Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 21 › Seite 139
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-06-07, Seite 139
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in ſeinem Herzen ſpreche: ich bin zwar ein ar⸗
mer und großer Sünder: ich geſtehe und be
kenne auch, daß ich mit meinen Sünden ver
dienet habe GOttes Zorn und Ungnade, zeitli
chen Tod und ewige Verdammniß. Jedoch aber
will ich meiner Sünden halben nicht verzagen:
denn Chriſtus wahrer GOtt von Ewigkeit ge⸗
boren, und auch wahrhaftiger Menſch von der
Jungfrauen Maria geboren, der iſt mein Err,
und hat mich verlornen und verdammten Men⸗
ſchen erlöſet, erworben, gewonnen von allen
Sünden, und von der Gewalt des Teufels, mit
ſeinem heiligen theuren Blut, und mit ſeinem
unſchuldigen Leiden und Sterben. Das glaub
ich feſtiglich, und bin gewiß, daß mir GOTT
im Himmel um deswillen alle meine Sünde
aus Gnaden verzeihet und vergiebet.
3. Das Bekenntniß des Glaubens oder die
Beichte. Dabei zu erinnern:
Vor der Beichte in der Kirche ſoll vorherge—
hen die Beichte oder Bekenntniß vor GOtt ſo—
wohl, als gegen den Nächſten.
Vor GOtt ſoll man ſich aller Sünden ſchul⸗
dig geben, und nach den heiligen zehen Gebo⸗
ten ſeiner Sünden nach einauder ſich erinnern
und bekennen.
Hiezu kann man auch gebrauchen den 51.
Pſalm, das Gebet Manaſſe, und andere ſchöne
Buß⸗ und Beicht-Gebetlein, Dan. 9, 4.
Gegen den Nächſten ſoll die Privat-Beichte
geſchehen, und dem, der etwa beleidiget, Abbitte
gethan werden, und herzliche Verſöhnung er—
folgen, wie auch Wiedererſtattung des Entwen⸗
deten, oder was man ſonſt mit Unrecht beſitzen
möchie.
In der Beichte ſoll man
I. Erkennen, daß man in der Erbſünde em⸗
pfangen, und dieſelbe mit vielen wirklichen
Sünden vermehret, und
2. Daß man hiemit verdienet habe GOites
Zorn, zeitliche Strafe und ewige Verdammniß,
aber
3. Sich ſolches herzlich und ſchmerzlich leid
zu ſein bezeugen, und
4. Im wahren Glaaben wider ſeine Sünde
ſich getröſien ſeines lieben HErrn IEſu Chriſti,
ver ihn von ſeinen Sünden erlöſet, und Verge⸗
bung derſelben erworben, alfo
5. Darauf woͤlle hingehen zu dem Tiſch des
Errn, und daſelbſt, zu Bekräftigung dieſes
ſeines Glaubens, empfahen den wahren Leib
und das wahre Blut Chriſti.
6. Daß er hinfort durch die Gnade GOttes
und den Beiſtand des heiligen Geiſtes, ſo viel
ihm möglich, ſein Leben wolle beſſern, u. fröm⸗
mer werden.
Und wann ihm dann der Prieſter die Abſo⸗
lution verkündiget, und ihn von ſeinen Sünden
losſpricht, ſoll er ſolches annehmen, nicht als
Menſchen⸗Stimme, ſondern, wie es auch wahr⸗
haftig iſt, als GOttes Stimme.
Nach der Beichte und Abſolution ſoll er
1. GOTT dem SErrn herzlich danken, daß
er ihn zur Erkenntniß ſeiner Sünden gebracht,
und demüthiglich bitten, daß er ihn die Kraft
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der Abſolution in ſeinem Herzen wolle kräftig⸗
lich empfinden laſſen.
2. Soll er hierauf ſich ſchicken zum würdigen
Bebrauch des heiligen Abendmahls; deshalb
3. Soll er GOtt den HErrn von Grund ſri⸗
nes Herzens bitten und anrufen, daß er ihn
einen würdigen Gaſt dieſer himmliſchen Mahl-
zeit wolle ſein laſſen.
4. Soll er die Predigt mit herzlicher An—
dacht hören.
Wenn er jetzt zum Altar hinzugehet, ſoll er
ſolches thun mit gebührender Andacht und
inbrünſtiger Betrachtung der theuren werthen
Worte der Einſetzung: Das iſt mein Leib,
der für euch gegeben: Das iſt mein
Blut, das für euch vergoſſen wird,
zur Vergebung der Sünden.
In ſolcher Betrachtung ſoll er das heilige
Abendmahl empfaͤhen, und nicht zweifeln, ſon⸗
dern gewiß glauben, er empfahe eben den Leib
Chriſti, der um ſeinetwillen am Kreuz, und für
ſeine Sünde in den Tod gegeben, und eben das
Blut Chriſti, welches er füt ſeine Sünde am
Stamm des heiligen Kreuzes vergoſſen.
Nach Empfahung dieſes theuren Schatzes ſoll
er ſeinem hochverdienten Heiland IEſu Chriſto
wiederum herzlich danken, und darneben bitten,
daß er ihm dieſe heilſame Seelen-Speiſe und
Seelen⸗Trank wolle gedeihen laſſen zu ſtarkem
Glauben gegen GOtt, zu brünſtiger Liebe ge—
gen ſeinen Nächſten, zu beſtändiger Hoffnung
und Geduld im Kreuz und Widerwärtigkeit,
und auch in der letzten Todes⸗Noth.
Hierauf folget nun der neue Gehorſam, wel⸗
cher beſtehet:
1. In wahrer Gottesfurcht gegen GOtt.
2. In rechtſchaffener Liebe gegen den Näch—
ſten.
