Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 14 › Seite 104

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-02, Seite 104

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euch auch hierin als treue, dankbare Söhne eurer
lieben lutheriſchen Kirche, die euch und eure
Kinder ſo mütterlich heget und pflegt. —

An euch wende ich mich ferner, ihr chriſtlichen
Jünglinge unſeres Verbandes, die ihr von
Gott mit den nöthigen Gaben ausgerüſtet ſeid
und wohl auch, weil ihr annoch in der Gottes—
furcht ſteht, hin und wieder vom h. Geiſt gemahn.
werdet, der bittern Roth der Kirche zu gedenken
und euch zu ihrem Dienſte zu ſtellen, die ihr aber
bisher zu ſchüchtern und zu ſchwach, oder zu
gleichgiltig geweſen ſeid, euch von den irdiſchen
Banden loszureißen, die euch zurückhaltent
Ach bedenkt doch, was der HErr Jeſus Chriſtus
fuür euch gethan und gelitten hat, ehe eurer gedacht
ward; denkt an die zahlloſen Wohlthaten, die
Er vom Tage eurer Taufe an bis heute über euch
ausgegoſſen hat; laßt euch zu Herzen dringen
die unausſprechliche und unverdiente Gnade, daß
Er euch in der Kirche von reinem Wort und
Sacrament hat geboren und auferzogen werden
laſſen, und fragt euch dann, ob es auch was
Großes ſei, wenn ihr euch aus dankbarer Liebe
gegen Ihn, der euch ſo heiß geliebet, und ſich
ſelbſt für euch gegeben hat, aus erbarmender
Liebe gegen eure Brüder, die die bitterſte Noth, die
geiſtlich Noth leiden, daran geben, und euch dem
Dienſt der Kirche opfern würdet. Was habt ihr
doch davon, wenn ihr nach der Sitte dieſes
Landes nur bedacht ſeid, euch ein gutes Aus⸗
kommen und bequemes Leben zu verſchaffen, und
euer Herz an den irdiſchen Dreck und Koth hängt,
und doch das alles früh oder ſpät hinter euch
laſſen und am Ende wohl gar darüber zur Hölle
fahren müßt, wenn euer Herz nicht noch zeitig
genug, und dann jedenfalls nur unter großen
Schmerzen, davon los kommt. Dagegen was
bietet ſich euch doch hier für eine ſchöne, herrliche
Gelegenheit dar, euern Glauben zu beweiſen mit
euern Werken, und die Ehre Gottes und Sein
beiliges Wort auszubreiten, und unſterbliche,
theuer erkaufte Seelen dem Rachen des hölliſchen
Wolfs zu entreißen, und ſie bei Jeſu Chriſto zu
erhalten in Seiner heiligen Kirche, die euer aller
Mutter iſt. O darum ſo ſäumet nicht, beſprecht
euch nicht mit Fleiſch und Blut, ſondern kommt
und ſtellt euch zum Dienſte des HErrn, und
opfert euch Ihm und Seinem heiligen Reich mit
Leib und Seele, und ſcheuet keine Gefahr, Mühe
noch Trübſal, ſondern ringet nach der herrlichen
Krone der Ehren, da ihr einſt leuchten werdet wie
des Himmels Glanz und wie die Sterne immer
und ewiglich. — Auch ihr, ihr lieben Jüng⸗
lingsvereine, denkt nicht, daß es genug
ſei, wenn ihr bei reichlichem Verdienſt und bei
der Ausſicht auf ein bequemes irdiſches Unter⸗
kommen, euch hin und wieder einmal verſammelt
und von der Noth der Kirche redet und von eurem
Ueberfluß einige Gaben gebt, derſelben abzuhelfen,
ſondern achtet euch dafür, daß ihr Pflanzſchulen
ſein und werden ſolltet; daraus ſich unſere Lehr⸗
anſtalten ergänzen könnteu. Schauet daher
fleißig auf, wo ſich etwa unter euch bei dem rechten
gottſeligen Sinn die zum Predigtamt nöthigen
Gaben finden, und bittet und ermahnt, reizet
und ermuntert ſolche, daß ſie ſich dem Dienſt der

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Kirche weihen, und macht ihnen Bahn, und
helft mit ihnen und durch ſie das Reich Gottes
ausbreiten, daß alle Lande Seiner Chre voll
werden. —

