# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 23_S25 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) iet, Ihr hättet nie eine Sünde gethan? wegen der guten Taſſe? Ich wenigſtens halte das für eine große Sünde, wenn man im Zorn die und die Worte herausſtieße.“ (Er erinnete ſie hierbei an ihre unziemlichen Reden gegen das Kind.) „Herr Pfarrer“, ſagte die Frau, „ſind wir doch ſchwache Menſchen, und ich er— zürne mich ſonſt gar nicht, aber daß die vorwitzige Perſon da mich anlügen will und ſagen, ſie ma— che ſonſt Alles geſchickt und thäte niemals Scha⸗ den, daß ſie ſich zu Allem ſelber gut hält, das är⸗ gert mich gar zu ſehr.“ „Und Ihr, liebe Frau“ ſagte der Pfarrer, „habt Ihr denn vorhin nicht ebenſo den Geiſt Gottes angelogen, als Ihr ſag⸗ Oder, wer iſt denn wohl ein Lügner, Gott, der da ſagt, daß des Menſchen Herz böſe von Jugend auf ſei, oder Ihr, die Ihr das Gegentheil von Euch vorgebt? Und ſeit Ihr nicht ebenſo vorwitzig, wie Euer Pflegetöchterchen, da Ihr Euch ſelbſt für ganz gut haltet, und keiuen Heiland und Sündenvergeber nöthig zu haben glaubt? Die Frau weinte und reichte dem Pfarrer die Hand. Sie ſähe ihre Sünde wohl ein, er ſolle ſie nur nicht verlaßen, ſondern ihr helfen beten, daß Gott ihr gnädig ſein möchte. Der Pfarrer betete mit ihr die vorhin von ihr ſo ſehr verachte— ten Kinderſprüchlein und pflegte ihres kranken Herzens mit Liebe und Geduld. Die Frau wurde gründlich zur Erkenntniß ihrer Sünde und zur Buße geführt, zugleich aber auch der Vergebung in Chriſto gewiß. Sie lebte noch acht Tage und ſtarb mit zerknirſchtem, aber auch mit freudigem Sinne. (Pilger aus Sachſen) Noch ein Zug aus den Amtserfahrungen des Paſtor Eichhorn in Baden, von ihm ſelbſt erzählt. (Aus dem lutheriſchen Kirchenblatte für Preußen..) Bald nachdem die erſte Taufe in der lutheri⸗ ſchen Gemeinde in Ihringen mich in Verhaft gebracht hatte, wurde eine zweite angezeigt, um deren baldige Vornahme mich die Eltern drin— gend baten. Zur Nothtaufe wollte ſich der Va⸗ ter nur höchſt ungern entſchließen, da der luthe— riſche Paſtor jeden Augenblick konmnen konnte — vor drohender Gefahr werde derſelbe Herr der Kirche behüten, der bisher Alles wunderbar ge⸗ leitet und im Unterliegen uns den Sieg gegeben habe über die Feinde Seiner Kirche. Da durfte ich nicht zurückbleiben. Ich kam in der Nähe von Ihringen bei einbrechendem Dunkel an. Zwei Gemeindeglieder empfingen mich, zu denen bald darauf auch der Vater des Kindes, das ge⸗ tauft werden ſollte, ſich geſellte. Nun erſt wa— ren dieſem und den andern mancherlei Bedenken gekommen.—Die Wächter ſeien bei Tag und Nacht thätig und wachſam; das Haus, darin das Kindlein geboren, ſei förmlich umſtellt. Einem der Wächter ſei Geld verſprochen, wenn er mich gefangen einbringe. Geſtern noch hörte man dieſen ſagen: „wenn nur einmal dieſe Sache vorüber wäre! Ich habe bei Tag und Nacht keine Ruhe!