Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 16 › Seite 63
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1846-04-04, Seite 63
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abſolution 3 · Abſolution 14 · Apoſtel · Paſtor 5
daß sie vor keinem Worte Gottes Ehrfurcht haben; wenn ihnen ein klarer Ausspruch der Schrift, der gegen sie zeugt, vorgehalten wird, so thun sie, mit Luthern zu reden, als hätte sie eine Gans angepfiffen. Das zeugt doch wahrlich nicht von dem rechten heil. Geiste. Denn dieser zeuget vielmehr, „daß Geist Wahrheit sei" (1 Joh. 5, 6.); dieser wirkt ein zerbrochenes Herz, das „sich fürchtet vor Gottes Wort," (Jes. 66, 2.) und das da fest glaubt: „Der Mensch lebt nicht vom Brod allein, sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht" (Matth. 4,4.). Ein vom heil. Geist erleuchteter Christ folgt daher, wir wiederholen es, seinem Heilande, läßt sich vom Wort nicht abtreiben, beruft sich, wenn Streit entsteht, darauf und spricht: „Es stehet geschrieben! — und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden!"
Dein Wort steht wie ein Mauer fest,
Welch sich niemand verkehren läßt,
Er sei so klug er wolle.
Nachdem wir nun gezeigt haben, daß die methodistische Auslegung der Stellen, die von der heil. Absolution handeln, auf Grundsätzen beruhe, die die Wahrheit und Gewißheit der ganzen heil. Schrift umstoßen, so wollen wir nun die andern Einwürfe beleuchten, die man von der Analogie (Aehnlichkeit) des Glaubens hernimmt. (Röm. 12, 7.)
Der gewöhnlichste Einwand dieser Art ist, daß ja die Schrift deutlich lehre, Gott allein könne die Sünde vergeben. (Luc. 5, 21. vergl. Jes. 43, 25.) Wir antworten hierauf: Das ist wahr; aber dies wird mit der rechten Lehre von der Absolution auch nicht geleugnet. Daß Gott allein die Sünde vergeben könne, darüber ist gar kein Streit; dies leugnen die Lutheraner eben so wenig, als die Methodisten und alle Parteien der Christenheit; die Frage ist allein die, ob Gott durch Menschen Sünde vergebe. Dies allein behaupten die Lutheraner, und zwar nach der Schrift. Denn es stehet nicht nur geschrieben: „Welchen ihr die Sünden erlasset" ꝛc., sondern die Prediger des Evangeliums werden auch überhaupt in Gottes Wort deutlich dargestellt als „Gottes Mitarbeiter und Mithelfer." (1 Cor. 3, 9., 2 Cor. 6, 1.) St. Paulus sagt daher zu den Corinthern: „Ich habe euch gezeugt in Christo JEsu durch das Evangelium." (1 Cor. 4. 15.) Zu den Galatern spricht er: „Meine lieben Kinder, welche ich abermal mit Aengsten gebäre." (Gal. 4, 19.) Ja, derselbe Apostel schreibt sogar dem Bischof Timotheus das Seligmachen seiner Zuhörer zu und spricht: „Habe Acht auf dich selbst, und auf die Lehre, beharre in diesen Stücken. Denn wo du solches thust, wirst du dich selbst selig machen, und die dich hören." 1 Tim 4, 16. Die Methodisten werden bei solchen Stellen freilich geschwind fertig sein und sagen, dies seien alles etwas übertriebene Ausdrücke; Gott könne ja allein wiedergebären und selig machen; der Apostel wolle mit jenen Ausdrücken offenbar nur so viel anzeigen, daß die Prediger des Evangeliums die Bedingungen der Wiedergeburt und des Seligwerdens darlegen könnten. Aber das heißt die Verdrehung einer Stelle dadurch rechtfertigen, daß man andere auch verdreht; das heißt die Schrift nicht auslegen, sondern ausleeren, nicht schärfen (5 Mos. 6, 7.), sondern stumpf machen. Gilt eine solche Schriftauslegung, so ist das Forschen in der Schrift ein Unding, dann ist die Schriftauslegung nichts anders, als die Bemühung, die Worte der Schrift so zu dehnen und zu beugen, bis man einen dem gewöhnlichen Menschenverstand erträglichen Sinn daraus herausgebracht hat. Dann besteht das Geschäft eines Auslegers darin, dieselbe durch Sophistereien von dem Verdacht zu retten, als