# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 12 22_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Die Bittsteller unterstützen ihren Wunsch, jene Formel abgeschafft zu sehen, mit vier Gründen. Sie zeigen erstlich, daß sie eine störende, menschliche Zuthat sei, indem ja beim heil. Abendmahl der Diener der Kirche nicht erzähle, sondern an Christi statt stehe (2 Cor. 5, 20.). Sie weisen zweitens darauf hin, daß diese Formel dunkel und zweideutig sei, wenn man bedenke, wie man darauf gekommen sei, gerade diese Formel zu wählen. Es ist dies nehmlich erst in neuerer Zeit geschehen, wo man Lutheraner und Reformirte äußerlich zu uniren (zu vereinigen) gesucht hat; dazu fand man jene Formel ganz geeignet, denn wenn der Prediger sagt: „Christus spricht: das ist mein Leib“ ꝛc. so ist es beiden Theilen überlassen, wie sie die Worte deuten wollen. (Darum sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: „Schreibe nicht: der Juden König; sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König.“ — Diese Formel wollten sich also auch die Feinde Christi gern gefallen lassen. Daher weigern sich auch die ungläubigen Rationalisten d. i. die Vernünftler nicht, das heil. Abendmahl mit denselben Worten wie die Evangelischen auszutheilen.) Der dritte Grund, welchen die Bittsteller für Abstellung jener Formel angeben, ist, weil sie ein Kennzeichen der reformirten Kirche immer war und nun auch ein Schiboleth (Erkennwort, vgl. Buch der Richter 12, 6.) der Unirten geworden sei. Sei es nun Pflicht jeder rechtgläubigen Gemeinde zu allen Zeiten, nichts annehmen, wodurch sie den Verdacht auf sich laden könne, als billigte sie die falsche Lehre irrgläubiger Gemeinschaften, so hätten viertens die lutherischen Gemeinden in Nordamerica besonders nöthig, sich in dieser Rücksicht wohl vorzusehen, da sie hier von so unzähligen Secten umschwärmt seien. Jeder Lutheraner, der alle Zweizüngigkeit haßt und es mit der Wahrheit und seiner Kirche treu meint, wird von Herzen wünschen, daß die gerechte Bitte der Genannten eine gute Statt finden möge. Die Unirtgesinnten sagen zwar, daß ihre Darreichungsformel echt biblisch sei, daß hingegen die Lutheraner etwas hinzusetzen, wenn sie sprechen: „Das ist der wahre Leib“ ꝛc.; aber so leicht sich damit ein Einfältiger täuschen läßt, so ungegründet ist diese Behauptung. Der HErr hat erstlich bei der Austheilung nicht gesagt: „Christus spricht: das ist“ ꝛc. Und wenn uns die Unirten beschuldigen, daß wir etwas hinzusetzen, indem wir bekennen, daß das wahr ist, was Christus sagt, so verrathen sie damit einen Sinn, vor welchem ein christliches Herz erschrecken muß. Wie? das nennt ihr ein Hinzuthun (Offb. 22, 18.), wenn wir unserm Heilande, dem Allmächtigen und Wahrhaftigen, die Ehre geben? wenn wir sagen: Du sprichst, HErr JEsu: „Das ist mein Leib,“ darum glauben wir es auch, daß es wirklich dein Leib sei? — O, daß man doch erkennen möchte, was man thut, wenn man seine armen Zuhörer zu überreden sucht, daß diejenigen einen Zusatz machen, die da bekennen, daß das wahr sei, was der Sohn Gottes redet! Wer kann ein Christ sein, wer kann seinen Heiland lieben, der nicht wünschen müste, daß alle Menschen zu jedem Worte Christi von ganzem Herzen hinzusetzten: Das ist wahr!? Merkwürdige Bekehrung eines Spötters, als er die heil. Taufe zum Scherz empfangen wollte. Genesius, ein Comödiant zu Rom, suchte sich einst unter anderm auch dadurch die Gunst des Kaisers Diokletian (starb im Jahre 313 nach Christo) zu erwerben, daß er in den öffentlichen Schauspielen, die er dirigirte, den Glauben der verhaßten Christen zu einem Gegenstande des Gelächters machte. Um desto lebhaftere Vorstellungen auf die Bühne bringen zu können, besuchte er öfters die Versammlungen der Christen, wo er auf ihre Gebräuche genau Acht gab. Einst sollte er bei der Aufführung eines Lustspiels auch die Taufe der Christen nachahmen und die Rolle eines Menschen spielen, der auf dem Sterbebette dieses Sacrament verlangte. Doch was geschah? In dem Augenblicke, wo sich der verkleidete Presbyter (Prediger) ihm näherte, die heilige Handlung an ihm zum Spotte zu vollziehen, da stellte sich plötzlich jenes apostolische Wort vor seine Seele, das er kurz vorher in einem Bethause der Christen gehört hatte: „Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater unser aller.