Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 21 › Seite 83
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-06-13, Seite 83
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 7 · Abſolution. ö 4 · Abſolution 10 · Abſolution 13 · Abſolution 14 · Beichte 2
Evangelium zu verkündigen, oder zu erklären, daß die Sünden vergeben seien, sondern sie ist wie ein richterlicher Act, wodurch von ihm (dem Priester) als von dem Richter das Urtheil gefällt wird.“ (Ib. Cap. V.)
Die Römisch-Katholischen lehren 3.) daß die Absolution sich darauf gründe und davon abhängig sei, ob die Reue, das Sündenbekenntniß und die genugthuenden Werke dessen, der zur Beichte kommt, nach der Entscheidung des Priesters hinreichend seien. Denn so spricht ferner das angeführte päbstliche Symbol: „Wenn jemand leugnet, daß zur vollständigen Vergebung der Sünden drei Acte, (als die Materie des Sacraments der Buße,) in dem Büßenden erfordert werden, nehmlich die Reue, das Bekenntniß und die Genugthuung, welches die drei Theile der Buße heißen; oder wenn jemand sagt, daß es nur zwei Theile der Buße gebe, nehmlich die durch Erkenntniß der Sünden erregten Schrecken des Gewissens und der aus dem Evangelio oder der Absolution empfangene Glaube, nach welchem jemand glaubt, daß ihm durch Christum die Sünden vergeben seien: der sei verflucht.“ (Ib. Cap. III. Can. 4.) Ja in dem Rituale Rom. lautet die Absolutionsformel unter Anderen also: „Das Leiden unseres HErrn JEsu Christi, die Verdienste der heiligen Jungfrau Maria und aller Heiligen, und alles was Du Gutes gethan und Uebels gelitten hast, gereiche Dir zur Vergebung der Sünden, zur Vermehrung der Gnade und zur Belohnung des ewigen Lebens.“ (Ed. Pariss. p. 72.)
Endlich lehren die Römisch-Katholischen 4.) daß durch die Absolution des Priesters nur die ewigen Strafen erlassen werden, daß aber damit die zeitlichen Strafen und die Pein des Fegfeuers keineswegs aufgehoben sei; daher müsse der Priester seinen Beichtkindern noch allerlei Büßungen vorschreiben, durch welche man die Abkürzung jener Martern oder die Erlösung daraus verdiene. Also lautet es nehmlich in dem mehr angezogenen Bekenntnisse: „Wenn jemand sagt, daß jedem büßenden Sünder nach empfangener Gnade der Rechtfertigung die Sündenschuld so vergeben und die Schuld (reatus) der ewigen Strafe getilgt werde, daß keine Schuld einer zeitlichen Strafe zurückbleibe, die er entweder in dieser Welt oder in der zukünftigen im Fegfeuer abzutragen hat, ehe ihm der Eingang zum Himmelreich offenstehen könne: der sei verflucht.“ (Sess. VI. De justif. Can. 30.)
Von diesen Lehren ist die evangelisch-luth. Kirche weit, weit entfernt. Die Lutheraner lehren keineswegs, daß die Gewalt, Sünden zu vergeben und zu behalten, eine den Predigern eigenthümliche Gewalt sei, deren Ausübung Kraft und Gültigkeit von dem Amte, dem Beruf, der Ordination ꝛc. derselben bekomme. Wir lehren vielmehr, die Schlüsselgewalt ist ein Schatz, den Christus in den Aposteln der ganzen Kirche oder Gemeinde gegeben hat, sie ist, wie es in unserem Katechismus heißt, „eine sonderbare (eigenthümliche) Kirchengewalt, die Christus seiner Kirche (nicht den Predigern) hat gegeben.“ Die Kirche ist die Braut, mit der er sich vertraut und die nun die Schlüssel zu seinem ganzen Hause und dessen Schätzen empfangen hat; sie ist die Hausfrau oder Hausherrin; Taufe, Abendmahl, Predigtamt, Absolution ꝛc. sind ihre Güter. Daher ruft Paulus der corinthischen Kirche und Gemeinde zu: „Rühme sich niemand eines Menschen. Es ist alles euer. Es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt. — Alles ist euer.