Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 17 › Seite 100
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-29, Seite 100
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füblen, da ja der Wille Gottes der Seelen Se⸗
ligkeit iſt. Auch wird ja ausdrücklich V. 6. 15.
bezeugt, daß Gott von Saul gewichen war und
ihm nicht mehr antwortete. Wie ſollte ſich nun
Gott widerſprechen — oder, wenn einer be—
hauptete, es läge kein Widerſpruch darin, wie
ſollte er dem Saul in einer Weiſe und unter
Umſtänden geantwortet haben, durch welche der
Zauberei eine Art von Ehre eingeräumt würde
und Gott in dieſelbe als verwickelt erſchiene.
Gott ſelbſt würde da ſeine Ausſprüche zu Zau⸗
berſprüchen gemacht haben, ja Er würde Ge⸗
meinſchaft haben mit den unfruchtbaren Wer⸗
ken der Finſterniß. Das aber ſei ferne!
Hier ſind wir nun an dem Punkte angekom⸗
men, wo einfach herausgeſagt werden muß, was
denn alſo die Erſcheinungen ſeien, welche heut
zu Tage ſo viele Menſchen ängſtigen. Daß es
keine Engel ſeien, — denn Engelerſcheinungen
wollten alle dieſe bisherigen Reden durchaus
nicht längnen, — iſt offenbar. Engel begehren
keine Hülfe und ihre Erſcheinungen ſind ganz
anderer Art. Menſchenſeelen find es auch nicht,
das iſt's ja eben, was wir bisher weitläufig
auseinanderſetzten. Daß ſie auf purer Einbil—
dung beruhen, iſt eben ſo thöricht zu behaupten,
als daß die Einbildung und Furcht nicht Gei—
ſter ſehen lönne, wo keine ſind. Es iſt eine
übereinſtimmende Ausſage aller Völker u. Zei—
ten, daß es Erſcheinungen der Geiſter gebe.
Selbſt die heilige Schrift (Matthäi 14, 26.
Marc. 6, 49.) widerſpricht es nicht. Was ſind
ſie denn alſo? Ja, was können ſie ſein?
Schon aus der Wirkung kann man die Urſache
erkennen. Nie und nirgends hat Geiſterei der
Welt wahrhaft gute Früchte gebracht. Wo man
ſie als Gutes aufnahm, folgten zahlloſe, ſchäd—
liche Irrthümer und Lügen im Geiſtlichen und
Leiblichen nach. Darum ſind treue Diener der
heil. Kirche allezeit der innigen Ueberzeugung
geweſen, daß lügenhafte Kräfte der
Hölle walten, wo die Geiſterei im Schwange
geht, daß die Geiſterſcheinungen teuf⸗
liſcher Spuk ſeien, vom Satan er⸗
dichtet und vor armen Menſchenkindern auf⸗
geführt, um die Scelen von der Wahr⸗
heit zu kehren, von Gott zugelaſſen, um
die gottloſe Welt mit Lügen zu ſtra⸗
fen und mit Schattenwerk zufpla⸗
gen, weil ſie die einfältige lichte Wahr—
heit in ihrer Schönheit nicht an⸗
nimmt. 2. Theſſ. 2, 9. ff. iſt anzuwenden.
Ganz auf vieſe Weiſe ſprechen ſich die edel⸗
ſten Lehrer des Chriſtenthums aus. Die alten
Väter geben etwa wohl zu, daß eine abgeſchie—
dene Seele zu beſonderer Abſicht, durch Gottes
beſondere Schickung den Lebendigen erſcheinen
könne (Luc. 9. die Erſcheinung Moſis u. Eliä.)
Aber ſie behaupten feſt, daß die Seelen nicht
nach eigenem Willen erſcheinen und wiederkom⸗
men können, — Gott habe verhindert, daß die
Lebendigen den Aufenthaltsort und Zuſtand der
Todten von ihnen ſelber lernen. Die heilige
Schrift offenbare uns in lichter Klarheit vom
Zenſeits alles, was wir zu wiſſen nöthig ha—
ben. Sie berufen ſich einſtimmig auf Luc. 16.
—99— —
und beweiſen daraus mit Macht, daß hier auf
Erden keine abgeſchiedene Seele irre.
So urtheilt z. B. der heil. Chry ſo ſto⸗
muls (geſt. 407 nach Chriſti Geburt) unter
ſummariſcher Anführung faſt alles deſſen, was
dir oben vorgelegt iſt: „Es iſt keine ab—
geſchiedene Seele, die da ſpricht:
„ich bin die Seele deß und deß,“
ſondern ein Teufel iſt's, der dieſe
Worte erdichtet, um die zu betrü⸗
gen, welche darauf merken.“ Und wie
viele andere Zeugniſſe könnte man aus den
Schriften der Bäter anführen, welche ganz mit
Chryſoſtomus übereinſtimmen. Auch könnte
man eine ganze Reihe von hohen berühmten
Namen nennen, welche die Geſchichte 1. Sam.
28. ganz ſo auslegen, wie du oben geleſen haſt.
An dieſes Urtheil des Alterthums ſchließe ſich
Martin Luther an. Er ſagt am Dreikö—
nigstage in der Kirchenpoſtille von den wan⸗
delnden Geiſtern alſo: „Laß wandeln, was da
wandelt. Du hörſt, was dir dein Gott gebeut.
