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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-06-27, Seite 85

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 3 · Abſolution 6 · Abſolution 11 · Abſolution 14 · Abſolution 15

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 2.

St. Louis, Mo., den 27. Juni 1846.

No. 22.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

Die heilige Absolution
gerettet gegen die Lästerungen der Methodisten.
(Schluß.)

Zwei Einwürfe sind noch übrig, welche von den Methodisten gegen die Lehre von der h. Absolution und gegen deren Gebrauch in der luth. Kirche gemacht werden, die wir nun noch schließlich zu beantworten haben.

Erstlich wirft man uns nehmlich noch ein, daß sich viele unbekehrte fleischliche Herzen mitten in ihrem Sündendienst mit der erhaltenen Absolution trösteten, also dadurch nur um so sicherer und verstockter würden. Hierauf können wir kurz mit dem bekannten Sprüchwort antworten: Abusus non tollit usum d. i. der Mißbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf. Der h. Apostel Paulus hörte doch nicht auf, es laut zu predigen, daß Christus gerade den unwürdigsten Sündern die größte Gnade widerfahren lasse, obgleich fleischliche Herzen ihn darum beschuldigten, er huldige dem Grundsatz: „Lasset uns Uebels thun, auf daß Gutes daraus komme,“ Röm. 3, 8,; er lehrte doch, wo die Sünde mächtig geworden sei, da sei die Gnade viel mächtiger geworden, obgleich nun manche den Schluß daraus zogen, daß man in der Sünde beharren solle, auf daß die Gnade desto mächtiger werde. Röm. 5, 20. 6, 1. Mögen also Heuchler immerhin die süße Gnadenpredigt auf Muthwillen ziehen, um ihretwillen darf den betrübten Herzen die volle Weide des Evangeliums nicht entzogen werden. Uebrigens ist es bekannt, wie ernstlich wahrhaft lutherische Prediger gegen den Mißbrauch der h. Absolution immer geeifert haben und noch eifern und daß von ihnen gelehrt wird, daß jede Absolution, wenn sie auch (wie sich's gehört) ohne Bedingung ertheilt wird, doch immer die Bedingung der Bußfertigkeit in sich einschließt.*)

Ohne uns bei diesem Einwurf länger aufzuhalten, gehen wir zur Berathung des letzten über. Herr Mulfinger und Herr Nast behaupten nehmlich endlich, die biblische und Kirchengeschichte zeuge dagegen, daß in der Kirche Gottes je die Gewalt zu absolviren ausgeübt worden sei.

*) „Daß gedachte Absolution conditionalis (bedingt) ist, ist sie, wie sonst auch eine gemeine Predigt, und eine jede Absolution, beide gemein und privat, hat die Condition des Glaubens, denn ohne Glauben entbindet sie nicht, und ist darum nicht ein Fehlschlüssel. Denn der Glaube bauet nicht auf unsere Würdigkeit, sondern ist nur so viel, daß einer die Absolution annimmt und Ja dazu spricht.“ Luthers Werke. Band XXI, 424.

Ersterer schreibt: „Daß keine solche Gewalt der Absolution an Gottes Statt jemals in den Aposteln oder in den ersten Dienern der Kirche niedergelegt wurde, haben wir den Beweis, daß weder die Apostel noch die erste Kirche in ihren reinsten und besten Tagen sie gebrauchten oder es vorgaben.“ Der Letztere, nachdem er eine Art Entstehungsgeschichte der Privatbeichte zum besten gegeben hat, schreibt: „Je mehr (im 5ten Jahrhundert) die eigentliche öffentliche Kirchenbuße aufhörte, desto mehr gaben sich die Geistlichen das Ansehen, als ob Gott sie geradezu zur Vergebung der Sünden bevollmächtigt hätte.“

Wäre die Wahrheit immer auf Seiten derjenigen, welche die größte Dreistigkeit in ihren Behauptungen zu Tage legen, so müßten wir freilich, wie immer, so auch hier den Herrn Methodisten ohne weiteres das Feld räumen. Da aber bekanntlich nicht das Behaupten, sondern das Beweisen entscheidet, so bitten wir die Leser, Folgendes zu beachten.

Erstlich lehrt auch die luth. Kirche, daß die Beichte, obgleich wir die Ausübung derselben schon in der Schrift *) finden, doch allerdings nur eine freie menschliche Ordnung ist: es ist daher nicht zu verstehen, warum Hr. Nast, da er die Geschichte von der Entstehung der Absolution darstellen will, nicht von der Absolution, sondern von der Beichte redet. Entweder war Hr. Nast sich selbst nicht klar, oder er wollte zu Gunsten seiner Beweisführung Unklarheit und Verwirrung in seinen Lesern erzeugen.