Auch zu euch ſpreche ich, ihr Prediger
und Lehrer, wollt doch auch das nicht außer
Acht laßen, und nicht träg und ſaumſelig darin
erfunden werden, daß ihr aufmerket, wo ſich
etwa in euern Gemeinden oder Schulen gottſelige
Knaben und Jünglinge finden, die mit den
nöthigen Gaben ausgeſtattet ſind, und daß ihr
ſolche theure Pflänzlein mit aller Sorgfalt heget
und pflegt, und früh den Sinn in ihnen wecket,
ſich dem Dienſt der Kirche aufzuopfern, und ſie
und ihre Eltern dazu reizet, ermahnet und locket
mit aller Geduld und Lehre, und die andern an⸗
ſpornt, daß ſie wo es nöthig iſt, wenigſtens mit
ihren Gaben ſolch geſegnetes Vornehmen und
ſolchen gottſeligen Zweck fördern helfen. Denn
das heißt die Kirche der Zukunft bauen, wenn
wir die gegenwärtige alſo wohl verſorgen und
verathen, und alles ſo trefflich einrichten und im
Stand erhalten, daß ob Gott will, wir ſterben

nun heute oder morgen, auch das kommende

Geſchlecht ſo wohl verſorget iſt, daß ſie mit uns
derſelben göttlichen Gnade theilhaftig werden
können und uns das noch in der Ewigkeit
danken.

Uns allen rufe ich zu: ach laßt uns doch nicht
ſchlafen und müßig ſein; laßt uns doch auch
dieſe Noth unſerer theuren lutheriſchen Kirche
brünſtiglich auf den Herzen tragen; laßt uns alle
wetteifern, daß ein jeglicher ſeines Orts thue,
was er nur immer weiß, kann und vermag; laßt
uns alle zuſammenhelfen und nicht müde werden
im willigen Geben von zeitlichen Gütern, in
Aufopferung unſerer ſelbſt und unſerer Kinder, in
Bitten, Reizen und Ermahnen anderer, vor allen
Dingen aber iin unabläßigen Schreien zu dem
Erzhirten und Biſchof unſrer Seelen. Und ſo
wir alſo thun, ſo wird der dringenden Noth un⸗
ſerer lieben lutheriſchen Kirche wohl bald geholfen
ſein. Denn der uns den HErrn der Ernte um
Arbeiter bitten heißt, der kann, ja der darf um
Seines heiligen Namens Ehre willen dieſes unſer
einmüthiges Gebet nicht unerhört laßen. Und
ſo wird ſich denn auch durch unſern Dienſt die
reine Magd, die Kirche des lauteren, ſchriftge—
mäßen Bekenntniſſes immer weiter ausbreiten
und zum Heil der Völker die Stimme des
gnadenreichen Evangeliums immer heller, immer
lauter ertönen laßen, und werden unſere Feinde
mit all ihrem teufliſchen Spott und Hohn zu
Schanden werden, und die ſüßen Früchte un ſeres
Glaubens werden ſie ſchaamroth machen. Und
ob der Tod käme heut oder morgen, ja ob die
Welt in Trümmern ginge und der liebe jüngſte
Tag hereinbrächr — wohl uns, wenn uns der
HErr alſo in Seinem Dienſte findet als die treuen
Knechte, denn dann wird Er uns ja aus dem
Streit dieſer Zeit zu Ihm nehmen in die Herrlich⸗
keit, und werden wir ausruhen in der ewigen
Freude und Seligkeit. —

Das helfe uns in Gnaden der getreue Gott

um Chriſti willen. Amen.
A. Crämer.

*

Proſpectus
der Iltuſtrirren Abendſchule.