“ 1 Cor. 3, 21. 22. Als daher Christus nach Matth. 18. gezeigt hatte, wie mit einem Menschen, der gesündigt hätte, verfahren werden sollte, und wie derselbe, wenn er auch die Kirche oder Gemeinde nicht höre, von dieser für einen Heiden und Zöllner gehalten werden sollte, so setzt Christus unmittelbar hinzu: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden“ꝛc. Hiermit ist unwidersprechlich die große Macht, Himmel und Hölle aufzuschließen, der Kirche oder Gemeinde, also allen getauften Christen übergeben. Im neuen Testament gibt es keinen besondern zwischen Gott und Menschen vermittelnden Priesterstand mehr; der Hohepriester des A. T. war ein Vorbild Christi, die Priester und Leviten aber waren Vorbilder der ganzen Christenheit; nicht die geölten und von Menschen geweihten sogenannten Geistlichen, sondern alle wahren Christen sind nun das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum.“ 1 Pet. 2, 5. 9. Offb. 1, 6. Diesem gemäß lehrt denn die luth. Kirche, daß im Nothfall auch ein Laie, die Absolution ertheilen könne, und daß dann auch seine Absolution so gültig, „kräftig und gewiß sei, auch im Himmel, als handelte es unser lieber HErr Christus mit uns selber.“ Doch eben freilich nur im Nothfall, denn Gott hat als ein Gott der Ordnung das heilige Predigtamt eingesetzt, durch welches die allen Christen gemeinen Aemter und Güter verwaltet und ausgetheilt werden sollen. — Hieraus wird es hoffentlich jedem Leser klar sein, welche ruchlose Verleumdung es sei, wenn die Methodisten behaupten, daß Luther und die seinem Glauben nachfolgen, darum auf der Lehre von der Schlüsselgewalt so fest bestanden hätten und noch beständen, ihr Ansehen zu vergrößern, und sich als nöthige Vermittler zwischen Gott und den Laien hinzustellen, ja, wie Götter angestaunt zu werden. Nach lutherischer Lehre verwalten die Prediger das Amt der Schlüssel nicht als Herren, sondern als Diener der Kirche.
Die Lutheraner lehren aber auch 2., nicht, daß der Prediger in der Beichte als Richter handle, sondern vielmehr, daß er nur Gottes Instrument, nur Haushalter und Ausspender der Gnadenschätze sei, die Christus seiner ganzen Kirche gegeben habe; daß es also nicht auf die richterliche Entscheidung des Predigers ankomme, ob jemand Vergebung der Sünden habe, sondern auf den Glauben derer, die die trostreiche Absolution begehren.
Wir lehren ferner 3., keineswegs, daß sich die Absolution auf die Vollkommenheit unserer Reue, unserer Beichte und unserer Bußwerke gründe, sondern daß sie aus lauter Gnade und ohne alle Absicht auf Würdigkeit gegeben werde, kraft des vollkommenen Verdienstes JEsu Christi.
Wir lehren endlich 4., keineswegs, daß ein Prediger, wenn er einen Sünder absolvirt hat, ihm noch etwas auferlegen könne, wodurch er die noch übrig gebliebenen zeitlichen Strafen oder die Pein eines zu erwartenden Fegfeuers abbüßen müßte, wir lehren vielmehr, daß die Absolution, wenn sie geglaubt wird, nicht nur alle Schuld, sondern daher nothwendig auch alle Strafen für Zeit und Ewigkeit hinwegnehme, und daß das Kreuz, welches selbst begnadigte Sünder doch noch immer tragen müssen, nicht mehr eine Strafe, sondern eine väterliche Züchtigung sei, wodurch der Begnadigte vor dem Abfall gewarnt und sein Glauben und seine Liebe geprüft und geübt werden soll.
