Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 9 › Seite 35

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1844-12-22, Seite 35

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften · Vertrauen 1

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nicht, gib's armen Leuten; das will ich annehmen, als wenn mir's selber wäre widerfahren. — Ich rede weiter: Liebes JEsuskindlein, ich will's gerne thun; aber ich muß dir auch für deine Person etwas geben, oder ich muß vor Leid sterben. — Das Kindlein antwortet: Lieber Hieronyme, weil du ja so kostfrei bist, so will ich dir sagen, was du mir sollst geben: Gib her deine Sünde, dein böses Gewissen, und deine Verdammniß. — Ich spreche: Was willst du damit machen? — Das JEsuskindlein sagt: Ich will's auf meine Schultern nehmen; das soll meine Herrschaft und herrliche That sein, wie Jesajas vor Zeiten geredet hat, daß ich deine Sünde will tragen und wegtragen (Jes. 9, 6. 53, 4—12). — Da fang ich an, spricht Hieronymus, bitterlich zu weinen, und sage: Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest was Gutes haben, so willst du alles, was bei mir böse ist, haben. Nimm hin, was mein ist; gib mir, was dein ist; so bin ich der Sünden los und des ewigen Lebens gewiß.“ — —

O, selig ist, wer am letzten Weihnachtsfest ein solches Gespräch mit dem gnadenvollen Christkindlein gehalten hat! — Thatst du's, lieber Leser? — Wo nicht, o, so gehe noch heute, noch in dieser Stunde zur Krippe; ist auch das Fest vergangen, so liegt doch noch immer das JEsuskindlein für dich in der Krippe, lächelt dich noch immer freundlich und holdselig an, und winkt dir, noch in diesem Augenblick ein so süßes Gespräch mit ihm zu halten. Gar lieblich spricht Luther über Jesaj. 9, 6.: „Das Kind ist uns geboren, es bleibt uns auch ein Kind; also ist uns auch ein Sohn gegeben, und bleibt uns auch ein Sohn; er wird nicht anders, als er vom Anfang seiner Geburt gewesen ist. — Er erzeiget sich gegen uns nicht als ein solcher, vor dem man wegen seiner verdrüßlichen Ernsthaftigkeit oder wegen seiner erschrecklichen Majestät erzittern müßte; sondern er erzeiget sich gegen uns als kleinen Kindern als ein kleines Kind, und spielet mit uns in Ewigkeit in seiner Kindheit. — Alle Jahre wird dies Lied wiederholt: „„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,““ und wir werden solches von Ewigkeit zu Ewigkeit singen, und in dem künftigen Leben werden wir uns verwundern und völlig freuen in dieser unschätzbaren Freude, daß der Sohn Gottes unser Kind und der Sohn ist, der uns gegeben worden.“ Drum, durch Christum theuer erlöster Leser! greif in der Zeit zu, daß du des Christkindleins nicht einst in alle Ewigkeit beraubt sein müssest, sondern in unaussprechlicher Seligkeit genießen könnest!

Das falsche und rechte Vertrauen auf Gott.

(Genommen aus der Erklärung des Evangeliums Johannis von Johann Brentius, dem berühmten Würtemberger Theologen und Freund Luthers.)

Nun siehest du, welches der eigentliche Wille Gottes sei, nehmlich nicht verderben, nicht verdammen, sondern das ewige Leben geben durch den Sohn. (Joh. 6, 39.) Demnach wenn er verderbet, wenn er verdammet, so verzage du nicht, sondern sieh auf Christum hin, in welchem du für gewiß erfahren wirst, daß, wenn Gott verderbt, es auf Heil, nicht auf Untergang abgesehen sei. Und dies ist der einzige Trost der Angefochtenen, daß sie im Gesetz das Evangelium, das ist, im Unglück das Glück, im Fluch den Segen, in den Sünden die Gerechtigkeit, in dem Tode das Leben erkennen, durch Christum unsern HErrn. Denn es kann niemand in Kreuz und Widerwärtigkeit bestehen, es sei denn, daß er sich auf Christum verlasse; und niemand kann ein Vertrauen auf Gott setzen, als durch Christum.

