogs (Revelation 22:15). When she thought of the suffering of Christ, heavy thoughts came to her: Yes, of that you have willfully robbed yourself; you have trampled the blood of the Lord Christ underfoot. In such comfortlessness this sinner once went to church on Christmas Day; and when she now heard there that the Lord Jesus had also once been a little child, she at once took hold of this comforting thought: Little children cannot hold on to anger; so let, my Lord Jesus, your just wrath also fall away from me, poor sinner, and show yourself toward me as you were, as a little child. Little children can be talked out of anything; ah, you dear, godly, sweet, praiseworthy little child Jesus, let yourself also be talked into forgiving my sins, that I may be saved. — Thereupon her heart was content.

The Best Time to Repent.

Rabbi Eleazar used to say: Repent, at the very least, one day before your death. But when his disciples once asked him how one could hit upon such a time, since the hour of death is so uncertain, he answered them: For this very reason one should turn to God today, so that one might not perhaps die tomorrow in one's sins and be lost forever. For just as the one who goes to sea and has not first provided himself on land with food and other necessities of life cannot afterward obtain such things on the water, so also is it with the one who does not repent in this life.

Hymn at the Manger.

Away, world! Here is my ornament, my gold;
Away! Here is my delight;
Here I have found what my heart desired,
Therefore I let all else lie.
Yes, little child, dear little child,
You shall be my one and all.

As often as I laugh, I laugh to you,
To you flow my tears,
My heaven are you to me already here,
You still the heart's longing.
My salvation, my Lord and God are you,
You bring my spirit to its rest!

Therefore my heart beats, therefore my blood surges
With thanks, and praise, and glory
To you, Father, for the highest good
That you gave me from above.

Come soon, my Father, fetch me,
So will I praise you forever.

A Verdict on a Godless Book.

Kästner, who made himself so famous through his epigrams (he died in 1800 as professor of natural science at Göttingen), was once asked in company by the well-known jurist Böhmer what he thought of Voltaire's Pucelle.

Kästner was silent, at once took up a playing card, and wrote the following on it:

To the legions in Hell
Beelzebub read Voltaire's Pucelle,
And every devil was all ears.
"You flatter no son of Adam,"
Said Lucifer from his flaming throne,
"He only wrote it, and I dictated it to him."

Which he then handed to Böhmer.

Printed by Weber and Olshausen.