Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 9 › Seite 34

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-12-22, Seite 34

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1

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rang er zuweilen mehrere Tage lang, in eine Celle sich einschließend; aber umsonst! — die Anfechtungen kehrten mit immer neuer Stärke wieder. Doch ergötzten zuweilen Gottes Tröstungen seine Seele. So sagte einmal sein Beichtvater zu ihm: „Es ist nicht genug, daß du insgemein glaubest, daß Gott Sünde vergebe, denn das glauben die Teufel auch; sondern du mußt glauben, daß sie Dir, Dir, Dir vergeben sind." Dadurch ist Luther, wie er später oft gerühmt hat, reichlich getröstet und dem Verständniß der Worte St. Pauli Röm. 3, 23—26. näher gebracht worden, daß der Mensch ohne Verdienst allein durch den Glauben gerecht werde. Zu dieser Erkenntniß war Luthern auch der damalige Provincial oder Generalvicar des Augustinerordens in Deutschland, Johann von Staupitz, behülflich. Dieser bewies sich gegen ihn als ein Vater; er antwortete einmal Luthern, der ihm seine Versuchungen klagte: „Ei, wollt ihr denn auch nur ein gemalter Sünder sein, und nur einen gemalten Erlöser haben?"

In seinem 24. Jahre (im Jahre 1507) wurde Luther von dem Weihbischof zum Priester ordinirt oder geweiht, wobei ihm auch die Worte zugerufen wurden: „Nehmet hin die Gewalt zu opfern (den Leib und das Blut Christi) für Lebendige und Todte." Deshalb schrieb Luther davon später: „Daß uns da die Erde nicht beide verschlang, war unrecht (menschlich geredet) und allzu große Gottes Geduld." Jedoch trotz aller antichristischen Zusätze erkannte Luther auch später seine Ordination für gültig. Er hielt damals zum ersten Male Messe, wie er hernach eine ziemliche Reihe von Jahren gethan; jedoch erklärte er solches Meßhalten für die größte Sünde seines Lebens, indem er dadurch so oft das einige vollkommene Opfer Jesu Christi verleugnet und geschändet habe.

Im folgenden Jahre, 1508, wurde er auf die Empfehlung seines obgenannten Vorgesetzten, des Dr. Staupitz, als Professor der Philosophie an der (1502) neugestifteten Universität Wittenberg berufen. Doch schon im Jahre darauf (1509) durfte er sein philosophisches Lehramt mit dem theologischen vertauschen, (er wurde Baccalaureus der Gottesgelehrtheit und zwar mit der besonderen Bestimmung „ad biblia," zur Auslegung der Bibel). Er machte daher nicht nur durch seine Predigten, sondern auch durch seine Vorlesungen, wobei er jetzt immer nur die heil. Schrift zu Grunde legte, bald ein solches Aufsehen, daß der damalige Universitäts-Rector, der berühmte Mellerstadt, von ihm sagte: „Dieser Mönch wird alle Doctoren irre machen und eine neue Lehre aufbringen und die ganze römische Kirche reformiren, denn er legt sich auf der Propheten und Apostel Schriften und stehet auf JEsu Christi Wort.

Nicht minder stand er bei seinen Ordensbrüdern, den Augustinermönchen, in großem Ansehen, weshalb sie ihn im Jahre 1510 zur Beilegung von Streitigkeiten, die unter ihnen entständen waren, nach Rom sendeten, welchen Auftrag er auch zur Zufriedenheit beider Parteien ausrichtete. Wie sehr er damals dem päbstlichen Aberglauben noch ergeben war, hat er selbst bekannt; er spricht: „Ich war zu Rom auch so ein toller Heiliger; lief durch alle Kirchen und Klüfte (Begräbnisse der Märtyrer), glaubte alles, was daselbst erlogen und erstunken ist." Alles, was er dort gesehen und gehört, hat ihm später, als er gegen die römischen Greuel zeugte, sehr viel genützt, so daß er nachher oft sagte, er wolle nicht 1000 Gülden nehmen, daß er Rom nicht gesehen hätte. Aber noch in anderer Beziehung ward ihm die Reise nach Rom wichtig. Schon unterwegs hatte ihm das Wort der Schrift: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben," sehr schwer im Sinne gelegen, ohne daß er es sich damals recht klar zu deuten vermocht hätte. Alles, was die Kirche ihm zur Tilgung seiner Sünden empfehlen würde, war er willig zu thun in Rom angekommen. Als er nun hier auf bloßen Knieen die sogenannte Pilatusstiege, die von dem Gerichtshause zu Jerusalem nach Rom gekommen sein sollte, hinankletterte, um den päbstlichen Ablaß zu empfangen, da ertönte es jetzt in seinem Herzen wie eine Donnerstimme: „Der Gerechte lebet seines Glaubens." (Röm. 1, 17.) Dieses benahm ihm nun zwar allen Trost, den er in seinen Werken und Uebungen hier suchte, doch blieb noch immer der trostvolle Sinn jener Worte vor seinen Augen verborgen.