Es gibt Leute, welche sagen, sie vertrauen auf Gott; und ihre Meinung ist zwar gut, aber mit Unverstand. Denn wenn man sie fragt, warum sie auf Gott vertrauen? so antworten sie: „Weil er mich nie verlassen hat.“ Aber, mein Freund, wenn du allein um dieser Ursache willen auf Gott vertrauest, was wirst du denn thun, wenn er dich verläßt, gleichwie er auch seinen Sohn am Kreuze verlassen hat? denn er ruft: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Was wirst du alsdann thun? Wo wird dein Vertrauen bleiben?

„Ja,“ sagst du, „ich vertraue auf ihn, weil ich höre, Gott sei barmherzig.“ Aber was wirst du thun, wenn sich Gott als einen Widersacher, als einen ungnädigen und unbarmherzigen Richter, wie er im Gericht zu sein pflegt, erklärt?

Darum, damit wir nicht mit unserem Vertrauen zu Schanden werden, so müssen wir auf Gott vertrauen, nicht, weil wir noch nie von ihm verlassen worden sind (denn auf solche Weise werden wir, wenn wir einmal verlassen werden, kein Vertrauen mehr haben); auch nicht darum, weil wir uns auf eine fleischliche Weise einbilden, Gott sei barmherzig (denn auf solche Weise werden wir ablassen, zu vertrauen, wenn sich Gott wie ein schreckender Richter gegen uns stellt); sondern wir müssen auf Gott vertrauen lernen: durch JEsum Christum, durch's Evangelium, durch welches man zuverlässig erkennt, daß Gott mitten in der Verlassung nicht verlasse, mitten im Gericht ein barmherziger Vater sei, im Tode das Leben darreiche, in der Hölle den Himmel. Wenn jemand dies durch den Glauben in Christo weiß, so wird er selig werden und auferweckt werden am jüngsten Tage.

Warum steht im Katechismus Lutheri: „Ich glaube eine heilige christliche Kirche?“

Herr Oertel behauptet in seinem „Wahrheitsfreund“ vom 12. Decbr. 1844, daß der selige Luther das apostolische Glaubenbekenntniß verfälscht habe, indem es in unserm Katechismus heiße: „Ich glaube eine heil. christliche Kirche,“ während es doch im lateinischen Texte heiße: „Catholicam ecclesiam“ d. i. allgemeine Kirche. Luther — so schreibt Herr O. — habe diese Aenderung vorgenommen, weil er sich wohl bewußt gewesen sei, er befinde sich nicht in der wahren Kirche.

Hierauf diene Herrn O. Folgendes zu seiner besseren Unterrichtung. Luther schrieb für „allgemein oder katholisch“ darum lieber „christlich,“ erstlich, weil das letztere Wort dasselbe bedeutet und für den gemeinen Mann verständlicher ist, der sonst leicht auf den Gedanken kommen könnte, die Lutheraner glaubten, daß die römische papistische Secte, die sich mit dem schönen Titel „katholisch“ schmückt, die Kirche Christi sei. Zweitens ist es aber auch gar nicht Luther gewesen, der das Wort „christlich“ in das deutsche apostolische Symbolum gebracht und das Wort „catholica“ zuerst damit übersetzt hat; dieß war schon lange vor ihm geschehen.

Vielleicht ist es unsern Lesern nicht uninteressant, das apostolische Glaubensbekenntniß in der Gestalt zu lesen, wie wir es fast hundert Jahre vor Luthern finden. Es lautet folgendermaßen:

„Diß sind die XII stück cristenlichs gelawbes.

Das erst. Ich gelaub in gott vater almechtigen schöpfer himels vnd erden.

