# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 02_S104 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 4n i i RAA euch auch hierin als treue, dankbare Söhne eurer lieben lutheriſchen Kirche, die euch und eure Kinder ſo mütterlich heget und pflegt. — An euch wende ich mich ferner, ihr chriſtlichen Jünglinge unſeres Verbandes, die ihr von Gott mit den nöthigen Gaben ausgerüſtet ſeid und wohl auch, weil ihr annoch in der Gottes— furcht ſteht, hin und wieder vom h. Geiſt gemahn. werdet, der bittern Roth der Kirche zu gedenken und euch zu ihrem Dienſte zu ſtellen, die ihr aber bisher zu ſchüchtern und zu ſchwach, oder zu gleichgiltig geweſen ſeid, euch von den irdiſchen Banden loszureißen, die euch zurückhaltent Ach bedenkt doch, was der HErr Jeſus Chriſtus fuür euch gethan und gelitten hat, ehe eurer gedacht ward; denkt an die zahlloſen Wohlthaten, die Er vom Tage eurer Taufe an bis heute über euch ausgegoſſen hat; laßt euch zu Herzen dringen die unausſprechliche und unverdiente Gnade, daß Er euch in der Kirche von reinem Wort und Sacrament hat geboren und auferzogen werden laſſen, und fragt euch dann, ob es auch was Großes ſei, wenn ihr euch aus dankbarer Liebe gegen Ihn, der euch ſo heiß geliebet, und ſich ſelbſt für euch gegeben hat, aus erbarmender Liebe gegen eure Brüder, die die bitterſte Noth, die geiſtlich Noth leiden, daran geben, und euch dem Dienſt der Kirche opfern würdet. Was habt ihr doch davon, wenn ihr nach der Sitte dieſes Landes nur bedacht ſeid, euch ein gutes Aus⸗ kommen und bequemes Leben zu verſchaffen, und euer Herz an den irdiſchen Dreck und Koth hängt, und doch das alles früh oder ſpät hinter euch laſſen und am Ende wohl gar darüber zur Hölle fahren müßt, wenn euer Herz nicht noch zeitig genug, und dann jedenfalls nur unter großen Schmerzen, davon los kommt. Dagegen was bietet ſich euch doch hier für eine ſchöne, herrliche Gelegenheit dar, euern Glauben zu beweiſen mit euern Werken, und die Ehre Gottes und Sein beiliges Wort auszubreiten, und unſterbliche, theuer erkaufte Seelen dem Rachen des hölliſchen Wolfs zu entreißen, und ſie bei Jeſu Chriſto zu erhalten in Seiner heiligen Kirche, die euer aller Mutter iſt. O darum ſo ſäumet nicht, beſprecht euch nicht mit Fleiſch und Blut, ſondern kommt und ſtellt euch zum Dienſte des HErrn, und opfert euch Ihm und Seinem heiligen Reich mit Leib und Seele, und ſcheuet keine Gefahr, Mühe noch Trübſal, ſondern ringet nach der herrlichen Krone der Ehren, da ihr einſt leuchten werdet wie des Himmels Glanz und wie die Sterne immer und ewiglich. — Auch ihr, ihr lieben Jüng⸗ lingsvereine, denkt nicht, daß es genug ſei, wenn ihr bei reichlichem Verdienſt und bei der Ausſicht auf ein bequemes irdiſches Unter⸗ kommen, euch hin und wieder einmal verſammelt und von der Noth der Kirche redet und von eurem Ueberfluß einige Gaben gebt, derſelben abzuhelfen, ſondern achtet euch dafür, daß ihr Pflanzſchulen ſein und werden ſolltet; daraus ſich unſere Lehr⸗ anſtalten ergänzen könnteu. Schauet daher fleißig auf, wo ſich etwa unter euch bei dem rechten gottſeligen Sinn die zum Predigtamt nöthigen Gaben finden, und bittet und ermahnt, reizet und ermuntert ſolche, daß ſie ſich dem Dienſt der —101— —102— Kirche weihen, und macht ihnen Bahn, und helft mit ihnen und durch ſie das Reich