Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 3 › Seite 25

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-23, Seite 25

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9

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iet, Ihr hättet nie eine Sünde gethan?

wegen der guten Taſſe? Ich wenigſtens halte
das für eine große Sünde, wenn man im Zorn
die und die Worte herausſtieße.“ (Er erinnete
ſie hierbei an ihre unziemlichen Reden gegen
das Kind.) „Herr Pfarrer“, ſagte die Frau,
„ſind wir doch ſchwache Menſchen, und ich er—
zürne mich ſonſt gar nicht, aber daß die vorwitzige
Perſon da mich anlügen will und ſagen, ſie ma—
che ſonſt Alles geſchickt und thäte niemals Scha⸗
den, daß ſie ſich zu Allem ſelber gut hält, das är⸗
gert mich gar zu ſehr.“ „Und Ihr, liebe Frau“
ſagte der Pfarrer, „habt Ihr denn vorhin nicht
ebenſo den Geiſt Gottes angelogen, als Ihr ſag⸗
Oder,
wer iſt denn wohl ein Lügner, Gott, der da ſagt,
daß des Menſchen Herz böſe von Jugend auf
ſei, oder Ihr, die Ihr das Gegentheil von Euch
vorgebt? Und ſeit Ihr nicht ebenſo vorwitzig,
wie Euer Pflegetöchterchen, da Ihr Euch ſelbſt
für ganz gut haltet, und keiuen Heiland und
Sündenvergeber nöthig zu haben glaubt?

Die Frau weinte und reichte dem Pfarrer die
Hand. Sie ſähe ihre Sünde wohl ein, er ſolle
ſie nur nicht verlaßen, ſondern ihr helfen beten,
daß Gott ihr gnädig ſein möchte. Der Pfarrer
betete mit ihr die vorhin von ihr ſo ſehr verachte—
ten Kinderſprüchlein und pflegte ihres kranken
Herzens mit Liebe und Geduld. Die Frau
wurde gründlich zur Erkenntniß ihrer Sünde
und zur Buße geführt, zugleich aber auch der
Vergebung in Chriſto gewiß. Sie lebte noch
acht Tage und ſtarb mit zerknirſchtem, aber auch
mit freudigem Sinne. (Pilger aus Sachſen)

Noch ein Zug aus den Amtserfahrungen
des Paſtor Eichhorn in Baden, von ihm
ſelbſt erzählt.

(Aus dem lutheriſchen Kirchenblatte für Preußen..)

Bald nachdem die erſte Taufe in der lutheri⸗
ſchen Gemeinde in Ihringen mich in Verhaft
gebracht hatte, wurde eine zweite angezeigt, um
deren baldige Vornahme mich die Eltern drin—
gend baten. Zur Nothtaufe wollte ſich der Va⸗
ter nur höchſt ungern entſchließen, da der luthe—
riſche Paſtor jeden Augenblick konmnen konnte —
vor drohender Gefahr werde derſelbe Herr der
Kirche behüten, der bisher Alles wunderbar ge⸗
leitet und im Unterliegen uns den Sieg gegeben
habe über die Feinde Seiner Kirche. Da durfte
ich nicht zurückbleiben. Ich kam in der Nähe
von Ihringen bei einbrechendem Dunkel an.
Zwei Gemeindeglieder empfingen mich, zu denen
bald darauf auch der Vater des Kindes, das ge⸗
tauft werden ſollte, ſich geſellte. Nun erſt wa—
ren dieſem und den andern mancherlei Bedenken
gekommen.—Die Wächter ſeien bei Tag und
Nacht thätig und wachſam; das Haus, darin das
Kindlein geboren, ſei förmlich umſtellt. Einem
der Wächter ſei Geld verſprochen, wenn er
mich gefangen einbringe. Geſtern noch hörte
man dieſen ſagen: „wenn nur einmal dieſe
Sache vorüber wäre! Ich habe bei Tag und
Nacht keine Ruhe!“ Seine Hände zitterten
nach dem verſprochenen Gelde. —Dennoch wollte
ich den Ort betreten; ich hatte eine ſtarke

