Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 21 › Seite 81
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-06-13, Seite 81
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Spendeformel 38 · Abſolution 8 · Agende 1 · Sakramente 5
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 2.
St. Louis, Mo., den 13. Juni 1846.
No. 21.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Th. Brohm.)
Kann ein lutherischer Christ mit gutem Gewissen an solchen Sacramentshandlungen Theil nehmen, die nach Vorschrift der neuesten „Kirchenagende für die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Pennsylvanien, New-York, Ohio ꝛc.“ 1842 geschehen?
(Fortsetzung.)
Wenn ich als Antwort auf die in No. 16 dieses Blattes aufgeworfene Frage nun auch eine kurze Beleuchtung der Abendmahlsformulare folgen lasse, die die bewußte Agende vorschreibt, so bitte ich, man wolle mirs nicht als eine voreilige Anmaßung oder als eine dünkelhafte Tadelsucht auslegen. In einer öffentlichen Kirchensache, die dazu nicht unbedeutende Nebendinge betrifft, sondern die hochwürdigen Sacramente unsers HErrn Christi, den allertheuersten Schatz, den der HErr seiner Kirche anvertrauet hat, ist, wie ich meine, jeder befugt zu reden und des Schadens Josephs sich anzunehmen. Würde ein anderer es übernommen haben zu reden, so wollte ich gern geschwiegen haben. Es ist zwar diese Agende schon einige Male in diesem Blatte tadelnd erwähnt worden, doch hat es bisher noch an einem tiefern Eingehen in ihren Inhalt gefehlt, aus dem der Leser eine genaue Einsicht in das Wesen derselben entnehmen könnte, drum ist eine nähere, wenn auch nur kurze Beleuchtung, meines Erachtens, nichts überflüssiges. Daß es kein vergebliches Zanken um Worte, keine Mückenseigerei ist, sondern, daß es sich um einen Schatz handelt, der größer ist als die ganze Welt, das wird aus der Beleuchtung selbst zur Gnüge hervorgehen.
Mit Recht hat die rechtgläubige Kirche stets die h. Sacramente mit tiefster Ehrfurcht und heiligstem Ernst gehandelt, und hat allen Vorwitz, Aenderungslust und Zweideutigkeit hierbei aufs entschiedenste verdammt. Und wie sollte sie anders handeln können? Sind ja die h. Sacramente die heiligsten Heiligthümer, darein selbst die Engel zu schauen gelüstet, und die einzigen Mittel, durch welche nächst dem h. Evangelium der große Gott mit uns Sündern handelt und seine Gnade austheilt. Sollte es nicht die heiligste Pflicht sein eines jeden Christenmenschen, darüber zu wachen und zu kämpfen, daß ihm diese Gnadenmittel nicht geschmälert oder gar entrissen werden? Verlieren wir sie, so ist uns der Hingang zu dem Gnadenreiche Christi selbst verschlossen. Die lutherische Kirche hat sehr Ursache, die Barmherzigkeit Gottes zu preisen, daß er ihr nebst dem reinen Wort auch den rechten heilsamen Gebrauch der Sacramente anvertrauet hat; um so schwerer ist die Verantwortung ihrer Kinder, wenn sie dieses anvertraute Gut undankbar geringschätzen, wenn sie es sogar verfälschen. Nicht ohne tiefste Wehmuth kann man es sehen, was die erwähnte Agende mit den h. Sacramenten vorgenommen hat. Welche Verfälschungen sie mit der h. Taufe vorgenommen, haben wir bereits gesehen, nicht minder gering sind die, die sie sich mit dem heil. Abendmahl erlaubt hat. Wir wollen jetzt alles andere bei Seite setzen, so viel auch noch zu sagen wäre, und nur bei dem stehen bleiben, was zum eigentlichen Wesen des h. Abendmahls gehöret. — Hier begegnet uns zunächst die bedenkliche, ihrem Ursprung und ihrer Tendenz nach höchst verdächtige Ausspendungsformel mit den Worten: Christus spricht: nehmet hin ꝛc. So geringfügig und unschuldig einem Ungeübten diese Worte vorkommen mögen, so anstößig müssen sie demjenigen sein, der weiß, daß sie in die Abendmahlshandlung eingeführt worden sind, als ein bequemes Vehikel der falschen Union und ein Schibboleth derjenigen geworden, die es für gleichgültig