Das ander. Vnd in Jesum Christum seinen aingebornen sun vnsern herrn

Das dritt der empfangen ist vom hailigen gaist geboren vß maria der junkfrawen

Das vierd geliten vnder poncio pilato gecreuczigt gestorben vnd begraben ward

Das fünft er kam ab zu der hellen

Das sechst Am dritten tag erstund er von den dotten

Das sibend Er für vff gen den himeln siczt zu der rechten hand gotes vaters des almechtigenn dannan er künftig ist ze richten die lebendigen vnd die dotten

Das achtet Ich glaub in den hailigen geist die hailigen cristenlichen kirchen

Das neund gemainschaft der hailigen

Das zehet stuck ablaß der sünd

Das ailft Vrstend des leibs

Das zwelft vnd das ewig leben.“

Das Vorstehende ist aus einer alten Handschrift genommen vom Jahre 1448.*)

*) Wir haben es entlehnt aus „Kapps Beiträgen“ ꝛc. vom Jahre 1755. Hier ist das Document folgendermaßen angeführt: MS. No. 14 in 8vo. geschrieben A. 1448 am Ende der Lucidarius genannt.

Was Herr Oertel noch ferner von angeblichen Aenderungen Luthers im apostolischen Symbolum sagt, daß er nehmlich „Communio“ mit „Gemeinde“ in „unverantwortlicher Kühnheit“ übersetzt habe, das ist zu elend, als daß es einer Antwort werth wäre.

Kirchliche Nachricht.

Unter den Predigern, welche zu der Ev.-Luth. Synode von Ohio gehören, war es bisher Gebrauch, bei der Austheilung des heil. Abendmahls sich der Worte zu bedienen: „Christus spricht: Nehmet hin und“ ꝛc. An die genannte Synode ist nun eine Bittschrift um Abschaffung dieser Ausspendungsformel eingereicht worden, unterzeichnet von Dr. W. Sihler, A. Ernst, J. G. Burger und F. M. Forschner.

English translation AI translation

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[illegible]

[illegible]

it, give it to poor people; I will accept that as though it had happened to me myself. — I speak further: Dear little child Jesus, I will gladly do it; but I must also give something for your own person, or I must die of grief. — The child answers: Dear Jerome, since you are indeed so free with your giving, I will tell you what you are to give me: Give me your sin, your evil conscience, and your damnation. — I say: What will you do with that? — The child Jesus says: I will take it upon my shoulders; that shall be my lordship and my glorious deed, as Isaiah spoke of old, that I would bear and carry away your sin (Isaiah 9:6; 53:4–12). — Then I begin, says Jerome, to weep bitterly, and say: Child, dear child, how you have touched my heart! I thought you wanted something good from me, and instead you want to take all that is evil in me. Take what is mine; give me what is yours; so am I rid of my sins and assured of eternal life." — —

Oh, blessed is the one who at the last Christmas feast held such a conversation with the gracious Christ child! — Did you do so, dear reader? — If not, oh, then go this very day, this very hour, to the manger; even though the feast has passed, still the child Jesus lies there for you in the manger, still smiles upon you kindly and graciously, and beckons you, even at this moment, to hold so sweet a conversation with him. Most lovingly does Luther speak on Isaiah 9:6: "The child is born to us, and remains a child to us also; likewise a son is given to us, and remains a son to us also; he becomes no different than he was from the beginning of his birth. — He does not show himself toward us as one before whom we must tremble on account of some peevish sternness or dreadful majesty; rather he shows himself toward us, as toward small children, as a little child, and plays with us in his childhood forever. — Every year this song is repeated: 'Unto us a child is born, unto us a son is given,' and we shall sing this from eternity to eternity, and in the life to come we shall marvel and rejoice fully in this inestimable joy, that the Son of God is our child and is the son who has been given to us." Therefore, reader dearly redeemed through Christ, seize the time, that you may not one day be robbed of the Christ child for all eternity, but may instead enjoy him in unspeakable blessedness!

The False and the True Trust in God.
(Taken from the exposition of the Gospel of John by Johann Brentius, the famous Württemberg theologian and friend of Luther.)

Now you see what the true will of God is, namely, not to destroy, not to condemn, but to give eternal life through the Son (John 6:39). Accordingly, when he seems to destroy, when he seems to condemn, do not despair, but look to Christ, in whom you will surely find that, when God destroys, it is aimed at salvation, not at ruin. And this is the sole comfort of those under trial, that in the Law they recognize the Gospel — that is, in misfortune, good fortune; in the curse, the blessing; in sin, righteousness; in death, life — through Christ our Lord. For no one can hold his ground in cross and adversity unless he relies upon Christ; and no one can place trust in God except through Christ.

