Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 14 › Seite 101
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-02, Seite 101
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wenig in Harniſch, und ſagte:
es muß doch damit ſtimmen.
bote“ aber hat's nun auch ſo an ſich, daß er ſei⸗
anfangen, und du weißt, es giebt auch ein er⸗
laubtes Fluchen! aber mit Gottes Hülfe will ich
mich faſſen und ruhig ſein. Indeſſen mit dem
Feſtprogramm iſt's für diesmal nichts, deine
Jungens können die Sonntagshoſen nür getroſt
wieder ausziehen, und wenn dein Welſchhinkel
nur bei einem Siegs⸗ und Friedensfeſte, wie
ich's eben im Sinne hatte, verzehrt werden ſoll,
ſo hat's Ausſicht, eines natürlichen Todes zu.
ſterben. Es iſt richtig ſo, wie du gedacht haſt.
Es iſt wieder das alte Teufelsſpiel mit der Union,
wie bisher, nur noch viel greulicher, dummer
und ſchändlicher, weil mit mehr Aufwand von
freilich ſehr handgreiflicher Heuchelei geſpielt.
Du ſiehſt Martin, daß oben der Brief, wo ich mit
dem Feſtprogramm beginnen wollte, unterbrochen
iſt. Der Herr Pfarrer kam nämlich auf einen
nachbarlichen Beſuch. Als er in's Zimmer tritt,
ſagt er: Guten Tag, Meiſter Hans, ſeid wohl
bei'm Schreiben, gewiß wieder einmal an unſern
alten guten Freund Martin; hab' mir's gedacht
als Eure Frau den Bogen Papier von der Pfar⸗
rei holte. Nun ich erzähle ihm denn alles ſo
treuherzig hin, da fängt der Hr. Pfarrer an zu
lachen — du weißt, es iſt ſeine Art ſo, wenn der
Teufel ſeine Streiche einmal wieder ausgeheckt
hat, und ich denke, es ſteckt oft mehr Glaube und
Glaubensfreudigkeit hinter ſolch einem Lacher,
als hinter manch langem eſſigſaurem Geſicht. —
„Das hättet Ihr euch alles erſparen können,
Meiſter Hans,“ ſagt er, „damit iſt's wieder ein⸗
mal nichts. Die armen Leute ſind nun einmal
in die Tretmühle der Lüge und Heuchelei einge⸗
ſpannt, wie ein Pferd, dem man die Augen ver⸗
bunden, und das nun immer in demſelben Kreis
ſich drehen muß. Was können die armen Leute
nun anders herausbringen, als Teufelsdreck, da
ihr Herr und Meiſter ihnen natürlich nichts an⸗
ders auf die Steine ſchüttet.“ Ich verſtand den
lieben Mann gar nicht, und kam ordentlich ein
„Mit Vergunſt
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dem Beſchluß mit Gänſefüßen, nach meinem Sinn
und den Gänſefüßen ausgelegt, und mich ge⸗
freut, wie doch der Bote ſo ernſt und aufrichtig
darein reden konnte. Aber der Herr Pfarrer
deckt' mir's auf, daß in der That nichts anders
herauskam, als das gewöhnliche heuchleriſche
Gelüge, was die Unirten immer im Munde füh⸗
ren, wenn ſie von ihrer Union reden, um einfäl⸗
tige Lutheriſche Leute irre zu machen, und ihnen
mit ihren Flauſen die Augen zu verkleiſtern ⸗
Zum Ueberfluß holte er nun auch noch einen Pack
Zeitungen aus der Taſche, Engliſche und Deut⸗
ſche, und denk dir, Martin, da ſteht's mit klaren
dürren Worten, daß die 2000 in Berlin nach
dem oben angeführten Beſchluß einen andern
abgefaßt haben, daß hinſichtlich des 10. Artikels
der U. A. C. ein jeder glauben kann, wie und
was er will!! Und das iſt nicht etwa eine Ge⸗
ſellſchaft luſtiger Studenten geweſen, die in ei⸗
nem Faſtnachtsſpiel die Union haben lächerlich
machen wollen, wie wir auf unſerer Wander⸗
ſchaft Aehnliches in Jena mal mit angeſehen.