halten, ob man die wahre wesentliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahle glaube oder nicht. Es ist schon früher in diesem Blatte richtig nachgewiesen worden, wie jene Formel im besten Falle unangemessen, ihrer Tendenz halber höchst verdächtig ist. Da es jene Formel: Christus spricht: nehmet hin ꝛc. ungewiß läßt, wie sich ein Communicant die Worte der Einsetzung Christi auslegen soll, so muß man um so genauer in den beim Abendmahl gebrauchten Anreden und Gebeten nachforschen, was die Agende in ihnen für ein Bekenntniß niedergelegt hat. Gäbe die Agende anderweit ein klares, nicht mißzuverstehendes Bekenntniß der reinen lutherischen Abendmahlslehre, so möchte immerhin jene Formel als unzweckmäßig getadelt und zurückgewiesen werden, doch wäre sie dann weit milder zu beurtheilen, als es unter obwaltenden Umständen geschehen kann. Wenn wir uns aber in der ganzen Agende nach einem klaren, unzweideutigen Bekenntniß der reinen Lehre vom Abendmahl des HErrn vergebens umsehen, vielmehr theils zweideutige, theils offenbar der lutherischen Kirche widersprechende Bekenntnisse antreffen, so muß sich nothwendig unser Urtheil über jene Worte: Christus spricht ꝛc. bis zu einer unbedingten Verwerfung steigern. Es finden sich in der Agende drei verschiedene Formulare vor. Das erste scheint sich allerdings dem lutherischen Bekenntniß vom h. Abendmahl entsprechend zu erklären, indem es dort heißt: „Er schenket uns unter dem gesegneten Brode seinen Leib, der für uns gekreuzigt, und unter dem gesegneten Kelche sein Blut, das für die Sünden der Welt vergossen wurde.“ Wenn es die Agende bei dieser Erklärung bewenden ließe, so würden wir ohne Argwohn glauben, sie bekenne sich aufrichtig zur wahren Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl. Aber was sollen wir denken, wenn wir im zweiten Formular lesen, wie jenem Bekenntniß offenbar widersprochen wird? Da heißt es nämlich: „Da wir sinnliche Geschöpfe sind, so hat er zwei äußerliche, in die Sinne fallende Elemente, nämlich Brod und Wein bestimmt, gleichsam als Pfänder, um uns dadurch zu versichern, daß wir mit, bei und unter denselben seines Leibes und Blutes, das heißt, seiner ganzen Versöhnungsgnade theilhaftig werden sollen. So gewiß also der bußfertige Communicant das gesegnete Brod und den gesegneten Kelch empfängt, so gewiß wird er auch von seinem Heilande auf eine uns unsichtbare Weise Antheil an seinem Leib und Blut empfangen.“ Hier redet die Agende so deutlich, daß sie nicht mißverstanden werden kann. Unter dem Leib und Blut Christi versteht sie nicht seinen wahren Leib und Blut, sondern nur „seine ganze Versöhnungsgnade,“ unter dem Essen und Trinken seines Leibes und Blutes nichts anderes als ein Theilhaftigwerden seiner Versöhnungsgnade, also nichts anderes als was man sonst den geistlichen Genuß nennt; daraus folgt auch, daß nur der bußfertige Communicant den Leib und Blut Christi d. i. seine ganze Versöhnungsgnade empfängt, der Unbußfertige nichts als Brod und Wein. Hiermit hat die Agende die reine lutherische Lehre von der wesentlichen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl förmlich aufgegeben und ist förmlich auf die Seite der reformirten Kirche getreten. Das dritte Formular, so wie das bei Krankencommunionen, bewegt sich
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor evermore."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 2.
St. Louis, Mo., June 13, 1846.
No. 21.
Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the cost of postage. — In St. Louis single copies are sold for 5 cents each.
(Submitted by Pastor Th. Brohm.)
Can a Lutheran Christian, with a good conscience, take part in such administrations of the sacraments as are performed according to the prescription of the newest "Church Agenda for the Evangelical Lutheran Congregations in Pennsylvania, New York, Ohio, etc." of 1842?
(Continued.)