daß Luther bei seiner ausgezeichneten Mäßigkeit und Selbstverleugnung kein sauersehender Heiliger oder vielmehr Heuchler war. Fastete er, so salbte er sein Haupt Matth. 6, 16—18. A. d. H.

Nach seiner Rückkehr wurde Luther (1511) auf Staupitzens dringendes Begehren trotz seines Widerstrebens Doctor der heil. Schrift (Doctor biblicus), und da eine solche Beförderung mit kostspieligen Feierlichkeiten verbunden war, gab der Churfürst selbst das Geld dazu her. Staupitz drang in Luthern zur Annahme dieser Ehre mit den Worten: „Gott der HErr bedarf jetzt junger rüstiger Doctoren, denn er hat große Dinge vor im Himmel und auf Erden." Es war dies keinesweges eine bloße Förmlichkeit, denn Luther erhielt durch sein Doctorat den Beruf, die Lehre der heil. Schrift gegen alle Anfechtungen zu vertheidigen. „Da habe ich," schreibt er daher selbst, „meiner allerliebsten heil. Schrift müssen schwören und geloben, sie treulich und lauter zu predigen und zu lehren." Dieses öffentlichen Befehls und theuren Eides hat er sich in vielen großen Kämpfen erinnert und damit getröstet.

Da er nun auch im folgenden Jahre 1512 Prediger in Wittenberg wurde, so nahm er sich von dieser Zeit an der heil. Schrift mit noch größerem Ernste an, als je zuvor, durchlas sie mit höchstem Fleiß und um in dem Verständniß derselben immer sicherer zu werden, trieb er eifrig die hebräische Sprache, in welcher ursprünglich das Alte Testament geschrieben ist, sowie die griechische, in welcher das Neue abgefaßt ist. Von seiner nun immer zunehmenden Erkenntniß der heil. Schrift zeugten seine öffentlichen Vorlesungen besonders über die Episteln St. Pauli und seine Predigten, namentlich auch über den Katechismus, sowie seine gelehrten Disputationen, worin er seine damals neue, aber eigentlich alte, apostolische Lehre gegen allerlei Widersprecher tapfer und meisterlich vertheidigte. Dabei schrieb er viele tröstliche Briefe an allerlei Leute aus dem geistlichen und weltlichen Stande, die ihn wegen ihres geängsteten Gewissens um Rath fragten. In diesem allem war immer seine Hauptabsicht die, zu zeigen, daß der Mensch durch keines seiner Werke, sondern allein durch den Glauben an Jesum Christum gerecht und selig werde.

Zu diesen und anderen Arbeiten, unter denen er fast erlag, kam auch noch im Jahre 1516 die Visitation der vierzig Augustinerklöster in Meißen und Thüringen, welche ihm Staupitz während seiner Abwesenheit übertrug. So schwierig dies war, mit so großer Treue führte Luther seinen Auftrag aus, richtete bei dieser Gelegenheit Schulen auf und ermahnte die Ordensbrüber zum fleißigen Bibellesen und zu einem heiligen, friedlichen und züchtigen Leben. Doch hatte dieses Geschäft, die Klöster zu beaufsichtigen, für Luthern noch den besonderen Nutzen, daß er auf diesem Wege auch das hier herrschende große Verderben mit eignen Augen beobachten und gründlich kennen lernen konnte. So bereitete Gott den theuren Mann immer mehr zu dem Werke zu, welches nun bald begonnen werden sollte, nehmlich zu dem großen Werke einer allgemeinen Reformation der Kirche.

