# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 12 22_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 35 nicht, gib's armen Leuten; das will ich annehmen, als wenn mir's selber wäre widerfahren. — Ich rede weiter: Liebes JEsuskindlein, ich will's gerne thun; aber ich muß dir auch für deine Person etwas geben, oder ich muß vor Leid sterben. — Das Kindlein antwortet: Lieber Hieronyme, weil du ja so kostfrei bist, so will ich dir sagen, was du mir sollst geben: Gib her deine Sünde, dein böses Gewissen, und deine Verdammniß. — Ich spreche: Was willst du damit machen? — Das JEsuskindlein sagt: Ich will's auf meine Schultern nehmen; das soll meine Herrschaft und herrliche That sein, wie Jesajas vor Zeiten geredet hat, daß ich deine Sünde will tragen und wegtragen (Jes. 9, 6. 53, 4—12). — Da fang ich an, spricht Hieronymus, bitterlich zu weinen, und sage: Kindlein, liebes Kindlein, wie hast du mir das Herz gerührt! Ich dachte, du wolltest was Gutes haben, so willst du alles, was bei mir böse ist, haben. Nimm hin, was mein ist; gib mir, was dein ist; so bin ich der Sünden los und des ewigen Lebens gewiß.“ — — O, selig ist, wer am letzten Weihnachtsfest ein solches Gespräch mit dem gnadenvollen Christkindlein gehalten hat! — Thatst du's, lieber Leser? — Wo nicht, o, so gehe noch heute, noch in dieser Stunde zur Krippe; ist auch das Fest vergangen, so liegt doch noch immer das JEsuskindlein für dich in der Krippe, lächelt dich noch immer freundlich und holdselig an, und winkt dir, noch in diesem Augenblick ein so süßes Gespräch mit ihm zu halten. Gar lieblich spricht Luther über Jesaj. 9, 6.: „Das Kind ist uns geboren, es bleibt uns auch ein Kind; also ist uns auch ein Sohn gegeben, und bleibt uns auch ein Sohn; er wird nicht anders, als er vom Anfang seiner Geburt gewesen ist. — Er erzeiget sich gegen uns nicht als ein solcher, vor dem man wegen seiner verdrüßlichen Ernsthaftigkeit oder wegen seiner erschrecklichen Majestät erzittern müßte; sondern er erzeiget sich gegen uns als kleinen Kindern als ein kleines Kind, und spielet mit uns in Ewigkeit in seiner Kindheit. — Alle Jahre wird dies Lied wiederholt: „„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,““ und wir werden solches von Ewigkeit zu Ewigkeit singen, und in dem künftigen Leben werden wir uns verwundern und völlig freuen in dieser unschätzbaren Freude, daß der Sohn Gottes unser Kind und der Sohn ist, der uns gegeben worden.“ Drum, durch Christum theuer erlöster Leser! greif in der Zeit zu, daß du des Christkindleins nicht einst in alle Ewigkeit beraubt sein müssest, sondern in unaussprechlicher Seligkeit genießen könnest! Das falsche und rechte Vertrauen auf Gott. (Genommen aus der Erklärung des Evangeliums Johannis von Johann Brentius, dem berühmten Würtemberger Theologen und Freund Luthers.) Nun siehest du, welches der eigentliche Wille Gottes sei, nehmlich nicht verderben, nicht verdammen, sondern das ewige Leben geben durch den Sohn. (Joh. 6, 39.) Demnach wenn er verderbet, wenn er verdammet, so verzage du nicht, sondern sieh auf Christum hin, in welchem du für gewiß erfahren wirst, daß, wenn Gott verderbt, es auf Heil, nicht auf Untergang abgesehen sei. Und dies ist der einzige Trost der Angefochtenen, daß sie im Gesetz das Evangelium, das ist, im Unglück das Glück, im Fluch den Segen, in den Sünden die Gerechtigkeit, in dem Tode das Leben erkennen, durch Christum unsern HErrn. Denn es kann niemand in Kreuz und Widerwärtigkeit bestehen, es sei denn, daß er sich auf Christum verlasse; und niemand kann ein Vertrauen auf Gott setzen, als durch Christum. Es gibt Leute, welche sagen, sie vertrauen auf Gott; und ihre Meinung ist zwar gut, aber mit Unverstand. Denn wenn man sie fragt, warum sie auf Gott vertrauen? so antworten sie: „Weil er mich nie verlassen hat.“ Aber, mein Freund, wenn du allein um dieser Ursache willen auf Gott vertrauest, was wirst du denn thun, wenn er dich verläßt, gleichwie er auch seinen Sohn am Kreuze verlassen hat? denn er ruft: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Was wirst du alsdann thun? Wo wird dein Vertrauen bleiben? „Ja,“ sagst du, „ich vertraue auf ihn, weil ich höre, Gott sei barmherzig.