Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 21 › Seite 140
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-06-07, Seite 140
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Deswegen fangen wir an zu beten
und erinnern den HErrn Jeſum ſeines Wortes
(Matth. 7., Luk. 11): „Bittet, ſo werdet ihr
nehmen, ſuchet, ſo werdet ihr finden, klopfet
an, ſo wird euch aufgethan.“ Wir ſtellen uns
aller Maßen, als wenn wir vor der Himmels⸗
thür ſtänden und einen ſichern Eintritt begehr—
ten. Das iſt mächtig ſchön. Es wird auch
ein Gebet gebraucht, darin zwei Gleichniſſe ſte—
ben: 1, von der Sändfluth aus 1 Petr. 3, und
2) vom rothen Meere aus 1 Cor. 10. Das
lernet auch verſtehen (ich weiß, daß es ihrer
Viele nicht bedenken), wir begehren, daß Gott
durch dieſe geiſtliche Gradenfluth des Kindleins
Sünde wolle laſſen er äufen, wie vor Zeiten
alle Sünder in der Sündfluth ſind umgekom⸗
men, und er wolle das Kind in der geiſtlichen Kir—
che der Chriſtenheit zum ewigen Leben erhalten,
wie Noah mit ſeinen Kindern. Item, wir be—
gehren, Gott wolle in dieſem Taufwaſſer, wel⸗
ches vor ihm iſt „eine rothe Fluth, durch Chriſti
Blut gefärbet,“ an unſerm Täufling alle Macht
des hölliſchen Pharas untergehen laſſen.
3 Beidieſen zweien Gebeten
wird auch öffentlich zweimal dem
hölliſchen Pharao, dem Böſen, un⸗
reinen Geiſte, ſein Urtheil angt⸗
kündet, daß er ſolle und müſſe von dieſem
neuen Hofdienerlein Jeſu Chriſti weichen, er
ſolle in Ewigkeit keine Macht an ihm finden.
Dabei bedenken wir zwei Dinge; einmal unſer
großes jammeriges Elend, in welchem wir we—
gen der Sünde ſtecken, von welchem wir auch
ſingen:
Dem Teuſel ich geſangen lag,
Im Tod war ich verloren.
Daneben errinnern wir uns auch des großen
Troſtes, dazu wir durch die Gnade Jeſu Chriſti
bei der heil. Taufe beſördert werden. Strick iſt
entzwei und wir ſind ſrei, der Sohn Gottes
hat uns frei gemacht. Drum ſind wir rechte
freie Leute (Joh. 8). Es ſoll nichts Verdamm—
liches an uns ſein (Röm. 8).*)
4. Dem Kindlein wird ein neuer
Name gegeben, denn es iſt ein neuer
Himmelsbürger geworden, ſein Name muß
in's himmliſche Stadtbuch eingeſchrieben werden
) Herberger redet hier vom ſogenannten kleinen u.
großen Exorcismus (Beſchwörung des Teuſels),
wie er ſich bei Luther ſonie in den meißen alten Ager den
befledet und an manchen Orten noch imGebrauch iß. Nicht
hat es damit die Meinung, als ſei das Kind leiblicher Weiſe
vom Teufel beſeſſen, noch als ſollte er in Kraft dieſer For⸗
mel von dem Kinde weichen, ſondern die Kicche will dami
bezeugen 1.) daß dies Kind von Natur unter der Gewalt
des Teuſels ſehe und 2.) daz es durch die Kraft u. Wir⸗
kung der heil. Taufe daraus errettet werde. In dieſem
Sinne nur allein in der Exorcismus von Luther beibehal⸗
ten worden, wie dies aus ſeinen Worten in der Vorrede zum
Taufbüchtein hervorgeht: „Deun duſhie höreſ in den Wor⸗
ten die ſer Gedet, wie kläglich und ernſlich die chriüliche Ki che
das Kindien herträgt, und ſo mit be. ädigen, unge wei,e.⸗
ten Worten für Gott be ennet, es ſei vom Teufe
beſeſſen und ein Kind der Sünden und Un⸗
gnaden und ſo fleigig bittet um Hine und Gnade durch
die Taufe, daß es ein Kind Gottes werden möge.“ —
Er iſt eine dem hölliſchen Fürſten gemachte öfent. iche und
feierliche Anzeige, das Kind durch die Kract der Tauſe aus
ſeiner Gewall los zu latſen, ſintemal es ein Untertgan Jeſu
Chriſti nach dem Willen des Vaters durch den heil. Geiſt
werden ſoll.
