Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 22 › Seite 86
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-06-27, Seite 86
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 3 · Abſolution 14 · Bann 24 · Beichte 2 · Erkenninisquelle
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sondern auch die Apostel. Als unter andern St. Paulus den Blutschänder in der Gemeinde zu Corinth mit derselben im Namen JEsu Christi in den Bann gethan hatte (1 Cor. 5, 1-5.), der Blutschänder aber nun in eine göttliche Traurigkeit versunken war, so verwaltete er nun auch an ihm den Löseschlüssel und schrieb an die Gemeinde: „Es ist genug, daß derselbige von vielen abgestraft ist; daß ihr nun hinfort ihm desto mehr vergebet, und tröstet, auf daß er nicht in allzu große Traurigkeit versinke. Darum ermahne ich euch, daß ihr die Liebe an ihm beweiset. Welchem aber ihr etwas vergebet, dem vergebe ich auch. Denn auch Ich, so ich etwas vergebe jemanden, das vergebe ich um euretwillen, an Christi Statt.“ 2 Cor. 2, 6. ff. Haben dies nun die Hrn. N. und M. gelesen, wie konnten sie so kühn sein, zu schreiben: „Weder die Apostel noch die erste Kirche haben sie (die Absolution) in ihren reinsten und besten Tagen gebraucht“? Haben denn die Herren nicht daran gedacht, daß die Lutheraner auch noch Bibeln besitzen, in welchen die angezeigten sonnenhellen Beispiele geschrieben stehen, daß Propheten und Apostel sich der Macht zu absolviren bedient haben? Wir fürchten, diese Herren haben gedacht, wir wollen dieser Beispiele keine Erwähnung thun, und getrost in die Welt hineinschreiben, daß es keine solchen Beispiele gibt; die Leute sind unwissend, sie werden es uns schon aufs Wort glauben; sollten sie uns aber vorgehalten werden, so machen wir es mit diesen prophetischen und apostolischen Worten, wie mit den Worten Christi: wir schreiben so vielerlei davon und drehen sie so lange nach allen Seiten, bis sie endlich unsern Lesern aus den Augen gerückt und diese confus gemacht sind und bis endlich wenigstens unsere Methodisten doch glauben, daß kein Beispiel einer durch Menschen ertheilten Absolution in der ganzen Bibel zu finden sei. Mögen aber die Herren ihren Zweck bei vielen erreichen, diejenigen, die sich das Wort Gottes nicht aus den Augen rücken lassen und dieses höher achten als den Machtspruch eines heilig thuenden Schwärmers, werden sie nicht berücken, sondern von denselben als unredliche trugvolle Verfälscher des allerheiligsten Wortes Gottes geflohen und gemieden werden.
Was nun ferner die nachapostolische Zeit betrifft, so ist es allerdings wahr, daß man die Form, in welcher das Amt der Schlüssel jetzt in der luth. Kirche verwaltet wird, auch in dieser Zeit noch nicht findet, die Sache aber findet man wohl. Am deutlichsten sieht man an der Wiederaufnahme bußfertig sich zeigender Gefallener in der Gemeinde, daß sich die Kirche auch in der nachapostolischen Zeit bewußt war, daß nicht nur ihr Bann Gottes Bann, sondern daß daher auch die Vergebung nach Christi Verheißung und Ordnung Gottes Vergebung sei. Dr. Guerike schreibt in seiner Kirchengeschichte in dem Paragraph von der Kirchendisciplin der drei ersten Jahrhunderte: „Zeigten die Ausgeschlossenen nun wirklich eine aufrichtige Buße, so wurden sie endlich der apostolischen Verordnung gemäß (2 Cor. 2, 5. ff.) nach verhältnißmäßiger, oft Jahre langer Bußzeit, durch Handauflegung des Bischofs und der Geistlichkeit nach Zuziehung der ganzen Gemeinde wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen, und ihnen so, mit der Erlaubniß, wieder in der Gemeinde zu communiciren, die absolutio ertheilt.*) Seit dem Ende des dritten Jahrhunderts erhielt sodann die Wiederaufnahme die Form, die in der Folgezeit stattfand.“ (Die Büßenden mußten nehmlich später durch vier Stationen der Kirchenbuße hindurchgehen, worauf ihnen erst, nachdem sie ein öffentliches Sündenbekenntniß abgelegt hatten, die Absolution gewährt wurde.) Die Kirchenväter Tertullian (seit 192 n. Ch. Presbyter in Carthago) und Cyprian (seit 248 n. Ch. Bischof daselbst) nennen ein solches Absolution geben und empfangen „den Frieden, oder den Frieden des HErrn geben und empfangen.“ Letzterer schreibt u. a. in seinem Briefe an den Cornelius: „Wir waren der Meinung gewesen, .. daß diejenigen, welche in der Verfolgung .. gefallen waren, .. die volle Buße thäten und in Todesnöthen den Frieden empfingen. Denn es war unrecht, daß die Kirche den Anklopfenden verschlossen und daß den Reuigen und Abbittenden die Hülfe einer heilvollen Hoffnung versagt werde, daß die von der Welt zurückkehrenden ohne den Frieden des HErrn entlassen würden, da er doch selbst gestattet hat, der das Gesetz gegeben, daß was auf Erden gebunden ward, auch im Himmel gebunden wäre, daß aber da gelöst werden könne, was hier vorher in der Kirche gelöst worden wäre.“ Opp. ad. Erasm. p. 5.)