If, in answer to the question raised in No. 16 of this paper, I now also let follow a brief examination of the Communion formularies prescribed by the agenda in question, I ask that this not be taken as a hasty presumption or as a conceited fault-finding. In a public church matter that concerns not insignificant secondary things but the reverend sacraments of our Lord Christ — the dearest treasure that the Lord has entrusted to his Church — everyone is, I believe, entitled to speak and to take to heart the affliction of Joseph. Had another undertaken to speak, I would gladly have kept silent. This agenda has, to be sure, already been mentioned disapprovingly a few times in this paper, but there has so far been lacking a deeper examination of its contents, from which the reader might gain an exact insight into its true nature; a closer, if only brief, examination is therefore, in my judgment, not superfluous. That this is no vain quarreling over words, no straining at gnats, but that a treasure is at stake greater than the whole world, will emerge sufficiently from the examination itself.
Rightly has the orthodox Church always treated the holy sacraments with the deepest reverence and holiest earnestness, and has most decisively condemned all presumptuousness, love of innovation, and ambiguity in this regard. And how should she act otherwise? For the holy sacraments are the holiest of holy things, into which even the angels long to look, and they are the only means, next to the holy Gospel, by which the great God deals with us sinners and imparts his grace. Should it not be the holiest duty of every Christian to watch and to strive that these means of grace not be diminished for him, or even torn from him? If we lose them, then the way to the kingdom of grace of Christ himself is closed to us. The Lutheran Church has good reason to praise the mercy of God, that alongside the pure Word he has also entrusted to her the right, wholesome use of the sacraments; all the heavier, therefore, is the responsibility of her children if they thanklessly disparage this entrusted good, if they even falsify it. Not without the deepest sorrow can one see what the aforementioned agenda has undertaken with the holy sacraments. What falsifications it has undertaken with holy Baptism we have already seen; not less serious are those it has permitted itself with the Holy Supper. We will now set aside everything else, however much more might still be said, and dwell only on what belongs to the very essence of the Holy Supper. — Here we encounter first of all the questionable distribution formula, highly suspect both in its origin and in its tendency, using the words: "Christ says: take, eat, etc." However trivial and innocent these words may seem to an untrained person, they must be offensive to one who knows that they were introduced into the Communion service as a convenient vehicle of the false union, and have become a shibboleth of those who consider it a matter of indifference whether one believes in the true, essential presence of the body and blood of Christ in the Supper or not. It has already been rightly shown earlier in this paper how that formula is, at best, inappropriate, and, on account of its tendency, highly suspect. Since that formula — "Christ says: take, eat, etc." — leaves it uncertain how a communicant is to interpret the words of Christ's institution, one must search all the more precisely, in the addresses and prayers used at the Supper, what confession the agenda has laid down in them. If the agenda gave elsewhere a clear, unmistakable confession of the pure Lutheran doctrine of the Supper, then that formula might still be censured and rejected as inexpedient, yet it would then have to be judged far more mildly than is possible under the circumstances that actually prevail. But if we look in vain throughout the whole agenda for a clear, unambiguous confession of the pure doctrine of the Lord's Supper, and find instead confessions that are partly ambiguous and partly plainly contrary to the Lutheran Church, then our judgment of those words — "Christ says, etc." — must necessarily rise to an unconditional rejection. There are to be found in the agenda three different formularies. The first indeed seems to state itself in accordance with the Lutheran confession of the Holy Supper, for it says there: "He gives us, under the blessed bread, his body, which was crucified for us, and under the blessed cup his blood, which was shed for the sins of the world." If the agenda let the matter rest at this explanation, we would believe without suspicion that it sincerely confesses the true presence of the body and blood of Christ in the Supper. But what are we to think when we read in the second formulary how that confession is plainly contradicted? For there it says: "Since we are creatures of sense, he has appointed two outward elements, perceptible to the senses, namely bread and wine, as it were as pledges, in order to assure us thereby that with, in, and under the same we are to become partakers of his body and blood, that is, of his whole grace of reconciliation. As surely, then, as the penitent communicant receives the blessed bread and the blessed cup, so surely will he also, in a manner invisible to us, receive from his Savior a share in his body and blood." Here the agenda speaks so plainly that it cannot be misunderstood. By the body and blood of Christ it understands not his true body and blood, but only "his whole grace of reconciliation"; by the eating and drinking of his body and blood, nothing else than a becoming partaker of his grace of reconciliation — that is to say, nothing other than what is elsewhere called spiritual enjoyment; from which it also follows that only the penitent communicant receives the body and blood of Christ, that is, his whole grace of reconciliation, while the impenitent receives nothing but bread and wine. With this the agenda has formally abandoned the pure Lutheran doctrine of the essential presence of the body and blood of Christ in the Supper, and has formally gone over to the side of the Reformed Church. The third formulary, as well as the one used for communion of the sick, moves