Wer sieht hieraus nicht, daß die lutherische und die papistische Beichte und Absolution etwas in allen Puncten gänzlich Verschiedenes ist, daß es daher entweder in einer entsetzlichen Unwissenheit oder in Bosheit seinen Grund hat, wenn man die Verwaltung des Amtes der Schlüssel in der luth. Kirche ein papistisches Ueberbleibsel nennt? —
Wir kommen nun zu einem Einwurf gegen die Lehre unserer Kirche von der Absolution, der zwar nicht von den Methodisten, aber jetzt nicht selten gerade von denen gemacht wird, die noch von Herzen glauben, daß die Bibel Gottes Wort sei, wir meinen den Einwurf, daß wohl die Apostel die Sünden hätten vergeben können, daß man aber darum einem gewöhnlichen Diener der Kirche jetzt die Macht nicht beilegen dürfe. Die Grundlosigkeit dieses Einwurfs haben wir vor zwei Jahren in einer Predigt des Sonntags Quasimodogeniti zu zeigen gesucht. Wir hoffen von unsern Lesern Verzeihung, wenn wir, um uns Zeit zu ersparen, die betreffende Stelle aus jener Predigt hieher setzen. Hier ist sie:
„Daß Christus den heil. Aposteln die Macht gegeben habe, Sünden zu vergeben und zu behalten, darüber kann bei keinem, der an die Bibel glaubt, der mindeste Zweifel obwalten; mit klaren Worten ist es sowohl in unserm heutigen Evangelio (Joh. 20, 19—31.) als in andern Stellen der Evangelien ausgesprochen. Es kann allein eine Frage darüber aufgeworfen werden, ob diese Macht noch jetzt statt finde, oder mit dem Tode der Apostel erloschen sei.
Es ist aber freilich nicht genug, daß man es mit einem bloßen Machtspruch ohne allen Beweis behauptet, jene Gewalt sei allein ein apostolisches Vorrecht gewesen. Ein Christ, dem die Wahrheit kein Scherz ist, sondern am Herzen liegt, verlangt dafür unumstößliche Gründe und wird im Gegentheil fragen: Warum sollte gerade die Gewalt, Sünden zu vergeben und zu behalten, allein die Apostel angehen? Christus hat ja auch nur zu den Aposteln gesagt: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Creatur, und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des heil. Geistes.“ Christus hat ferner auch nur zu den Aposteln gesagt bei Stiftung des heil. Abendmahls: „Solches thut zu meinem Gedächtniß.“ Aus was für einer Macht wird denn noch jetzt das Evangelium gepredigt, die Taufe verwaltet, das heil. Abendmahl gefeiert? Geschieht es
English translation AI translation
a bare office, either to proclaim the Gospel, or to declare that sins are forgiven, but it is like a judicial act, whereby, by him (the priest) as by the judge, the sentence is pronounced." (Ib. Cap. V.)
The Roman Catholics teach, 3.) that absolution is founded upon, and dependent on, whether the contrition, the confession of sins, and the satisfactory works of the one who comes to confession are, according to the priest's decision, sufficient. For thus further speaks the aforementioned papal confession: "If anyone denies that three acts are required in the penitent for the complete forgiveness of sins (as the matter of the sacrament of penance), namely contrition, confession, and satisfaction, which are called the three parts of penance; or if anyone says that there are only two parts of penance, namely the terrors of conscience aroused by recognition of sin, and the faith received from the Gospel or from absolution, by which someone believes that his sins are forgiven him through Christ — let him be accursed." (Ib. Cap. III, Can. 4.) Indeed, in the Roman Ritual the formula of absolution reads, among other things, thus: "May the passion of our Lord Jesus Christ, the merits of the holy Virgin Mary and of all the saints, and whatever good you have done and evil you have suffered, avail you for the forgiveness of sins, the increase of grace, and the reward of eternal life." (Ed. Pariss., p. 72.)
Finally, the Roman Catholics teach, 4.) that through the priest's absolution only the eternal penalties are remitted, but that the temporal penalties and the pain of purgatory are by no means thereby abolished; hence the priest must still prescribe for his penitents all sorts of penances, by which one may earn the shortening of those torments, or deliverance from them. Thus it reads, namely, in the confession already cited: "If anyone says that to every penitent sinner, after receiving the grace of justification, the guilt of sin is so forgiven and the liability (reatus) to eternal punishment so blotted out that no liability to temporal punishment remains for him to discharge, either in this world or in the world to come in purgatory, before the entrance to the kingdom of heaven can stand open to him — let him be accursed." (Sess. VI, De justif., Can. 30.)