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(Luk. 10.), ja in die Hand Gottes (Jeſ. 49.)
und in das Regiſter der auserwählten Kinder
Gottes aufgezeichnet werden, in Chriſti Stamm⸗
buch, daß ſeiner nimmermehr vergeſſen werde
(Pf. 112.) Das Kind iſt ein junger Kirchen⸗
ſtudent geworden, darum muß ſein Name in die
himmliſche Matrikel kommen. Man gibdt dem
Kinde keinen böſen Namen, es muß niet Kain
oder Judas heißen, ſondern einen heiligen Na—
men tragen. Dabei wünſchen die Pathen: Hel⸗
fe dir Gott, liebes Pathlein, daß du den Na⸗
men in der That führeſt und auch ſo fromm
werdeſt, wie die ſeligen Leute, die vor dir dieſen
chriſtlichen Taufnamen getragen.
5. Des Kindlein's Bruſt u. Stirn
wird mit der Form des heil. Kreu⸗
zes bezeichnet. Dabei bedenken wir, daß
aller Chriſten Herz müſſe des Kreuzes Jeſu
Chriſti Grüblein ſein, daß ihre Looſung heiße:
Allein dein Kreuz, HErr Jeſu Chriſt, mein höch⸗
ſter Troſt auf Erden iſt.“) Ueberdies erinnern
wir uns, daß getaufte Chriſten nicht können oh—
ne Kreuz und Elend ſein, ſie müſſen ſich mit
dem Kreuz bis in die Grube ſchleppen, ſie ſind
rechte Brüder des Kreuzordens, der HErr Je—
ſus iſt ſelber der Hochmeiſter in dieſem Orden.
6. Darauf wird das Evangelium
Marci 10. geleſen, wie viele fromme
Matronen dem HErrn Jeſu ihre Kindlein zu—
getragen. Dabei bedeuken wir
Erſtlich, daß wir ohne Scheu unſere Kindlein
mögen zur Taufe tragen. Denn der HErr Je—
ſus ſchilt den Klüglingen die Haut voll, die es
wollen wehren, daß man die Kindlein nicht ſoll
zu ihm bringen; er ſagt: „Laſſer die Kiudlein
zu mir kommen und wehret's thnen nicht, denn
ſolcher iſt das Reich Gottes (gehöret ihnen das
Gold, wer wollte ihnen das Täſchlein vorent—
halten 2), und er herzte ſie und legte die Hände
auf ſie und ſegnete ſie. Die Erempel der Schrift
ſtimmen auch damit, denn Apſtgſch. 16. wird
des Stockmeiſters ganzes Haus, und 1. Cor. 1.
ganze Geſchlechter getauft. Origines ſagt, es
ſei immer von der Apoſtel Zeit her bräuchlich
blieben, und Cyprianus, der dritthalbhundert
Jahr nach Chriſti Geburt gelebt hat, ſchreibt,
daß man in der Synode die Leute geſtraft habe,
welche die Taufe nach dem Exempel der Beſchnei⸗
dung bis auf den achten Tag anſtehen liehen.“)
Die Noth erfordert's auch, denn unſere Kind⸗
*) Wer den't hierbei nicht auch an die ſchönen Worte in
ſeinem Sterbe.iede:
„In meines Herzens Grunde —
Dein Nam' und Kreuz allein
Funzelt all' Zeit und Stunde,
Drauf kann ich iröhlich ſein:
Eiſchein mir indem Bi.de
Zu Troſt in meiner Noth,
Wie du, HErr Chriſt, ſo milde
Dich haſt seblut zu todt.“ *
+) Man dürſte jetzt ſrob ſeir, wenn alle Eltern nur mit
dem achten Tagt ihre Kinder zur Taufe brächten. Aber da
verſchieben es mancht zwei, vier, ſechs und noch mehr Wo⸗
chen und das aus ganz elenden Gründen, etwa weil ſie ei⸗
nen tüchttgen Kindtaufſchmaus auſtellen wolen und dazu
nicht eher kommen kön nen. Was mögen wohl ſolche von
der grogen Noth ihres Kindes und von der Herriich eit und
Selig'eit der Tauſe halten !