Ein recht überzeugender Beweis, daß in der Kirche der ersten drei Jahrhunderte die Gewalt zu absolviren behauptet und geübt worden sei, ist die Entstehung einer besondern Secte, der Novatianer, in der Mitte des 3ten Jahrhunderts, deren von der Kirche verworfener Grundsatz war, daß keiner, welcher das Taufgelübde durch eine grobe Sünde verletzt habe, und deßhalb excommunicirt (in den Bann gethan sei, falls er auch von der göttlichen Barmherzigkeit Vergebung erlangen könnte,) je wieder durch die Kirche der Sündenvergebung versichert und wieder in ihre Gemeinschaft aufgenommen werden dürfe. Eine liebliche hieher gehörige Geschichte hat uns der Kirchengeschichtschreiber Socrates aufbewahrt. Derselbe erzählt nämlich: „Nachdem die Glaubensformel von dem nicäischen Concil im Jahre 325) aufgezeichnet und unterschrieben worden war, fragte der Kaiser (Constanin) den (Novatianer) Acesius, ob auch er mit diesem Glauben und mit dieser Bestimmung der Osterfeier übereinstimme. Die Synode, sprach jener, hat, o Kaiser, nichts Neues bestimmt. Denn die Bestimmung des Glaubens und diese Zeit der Osterfeier war, wie ich gehört habe, schon vormals und seit der Zeit der Apostel. Als nun
*) Der Kirchengeschichtschreiber Sozomenus schließt die Beschreibung dieses Prozesses in der abendländischen Kirche mit den Worten: „Ist der vorherbestimmte Tag verflossen und die Strafe, oder eine gewisse Schuld abgetragen, so wird er (der Büßende) von seinen Sünden absolvirt und dem Volke und der Gemeinde wieder zugesellt.“ Lib. VII. c. 16.
der Kaiser hierauf ihn wieder fragte: Warum sonderst du dich also von der Gemeinschaft ab? so hielt er das entgegen, was zur Zeit der Decianischen Verfolgung geschehen sei, und stellte den ungemein harten Grundsatz auf, diejenigen, welche nach der Taufe sündigen mit einer Sünde, die die Schrift eine Sünde zum Tode nennt, dürften der Gemeinschaft der Sacramente nicht würdig gemacht werden, sie wären zwar zur Buße zu ermahnen, die Hoffnung der Vergebung aber sei nicht von den Priestern, sondern allein von Gott zu erwarten, welcher die Gewalt hat, Sünden zu vergeben. Als dies Acesius gesagt hatte, antwortete ihm der Kaiser: O Acesius, lege eine Leiter an, und wenn du kannst, so steige allein in den Himmel.“ (Hist. Eec. Trip. L. II, 6. 13.) Möchten dies die methodistischen Novatianer unserer Zeit zu Herzen nehmen, welche widersprechend genug weidlich nach allen Seiten hin ihre Bannstrahlen schleudern und alle Nichtmethodisten für unbekehrt erklären, verdammen und aus dem Himmelreich ausschließen, hingegen von der Absolution, von dem trostvollen Löseschlüssel nichts wissen wollen.
