# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 04 04_S63 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) daß sie vor keinem Worte Gottes Ehrfurcht haben; wenn ihnen ein klarer Ausspruch der Schrift, der gegen sie zeugt, vorgehalten wird, so thun sie, mit Luthern zu reden, als hätte sie eine Gans angepfiffen. Das zeugt doch wahrlich nicht von dem rechten heil. Geiste. Denn dieser zeuget vielmehr, „daß Geist Wahrheit sei" (1 Joh. 5, 6.); dieser wirkt ein zerbrochenes Herz, das „sich fürchtet vor Gottes Wort," (Jes. 66, 2.) und das da fest glaubt: „Der Mensch lebt nicht vom Brod allein, sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht" (Matth. 4,4.). Ein vom heil. Geist erleuchteter Christ folgt daher, wir wiederholen es, seinem Heilande, läßt sich vom Wort nicht abtreiben, beruft sich, wenn Streit entsteht, darauf und spricht: „Es stehet geschrieben! — und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden!" Dein Wort steht wie ein Mauer fest, Welch sich niemand verkehren läßt, Er sei so klug er wolle. Nachdem wir nun gezeigt haben, daß die methodistische Auslegung der Stellen, die von der heil. Absolution handeln, auf Grundsätzen beruhe, die die Wahrheit und Gewißheit der ganzen heil. Schrift umstoßen, so wollen wir nun die andern Einwürfe beleuchten, die man von der Analogie (Aehnlichkeit) des Glaubens hernimmt. (Röm. 12, 7.) Der gewöhnlichste Einwand dieser Art ist, daß ja die Schrift deutlich lehre, Gott allein könne die Sünde vergeben. (Luc. 5, 21. vergl. Jes. 43, 25.) Wir antworten hierauf: Das ist wahr; aber dies wird mit der rechten Lehre von der Absolution auch nicht geleugnet. Daß Gott allein die Sünde vergeben könne, darüber ist gar kein Streit; dies leugnen die Lutheraner eben so wenig, als die Methodisten und alle Parteien der Christenheit; die Frage ist allein die, ob Gott durch Menschen Sünde vergebe. Dies allein behaupten die Lutheraner, und zwar nach der Schrift. Denn es stehet nicht nur geschrieben: „Welchen ihr die Sünden erlasset" ꝛc., sondern die Prediger des Evangeliums werden auch überhaupt in Gottes Wort deutlich dargestellt als „Gottes Mitarbeiter und Mithelfer." (1 Cor. 3, 9., 2 Cor. 6, 1.) St. Paulus sagt daher zu den Corinthern: „Ich habe euch gezeugt in Christo JEsu durch das Evangelium." (1 Cor. 4. 15.) Zu den Galatern spricht er: „Meine lieben Kinder, welche ich abermal mit Aengsten gebäre." (Gal. 4, 19.) Ja, derselbe Apostel schreibt sogar dem Bischof Timotheus das Seligmachen seiner Zuhörer zu und spricht: „Habe Acht auf dich selbst, und auf die Lehre, beharre in diesen Stücken. Denn wo du solches thust, wirst du dich selbst selig machen, und die dich hören." 1 Tim 4, 16. Die Methodisten werden bei solchen Stellen freilich geschwind fertig sein und sagen, dies seien alles etwas übertriebene Ausdrücke; Gott könne ja allein wiedergebären und selig machen; der Apostel wolle mit jenen Ausdrücken offenbar nur so viel anzeigen, daß die Prediger des Evangeliums die Bedingungen der Wiedergeburt und des Seligwerdens darlegen könnten. Aber das heißt die Verdrehung einer Stelle dadurch rechtfertigen, daß man andere auch verdreht; das heißt die Schrift nicht auslegen, sondern ausleeren, nicht schärfen (5 Mos. 6, 7.), sondern stumpf machen. Gilt eine solche Schriftauslegung, so ist das Forschen in der Schrift ein Unding, dann ist die Schriftauslegung nichts anders, als die Bemühung, die Worte der Schrift so zu dehnen und zu beugen, bis man einen dem gewöhnlichen Menschenverstand erträglichen Sinn daraus herausgebracht hat. Dann besteht das Geschäft eines Auslegers darin, dieselbe durch Sophistereien von dem Verdacht zu retten, als könne sie vor dem Richterstuhle der Vernunft nicht bestehen. Wir achten aber mit allen verständigen Christen denjenigen für einen guten Schriftausleger, welcher gerade in der besondern Art des Ausdrucks der Schrift immer größere Tiefen der Weisheit und immer schärfere Begrenzungen der Wahrheit entdeckt. Wer aber die Schrift so behandelt, als mache sie viel Worte und habe wenig Sinn, als gebrauche sie sonderbare Ausdrücke, aber verberge darunter faden Inhalt, als gebe sie sich das Ansehen einer geheimnißvollen Tiefe, aber sei doch ganz seicht: einem solchen Schriftausleger danke der Teufel für seine Bemühung. Das ist