Es ſind auch keine Schuſter und Schneider ge⸗
weſen, wie du und ich, die der Teufel zu ſolchem
ſchändlichen Unſinn gar nicht einmal gebrauchen
kann in ihrer Einfalt, ſondern wie der Hr. Pfar⸗
rer ſagt: Profeſſoren, Paſtoren, hohe Staats⸗
beamten, Grafen ꝛc. Nein das geht doch über
alle Begriffe in's Aſchgraue hinein. Kommen
die Leute aus aller Welt Gegend zuſammen, ge⸗
hen in die Kirche, predigen, ſingen, beten, und
machen ein gewaltig Weſen, ſprechen von Buße,
Erkenntniß der Sünde, Beugung des Herzens,
beſchließen, endlich Hand an's Werk legen zu
wollen, bekennen ſich öffentlich und feierlich mit
Herz und Mund zur Ung. Augsb. Confeſſion,
daß die Engel im Himmel darüber anfangen ſol⸗
len, zu jauchzen, und drehen nachher durch einen
andern Beſchluß die Sache ſo, daß ſie ganz wie⸗
der auf den alten Punkt zu ſtehen kommen, von
wo ſie ausgegangen, wie der Hr. Pfarrer ſagt,
Herr Pfarrer, die Ungeänd. Augsb. Confeſſion pferde in der Tretmühle der Lüge und Heuchelei.
iſt doch kein Teufelsdreck, und die iſt doch dies⸗
mal dabei herausgekommen.“ Da lacht der Hr.
Pfarrer noch viel feiner, und ſagt: „Nachbar!
Nachbar! wo habt ihr denn die Augen gehabt?“
„Nun in dem Friedensboten No. 12, ſage ich,
„und da ſteht's ja mit klaren Worten: 1.5 3 0
Kaiſer Karl V.“ ö
Nun weißt du, Martin, ich habe es ſo an mir,
wenn ich ſo den Hauptſatz eines Schreibens her⸗
aus habe, namentlich wenn er mit Gänſefüben
bezeichnet, oder mit geſperrter Schrift gedruckt
iſt, und ich will noch weiter leſen, ſo lege ich mir
das Uebrige, was ich oft nicht klar verſtehe, nach
dieſem Hauptſatz auf's beſte zurecht, und denke,
Der „Friedens⸗
nen Leſern einen blauen Dunſt vormacht, wie du
weiland in der Schule, wenn du nicht wußteſt,
ob du Mir oder Mich ſchreiben ſollteſt. Da
ö
ſchriebſt du Mirch, und zwar undeutlich, mach⸗
teſt auch wohl einen Klecks auf's Wort, und
ließeſt es nun darauf ankommen, was der Schul⸗
meiſter herausleſen wollte. Genug ich hatte die
ganze Saalbaderei des „Friedensboten“ hinter
Denken dabei, ſie haben nun bereits die armen
unirten Bauers⸗ und Bürgerleute ſo dumm und
verwirrt gemacht, daß wenn ſie nur alle Jahr
mit großem Gepränge ein wenig mit der Ung.
Augsb. Confeſſion klappern, ſo iſt's genug, da
fällt jedes Haupt wieder ganz beruhigt auf's
Kiſſen, von welchem Gott es vielleicht durch Un⸗
ruhe im Gewiſſen über den ſchändlichen Abfall
von der rechtgläubigen Kirche aufgeſchreckt hatte.
Das iſt doch ſchändlich. Ach Gott vom Him⸗
mel ſieh darein, und laß dich's doch erbarmen.
Und der liebe Friedensbote iſt auch flink bei der
Hand, ſchiebt die Lügen in ſeinen Botenſack,
macht ſich ſein ſüß⸗freundliches Liebes⸗ u. Frie⸗
densgeſicht vor dem Spiegel zurecht, und bringt
ſie ſeinen geduldigen „Evangel.“ Schaafen in's
Haus, die ſich auch ſo gut, wie ich, die Augen
zukleiſtern laſſen mit dem Fahneneid, und Be⸗
ſchluß mit Gänſefüßen, und Stein und Bein
darauf ſchwören, daß die Union ſo lutheriſch ſei,
wie nur irgend eine Synode in Amerika oder
Deutſchland. Ich moͤchte nicht in des Boten
Haut ſtecken, Martin, mir würde doch ganz un⸗
heimlich, ja angſt und bange darin werden.