Indem wir nun die spätere Zeit übergehen, weil es sich insonderheit darum handelt, ob die Absolution in der besten und reinsten Zeit der Kirche gebraucht worden ist, so lassen wir hier nur noch einige wichtige Zeugnisse gottseliger Kirchenlehrer aus der Zeit der Reformation und darnach von der h. Absolution folgen, indem wir unsere Leser bitten, hiermit zu vergleichen, was die neuen methodistischen Heiligen davon schreiben oder vielmehr in ihrer Blindheit lästern.
Luther schreibt in seiner „Warnung an die zu Frankfurt am Main, sich vor Zwinglischer Lehre und Lehrern zu hüten,“ vom Jahre 1533 also: „Wenn tausend und aber tausend Welt mein wären, so wollte ich alles lieber verlieren, denn ich wollte dieser Beicht das geringste Stücklein eines aus der Kirchen kommen lassen. — Das andere Stück in der Beicht ist die Absolution, die der Priester spricht an Gottes Statt. — Dies Stück ist nicht allein der Jugend und dem Pöbel, sondern jedermann nütz und noth, und soll's keiner verachten, er sei wie gelehrt und heilig er wolle. Denn wer ist so gar hoch kommen, daß er Gottes Wort nicht bedürfe, oder verachten möge? Und um dieses Stücks willen brauch ich der Beicht am allermeisten, und will und kann ihr nicht entbehren, denn sie mir oft und noch täglich großen Trost gibt, wenn ich betrübt und bekümmert bin. Aber die Schwärmer, weil sie sicher sind und von Traurigkeit und Anfechtungen nichts wissen, verachten sie leichtlich die Arznei und Trost, wollens dazu auch denen nehmen und wehren, die es bedürfen und haben müssen. Sind sie satt, so sollten sie die Hungrigen auch essen lassen; sind sie heilig, so sollten sie die Sünder auch heilig lassen werden; dürfen sie Gottes und seines Wortes nicht mehr, so sollten sie es denen auch lassen, die es noch dürfen. Aber (wie gesagt,) sie zeigen mit solchem Toben an ihre große Blindheit und Narrheit, als die noch nie gelernt haben, was Gottes Wort,
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but also the apostles. When, among other instances, St. Paul, together with the congregation at Corinth, had put the man guilty of incest under the ban in the name of Jesus Christ (1 Corinthians 5:1–5), and this man had now sunk into godly sorrow, Paul then also exercised toward him the key that looses, and wrote to the congregation: "Sufficient to such a man is this punishment, which was inflicted of many. So that contrariwise ye ought rather to forgive him, and comfort him, lest perhaps such a one should be swallowed up with overmuch sorrow. Wherefore I beseech you that ye would confirm your love toward him. To whom ye forgive any thing, I forgive also: for if I forgave any thing, to whom I forgave it, for your sakes forgave I it in the person of Christ." (2 Corinthians 2:6ff.) Now if Messrs. Nast and Mulfinger have read this, how could they be so bold as to write, "Neither the apostles nor the early church used it (absolution) in their purest and best days"? Have these gentlemen then not considered that the Lutherans, too, still possess Bibles in which these sun-clear examples stand written, showing that prophets and apostles made use of the power to absolve? We fear these gentlemen thought: we will make no mention of these examples, and will confidently write into the world that no such examples exist; the people are ignorant, and will simply take our word for it; but should these examples be held up against us, we will handle these prophetic and apostolic words just as we handle the words of Christ: we will write so much about them and twist them so long in every direction that at last they are moved out of our readers' sight and the readers are made confused, until finally at least our Methodists come to believe that no example of an absolution given by men is to be found anywhere in the whole Bible. But even if these gentlemen achieve their purpose with many, those who do not let the Word of God be moved out of their sight, and who esteem it more highly than the peremptory pronouncement of a sanctimonious enthusiast, will not be deceived by them, but will flee from and shun them as dishonest, deceitful falsifiers of the most holy Word of God.
As for the post-apostolic period, it is indeed true that one does not yet find, even in that period, the form in which the office of the keys is now administered in the Lutheran Church, but the substance of the matter one does find. It is seen most clearly in the readmission into the congregation of the fallen who showed themselves repentant, that the church, even in the post-apostolic period, was conscious that not only was its ban God's ban, but that therefore, according to Christ's promise and ordinance, its forgiveness was also God's forgiveness. Dr. Guericke writes in his Church History, in the paragraph on the church discipline of the first three centuries: "If those who had been excluded now actually showed sincere repentance, they were at last, in accordance with the apostolic ordinance (2 Corinthians 2:5ff.), after a proportionate period of penance, often lasting years, readmitted into church fellowship through the laying on of hands by the bishop and clergy, with the participation of the whole congregation, and thus, with permission to commune again in the congregation, the absolutio was granted to them.*) From the end of the third century on, the readmission then took on the form that prevailed in the period that followed." (The penitents, that is, later had to pass through four stations of church penance, after which absolution was granted them only once they had made a public confession of their sins.)