(Fortsetzung folgt.)

* * *

Herzensgespräch des Hieronymus*) mit dem Christkindlein.

(Mitgetheilt aus Valerius Herbergers evangelischer Herz-Postille.)

Die Kaiserin Helena hat das Kripplein Christi zu Bethlehem sehr prächtig erbaut. Nicht weit davon hat Hieronymus auf sein hohes Alter gewohnt. Als er hier eine Vocation erhielt, anderwärts ein hohes Bischofsamt zu bekleiden, gab er zur Antwort: „Man bringt mich nicht vom Kripplein Christi; mir ist nirgends besser. Eben an dem Ort, da mir Gott seinen Sohn vom Himmel gegeben, da will ich meine Seele hinauf in den Himmel schicken."

Kurz vor seinem Ende schreibt er: „So oft ich diesen Ort anschaue, so hat mein Herz ein süßes Gespräch mit dem Kindlein JEsu. Ich sage: Ach, HErr JEsu, wie zitterst du; wie hart liegst du um meiner Seligkeit willen; wie soll ich dir's jemals vergelten? — Da dünkt mich's, wie mir das Kindlein antworte: Nichts begehre ich, lieber Hieronyme, als daß du singest: Ehre sei Gott in der Höhe! Laß dir's nur lieb sein, ich will noch viel dürftiger werden im Oelgarten und am heil. Kreuz. — Ich spreche weiter: Liebes JEsuskindlein, ich muß dir was geben: ich will dir all mein Geld geben. — Das Kindlein antwortet: Ist doch zuvor Himmel und Erde mein, ich bedarf's

*) Der Kirchenvater Hieronymus war gebürtig aus Stridon in Dalmatien, und starb in Bethlehem im J. 420.

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he wrestled at times for several days on end, shutting himself into a cell; but in vain! — the temptations returned with ever renewed force. Yet at times God's consolations gladdened his soul. So once his confessor said to him: "It is not enough that you believe in general that God forgives sin, for the devils believe that too; but you must believe that they are forgiven to you, to you, to you." By this, as he himself often afterward gratefully recalled, Luther was richly comforted and brought nearer to understanding the words of St. Paul in Romans 3:23–26, that man is justified without merit through faith alone. To this insight Luther was also helped by the then Provincial, or Vicar-General, of the Augustinian Order in Germany, John von Staupitz. This man showed himself toward him as a father; he once answered Luther, who was complaining to him of his temptations: "Well now, would you then be only a painted sinner, and have only a painted Redeemer?"

In his twenty-fourth year (in the year 1507) Luther was ordained, or consecrated, to the priesthood by the suffragan bishop, at which the words were also spoken over him: "Receive the power to sacrifice (the body and blood of Christ) for the living and the dead." Of this Luther later wrote: "That the earth did not then swallow us both was wrong (humanly speaking) and altogether too great a patience of God." Yet despite all these antichristian additions, Luther even later acknowledged his ordination as valid. He then said Mass for the first time, as he continued to do for a good many years afterward; yet he declared such Mass-saying to be the greatest sin of his life, since by it he had so often denied and dishonored the one perfect sacrifice of Jesus Christ.

In the following year, 1508, on the recommendation of his aforementioned superior, Dr. Staupitz, he was called as professor of philosophy to the newly founded (1502) University of Wittenberg. But already in the following year (1509) he was permitted to exchange his philosophical teaching post for a theological one (he became a Baccalaureate in Divinity, with the particular assignment "ad biblia," for the exposition of the Bible). He thereby caused such a stir, not only through his sermons but also through his lectures — in which he now always laid holy Scripture as the foundation — that the then Rector of the University, the famous Mellerstadt, said of him: "This monk will confound all the doctors and bring forward a new teaching and reform the whole Roman Church, for he builds upon the writings of the prophets and apostles and stands upon the word of Jesus Christ."

No less did he stand in great esteem among his fellow members of his order, the Augustinian monks,

...that Luther, for all his exceptional moderation and self-denial, was no sour-faced saint, or rather no hypocrite. When he fasted, he anointed his head (Matthew 6:16–18). — Ed.