Denn ich will auch den beſten Fall ſetzen, ſie ſei
ſo dick wie ein Rhinozerosfell, wenn der Herr
einmal mit ſeiner ſchrecklichen Fauſt ihm auf die
Haube greift und anfängt, ſeine Argumente a
posteriori zu führen, wie unſer Schulmeiſter
ſagte, wenn er recht ausholte, er wird's doch füh⸗
len, und wohl ſo, daß er in der ganzen langen
Ewigkeit nicht wieder auf die Beine kommt.
Martin, du weißt, das Papſtthum ſtinkt mich
an, ganz außerordentlich ſtinkt mich's an, aber
die Union faſt mehr. Im Papſtthum kommt
mir der Teufel noch faſt vor, wie ein ehrlicher
Teufel, in der Union iſt er ſo recht die Alte
Schlange wieder aus dem Paradieſe. Dort tritt
er das Wort ſo ziemlich offen unter die Füße,
hier kommt er mit dem freundlichſten und frömm⸗
ſien Geſicht herangeſchlichen, und will mit ſei⸗
nem „Sollte Gott geſagt haben“ den einfältigen
Leuten beſſere und würdigere Begriffe von Gott
und ſeinem Worte beibringen, das er verdreht
und damit die Menſchen verdirbt. Dort zündet
er ſeine Scheiterhaufen offen an, und nimmt das
leibliche Leben der Kinder Gottes friſch hinweg
in ihrer Glaubensfreuvigkeit, bier bringt er die
armen ſchwankenden Gewiſſen in die Daum⸗
ſchrauben, und ſpaniſchen Stiefel mit ſeinen ver⸗
fluchten frömmelnden Manövern der Falſchheit
und Lüge, und drückt, und ſchraubt, und drückt,
bis Blut, Mark und Leben durch die Knochen
dringt, und verwirrt die armen Leute ſo mit ſei⸗
nen gleißneriſchen Reden, von Liebe, Herzens⸗
bekehrung, Friede ꝛc., daß ſo ein armer Kerl nicht
mehr weiß, wo ihm der Kopf ſieht, und meint,
der Weg zum Himmel gehe nun einmal durch
ſolche Daumſchrauben und ſpaniſche Stiefel,
während der große Haufe bei ihnen den noch be⸗
quemen Weg ausfindet, die Lutheraner für todte
Hunde, oder höchſtens für Baſtarde auszurufen,
weil ſie nicht ſo mit liebeln und friedeln und
froͤmmeln wollen, und das Wort und die heili⸗
gen Sacramente verachten, ſondern bei'm Worte
bleiben, und geraden Wegs zum Himmel gehen.
Wahrlich Martin, dieſer Kirchentag iſt ein
wichtiger und würdiger Act, ſchwerlich aber der
Schlußact in dem Spiel der Union. Welche
wunderliche Dinge haben wir erlebt! Erſt hebt
ein Königliches Haupt, dem mehrere Potentaten
folgen, die beſchwornen Rechte einer ganzen Kir⸗
che auf, ladet alſo den Fluch des Meineides auf
das unglückliche Land, Ezech. 16, 59. und de⸗
cretirt auf gut päpſtiſch: es iſt kein Unterſchied
zwiſchen Lüge und Wahrheit, und das ſollt ihr
glauben. Die Gewiſſen wachen auf, und ſa⸗
gen: „Königliche Majeſtät, das können wir
nicht glauben, wir ſind lutheriſch, und müſſen
den reformirten Irrthum verwerfen, können auch
keine Kirchengemeinſchaft mit Falſchgläubigen
haben.“ Da heißt's: „Kerle ihr habt die Liebe
nicht, die die HDauptſumma des Evangeliums iſt,
dazu ſeid ihr Rebellen, die klüger ſein wollen,
und ein zarter Gewiſſen haben, als Euer Füiſt,
und ſeine Biſchöfe und Geiſtlichen, dafür ziehe
man euch die beſten Kühe aus dem Stall, und
pfände euch aus, und eure Prediger gehen in's
Loch, damit ihr beſſer lernt, was Evangeliſche
Liebe iſt. Und was den Meineid betrifft, und
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