“ Aber was wirst du thun, wenn sich Gott als einen Widersacher, als einen ungnädigen und unbarmherzigen Richter, wie er im Gericht zu sein pflegt, erklärt? Darum, damit wir nicht mit unserem Vertrauen zu Schanden werden, so müssen wir auf Gott vertrauen, nicht, weil wir noch nie von ihm verlassen worden sind (denn auf solche Weise werden wir, wenn wir einmal verlassen werden, kein Vertrauen mehr haben); auch nicht darum, weil wir uns auf eine fleischliche Weise einbilden, Gott sei barmherzig (denn auf solche Weise werden wir ablassen, zu vertrauen, wenn sich Gott wie ein schreckender Richter gegen uns stellt); sondern wir müssen auf Gott vertrauen lernen: durch JEsum Christum, durch's Evangelium, durch welches man zuverlässig erkennt, daß Gott mitten in der Verlassung nicht verlasse, mitten im Gericht ein barmherziger Vater sei, im Tode das Leben darreiche, in der Hölle den Himmel. Wenn jemand dies durch den Glauben in Christo weiß, so wird er selig werden und auferweckt werden am jüngsten Tage. Warum steht im Katechismus Lutheri: „Ich glaube eine heilige christliche Kirche?“ Herr Oertel behauptet in seinem „Wahrheitsfreund“ vom 12. Decbr. 1844, daß der selige Luther das apostolische Glaubenbekenntniß verfälscht habe, indem es in unserm Katechismus heiße: „Ich glaube eine heil. christliche Kirche,“ während es doch im lateinischen Texte heiße: „Catholicam ecclesiam“ d. i. allgemeine Kirche. Luther — so schreibt Herr O. — habe diese Aenderung vorgenommen, weil er sich wohl bewußt gewesen sei, er befinde sich nicht in der wahren Kirche. Hierauf diene Herrn O. Folgendes zu seiner besseren Unterrichtung. Luther schrieb für „allgemein oder katholisch“ darum lieber „christlich,“ erstlich, weil das letztere Wort dasselbe bedeutet und für den gemeinen Mann verständlicher ist, der sonst leicht auf den Gedanken kommen könnte, die Lutheraner glaubten, daß die römische papistische Secte, die sich mit dem schönen Titel „katholisch“ schmückt, die Kirche Christi sei. Zweitens ist es aber auch gar nicht Luther gewesen, der das Wort „christlich“ in das deutsche apostolische Symbolum gebracht und das Wort „catholica“ zuerst damit übersetzt hat; dieß war schon lange vor ihm geschehen. Vielleicht ist es unsern Lesern nicht uninteressant, das apostolische Glaubensbekenntniß in der Gestalt zu lesen, wie wir es fast hundert Jahre vor Luthern finden. Es lautet folgendermaßen: „Diß sind die XII stück cristenlichs gelawbes. Das erst. Ich gelaub in gott vater almechtigen schöpfer himels vnd erden. Das ander. Vnd in Jesum Christum seinen aingebornen sun vnsern herrn Das dritt der empfangen ist vom hailigen gaist geboren vß maria der junkfrawen Das vierd geliten vnder poncio pilato gecreuczigt gestorben vnd begraben ward Das fünft er kam ab zu der hellen Das sechst Am dritten tag erstund er von den dotten Das sibend Er für vff gen den himeln siczt zu der rechten hand gotes vaters des almechtigenn dannan er künftig ist ze richten die lebendigen vnd die dotten Das achtet Ich glaub in den hailigen geist die hailigen cristenlichen kirchen Das neund gemainschaft der hailigen Das zehet stuck ablaß der sünd Das ailft Vrstend des leibs Das zwelft vnd das ewig leben.“ Das Vorstehende ist aus einer alten Handschrift genommen vom Jahre 1448.*) *) Wir haben es entlehnt aus „Kapps Beiträgen“ ꝛc. vom Jahre 1755. Hier ist das Document folgendermaßen angeführt: MS. No. 14 in 8vo. geschrieben A. 1448 am Ende der Lucidarius genannt. Was Herr Oertel noch ferner von angeblichen Aenderungen Luthers im apostolischen Symbolum sagt, daß er nehmlich „Communio“ mit „Gemeinde“ in „unverantwortlicher Kühnheit“ übersetzt habe, das ist zu elend, als daß es einer Antwort werth wäre. Kirchliche Nachricht. Unter den Predigern, welche zu der Ev.-Luth. Synode von Ohio gehören, war es bisher Gebrauch, bei der Austheilung des heil. Abendmahls sich der Worte zu bedienen: „Christus spricht: Nehmet hin und“ ꝛc. An die genannte Synode ist nun eine Bittschrift um Abschaffung dieser Ausspendungsformel eingereicht worden, unterzeichnet von Dr. W. Sihler, A. Ernst, J. G. Burger und F. M. Forschner.