lein find in Sͤͤnden empfangen und geboren,
wie David bezeugt Yſalm 51., dem wir billig
glauben. Sie ſind von Natur Kinder des Zorne
Epeſ. 2. Drum müſſen ſie auch durch's Waſſer
und Geiſt neu geboren werden, Joh. 3. Hat's
doch Jeſaias ſchon im alten Teſtament geſehen
(Cap. 49.), da er ſagt: „Sie werden deine
Söhne in den Armen herzubringen und deine
Töchter auf den Achſeln hertragen.“ Die gei⸗
len Wiedertäufer ſagen: Unſere Kindlein glau⸗
ben noch nicht, drum iſt ihnen die Taufe nichts
nütze. Aber wir bleiben bei Chriſti Wort,
Matth. 18.2 „Wer ärgert dieſer Geringſten ei⸗
nen die an mich glauben ꝛr. Wit könnten ſie
ſonſt Gott gefallen? (Hebr. 12.) Jemehr es
unſere Vernunft ſtößt, je größer iſt das verbor⸗
gene Kunſtſtück des heil. Geiſtes. Andere be⸗
helfen ſich mit Chriſti Erempel. Der ſei ja erſt
im dreißigſten Jahr ſeines Alters getauft wor⸗
den. Antwort: Er iſt aber nicht erſt im dreißig⸗
ſten Jahr ſeines Alters beſchnitten worden
Nun iſt ja unſere Taufe an der Beſchneidung
Stelle getreten (Col. 2.) War doch die Taufe
noch nicht im jüdiſchen Lande, da Chriſtus ge⸗
boren war, er hätte ſie ſonſt nicht anſtehen laſſen.
Darneben erinnern ſich auch die erbetenen
Gevatter ihres Amtes.“) Sie thun nicht an⸗
ders als die gutherzigen Mütter, die dem HErrn
Jeſu ihre liebe Herzlein zutragen und in ſeine
Arme legen. Sie beten: HErr Jeſu, ach nimm
das liebe Pathlein von unſern Armen. Drückt
es auch an dein liebes Herz, berühre es auch
mit deiner Gnadenhand, ſprich einen kräftigen
Segen über unſer Pathlein, in welchem es chriſt⸗
lich lebe und ſelig ſterbe. Laß es auch zuneh⸗
men an Alter, Weisheit und Gnade bei Gotn
und den Menſchen. Daraus iſt offenbar, daß
nicht unbeſcheidene Kinder, nicht trunkene Laf⸗
fen, nicht gottloſe Leute, die zum Gebet untüch⸗
tig ſind, zur Gedatterſchaft gehören. Die Ge⸗
vatler ſind des Kindleins Fürredner, gleichwie
dieſe Mütter ihren Kinderlein bei Chriſto das
Wort führen.“)
*) Die Erinnerung der Pathen an ihr Amt geſchteht noch
inſonderheit durch eine an die ſelsen gerichtete kurze Bermah⸗
nung und das von limen zu leiſtende Gelübde, dahin zu ſe⸗
len, daß das Kind in der reine Lehre unterwieſen und zur
Gottfeliaeit angehalten werde.
+) Väter und Mütter, die ihr dies leſet, nehmt es doch
in der Wahl der Tau pathen für eure neugebornen Kind lein
recht genau und vermeidet in dieſer wichtigen Sache allen
Leichtſinn und alle jleiſch ichen Rürkſichten. Gedenket hier⸗
bei noch an die eruſten Worte Luther's in der ſchon etlühe
Maie erwähnten Vorrede zu ſeinem Tau/ büchlein: „Und ich
be ſorge, daz darum die Lente nach der Tause auch ſo übel
geratyen, daß man ſo kalt und läſüg mit iynen umgegangen
und ſo gar oone Eruſt ſür ſie gebeten hat in der Tauſe
Derhalten es auch wohi billig und recht iſt, daß man nicht
die trankene und rohe Pfaffen tauſen laſſe, auch nicht
loſe Leute zu Gevattern nehme, ſondern feine,
ſirtige, ernſie, fromme Prieſter und Gevartern, zu denen
man ſich verſehe, daz ſie die Sache mit Eruſt und rechtem
Glauben handeln, damit man nicht dem Teuſel das hode
Sacrament zum Spott ſetze und Gott verunebre, ber darin
ſo überſhwänglihen und grundloſen Reichttum ſeiner. Gua⸗
den über uns ſchüttet, daz er's ſelbſt eine neue Geburt heißt,
damit wir aller Tyramnei des Teufels lerig, von Sünden,
Tod und Hölle los, Kinder des Lbens und Erben aller Gü⸗
ter Gottes und Gottes ſelbſt Kinder und Chriſtus Brüde:
werden. — Ach liebe Chriſten! laßt uns nicht ſo unfleißih
ſoiche unaus ſprechliche Gaben achten und handeln ; in doc
die Taute unſer einizer Troſt und Eingang zu ailen 3ttlichen
Gütern und aller heillzen Gemeinſcha, t.
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