Zuverſicht, der Herr werde diesmal meine
Feinde nicht mächtig über mich werden laſſen.
Er hat dieſe Zuverſicht nicht zu Schanden
werden laſſen. Er ſei gelobt, der gnädige und

treue Gott!
Um Mitternacht machte ich mich mit einem

treuen Begleiter auf den Weg nach Ihringen.
Wir gingen unwegſame Gebirgspfade, dabei
fiel ſtrömender Regen, oft mußten wir breite Waſ⸗
ſergraben durchwaten. Nach zwei Stunden wa—
ren wir an dem Orte Ihringen angelangt. Ohne
Aufenthalt und eilenden Fußes gingen wir dem
Hauſe zu, darin das Kindlein lag. Uns war
wohl und ruhig zu Muthe; es war uns, wie
wenn der HErr ſelber unſere Füße auf die Pfa—
de ſetzte, auf denen wir einherſchritten, wie wenn
die Feuerſäule vor uns herginge. Es war Alles
ſtille und ohne das geringſte Hinderniß erreich—
ten wir das Haus und die Stube, darin die
Wöchnerin und das Kindlein lagen. Alles war
feierlich ſtille. Wir ſchritten zur Taufe. Meh—⸗
rere Gemeindeglieder waren, und zwar im Feſt⸗
ſchmucke zugegen. Alles war in tiefer Andacht,
denn Alle fühlten lebendig, daß ſie unter Gottes
ganz beſondern Schutze ſtanden. Jetzt erſt erfuhr
ich, daß der Wächter, dem Geld verſprochen war,
hart neben an wache. Er durfte von ſeinem
Bette, in dem er ohne Zweifel ruhete, nur den
Kopf erheben, ſo ſah er uns durch das Fenſter
im hell erleuchteten Zimmer!

Nach einer Stunde verließ ich das Haus wie⸗
der; ich hatte mein Amt des Wortes und des
Sacramentes an Mutter und Kind verſehen.

Ich hatte eben den Ort verlaſſen, da erwachte
der Wächter und begab ſich wieder auf ſeinen
Poſten. Er erfuhr, daß die Taufe vollzogen ſei,
und nun brach er in die Worte aus: „Ich
glaubte bisher nicht an Wunder! Nun muß ich
daran glauben! Seit acht Tagen war dies die
einzige Stunde, die ich ſchlief! —Wir aber ſag⸗
ten: „Den Seinen giebt Er es ſchlafend; den
Fremden nimmt Er es ſchlafend.“

Verbindung der Kirche mit dem Staate.
Zeugniß dagegen von einem lutheriſchen Pfarrer inm Hanno⸗
verſchen, aus einem Briefe deſſelben vom 7. April d. J.

Ich benutze dieſe Gelegenheit, die ſich mir durch
einen Auswanderer darbietet, um Dir mit eini—
gen Worten anzudeuten, daß ich Deiner gedenke.
Mein Denken an Dich iſt meiſtens mit Schmer⸗
zen gemengt, weil mir zugleich die Freiheit
vor Augen ſchwebt, welche die Kirche bei Euch
erlangt hat und deren Entbehrung wir hier be—
ſeufzen. Nicht als ob ich meinte, ich würde ein
wackrer Mann ſein, wenn wir ſie genöſſen; aber
der Genuß ſolcher Freiheit würde meiner
Schwachheit zu Hülfe kommen. Ich glaube
nicht, daß der weltlichen Obrigkeit die Regierung
der Kirche zukommt, wie es ja hier die Meinung
Vieler iſt; ich glaube auch nicht, daß die Kirche
hier bei uns der Regierung durch ſie bedarf;
vielmehr iſt gerade die Vermengung der weltli⸗
chen und kirchlichen Gewalt eine Quelle, deren
trübes Waſſer die Geſundheit der Kirche hemmt
und ſtört. Wenn wir Augen hätten zu ſehen,
was der Kirche frommt, ſo würden wir! Meſ⸗