Rosenmüller'sche, Dinter'sche und Lichtfreund'sche Weise, die Schrift unter dem Deckmantel des Auslegens zu widerlegen. Was ist es nun, was uns der Apostel lehrt, wenn er von den Predigern des Evangeliums sagt, daß sie Gottes Mitarbeiter und Mithelfer seien, daß sie geistliche Väter seien und ihre Zuhörer selig machen? Damit lehrt er uns, daß Gott selbst durch das von ihm gestiftete christliche Predigtamt kräftig und wirksam sei, daß die Stimme eines evangelischen Predigers keine bloße Menschenstimme, sondern Gottes Stimme sei, daß Gott durch dieselben, als durch seine Rüst- und Werkzeuge (Apg. 9, 15.) an den Seelen der Menschen wirke. Wie nun nach der Schrift Gott allein beruft, erleuchtet, den Glauben schenket, wiedergebieret und selig macht, aber durch das Amt des Worts, so vergibt auch Gott allein die Sünde, aber durch das Amt, das die Versöhnung predigt. Daher schreibt St. Paulus 2 Cor. 5, 17—20: „Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Creatur: das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnet hat durch JEsum Christum und das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnet durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott." Wenn ein unwissender, und dabei irreligiöser Mensch den Einwand macht: „Wie darf ein Mensch, ein elender Pfaff sich unterstehen, Sünden vergeben zu wollen? der macht sich ja damit zu Gott!" so darf uns dies nicht Wunder nehmen; aber sollten sich Männer nicht eines solchen Einwurfs schämen, die Schriftgelehrte sein und andere lehren wollen? Sollte ihnen nicht wenigstens der Unterschied zwischen einem Hausherrn und Haushalter bekannt sein und dadurch alle Schwierigkeiten für sie schwinden? (Ebr. 3, 5. 6. vergl. 1 Cor. 4, 1.) Freilich machte sich derjenige zu Gott, welcher anderen Sünden vergeben wollte in seiner Kraft, als ein Herr über Hölle und Himmel, Verdammniß und Seligkeit, aus eigner angemaßter Machtvollkommenheit und in seinem eignen Namen, aber ein rechter christlicher Prediger absolvirt bekanntlich dem Wesen nach immer also: „Kraft meines Amtes, als ein berufener und verordneter Diener des Worts, anstatt und auf Befehl meines HErrn JEsu Christi und im Namen des dreieinigen Gottes." Wie nun der Aermste die größten Schätze eines Reichen austheilen kann, wenn ihn derselbe darüber zum Haushalter gesetzt hat, so auch ein Sünder die Vergebung, die ein geistlicher Schatz ist des reichen himmlischen Hausvaters, wenn der Sünder von diesem zum Haushalter gesetzt ist. So muß aber die Absolution eines menschlichen Apostels betrachtet werden; jener erste Einwand ist daher nichtig. Die Methodisten suchen freilich ihre Leute zu überreden, die Lehre der luth. Kirche sei diese: Gott habe sich der Macht, Sünden zu vergeben, verziehen und dieselbe den lutherischen Predigern übergeben, welche nun in den Himmel aufnehmen und davon ausschließen konnten, wen sie wollten. Durch solche Entstellungen beweisen die Herrn, daß sie es selbst wissen, wenn sie die wahre Lehre der luth. Kirche von der Absolution angreifen wollten, so würden sie Christum selbst Lügen strafen, sie müssen daher derselben eine Lehre aufbürden, die sie selbst verabscheut. (Fortsetzung folgt.) (Eingesandt.) Wahre Liebe. Der Kirchen-Geschichtsschreiber Eusebius (starb 340 n. Chr.) hat uns folgende rührende Erzählung aus dem Leben des heil. Apostels Johannes aufbewahrt. Bei einer Kirchen-Visitationsreise zu den christlichen Gemeinden Kleinasiens traf Johannes einen Jüngling an, dessen einnehmende Gestalt und edles Benehmen die Zuneigung des Apostels erweckte. Er nahm den Jüngling zu sich und übergab ihn der Aufsicht des Bischofs jenes Orts, mit der dringenden und mehrmals wiederholten Ermahnung: „Ich empfehle dir diesen Jüngling in Gegenwart Christi und dieser Gemeinde, daß du mit allem Fleiße seiner wahrnehmen und, so viel dir nur immer möglich ist, für ihn sorgen wollest." Der Bischof nahm darauf den Jüngling in sein Haus, unterrichtete ihn sorgfältig und taufte ihn endlich. Als dies geschehen war, glaubte der Bischof in seiner Sorgfalt und Aufsicht über den jungen Menschen etwas nachlassen zu dürfen. Aber dieser mißbrauchte die ihm verstattete Freiheit, gerieth in böse Gesellschaft, durch welche er zu einem ruchlosen, leichtfertigen Leben verleitet ward; bis er endlich, an