könne sie vor dem Richterstuhle der Vernunft nicht bestehen. Wir achten aber mit allen verständigen Christen denjenigen für einen guten Schriftausleger, welcher gerade in der besondern Art des Ausdrucks der Schrift immer größere Tiefen der Weisheit und immer schärfere Begrenzungen der Wahrheit entdeckt. Wer aber die Schrift so behandelt, als mache sie viel Worte und habe wenig Sinn, als gebrauche sie sonderbare Ausdrücke, aber verberge darunter faden Inhalt, als gebe sie sich das Ansehen einer geheimnißvollen Tiefe, aber sei doch ganz seicht: einem solchen Schriftausleger danke der Teufel für seine Bemühung. Das ist Rosenmüller'sche, Dinter'sche und Lichtfreund'sche Weise, die Schrift unter dem Deckmantel des Auslegens zu widerlegen. Was ist es nun, was uns der Apostel lehrt, wenn er von den Predigern des Evangeliums sagt, daß sie Gottes Mitarbeiter und Mithelfer seien, daß sie geistliche Väter seien und ihre Zuhörer selig machen? Damit lehrt er uns, daß Gott selbst durch das von ihm gestiftete christliche Predigtamt kräftig und wirksam sei, daß die Stimme eines evangelischen Predigers keine bloße Menschenstimme, sondern Gottes Stimme sei, daß Gott durch dieselben, als durch seine Rüst- und Werkzeuge (Apg. 9, 15.) an den Seelen der Menschen wirke. Wie nun nach der Schrift Gott allein beruft, erleuchtet, den Glauben schenket, wiedergebieret und selig macht, aber durch das Amt des Worts, so vergibt auch Gott allein die Sünde, aber durch das Amt, das die Versöhnung predigt. Daher schreibt St. Paulus 2 Cor. 5, 17—20: „Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Creatur: das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnet hat durch JEsum Christum und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnet durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott."
Wenn ein unwissender, und dabei irreligiöser Mensch den Einwand macht: „Wie darf ein Mensch, ein elender Pfaff sich unterstehen, Sünden vergeben zu wollen? der macht sich ja damit zu Gott!" so darf uns dies nicht Wunder nehmen; aber sollten sich Männer nicht eines solchen Einwurfs schämen, die Schriftgelehrte sein und andere lehren wollen? Sollte ihnen nicht wenigstens der Unterschied zwischen einem Hausherrn und Haushalter bekannt sein und dadurch alle Schwierigkeiten für sie schwinden? (Ebr. 3, 5. 6. vergl. 1 Cor. 4, 1.) Freilich machte sich derjenige zu Gott, welcher anderen Sünden vergeben wollte in seiner Kraft, als ein Herr über Hölle und Himmel, Verdammniß und Seligkeit, aus eigner angemaßter Machtvollkommenheit und in seinem eignen Namen, aber ein rechter christlicher Prediger absolvirt bekanntlich dem Wesen nach immer also: „Kraft meines Amtes, als ein berufener und verordneter Diener des Worts, anstatt und auf Befehl meines HErrn JEsu Christi und im Namen des dreieinigen Gottes." Wie nun der Aermste die größten Schätze eines Reichen austheilen kann, wenn ihn derselbe darüber zum Haushalter gesetzt hat, so auch ein Sünder die Vergebung, die ein geistlicher Schatz ist des reichen himmlischen Hausvaters, wenn der Sünder von diesem zum Haushalter gesetzt ist. So muß aber die Absolution eines menschlichen Apostels betrachtet werden; jener erste Einwand ist daher nichtig. Die Methodisten suchen freilich ihre Leute zu überreden, die Lehre der luth. Kirche sei diese: Gott habe sich der Macht, Sünden zu vergeben, verziehen und dieselbe den lutherischen Predigern übergeben, welche nun in den Himmel aufnehmen und davon ausschließen konnten, wen sie wollten. Durch solche Entstellungen beweisen die Herrn, daß sie es selbst wissen, wenn sie die wahre Lehre der luth. Kirche von der Absolution angreifen wollten, so würden sie Christum selbst Lügen strafen, sie müssen daher derselben eine Lehre aufbürden, die sie selbst verabscheut.
