Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 3 › Seite 19

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-23, Seite 19

19 20 21 22 23 24 25 26

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9

⤓ Download .txt · copy text

dmmſun

——

Herausgegeben von der

. „Sottes Wort und Luthers Lehr“ vergehet

Deutſchen Ev. Luther.

Nedigirt von C. F. W. Walthe

(Offenh. Joh. Cap. 14, v. 6.

——

nun und nimme rmehr.““

Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten

r.

Jahrg. 10.

St. Louis, Mo., den 23. September 1853. No. 3.

Bedingungen:
Subſcriptienspreis von Einem Dollar für die auswär
lahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. L

—

Der Lutheraner erſcheint alle wel Wochen einmal für den jährlichen
tigen Unterſchreiber „welche deuſelben vorauszube⸗ ö
ouis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.

aber.

Nur die Briefe, wolche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Abreſe
Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., auher zu ſenden.

Das Blutbad von Thorn.

Ein Bild aus der Geſchichte der Jeſuiten
von
K. F. Ledderhoſe.

(Fortſetzung.)

Er, der Kaplan, erklärte, daß er als eine heilige
Perſon in einer heiligen Sache in dieſem Tempel
der heiligen Gerechtigkeit erſcheine, nicht in der
Meinung, die Sache Gottes zu vertheidigen, denn
dieſe werde von dieſer hochanſehnlichen Verſamm—
lung mächtig genug beſchirmt, ſondern nur,
damit er ſeinen bittern Schmerz durch Ver—
gießung ſeiner Thränen lindern möge. Das
katholiſche Weſen in der ganzen Chriſtenheit,
das Regimentsweſen in ganz Europa, das ka⸗
tholiſche und Regimentsweſen zuſammen in
dieſem Königreiche träten mit bethränten An⸗
geſichtern zu dem Richterſtuhl des Königs, dem
der katholiſche Glaube die Krone aufgeſetzt habe.“
Er erklärte den Bilderdienſt für einen Glaubens⸗
artikel, der „mit dem Blute unzähliger Märtyrer
und von Gott mit Millionen Wunderwerken be⸗
währt ſei. Er erin nerte daran, daß der heil.
Jacek ein ſteinernes Bild der allerheilgſten
Mutter Gottes trockenen Fußes über die Weich⸗
ſel getragen habe, alſo ſich über die Elemente ge—
ſchwungen, blos um das Schutzbild der Polen
vor der Schmach der Tartaren zu erretten. „O

*2**

—————— —

——

du Mutter meines Goͤttes!“ rief der Heuchler
dann aus, „du biſt in Thorn unter ein tartari⸗
ſches Feidenthum verfallen. Siehe, wie dich
die Gottloſen mit Füßen treten, zerhauen, auf

ſeinem Scheiterhaufen, wie eine Uebelthäterin öf⸗

fentlich verbrennen, wie ſie dir, du allerunſchul⸗
digſte und allerreinſte Jungfrau, aus einer pol⸗
niſchen Stadt hinausleuchten.“ Er ſuchte nun
die Wuth der Richter zu entflammen, und zugleich
zur Sühnung forderte er die Kirchen, ſowie die
Vertilgung der öffentlichen Uebung der Sekte.
die Vertreibung ihrer Prediger, „die von dem
Beitrag und den Thränen der Katholiſchen ge—
mäſtet und gekleidet würden, damit ſolche Sekte
wiſſe und kennen lerne, daß ſie nur eine Magd,
nicht aber frei noch Herrin ſei. Und wollte Gott,
daß durch dieſe Gelegenheit ihre blinden Augen
erleuchtet und zur Erkenntniß des wahren Lichts
kommen möchten; denn Heiden und Juden muß
man zur Wahrheit rufen, RKetzer aber dazu
zwingen. Wenn man die Ketzer ſchone, das ſei

nichts anderes, als die Katholiſchen aufopfern
und verderben.“ In dieſem Tone geht es fort;
es iſt wahrhaft empörend, wie dieſer Blutdürſti⸗
ge ſtachelt, und doch noch zum Schluß ſagt:
„Ich könnte hier für mein Haus reden, allein
die Wunden meiner Brüder, ſo von der Ketzer
Händen ihnen geſchlagen ſind, die ſind ihre Eh—

4½—

renzeichen, um des Namens Jeſu willen Schmach
zu leiden. Ich erwähne keiner Leibes- und Le⸗
bensſtrafe. Als ein Geiſtlicher dürſte ich nicht
nach Blut.“ Und doch ſchloß er: „So wahr der
Herr lebt, vor deſſen Angeſicht ich ſtehe, ſchaffet
Recht und haltet das Gericht, richtet den Unter⸗
drückten wieder auf, ſo wird Friede in euern
Grenzen ſein, Einer wird zehntauſend jagen.“
Mit ſtürmiſchem Jubelgeſchrei hörten die ver⸗
blendeten, blutdürſtigen Richter dieſe Rede an.
Wit das Urtheil ausfiel, werden wir gleich zei⸗
gen. Die Thorner ſtützten ſich auf ihr gutes
Recht, auf die Wahrheit, und verſchmähten es,
Mittel zu gebrauchen, wie ſie die Jeſuiten bald
zufrieden geſtellt hätten. Sie ließen das Gold
nicht veden, wo die Gerechtigkeit reden mußte.
Am 15. November 1724 wurde das Urtheil,
gegen welches nicht appellirt werden durfte, in
der Sitzung des Gerichts vorgeleſen und den
Commiſſären zur Vollziehung übergeben. Es
war in polniſchem Latein abgefaßt. Der Inhalt
deſſelben iſt wahrhaft ſchaudererregend und be—
weist die tiefe Verblendung der Richter, welche
in der Lüge und in dem Mordgeiſte gewurzelt
war. Das Urtheil ſtützt ſich auf die Unterſu⸗
chung, die, wie wir geſehen, doch ganz parteiiſch
geführt worden war. Nur was die Feinde der
evangeliſchen Kirche geſagt hatten, war gültig

22 11 R.

4

English translation

Not yet translated.