*) The church historian Sozomen concludes his description of this process in the Western church with the words: "When the appointed day has elapsed and the penalty, or a certain debt, has been paid, he (the penitent) is absolved from his sins and restored to the people and to the congregation." Lib. VII, c. 16.
The church fathers Tertullian (presbyter at Carthage from A.D. 192) and Cyprian (bishop there from A.D. 248) call such a giving and receiving of absolution "giving and receiving peace," or "the peace of the Lord." The latter writes, among other things, in his letter to Cornelius: "We had been of the opinion... that those who had fallen during the persecution... should do full penance and receive peace in the hour of death's danger. For it was wrong that the church should be closed to those who knocked, and that the help of a wholesome hope should be denied to the penitent and those seeking forgiveness, that those returning from the world should be sent away without the peace of the Lord — since he himself has granted, who gave the law, that what was bound on earth should also be bound in heaven, but that what had previously been loosed here in the church could also be loosed there." Opp. ad. Erasm., p. 5.
A truly convincing proof that in the church of the first three centuries the power to absolve was claimed and exercised is the emergence of a particular sect, the Novatians, in the middle of the third century, whose principle — rejected by the church — was that no one who had violated his baptismal vow by a gross sin, and had therefore been excommunicated (placed under the ban, even if he might obtain forgiveness from divine mercy), might ever again be assured of the forgiveness of sins by the church or be readmitted into its fellowship. A delightful story pertaining to this has been preserved for us by the church historian Socrates. He relates the following: "After the formula of faith had been recorded and signed by the Council of Nicaea in the year 325, the Emperor (Constantine) asked the Novatian Acesius whether he too agreed with this creed and with this determination of the date of Easter. The synod, he replied, O Emperor, has determined nothing new. For the determination of the faith and this time of the Easter celebration have, as I have heard, existed already from before, and since the time of the apostles. When the Emperor then asked him again, Why then do you separate yourself from fellowship? he held up in reply what had happened at the time of the Decian persecution, and set forth the exceedingly harsh principle that those who sin after baptism with a sin which Scripture calls a sin unto death may not be made worthy of the fellowship of the sacraments; they were indeed to be exhorted to repentance, but the hope of forgiveness was to be expected not from the priests but from God alone, who has the power to forgive sins. When Acesius had said this, the Emperor answered him: O Acesius, set up a ladder, and if you can, climb into heaven alone." (Historia Ecclesiastica Tripartita, Book II, 6, 13.) Would that the Methodist Novatians of our day might take this to heart — who, inconsistently enough, hurl their bolts of excommunication vigorously in every direction and declare all non-Methodists unconverted, condemn them, and shut them out of the kingdom of heaven, while wanting to know nothing of absolution, of the comforting key that looses.
Since we now pass over the later period, because the particular question at issue is whether absolution was used in the best and purest age of the church, we let follow here only a few important testimonies of godly church teachers from the time of the Reformation and afterward concerning holy absolution, asking our readers to compare with these what the new Methodist saints write about it, or rather blaspheme against it in their blindness.
Luther writes as follows in his "Warning to those at Frankfurt am Main to Beware of Zwinglian Doctrine and Teachers," from the year 1533: "If a thousand and again a thousand worlds were mine, I would rather lose everything than let the least little piece of this confession be taken out of the church. — The second part of confession is the absolution, spoken in God's stead. — This part is useful and necessary not only to the young and the common people, but to everyone, and no one should despise it, however learned and holy he may be. For who has come so high that he does not need, or may despise, God's Word? And for the sake of this part I make the most use of confession, and will not and cannot do without it, for it often, and still daily, gives me great comfort when I am troubled and distressed. But the fanatics, because they are secure and know nothing of sorrow and trials, easily despise this medicine and comfort, and, moreover, wish to take it away and withhold it from those who need and must have it. If they are full, they ought to let the hungry eat as well; if they are holy, they ought to let sinners become holy too; if they no longer need God and his Word, they ought to leave it to those who still need it. But (as I have said) they show by such raging their great blindness and folly, as those who have never yet learned what God's Word,