(Fortsetzung folgt.)
(Eingesandt.)
Wahre Liebe.
Der Kirchen-Geschichtsschreiber Eusebius (starb 340 n. Chr.) hat uns folgende rührende Erzählung aus dem Leben des heil. Apostels Johannes aufbewahrt.
Bei einer Kirchen-Visitationsreise zu den christlichen Gemeinden Kleinasiens traf Johannes einen Jüngling an, dessen einnehmende Gestalt und edles Benehmen die Zuneigung des Apostels erweckte. Er nahm den Jüngling zu sich und übergab ihn der Aufsicht des Bischofs jenes Orts, mit der dringenden und mehrmals wiederholten Ermahnung: „Ich empfehle dir diesen Jüngling in Gegenwart Christi und dieser Gemeinde, daß du mit allem Fleiße seiner wahrnehmen und, so viel dir nur immer möglich ist, für ihn sorgen wollest." Der Bischof nahm darauf den Jüngling in sein Haus, unterrichtete ihn sorgfältig und taufte ihn endlich. Als dies geschehen war, glaubte der Bischof in seiner Sorgfalt und Aufsicht über den jungen Menschen etwas nachlassen zu dürfen. Aber dieser mißbrauchte die ihm verstattete Freiheit, gerieth in böse Gesellschaft, durch welche er zu einem ruchlosen, leichtfertigen Leben verleitet ward; bis er endlich, an
English translation AI translation
that they have no reverence for any word of God whatsoever; when a clear statement of Scripture that testifies against them is held up to them, they behave — to use Luther's phrase — as though a goose had hissed at them. That truly does not testify to the right Holy Spirit. For this Spirit testifies rather "that the Spirit is truth" (1 John 5:6); this Spirit produces a broken heart that "trembles at God's word" (Isaiah 66:2), and that firmly believes: "Man shall not live by bread alone, but by every word that proceeds out of the mouth of God" (Matthew 4:4). A Christian enlightened by the Holy Spirit therefore follows, we repeat it, his Savior; he does not let himself be driven from the Word; when strife arises, he appeals to it and says: "It is written! — and the Scripture cannot be broken!"
Thy Word stands firm as a wall,
which no one can distort,
however clever he may think himself.
Having now shown that the Methodist interpretation of the passages dealing with Holy Absolution rests upon principles that overturn the truth and certainty of the whole of Holy Scripture, we now wish to examine the other objections that are drawn from the analogy of faith (Romans 12:7).
The most common objection of this kind is that Scripture clearly teaches that God alone can forgive sin (Luke 5:21; compare Isaiah 43:25). We answer to this: that is true; but this is not denied by the correct doctrine of absolution either. That God alone can forgive sin is not in dispute at all; the Lutherans deny this no more than the Methodists and all parties of Christendom do; the question is solely whether God forgives sin through human beings. This alone is what the Lutherans assert, and indeed according to Scripture. For it is written not only, "Whosesoever sins ye remit," etc., but the preachers of the Gospel are also, quite generally, clearly presented in God's Word as "God's fellow workers and helpers" (1 Corinthians 3:9; 2 Corinthians 6:1). St. Paul therefore says to the Corinthians: "I have begotten you through the Gospel in Christ Jesus" (1 Corinthians 4:15). To the Galatians he says: "My little children, of whom I travail in birth again" (Galatians 4:19). Indeed, the same apostle even ascribes to Bishop Timothy the saving of his hearers, and says: "Take heed unto thyself, and unto the doctrine; continue in them: for in doing this thou shalt both save thyself, and them that hear thee." (1 Timothy 4:16.)
The Methodists, of course, will quickly be finished with such passages and say that these are all somewhat exaggerated expressions; God alone, after all, can regenerate and save; the apostle, by such expressions, evidently only meant to indicate that the preachers of the Gospel could set forth the conditions of regeneration and of being saved.