“ Seine Hände zitterten nach dem verſprochenen Gelde. —Dennoch wollte ich den Ort betreten; ich hatte eine ſtarke Zuverſicht, der Herr werde diesmal meine Feinde nicht mächtig über mich werden laſſen. Er hat dieſe Zuverſicht nicht zu Schanden werden laſſen. Er ſei gelobt, der gnädige und treue Gott! Um Mitternacht machte ich mich mit einem treuen Begleiter auf den Weg nach Ihringen. Wir gingen unwegſame Gebirgspfade, dabei fiel ſtrömender Regen, oft mußten wir breite Waſ⸗ ſergraben durchwaten. Nach zwei Stunden wa— ren wir an dem Orte Ihringen angelangt. Ohne Aufenthalt und eilenden Fußes gingen wir dem Hauſe zu, darin das Kindlein lag. Uns war wohl und ruhig zu Muthe; es war uns, wie wenn der HErr ſelber unſere Füße auf die Pfa— de ſetzte, auf denen wir einherſchritten, wie wenn die Feuerſäule vor uns herginge. Es war Alles ſtille und ohne das geringſte Hinderniß erreich— ten wir das Haus und die Stube, darin die Wöchnerin und das Kindlein lagen. Alles war feierlich ſtille. Wir ſchritten zur Taufe. Meh—⸗ rere Gemeindeglieder waren, und zwar im Feſt⸗ ſchmucke zugegen. Alles war in tiefer Andacht, denn Alle fühlten lebendig, daß ſie unter Gottes ganz beſondern Schutze ſtanden. Jetzt erſt erfuhr ich, daß der Wächter, dem Geld verſprochen war, hart neben an wache. Er durfte von ſeinem Bette, in dem er ohne Zweifel ruhete, nur den Kopf erheben, ſo ſah er uns durch das Fenſter im hell erleuchteten Zimmer! Nach einer Stunde verließ ich das Haus wie⸗ der; ich hatte mein Amt des Wortes und des Sacramentes an Mutter und Kind verſehen. Ich hatte eben den Ort verlaſſen, da erwachte der Wächter und begab ſich wieder auf ſeinen Poſten. Er erfuhr, daß die Taufe vollzogen ſei, und nun brach er in die Worte aus: „Ich glaubte bisher nicht an Wunder! Nun muß ich daran glauben! Seit acht Tagen war dies die einzige Stunde, die ich ſchlief! —Wir aber ſag⸗ ten: „Den Seinen giebt Er es ſchlafend; den Fremden nimmt Er es ſchlafend.“ Verbindung der Kirche mit dem Staate. Zeugniß dagegen von einem lutheriſchen Pfarrer inm Hanno⸗ verſchen, aus einem Briefe deſſelben vom 7. April d. J. Ich benutze dieſe Gelegenheit, die ſich mir durch einen Auswanderer darbietet, um Dir mit eini— gen Worten anzudeuten, daß ich Deiner gedenke. Mein Denken an Dich iſt meiſtens mit Schmer⸗ zen gemengt, weil mir zugleich die Freiheit vor Augen ſchwebt, welche die Kirche bei Euch erlangt hat und deren Entbehrung wir hier be— ſeufzen. Nicht als ob ich meinte, ich würde ein wackrer Mann ſein, wenn wir ſie genöſſen; aber der Genuß ſolcher Freiheit würde meiner Schwachheit zu Hülfe kommen. Ich glaube nicht, daß der weltlichen Obrigkeit die Regierung der Kirche zukommt, wie es ja hier die Meinung Vieler iſt; ich glaube auch nicht, daß die Kirche hier bei uns der Regierung durch ſie bedarf; vielmehr iſt gerade die Vermengung der weltli⸗ chen und kirchlichen Gewalt eine Quelle, deren trübes Waſſer die Geſundheit der Kirche hemmt und ſtört. Wenn wir Augen hätten zu ſehen, was der Kirche frommt, ſo würden wir! Meſ⸗ Union, gleich der andern zwiſchen den verſchiede⸗ nen Kirchen, fallen laſſen, und der Herr würde Mittel an die Hand geben, daß nach geſchehener Trennung mehr aufrichtige Freundſchaft ſein könnte, als jetzt. Ich weiß nicht, ob es wahr iſt, was ſie behaupten, daß bei der Trenn ung der kirchlichen und ſtaatlichen Gewalt Alles aus ein⸗ anderfallen und unzählige Secten entſtehen wür⸗ den. Es kommt noch darauf an; aber daß wir Alles zuſammenhalten, was doch innerlich ge⸗ ſchieden iſt, und darüber nicht zur Ruhe und Ordnung kommen, iſt auch kein beneidenswer⸗ ther Zuſtand. Und mich dünkt, es iſt hier nicht die Frage, was darnach kommt, ſondern was der Herr befohlen hat. Der Herr hat aber wohl be⸗ fohlen, dem Kaiſer zu geben, was des Kaiſers iſt, nicht aber was Gottes iſt. Es ſoll auch nicht ein Prieſterſtand die Kirche regieren, wie die Römiſchen es haben, ſondern die Regierung gehört der Kirche ſelbſt. Freilich würde es viel Rumor geben, wenn bei uns die Kirche ihre Freiheit erhielte, und es würde Abfall und Schän⸗ dung geben, was aber einmal geſchieden iſt, thut vielleicht beſſer, es ſcheidet ſich auch äußer⸗ lich von einander. Und wenn man ſagen wollte, viele Seelen würden darüber verloren gehen, die nicht wüßten, wo ſie hin ſollten: ſo antworte ich, eben ſo viele Seelen, die noch gern ſelig werden wollen, aber jetzt im Strudel forttreiben, würden alsdann im Schifflein der Kirche eine ſichere Ruheſtatt finden, und wäre dit Frage, ob nicht das kleine Häuflein Kirche mit ſeinem hellen Lichte mehr Seelen rettete, als jetzt, wo ſie ein großer Haufe iſt. Ich weiß aber auch, daß es ſich nicht gleich machen läßt, und daß wir nicht das Recht haben, aus eigner Wahl den gegen⸗ wärtigen Zuſtand umzuſtoßen. Allein bekennen ſollen wir doch, was zu bekennen iſt, und thun, was zu thun iſt, damit die Kirche aus ihrer Ge⸗ fangenſchaft herauskomme, auch leiden, was zu leiden iſt. ö Was hilft es mir, daß man ſagt: Du haſt ja die Freiheit und die Verpflichtuug, Gottes Wort nach der Lehre der Kirche rein und lauter zu pre⸗ digen, auch haſt du noch viel Freiheit, Zucht zu üben, wenn du nur nicht faul biſt, und tüchtige Leute wirken hier eben ſo gut, als dort. Wir! ſind aber nicht alle Bahnbrecher und Weisheit und Verſtand ſind nicht in demſelben Maaße Al⸗ len gegeben. Wenn nicht die Kirche durch ihr Regiment uns zu Hülfe kommt und uns ſtützt, ſo werden die Meiſten von uns ſchwach bleiben und hin und her wanken. Z. B. ich ſollte vor einigen Tagen einem Brautpaar einen Kranz verſtatten, wo die Mutter geſtanden hatte, daß es mit der Braut nicht mehr richtig ſei. Nun ſie mußten beim Aufgebot für Sünder gelten und auch ohne Kranz ſich trauen laſſen; das war in der Kirche; was konnte ich aber thun, wenn ſie darnach auf ihrer Hochzeit im Kranz einhergin⸗ gen, und ſie und die Gemeinde damit bewieſen,‚ daß ihnen an der Zucht des Paſtors nichts gele⸗ gen ſei. Und was würde es helfen, ſolche faule Sachen weiter zu verfolgen, bis ſie ſich im Sande der Conſiſtorial⸗Reſcripte verliefen! ö 22 11 22