Union, gleich der andern zwiſchen den verſchiede⸗

nen Kirchen, fallen laſſen, und der Herr würde
Mittel an die Hand geben, daß nach geſchehener
Trennung mehr aufrichtige Freundſchaft ſein
könnte, als jetzt. Ich weiß nicht, ob es wahr
iſt, was ſie behaupten, daß bei der Trenn ung der
kirchlichen und ſtaatlichen Gewalt Alles aus ein⸗
anderfallen und unzählige Secten entſtehen wür⸗
den. Es kommt noch darauf an; aber daß wir
Alles zuſammenhalten, was doch innerlich ge⸗
ſchieden iſt, und darüber nicht zur Ruhe und
Ordnung kommen, iſt auch kein beneidenswer⸗
ther Zuſtand. Und mich dünkt, es iſt hier nicht
die Frage, was darnach kommt, ſondern was der
Herr befohlen hat. Der Herr hat aber wohl be⸗
fohlen, dem Kaiſer zu geben, was des Kaiſers
iſt, nicht aber was Gottes iſt. Es ſoll auch
nicht ein Prieſterſtand die Kirche regieren, wie
die Römiſchen es haben, ſondern die Regierung
gehört der Kirche ſelbſt. Freilich würde es viel

Rumor geben, wenn bei uns die Kirche ihre

Freiheit erhielte, und es würde Abfall und Schän⸗
dung geben, was aber einmal geſchieden iſt,

thut vielleicht beſſer, es ſcheidet ſich auch äußer⸗

lich von einander. Und wenn man ſagen wollte,
viele Seelen würden darüber verloren gehen, die
nicht wüßten, wo ſie hin ſollten: ſo antworte ich,
eben ſo viele Seelen, die noch gern ſelig werden
wollen, aber jetzt im Strudel forttreiben, würden
alsdann im Schifflein der Kirche eine ſichere
Ruheſtatt finden, und wäre dit Frage, ob nicht
das kleine Häuflein Kirche mit ſeinem hellen
Lichte mehr Seelen rettete, als jetzt, wo ſie ein
großer Haufe iſt. Ich weiß aber auch, daß es
ſich nicht gleich machen läßt, und daß wir nicht
das Recht haben, aus eigner Wahl den gegen⸗
wärtigen Zuſtand umzuſtoßen. Allein bekennen
ſollen wir doch, was zu bekennen iſt, und thun,
was zu thun iſt, damit die Kirche aus ihrer Ge⸗
fangenſchaft herauskomme, auch leiden, was zu
leiden iſt. ö
Was hilft es mir, daß man ſagt: Du haſt ja
die Freiheit und die Verpflichtuug, Gottes Wort
nach der Lehre der Kirche rein und lauter zu pre⸗
digen, auch haſt du noch viel Freiheit, Zucht zu
üben, wenn du nur nicht faul biſt, und tüchtige
Leute wirken hier eben ſo gut, als dort. Wir!
ſind aber nicht alle Bahnbrecher und Weisheit
und Verſtand ſind nicht in demſelben Maaße Al⸗
len gegeben. Wenn nicht die Kirche durch ihr
Regiment uns zu Hülfe kommt und uns ſtützt,
ſo werden die Meiſten von uns ſchwach bleiben
und hin und her wanken. Z. B. ich ſollte vor
einigen Tagen einem Brautpaar einen Kranz
verſtatten, wo die Mutter geſtanden hatte, daß es
mit der Braut nicht mehr richtig ſei. Nun ſie
mußten beim Aufgebot für Sünder gelten und
auch ohne Kranz ſich trauen laſſen; das war in
der Kirche; was konnte ich aber thun, wenn ſie
darnach auf ihrer Hochzeit im Kranz einhergin⸗
gen, und ſie und die Gemeinde damit bewieſen,‚
daß ihnen an der Zucht des Paſtors nichts gele⸗
gen ſei. Und was würde es helfen, ſolche faule
Sachen weiter zu verfolgen, bis ſie ſich im Sande
der Conſiſtorial⸗Reſcripte verliefen! ö
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