Ein Blick auf unſere amerikaniſchen Zuſtande
muß jeden Urtheilsfähigen überzeugen, daß in
Betreff der Volks⸗ und Jugendbildung noch vil
1 wünſchen und zu thun übrig iſt. Erfreulicht
Anfänge zu dieſem Zwecke ſind gemacht worden;
doch ſind's zunächſt nur An fänge, denen ſich wei
tere Beſtrebungen anreihen müſſen, wenn unſett
deutſche Bevölkerung, die in raſcher Zunahme be⸗
griffen iſt, nicht geiſtig verſinken, ſondern alſo gy
foöͤrdert werden ſoll, wie es den äußerſt gunſtigf
Landes⸗ und Staatsverhältniſſen angemeſſen R.
Der Grundſatz der Selbſtregierung des Vollein
iſt hier in praktiſche Anwendung gebracht, um;
das ſetzt nothwendig ein entſprechendes Maaß
von allgemeiner geiſtiger Bildung des Volkeh,
das ſich ſelbſt regieren ſoll, voraus, auch abgeſt⸗
hen davon, daß allgemeine Volksbildung ein:
Wohlthat an und für ſich ſelbſt iſt. Hier abn
findet unleugbar ein verhältnißmäßig große
Mangel ſtatt, ein Mangel, nicht an Büdungeſt“
Higreit und Willigkeit, ondern an Bildungsmi⸗
teln und Gelegenheit. Der Grund liegt in da;
beſondern Art der amerikaniſchen Staatsentwick/
lung, die in ihrer Eigenthümlichkeit den Beſ⸗
bungen zur Volksbildung nicht geſtattet, gleichn
Schritt zu halten mit dem reißend ſchnellenWags“
thum der Bevölkerung und dem materiellen mul
politiſchen Emporbluben des Staates. Die Rß
dingungen des Volkswohles ſind in ſo reichen
Maße gegeben, daß ſie dem geiſtigen Emporbli⸗
hen faſt hinderlich ſind, gleichwie in einem mi
reicher Fruchtbarkeit geſchwängerten Boden ein
Ueberzahl von Pflanzen zu gleicher Zeit hervo⸗
ſproſſen, wodurch gerade die edelſten und zarteſtn
erdrückt werden.

Bei aller Größe iſt der amerikaniſche Staat iu
gendlich und im Werden. Das Volk, das ſo
durch Ueberſiedelung eben zu einem Staate bi.
det, muß ſich alles ſelbſt ſchaffen. Mit Nu
nahme der Grundſätze unſerer Staatsverfaſun:
und Geſetze finden wir keine fertigen Geleiſe vn,
in die wir eintreten könnten. Es fehlt der hiſt
riſche Boden, die Vorarbeit im hieſigen Lamdt
ſelbſt entſproſſener Ahnen, von deren Hinterlaß,
ſenſchaft wir zehren und das Werk der geiſtign
Danen . da angreifen und weiter fühtn

öonnten, wo die Alten es gelaſſen. Es fehln
die Zeugniſſe des Elternfleißes, das Jahrhundem⸗
hindurch angebaute und cultivirte Land, die altn
Bau⸗ und Kun ſtwerke, Schlöſſer, Städte, Dont.
Es fehlen die eigenthümlichen herzanſprechendn.
Voltsheiligthümer, die von. Generation zu Gemo
ration fortgepflanzten oͤrtlichen Erinnerungen
Denkmale, Volks⸗ und Landesſagen. Es fehla
die Landeschroniken, die allmählig angehänfn
Schätze der Bibliotheken, die alten Stiftungn..
und Lehranſtalten — alles iſt neu, alles jugen
lich und nicht auf dem Boden ſelbſt heimathlü
und eigenthuͤmlich erwachſen und vererbt, ſu,
dern von der lebenden Generation, nach den vun
gefundenen Verhälniſſen, theils ſelbſt geſchafn
theils angepaßt und übertragen. Amerika iſt fu
ſeine Bewohner ein Adoptiv⸗Vaterland und i
ſind ſeine Adoptiv⸗Kinder. Der Prozeß der W.
berſiedelung und des Einlebens in die nein
Verhältniſſe nimmt die Kräfte auf einmal alh
viel in Anſpruch, zugleich iſt die Gelegenheit de
Gewinnens zu reich und reizend, als daß neh.
Kraft und Muſe zu geiſtiger Ausbildung umn'
bliebe. Was im alten Vaterlande vornehmii
mangelte oder geſchmälert und verkümmert un
das ſucht man vornehmlich im neuerwähltz,
leibliches Fortkommen, kirchliche und polinſt
hr Dant Und das haben wir gefunden, 0
ei Dank! Das iſt unſer hieſiger Reichthu,
unſer großer Segen.

Sollen und müſſen wir aber deshalb arm u
Verſtandes⸗, Geiſtes⸗ u. Gemüthsbildung bleu
ben? Soll Amerika bloß in politiſcher und u
terieller Hinſicht reicher und glücklicher als u
Länder Europa's ſein? Und nicht iſt zu verdr
ſen, daß die Dauer und Feſtigkeit unſrer glüch
chen Staats⸗Verhältniſſe von der allgemein

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