Gottes ausbreiten, daß alle Lande Seiner Chre voll werden. — Auch zu euch ſpreche ich, ihr Prediger und Lehrer, wollt doch auch das nicht außer Acht laßen, und nicht träg und ſaumſelig darin erfunden werden, daß ihr aufmerket, wo ſich etwa in euern Gemeinden oder Schulen gottſelige Knaben und Jünglinge finden, die mit den nöthigen Gaben ausgeſtattet ſind, und daß ihr ſolche theure Pflänzlein mit aller Sorgfalt heget und pflegt, und früh den Sinn in ihnen wecket, ſich dem Dienſt der Kirche aufzuopfern, und ſie und ihre Eltern dazu reizet, ermahnet und locket mit aller Geduld und Lehre, und die andern an⸗ ſpornt, daß ſie wo es nöthig iſt, wenigſtens mit ihren Gaben ſolch geſegnetes Vornehmen und ſolchen gottſeligen Zweck fördern helfen. Denn das heißt die Kirche der Zukunft bauen, wenn wir die gegenwärtige alſo wohl verſorgen und verathen, und alles ſo trefflich einrichten und im Stand erhalten, daß ob Gott will, wir ſterben nun heute oder morgen, auch das kommende Geſchlecht ſo wohl verſorget iſt, daß ſie mit uns derſelben göttlichen Gnade theilhaftig werden können und uns das noch in der Ewigkeit danken. Uns allen rufe ich zu: ach laßt uns doch nicht ſchlafen und müßig ſein; laßt uns doch auch dieſe Noth unſerer theuren lutheriſchen Kirche brünſtiglich auf den Herzen tragen; laßt uns alle wetteifern, daß ein jeglicher ſeines Orts thue, was er nur immer weiß, kann und vermag; laßt uns alle zuſammenhelfen und nicht müde werden im willigen Geben von zeitlichen Gütern, in Aufopferung unſerer ſelbſt und unſerer Kinder, in Bitten, Reizen und Ermahnen anderer, vor allen Dingen aber iin unabläßigen Schreien zu dem Erzhirten und Biſchof unſrer Seelen. Und ſo wir alſo thun, ſo wird der dringenden Noth un⸗ ſerer lieben lutheriſchen Kirche wohl bald geholfen ſein. Denn der uns den HErrn der Ernte um Arbeiter bitten heißt, der kann, ja der darf um Seines heiligen Namens Ehre willen dieſes unſer einmüthiges Gebet nicht unerhört laßen. Und ſo wird ſich denn auch durch unſern Dienſt die reine Magd, die Kirche des lauteren, ſchriftge— mäßen Bekenntniſſes immer weiter ausbreiten und zum Heil der Völker die Stimme des gnadenreichen Evangeliums immer heller, immer lauter ertönen laßen, und werden unſere Feinde mit all ihrem teufliſchen Spott und Hohn zu Schanden werden, und die ſüßen Früchte un ſeres Glaubens werden ſie ſchaamroth machen. Und ob der Tod käme heut oder morgen, ja ob die Welt in Trümmern ginge und der liebe jüngſte Tag hereinbrächr — wohl uns, wenn uns der HErr alſo in Seinem Dienſte findet als die treuen Knechte, denn dann wird Er uns ja aus dem Streit dieſer Zeit zu Ihm nehmen in die Herrlich⸗ keit, und werden wir ausruhen in der ewigen Freude und Seligkeit. — Das helfe uns in Gnaden der getreue Gott um Chriſti willen. Amen. A. Crämer. * Proſpectus der Iltuſtrirren Abendſchule. Ein Blick auf unſere amerikaniſchen Zuſtande muß jeden Urtheilsfähigen überzeugen, daß in Betreff der Volks⸗ und Jugendbildung noch vil 1 wünſchen und zu thun übrig iſt. Erfreulicht Anfänge zu dieſem Zwecke ſind gemacht worden; doch ſind's zunächſt nur An fänge, denen ſich wei tere Beſtrebungen anreihen müſſen, wenn unſett deutſche Bevölkerung, die in raſcher Zunahme be⸗ griffen iſt, nicht geiſtig verſinken, ſondern alſo gy foöͤrdert werden ſoll, wie es den äußerſt