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But this means justifying the distortion of one passage by distorting others as well; it means not interpreting Scripture but emptying it out, not sharpening it (Deuteronomy 6:7) but blunting it. If such an interpretation of Scripture were valid, then the study of Scripture would be an absurdity; then the interpretation of Scripture would be nothing other than the effort to stretch and bend the words of Scripture until one had extracted from them a sense tolerable to ordinary human understanding. Then the business of an interpreter would consist in rescuing Scripture, by means of sophistries, from the suspicion that it could not stand before the tribunal of reason. But we, together with all sensible Christians, regard as a good interpreter of Scripture the one who discovers, precisely in Scripture's own particular manner of expression, ever greater depths of wisdom and ever sharper boundaries of truth. But whoever treats Scripture as though it used many words but had little sense, as though it employed strange expressions while concealing beneath them a stale content, as though it gave itself the appearance of a mysterious depth while in fact being altogether shallow — let the devil thank such an interpreter of Scripture for his labor. That is the manner of Rosenmüller, Dinter, and Lichtfreund, who refute Scripture under the cloak of interpreting it.
What, then, is it that the apostle teaches us when he says of the preachers of the Gospel that they are God's fellow workers and helpers, that they are spiritual fathers and make their hearers blessed? By this he teaches us that God himself is powerfully at work through the Christian preaching office instituted by him, that the voice of an evangelical preacher is no mere human voice but the voice of God, that God works through them, as through his instruments and tools (Acts 9:15), upon the souls of men. Just as, according to Scripture, God alone calls, enlightens, bestows faith, regenerates, and saves, yet does so through the office of the Word, so also God alone forgives sin, yet does so through the office that preaches reconciliation. Hence St. Paul writes in 2 Corinthians 5:17-20: "Therefore if any man be in Christ, he is a new creature: old things are passed away; behold, all things are become new. And all things are of God, who hath reconciled us to himself by Jesus Christ, and hath given to us the ministry of reconciliation; to wit, that God was in Christ, reconciling the world unto himself, not imputing their trespasses unto them; and hath committed unto us the word of reconciliation. Now then we are ambassadors for Christ, as though God did beseech you by us: we pray you in Christ's stead, be ye reconciled to God."
If an ignorant and withal irreligious person raises the objection, "How can a mere man, a wretched cleric, presume to want to forgive sins? By that he makes himself out to be God!" — this need not surprise us; but should not men be ashamed of such an objection who claim to be learned in Scripture and wish to teach others?
Should they not at least know the difference between a master of the house and a steward, so that all difficulties would thereby vanish for them? (Hebrews 3:5-6; compare 1 Corinthians 4:1.) To be sure, a man would be making himself God who wished to forgive others' sins by his own power, as a lord over hell and heaven, damnation and salvation, out of his own self-assumed plenary authority and in his own name; but a true Christian preacher, as is well known, always absolves, in essence, in this manner: "By virtue of my office, as a called and ordained servant of the Word, in the place of and by the command of my Lord Jesus Christ, and in the name of the Triune God."
Now, just as the poorest man can distribute the greatest treasures of a rich man, if that rich man has appointed him steward over them, so also can a sinner distribute the forgiveness that is a spiritual treasure of the rich heavenly Father, if the sinner has been appointed steward by him. In this way, then, must the absolution spoken by a human apostle be understood; that first objection is therefore null and void. The Methodists, to be sure, try to persuade their people that the doctrine of the Lutheran church is this: that God has surrendered the power to forgive sins and handed it over to the Lutheran preachers, who could now admit into heaven, or exclude from it, whomever they pleased. By such distortions these gentlemen prove that they themselves know that, if they were to attack the true doctrine of the Lutheran church concerning absolution, they would be giving Christ himself the lie; they must therefore saddle it with a doctrine that they themselves abhor.
(To be continued.)
(Submitted.)
True Love.
The church historian Eusebius (died AD 340) has preserved for us the following touching account from the life of the holy Apostle John.
During a visitation journey to the Christian congregations of Asia Minor, John came upon a young man whose winsome appearance and noble bearing won the apostle's affection. He took the young man to himself and entrusted him to the oversight of the bishop of that place, with the urgent and repeated admonition: "I commend this young man to you in the presence of Christ and of this congregation, that you attend to him with all diligence and care for him as much as it is ever possible for you to do." The bishop then took the young man into his house, instructed him carefully, and at last baptized him. When this had been done, the bishop believed he might relax somewhat in his care and oversight of the young man. But the young man abused the freedom granted him, fell into bad company, through which he was led into a wicked, reckless life; until at last, despairing of