From these doctrines the Evangelical Lutheran Church is far, far removed. The Lutherans by no means teach that the power to forgive and to retain sins is a power peculiar to the preachers, whose exercise derives its force and validity from their office, their call, their ordination, etc. We teach, rather, that the power of the keys is a treasure which Christ gave, in the apostles, to the whole Church or congregation; it is, as our Catechism says, "a peculiar (proper) power of the Church, which Christ has given to his Church (not to the preachers)." The Church is the bride, with whom he has betrothed himself, and who has now received the keys to his whole house and its treasures; she is the housewife, or mistress of the house; Baptism, the Lord's Supper, the preaching office, absolution, etc., are her goods. Hence Paul calls out to the Corinthian church and congregation: "Let no man glory in men. For all things are yours; whether Paul, or Apollos, or Cephas, or the world — all are yours." 1 Cor. 3:21-22. When, therefore, Christ, according to Matthew 18, had shown how one is to proceed with a person who has sinned, and how that person, if he will not hear even the church or congregation, is to be held by it as a heathen and a publican, Christ immediately adds: "Verily I say unto you, whatsoever ye shall..." etc. By this the great power of opening heaven and hell is unmistakably given over to the church or congregation, that is, to all baptized Christians. In the New Testament there is no longer any special priesthood mediating between God and men; the high priest of the Old Testament was a type of Christ, but the priests and Levites were types of the whole of Christendom; it is not the anointed and humanly ordained so-called clergy, but all true Christians, who are now the chosen generation, the royal priesthood. 1 Peter 2:5, 9; Revelation 1:6. Accordingly the Lutheran Church teaches that, in a case of necessity, a layman too may give absolution, and that then his absolution is just as valid, "as powerful and as certain, even in heaven, as if our dear Lord Christ himself were dealing with us." Yet, to be sure, only in a case of necessity, for God, being a God of order, has instituted the holy preaching office, through which the offices and goods common to all Christians are to be administered and distributed. From this it will, we hope, be clear to every reader what a wicked slander it is when the Methodists assert that Luther and those who follow his faith have insisted, and still insist, so firmly on the doctrine of the power of the keys in order to enlarge their own authority and to set themselves up as necessary mediators between God and the laity — indeed, to be stared at as though they were gods. According to Lutheran doctrine, the preachers administer the office of the keys not as lords, but as servants of the Church.
The Lutherans further teach, 2., not that the preacher acts as judge in confession, but rather that he is only God's instrument, only a steward and dispenser of the treasures of grace which Christ has given to his whole Church; that it therefore does not depend on the judicial decision of the preacher whether someone has forgiveness of sins, but on the faith of those who desire the comforting absolution.
We teach further, 3., by no means that absolution is founded on the perfection of our contrition, our confession, and our works of penance, but that it is given out of pure grace and without any regard to worthiness, by virtue of the perfect merit of Jesus Christ.
We teach finally, 4., by no means that a preacher, once he has absolved a sinner, may still impose something upon him by which he must atone for the temporal punishments still remaining, or for the pain of an expected purgatory; we teach, rather, that absolution, when it is believed, takes away not only all guilt, but therefore necessarily also all punishment for time and eternity, and that the cross which even pardoned sinners must still always bear is no longer a punishment, but a fatherly chastisement, by which the pardoned one is warned against falling away, and his faith and his love are tried and exercised.
Who does not see from this that the Lutheran and the papist confession and absolution are, in every point, something wholly different, and that it therefore rests either on appalling ignorance or on malice, when the administration of the office of the keys in the Lutheran Church is called a papist remnant?
We come now to an objection against our Church's doctrine of absolution which, though not made by the Methodists, is nowadays not seldom raised by precisely those who still believe with all their heart that the Bible is God's Word; we mean the objection that the apostles could indeed forgive sins, but that one may not, on that account, now attribute this power to an ordinary minister of the church. We sought to show the groundlessness of this objection two years ago, in a sermon for Quasimodogeniti Sunday. We hope our readers will forgive us if, in order to save ourselves time, we here insert the relevant passage from that sermon. Here it is:
"That Christ gave the holy apostles the power to forgive and to retain sins can be doubted by no one who believes the Bible; it is expressed in plain words both in today's Gospel (John 20:19-31) and in other passages of the Gospels. A question can be raised only as to whether this power still holds today, or whether it expired with the death of the apostles.
It is, however, certainly not enough merely to assert, by a bare say-so without any proof, that that power was solely an apostolic privilege. A Christian to whom the truth is no jest, but lies close to the heart, demands irrefutable grounds for this, and will, on the contrary, ask: Why should precisely the power to forgive and retain sins concern the apostles alone? Christ, after all, said to the apostles alone: "Go ye into all the world and preach the Gospel to every creature, and baptize them in the name of the Father, and of the Son, and of the Holy Ghost." Christ likewise said to the apostles alone, at the institution of the Holy Supper: "This do in remembrance of me." By what power, then, is the Gospel still preached today, is Baptism administered, is the Holy Supper celebrated? Does it happen