gunſtigf Landes⸗ und Staatsverhältniſſen angemeſſen R. Der Grundſatz der Selbſtregierung des Vollein iſt hier in praktiſche Anwendung gebracht, um; das ſetzt nothwendig ein entſprechendes Maaß von allgemeiner geiſtiger Bildung des Volkeh, das ſich ſelbſt regieren ſoll, voraus, auch abgeſt⸗ hen davon, daß allgemeine Volksbildung ein: Wohlthat an und für ſich ſelbſt iſt. Hier abn findet unleugbar ein verhältnißmäßig große Mangel ſtatt, ein Mangel, nicht an Büdungeſt“ Higreit und Willigkeit, ondern an Bildungsmi⸗ teln und Gelegenheit. Der Grund liegt in da; beſondern Art der amerikaniſchen Staatsentwick/ lung, die in ihrer Eigenthümlichkeit den Beſ⸗ bungen zur Volksbildung nicht geſtattet, gleichn Schritt zu halten mit dem reißend ſchnellenWags“ thum der Bevölkerung und dem materiellen mul politiſchen Emporbluben des Staates. Die Rß dingungen des Volkswohles ſind in ſo reichen Maße gegeben, daß ſie dem geiſtigen Emporbli⸗ hen faſt hinderlich ſind, gleichwie in einem mi reicher Fruchtbarkeit geſchwängerten Boden ein Ueberzahl von Pflanzen zu gleicher Zeit hervo⸗ ſproſſen, wodurch gerade die edelſten und zarteſtn erdrückt werden. Bei aller Größe iſt der amerikaniſche Staat iu gendlich und im Werden. Das Volk, das ſo durch Ueberſiedelung eben zu einem Staate bi. det, muß ſich alles ſelbſt ſchaffen. Mit Nu nahme der Grundſätze unſerer Staatsverfaſun: und Geſetze finden wir keine fertigen Geleiſe vn, in die wir eintreten könnten. Es fehlt der hiſt riſche Boden, die Vorarbeit im hieſigen Lamdt ſelbſt entſproſſener Ahnen, von deren Hinterlaß, ſenſchaft wir zehren und das Werk der geiſtign Danen . da angreifen und weiter fühtn öonnten, wo die Alten es gelaſſen. Es fehln die Zeugniſſe des Elternfleißes, das Jahrhundem⸗ hindurch angebaute und cultivirte Land, die altn Bau⸗ und Kun ſtwerke, Schlöſſer, Städte, Dont. Es fehlen die eigenthümlichen herzanſprechendn. Voltsheiligthümer, die von. Generation zu Gemo ration fortgepflanzten oͤrtlichen Erinnerungen Denkmale, Volks⸗ und Landesſagen. Es fehla die Landeschroniken, die allmählig angehänfn Schätze der Bibliotheken, die alten Stiftungn.. und Lehranſtalten — alles iſt neu, alles jugen lich und nicht auf dem Boden ſelbſt heimathlü und eigenthuͤmlich erwachſen und vererbt, ſu, dern von der lebenden Generation, nach den vun gefundenen Verhälniſſen, theils ſelbſt geſchafn theils angepaßt und übertragen. Amerika iſt fu ſeine Bewohner ein Adoptiv⸗Vaterland und i ſind ſeine Adoptiv⸗Kinder. Der Prozeß der W. berſiedelung und des Einlebens in die nein Verhältniſſe nimmt die Kräfte auf einmal alh viel in Anſpruch, zugleich iſt die Gelegenheit de Gewinnens zu reich und reizend, als daß neh. Kraft und Muſe zu geiſtiger Ausbildung umn' bliebe. Was im alten Vaterlande vornehmii mangelte oder geſchmälert und verkümmert un das ſucht man vornehmlich im neuerwähltz, leibliches Fortkommen, kirchliche und polinſt hr Dant Und das haben wir gefunden, 0 ei Dank! Das iſt unſer hieſiger Reichthu, unſer großer Segen. Sollen und müſſen wir aber deshalb arm u Verſtandes⸗, Geiſtes⸗ u. Gemüthsbildung bleu ben? Soll Amerika bloß in politiſcher und u terieller Hinſicht reicher und glücklicher als u Länder Europa's ſein? Und nicht iſt zu verdr ſen, daß die Dauer und Feſtigkeit unſrer glüch chen Staats⸗Verhältniſſe von der allgemein