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which is why, in the year 1510, they sent him to Rome to settle disputes that had arisen among them — a commission which he carried out to the satisfaction of both parties. How much he was at that time still given over to popish superstition he himself confessed; he says: "I too was at Rome such a mad saint; I ran through all the churches and crypts (burial places of the martyrs), and believed everything that was lied and forged there." Everything he saw and heard there was later, when he testified against the Roman abominations, of very great use to him, so that afterward he often said he would not take a thousand guilders not to have seen Rome. But in yet another respect the journey to Rome became important for him. Already on the way, the word of Scripture, "The just shall live by his faith," had lain heavily on his mind, without his being able at that time to interpret it rightly for himself. Everything the Church might recommend to him for the wiping away of his sins he was, upon arriving in Rome, willing to do. When he now, on bare knees, was climbing the so-called Pilate's Staircase — said to have come from the courthouse at Jerusalem to Rome — in order to receive the papal indulgence, there sounded now in his heart, as with a voice of thunder: "The just shall live by his faith" (Romans 1:17). This indeed took from him all the comfort he sought here in his works and exercises, yet the comforting sense of those words still remained hidden from his eyes.

After his return, Luther was made (1511), at Staupitz's urgent insistence and despite his own reluctance, Doctor of Holy Scripture (Doctor biblicus), and since such a promotion was bound up with costly ceremonies, the Elector himself provided the money for it. Staupitz pressed Luther to accept this honor with the words: "The Lord God now needs young, vigorous doctors, for he has great things in view in heaven and on earth." This was by no means a mere formality, for through his doctorate Luther received the calling to defend the doctrine of Holy Scripture against every assault. "Then I had to," he himself writes accordingly, "swear and vow to my most beloved Holy Scripture, to preach and teach it faithfully and purely." He remembered this public charge and solemn oath in many great struggles and drew comfort from it.

Since he also became a preacher in Wittenberg in the following year, 1512, he devoted himself from this time on to Holy Scripture with even greater earnestness than ever before, reading it through with the utmost diligence, and in order to become ever more certain in his understanding of it, he diligently pursued the Hebrew language, in which the Old Testament was originally written, as well as Greek, in which the New Testament was composed. His ever-increasing knowledge of Holy Scripture was attested by his public lectures, especially on the Epistles of St. Paul, and by his sermons — notably also on the Catechism — as well as by his learned disputations, in which he bravely and masterfully defended his then-new, but really old, apostolic doctrine against all manner of opponents. Alongside this he wrote many comforting letters to all sorts of people, both clergy and laity, who sought his counsel on account of their troubled consciences. In all this his chief purpose was always to show that man is justified and saved not through any of his own works, but through faith alone in Jesus Christ.

To these and other labors, under which he nearly succumbed, there was added also, in the year 1516, the visitation of the forty Augustinian monasteries in Meissen and Thuringia, which Staupitz entrusted to him during his own absence. Difficult as this was, Luther carried out his commission with such great faithfulness, establishing schools on this occasion and exhorting his fellow monks to diligent Bible-reading and to a holy, peaceable, and chaste life. Yet this business of overseeing the monasteries had for Luther the further particular benefit that in this way he was able to observe with his own eyes, and to come to know thoroughly, the great corruption that reigned there. Thus did God prepare this precious man ever more for the work that was soon to begin — namely, for the great work of a general Reformation of the Church.

(To be continued.)

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A Heart-to-Heart Conversation of Jerome with the Christ Child.
(Communicated from Valerius Herberger's Evangelical Heart-Postil.)

The Empress Helena built the little manger of Christ at Bethlehem very splendidly. Not far from there Jerome dwelt in his old age. When he received a call there to take up a high bishop's office elsewhere, he gave the answer: "I will not be led away from the manger of Christ; nowhere is it better for me. At the very place where God gave me his Son from heaven, there will I send my soul up into heaven."

Shortly before his end he writes: "As often as I look upon this place, my heart holds a sweet conversation with the child Jesus. I say: Ah, Lord Jesus, how you tremble; how hard you lie for the sake of my salvation; how shall I ever repay you for it? — Then it seems to me as though the child answers: I desire nothing, dear Jerome, but that you sing: Glory to God in the highest! Only let it be dear to you — I shall become far more destitute yet, in the garden and on the holy cross. — I speak further: Dear little child Jesus, I must give you something: I will give you all my money. — The child answers: Heaven and earth are already mine beforehand; I do not need it,