Zweitens ist zu bedenken, daß auch die Lutheraner keineswegs behaupten, daß die Art und Weise, in welcher die Absolution von ihnen gehandhabt wird, von Gott selbst befohlen und daher zu aller Zeit in der Kirche Gottes gangbar gewesen sei. Wir Lutheraner wissen es, daß es allerdings kein Gebot Gottes sei, daß auch diejenigen, welche keine öffentliche Sünden begangen und die Kirche nicht geärgert haben, oder die doch nicht ein besonders hart angefochtenes Gewissen

*) Matth. 3, 5. 6., „Da ging zu ihm“ dem Johannes dem Täufer, „hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan; und ließen sich taufen von ihm im Jordan, und bekannten (beichteten) ihre Sünden.

haben, sich des Trostes der Absolution regelmäßig bedienen müssen; wir wissen es ferner, daß es freilich nicht von Gott befohlen sei, daß man gerade allemal, wenn man zum h. Abendmahl gehen will, sich vorerst von einem Diener Christi absolviren lassen müsse; wir wissen es endlich, daß es noch viel weniger Gottes Gebot sei, daß jeder solcher Absolution eine namentliche Beichte seiner Sünden vorhergehen müsse. Dies alles, wir läugnen es nicht, ist Form und Weise und gehört daher zu den menschlichen Ordnungen, die die Kirche selbst zu stellen und nach Umständen zu ändern Fug und Recht hat. Können daher die Hrn. Mulfinger und Nast die Art und Weise, die Absolution anzuwenden, die jetzt in der luth. Kirche gäng und gäbe ist, in der biblischen und in der Kirchengeschichte der ersten Zeit der christlichen Kirche nicht finden, so darf sie das nicht befremden. Wir haben noch nie behauptet, daß die Art und Weise der luth. Kirche, die Schlüssel des Himmelreichs zu gebrauchen, eine stets gebrauchte und von Gott gebotene sei. Wir sagen nur so viel, daß die Kirche Gottes auf Erden immer die Macht gehabt habe und noch habe, Sündern im Namen des HErrn die Sünden zu vergeben und daß ihre Vergebung auch im Himmel gültig und kräftig gewesen sei und noch sei.

Dies wollen wir nun auch aus der biblischen und aus der Kirchengeschichte beweisen.

Im A. Testament mußten sich zwar die Gläubigen meist allein an die allgemeinen Verheißungen halten, doch lesen wir, daß auch die Propheten zuweilen die allgemeinen Gnadenverheißungen einzelnen Personen insonderheit aneigneten und zusprachen, daß sie sie absolvirten. *)

Als z. B. David dem Propheten Nathan mit den Worten berichtete: „Ich habe gesündigt wider den HErrn,“ so absolvirte ihn der letztere sogleich und sprach: „So hat auch der HErr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.“ 2 Sam. 12, 13. Gehen wir nun zum N. Testamente über, so finden wir darin nicht nur, wie Christus mehrere Sünder absolvirt hat, (Luc. 5, 20-26. 7, 48. 49.)

*) Vergl. Luther, welcher also schreibt: „Man muß dem tröstlichen freien Evangelio den Raum lassen, daß es sowohl einem jeglichen Menschen, als vielen mag gesagt werden. Was ist aber die Absolution anders, denn das Evangelium, einem einzelnen Menschen gesagt, der über seine bekannte Sünde Trost dadurch empfahe?“ Werke Hall. XVI. 2178.

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English translation AI translation

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall not pass away, now nor ever."

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 2.

St. Louis, Mo., June 27, 1846.

No. 22.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, of which they must pay half in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis each single number is sold for 5 cents.

Holy Absolution
Vindicated against the Slanders of the Methodists.
(Conclusion.)

Two objections still remain which the Methodists raise against the doctrine of holy absolution and against its use in the Lutheran Church, which we must now finally answer.