3. In treuer und fleißiger Verrichtung der
Werke unſers Berufs.
Wer dieſes alles in gebührende Acht nimmt,
der empfähet das Sacrament des wahren Lei⸗
bes und Blutes Chriſti würdiglich, und hat
daher Leben, Troſt und die ewige Seligkeit.
Welches allen Chriſtlichen Communicanten
durch die Gnade des heiligen Geiſtes geben und
verleihen wolle, GOtt der himmliſche Vater, in
Chriſto IEſu, ſeinem Sohne. Amen.
— —
(Eingeſandt.)
Die Taufgebräuche.
Die Gebräuche bei der Taufhandlung, wie
ſie alle rechtgläubigen Agenden auf Grund des
Taufbüchleins Lutheri vorſchreiben, ſind ſinnig
und bedeutſam. Viele andächtige und auf⸗
merkſame Chriſten mögen das ahnen, ſo oft ſie
in einer luthriſchen Kirche taufen ſehen, wenige
aber die eigentliche Bedeutung aller einzelnen
Bräuche bei dieſer hochheiligen Handlung klar
erkennen. Deshalb hat ſchon der alte Bale—
rius Herberger zu Frauſtadt in Preu⸗
ßiſch Polen, der Verfaſſer des bekannten herr—
lichen Sterbeliedes: „Valet will ich dir geben“ꝛc
ſowie der herrlichen Herzpoſtille, am Tauftage
Chriſti dieſe Gebräuche auf eine liebliche, er⸗
bauliche Weiſe ſeinen Kirchkindern erklärt umd
thut wohl noth, auch jetzt wieder in das Ver⸗
durch „die Pathen und Beiſtände deſto mehr
zum Glauben und ernſtlicher Andacht geretzet
mehr Fleiß um der Zuhörer willen haben müſ⸗
ſen.“ Der alte treuherzige Herberger rede hier
auch zu dir, mein lieber Leſer, und ich bin eo
gewiß, du wirſt, wenn du ihn gehört haſt, von
nun an nicht nur mit deſto größerem Wohlge⸗
fallen auf die alten Taufgebräuche in deiner
Kirche ſehen und um ſo ernitlicher darauf be⸗
dacht ſein, daß ſie ſich auch auf deine Nachkom⸗
men vererben, ſondern auch mit Herberger freu⸗
dig zu dir ſelber ſprechen: „Siehe liebes Hety,
wie eine ſchöne Handlung iſt das! Gehet's doch
bald ſo ſchön zu, wie im Himmel. Ich danke
es bei meiner Taufe alſo iſt zugegangen“.
Was ſollen wir für Gedanken ha⸗
ben, wenn wir an unſere Taufe ge⸗
denken, wenn wir zuſehen, wie Kind⸗
lein getauft werden, oder wenn
Jemand unter uns zu Gevatter
gebeten wird? Das iſt ſehr nöthig zu wiſ⸗
ſen, denn viele Leute bedenkens nicht, wie ed
mit ihrer Taufe zugegangen, wie können ſie ſich
denn derſelben tröſten? Viele Leute begehren
nicht einmal zuzuſehen oder zuzuhören, das in
eine greuliche Schande.?“) Darum fſetzen die
Edvangeliſchen (Lutheraner) ihre Taufſteine nicht
gerne in die verborgenen Winkel, ſondern an
öffentliche, ſichtbare Orte und Stellen. Viele
Leute wiſſen nicht, was die Gevatterſchaft auf
ſich habe. Die ſtehen da der heiligen Taufe zu
Spott und Schande, und weil ſie nicht beten
können, dem Kindlein zu merklichem Schaden.
Deswegen will ich durch alle Bräuche gehen,
die bei uns von Anfang des Esangelii in die⸗
ſen Orten ſind gehalten worden.
1. Stehen die Pathen mit den
Kindlein bei der Thüre (oder dem Al⸗
tar, dem Taufſtein) ſtille. Da bedenken wir,
wie das Kindlein ſeiner ſündhaften Empfängniß
und ſeiner Geburt halber ewig von Gott möchte
geſchieden ſein und mit den thörichten Jung—
frauen eine verſchloſſene Himmelsthür haben
(Matth. 25) und mit allen Verdammten drau⸗
ßen vor dem himmliſchen Jeruſalem bleiben,
wie in der Offenbarung Joh. 22 zu leſen r)
*) Wie Viele der Unſern krifft nicht dieſer Vorwurf! denn
ſobald nach dem Schluß eines Vor oder Nachmiltagsgot⸗
tesdienſtes eine Taufhandlung beginnt, ſtrömt gewöhnlich
alles zur Kircht hinaus. Nur Wenige bleiben ſitzen, um
die hohen Dinge zu bedenten, die da geſcheben, die heiligt
Dreieinig'eit zu ehren, die da ihre Gnadengegenwart offen⸗
bart, dem Täufling einen chriſtlichen Lie“esdienſt mit ihrer
Fürbitte zu leiſten, ſich ihres eigenen Tauſbundes zu erin⸗
nern und denſelben im Herzen zu erneuern. So oft dahrr
in einem öffetl. Gottesdieuſt getau,t wird, ſollie die ganze
Gemeinde dableiben und Mitzeugin und Mitbitterin ſein.
D. E.
1) Solche Gedan'en zu erwecken, dient die herrliche Tauf⸗
e rmarnung, mit welcher bei uns die Tauſhandlung eröſfur
und.
ſtändniß derſelben einzuführen, damit auch da⸗
werden, und die Prieſter, ſo da taufen, deſto
es meinem Gott von Herzen, daß ich weiß, daß
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