There are people who say they trust in God, and their intention is indeed good, but without understanding. For when one asks them why they trust in God, they answer: "Because he has never forsaken me." But, my friend, if you trust in God only for this reason, what then will you do when he does forsake you — just as he forsook even his own Son on the cross? For he cries out: "My God, why have you forsaken me?" What will you do then? Where will your trust remain?

"Yes," you say, "I trust in him because I hear that God is merciful." But what will you do when God declares himself an adversary, an ungracious and unmerciful judge, as he is wont to be in judgment?

Therefore, so that we may not be put to shame in our trust, we must trust in God not because we have never yet been forsaken by him (for in that case, once we are forsaken, we would have no trust left at all); nor because we imagine, in a carnal way, that God is merciful (for in that way we would cease to trust as soon as God presents himself to us as a terrifying judge); but we must learn to trust in God through Jesus Christ, through the Gospel, by which one surely comes to know that God, in the very midst of forsakenness, does not forsake; that in the midst of judgment he is a merciful Father; that in death he offers life, and in hell, heaven. If anyone knows this through faith in Christ, he will be saved and will be raised up on the Last Day.

Why does Luther's Catechism read: "I believe in a holy Christian Church"?

Mr. Oertel maintains in his "Wahrheitsfreund" of December 12, 1844, that the late Luther falsified the Apostles' Creed, in that our Catechism reads: "I believe in a holy Christian Church," whereas the Latin text reads: "Catholicam ecclesiam," that is, the universal Church. Luther — so writes Mr. O. — made this alteration because he was well aware that he did not stand within the true Church.

Let the following serve for Mr. O.'s better instruction. Luther wrote "Christian" in preference to "universal or catholic," first, because the latter word means the same thing and is more comprehensible to the common man, who might otherwise easily hit upon the idea that the Lutherans believed the Roman papist sect — which adorns itself with the fine title "catholic" — to be the Church of Christ. Second, it was in fact not Luther at all who introduced the word "Christian" into the German Apostles' Creed and who first translated the word "catholica" with it; this had already happened long before him.

Perhaps it will not be uninteresting to our readers to read the Apostles' Creed in the form in which we find it almost a hundred years before Luther. It reads as follows:

These are the twelve articles of the Christian faith.

The first. I believe in God the Father almighty, creator of heaven and earth.

The second. And in Jesus Christ, his only-begotten Son, our Lord,

The third, who was conceived by the Holy Spirit, born of Mary the Virgin,

The fourth, suffered under Pontius Pilate, was crucified, died, and was buried,

The fifth, he descended into hell,

The sixth, on the third day he rose from the dead,

The seventh, he ascended into heaven, sits at the right hand of God the Father almighty, from whence he shall come to judge the living and the dead,

The eighth, I believe in the Holy Spirit, the holy Christian Church,

The ninth, the communion of saints,

The tenth article, the forgiveness of sins,

The eleventh, the resurrection of the body,

The twelfth, and the life everlasting.

The foregoing is taken from an old manuscript from the year 1448.*)

What Mr. Oertel further says regarding Luther's alleged alterations in the Apostles' Creed — namely, that he translated "Communio" as "Gemeinde" (congregation) with "irresponsible boldness" — is too wretched to be worth an answer.

Church News.

Among the preachers belonging to the Ev. Lutheran Synod of Ohio, it had until now been the custom, at the distribution of Holy Communion, to use the words: "Christ says: Take, eat," etc. A petition has now been submitted to the said Synod for the abolition of this formula of distribution, signed by Dr. W. Sihler, A. Ernst, J. G. Burger, and F. M. Forschner.

*) We have borrowed it from "Kapp's Beiträge," etc., of the year 1755. There the document is cited as follows: MS. No. 14 in 8vo, written A.D. 1448, called at its end the Lucidarius.