First, it is objected against us that many unconverted, carnal hearts comfort themselves with the absolution they have received even in the midst of their service to sin, and thereby only become the more secure and hardened. To this we can answer briefly with the well-known proverb: Abusus non tollit usum, that is, abuse does not abolish proper use. The holy apostle Paul did not on that account cease to preach loudly that Christ lets his greatest grace fall precisely upon the most unworthy sinners, although carnal hearts accused him for this of holding to the principle, "Let us do evil, that good may come" (Romans 3:8); he taught, indeed, that where sin abounded, grace abounded much more, although some drew from this the conclusion that one should continue in sin so that grace might become all the more abundant (Romans 5:20; 6:1). So then, let hypocrites go on twisting the sweet preaching of grace into an excuse for wantonness — for their sake the troubled hearts must not be deprived of the full pasture of the Gospel. Moreover, it is well known how earnestly truly Lutheran preachers have always contended, and still contend, against the abuse of holy absolution, and that they teach that every absolution, even though it is granted (as is proper) without any stated condition, always includes within itself the condition of repentance.*)

*) "That the aforesaid absolution is conditional — it is so, as is also any public sermon; and every absolution, both public and private, has the condition of faith, for without faith it does not absolve, and is therefore not a false key. For faith does not build upon our worthiness, but consists only in this, that one accepts the absolution and says Yes to it." Luther's Works, vol. XXI, 424.

Without dwelling any longer on this objection, we turn to the consideration of the last one. Mr. Mulfinger and Mr. Nast finally maintain, namely, that biblical and church history testify against the claim that the power to absolve was ever exercised in the Church of God. The former writes: "That no such power of absolution in God's stead was ever vested in the apostles or in the first ministers of the church, we have the proof that neither the apostles nor the early church, in its purest and best days, used it or claimed it." The latter, after having offered a sort of history of the origin of private confession, writes: "The more the actual public church penance ceased (in the fifth century), the more the clergy gave themselves the appearance as though God had directly authorized them to forgive sins."

If truth were always on the side of those who display the greatest boldness in their assertions, then we would of course, as always, have to yield the field to the Methodist gentlemen here too without further ado. But since, as is well known, it is not the assertion but the proof that decides the matter, we ask our readers to note the following.

First, the Lutheran Church also teaches that confession, although we already find its practice in Scripture,*) is nevertheless only a free human ordinance: it is therefore not to be understood why Mr. Nast, since he wishes to present the history of the origin of absolution, speaks not of absolution but of confession. Either Mr. Nast himself was not clear on the matter, or he wished, for the sake of his argument, to produce obscurity and confusion in his readers.

*) Matthew 3:5–6: "Then went out to him" — that is, to John the Baptist — "Jerusalem, and all Judaea, and all the region round about Jordan, and were baptized of him in Jordan, confessing" (making confession of) "their sins."

Second, it must be considered that the Lutherans themselves by no means claim that the manner in which absolution is administered by them was commanded by God himself and has therefore always been the practice in the Church of God. We Lutherans know full well that it is indeed no commandment of God that even those who have committed no public sins and have not offended the church, or who do not have a particularly severely afflicted conscience, must regularly make use of the comfort of absolution; we know further that it is certainly not commanded by God that one must, every single time one wishes to go to the holy Supper, first be absolved by a minister of Christ; we know finally that it is still far less God's commandment that every such absolution must be preceded by a confession naming one's sins specifically. All this, we do not deny, is form and manner, and therefore belongs among the human ordinances which the church itself has the right and authority to establish and, according to circumstances, to alter. If, therefore, Messrs. Mulfinger and Nast cannot find the manner of applying absolution now current in the Lutheran Church in the biblical and church history of the early period of the Christian church, this should not surprise them. We have never claimed that the Lutheran Church's manner of using the keys of the kingdom of heaven has always been in use and was commanded by God. We say only this much, that the Church of God on earth has always had, and still has, the power to forgive sinners their sins in the name of the Lord, and that its forgiveness has been, and still is, valid and effective in heaven as well.

We now wish to prove this also from biblical and church history.

In the Old Testament, believers indeed had to rely for the most part solely on the general promises; yet we read that the prophets, too, at times appropriated the general promises of grace to particular individuals specifically and pronounced them to them — that is, that they absolved them.*)

*) Cf. Luther, who writes thus: "One must allow room for the comforting, free Gospel, that it may be spoken both to each individual person and to many. But what else is absolution than the Gospel spoken to a single person, who thereby receives comfort concerning his known sin?" Works, Halle ed., XVI, 2178.

When, for example, David reported to the prophet Nathan with the words, "I have sinned against the LORD," the latter immediately absolved him and said, "The LORD also hath put away thy sin; thou shalt not die" (2 Samuel 12:13). Turning now to the New Testament, we find in it not only that Christ absolved a number of sinners (Luke 5:20–26; 7:48–49),