“ (Ephes. 4, 5. 6.) Mit göttlicher Gewalt drang dieses Zeugniß in sein Herz, er konnte nicht widerstehen, entschloß sich sogleich, ein Christ zu werden, und bekannte dies jetzt laut vor der anwesenden Versammlung. Der Kaiser, der auch zugegen war, war hierbei höchst vergnügt, indem er noch immer meinte, Genesius spiele seine Rolle mit täuschender Lebendigkeit fort. Als er aber endlich sah, daß es Genesius voller Ernst sei, ein Christ werden zu wollen, indem dieser laut seine Reue bekannte, die heilige christliche Religion und ihre Geheimnisse verspottet zu haben, gerieth der Kaiser in ebenso großen Zorn als Bestürzung. Er gab Befehl, den Bekenner auf der Stelle durchzuprügeln, und da er standhaft blieb, ihn auf's grausamste zu martern, über eiserne Stacheln nackt hin und her zu wälzen und mit Fackeln zu rösten. Doch kein Schmerz war vermögend, Genesius, den Gottes Hand gerührt hatte, in seinem Entschlusse wankend zu machen. So wurde ihm denn endlich der Kopf abgeschlagen. Der Heiland ein Kindlein — großer Trost! Einer großen Sünderin wollte einstmals aller Trost zerrinnen. Wenn sie an den jüngsten Tag dachte, so sprach sie: Meiner Sünden sind mehr, denn des Sandes am Meer, wie will ich da bestehen? Wenn sie an das Paradies gedachte, so hieß es in ihrem Herzen: Da gehörst du nicht hinein, denn haußen sind die Hunde. Offbg. 22, 15. Wenn sie an das Leiden Christi gedachte, so kamen die schweren Gedanken: Ja, deß hast du dich muthwillig beraubt; du hast das Blut des HErrn Christi mit Füßen getreten. In solcher Trostlosigkeit ging diese Sünderin einstmals am Christtage zur Kirche; als sie nun hier von dem HErrn JEsu hörte, daß er auch ein kleines Kindlein gewesen sei, faßte sie alsbald die tröstlichen Gedanken: Die Kindlein können ja nicht Zorn halten; so laß doch, mein HErr JEsu, deinen gerechten Zorn auch wider mich arme Sünderin fallen und erweise dich gegen mich, was du warest, als ein Kindlein. Die Kindlein lassen sich alles abreden; ach, du liebes, frommes, süßes, löbeliches Kindlein JEsu, laß dir doch auch abreden die Vergebung meiner Sünden, damit ich selig werde. — Darauf gab sich ihr Herz zufrieden. Beste Zeit, Buße zu thun. M. Eleazar pflegte zu sagen: Thue Buße, wenigstens einen Tag vor deinem Tode. Als aber seine Schüler ihn einst fragten, wie man solche Zeit treffen könne, indem ja die Stunde des Todes so ungewiß sei? gab er ihnen zur Antwort: Eben darum soll man sich heute bekehren, damit man nicht vielleicht morgen in seinen Sünden sterbe, und ewig verloren werde. Denn wie derjenige, der zu Schiffe geht und sich zuvor auf dem Lande nicht mit Speise und anderen Lebensbedürfnissen versehen hat, hernach solche auf dem Wasser nicht bekommen kann: also ist es auch mit dem beschaffen, welcher in diesem Leben nicht Buße thut. Lied an der Krippe. Weg Welt! hier ist mein Schmuck, mein Gold; / Weg! hier ist mein Vergnügen; / Hier find ich, was das Herz gewollt, / Drum laß ich alles liegen., / Ja, Kindlein, liebes Kindelein, / Du sollst mein Eins und Alles sein. So oft ich lache, lach' ich dir, / Dir fließen meine Thränen, / Mein Himmel bist du mir schon hier, / Du stillst des Herzens Sehnen. / Mein Heil, mein HErr und Gott bist du, / Bringst meinen Geist zu seiner Ruh! Drum schlägt mein Herz, drum wallt mein Blut / Mit Dank, und Preis, und Loben / Dir, Vater, für das höchste Gut, / Das du mir gabst von oben. / Komm bald, mein Vater, hole mich, / So will ich ewig preisen dich. Urtheil über ein gottloses Buch. Kästner, der sich durch seine Sinngedichte so berühmt gemacht hat (er starb 1800 als Professor der Naturlehre zu Göttingen), wurde einmal in einer Gesellschaft von dem bekannten Juristen Böhmer gefragt: Was er wohl von Voltaire's Pucelle hielte. Kästner schwieg, ergriff sogleich ein Kartenblatt und schrieb Folgendes darauf: Den Legionen in der Hölle / Las Belzebub Voltaire's Pucelle, / Und jeder Teufel war ganz Ohr. / „Ihr schmeichelt keinem Adamssohne,“ / Sprach Lucifer vom Flammenthrone, / „Er schrieb nur und ich sagt's ihm vor.“ Welches er sodann Böhmer'n überreichte. Gedruckt bei Weber und Olshausen.