So du dieſelbigen Geiſter alle verdäch—
tig hältſt, ſündigſt du gar nichts. So du
aber Einen für rechtſchaffen hältſt,
biſt du ſchn in Gefahr des Irrthums.
Warum das? Darum: Gott will's nicht
haben, daß du von den Todten ler⸗
nen und Wahrheit forſchen ſollſt.
Er will ſelbſt dein lebendiger, überflüſſiger, ge—
nugſamer Lehrer ſein. An Sein Wort ſollſt du
dich halten. Er weiß wohl, was Er dir von
Todten und Lebendigen ſagen ſoll, denn Er
weiß alle Dinge. Jeſ. 9.“
So weit der Beweis des Herrn Pfarrer Lö-
he. Dazu vernimm noch, lieber Leſer, die
ernſte göttliche Drohung Jeſaias 8, 19 -—22.:
„Wenn ſie zu euch ſagen: Ihr müſſet die Wahr⸗
ſager u. Zeichendeuter fragen, die da ſchwatzen
u. disputiren, ſo ſprechet: „Soll nicht ein
Volk ſeinen GOtt fragen? Oder
ſoll man die Todten für die Leben⸗
digen fragen? Ja, nach dem Geſetz
u. Zeugniß.“ Werden ſie das nicht
ſagen, ſo werden ſie die Morgen⸗
röthe nicht haben, ſondern werden
im Lande umhergehen, hart geſchla⸗
gen u. hungrig.“ So iſt nach dem Worte
Gottes derjenige dem HErrn ein Greuel, derje—
nige wird die Morgenröthe, das heißt, das ſe⸗
lige Gnadenlicht des HErrn JEſu nicht ſehen,
ſondern in zeitliches u. ewiges Verderben ſtür—
zen, welcher mit den Geiſtern ſich einläßt und
die Todten fragt. Denn wer dies thut, begeht
eine ſchwere Sünde: er übertritt das ausdrück⸗
liche Gebot Gottes, und verachtet und verleug⸗
net den HErrn IEſum und ſein Wort. Da⸗
rum habe du, lieber Leſer, mit den Klopfgei⸗
ſtern und all' derartigem unheimlichen Höllen—
ſpuk nichts zu ſchaffen. Bedenke, wer die Tod⸗
ten fragt, kann nicht ſelig werden. Haſt du aber
aus Unwiſsenheit und Vorwitz dich dazu ſchon
einmal verleiten laſſen, ſo thue ernſtliche Buße
und ſuche bei dem HErrn IEſu die Vergebung
dieſer Sünde. Zugleich aber faſſe den heiligen
Vorſatz, nie und nimmer wieder in dieſe Sünde
— *
2
zu willigen. Irret euch nicht, Gott läßt ſich
nicht ſpotten. So wir muthwillig ſün⸗
digen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahr⸗
heit empfangen haben, haben wir weiter kein
anderes Opfer mehr für die Sünde, ſondern ein
ſchreckliches Warten des Gerichts und des Feu—
ereifers, der die Wiederwärtigen verzehren wird.
Hebr. 10, 26. 27. Frage du nach dem Geſetz
und Zeugniß, ſo wird die ſelige Morgenröthe,
ja die herrliche Gnadenſonne, der HErr JEſus
Chriſtus dir leuchten und du wirſt alle ande⸗
ren Offenbarungen fröhlich verachten.
F.
(Für den „Lutheraner.“)
Beurtbeilung.
Vor kurzem iſt eine Rede im Druck erſchienen,
die Herr H. W. Harkey, D. D., vormals Pre⸗
diger einer Engliſch-lutheriſchen Gemeine im
Staate Maryland, im November 1852 bei ſei⸗
ner Inauguration als Profeſſor der Theologie
in „Illinois State University' gehalten hat,
und welche „die Miſſion der lutheriſchen Kirche
in Amerika“ betitelt iſt. Ein jeder, der nicht
blos dem Namen nach ein Lutheraner iſt, ſon⸗
dern für ſeine Kirche ein Herz hat, wird begie—
rig ſein, zu erfahren, wie die lutheriſche Kirche
jenen neuen Lehrſtuhl anzuſehen habe, und ob
ſie ihn mit Freuden zu den ihrigen zählen dürfe,
oder ob ſie ihn für einen, der unter der Decke
ihres eigenen Namens wider ſie gekehrt ſei, hal⸗
ten müſſe.
Leider ergiebt ſich aus der Rede das Letztere.
S. 27. ſagt der Verfaſſer, der im Namen der
lutheriſchen Kirche zu reden vorgibt: „Wir müſ⸗
ſen feſten Fuß auf der Augsburgiſchen Confeſ⸗
ſion, als einem Ganzen, faſſen, ohne die Ge⸗
wiſſen der Menſchen durch unweſentliche und
Einzel-Beſtimmungen derſelben binden zu wol⸗
len.“ Und S. 18. heißt es, daß ihm (dem
Verfaſſer) die übrigen ſymboliſchen Bücher keine
Schwierigkeit machen, ſo weit er in ihnen eine
richtige und getreue Darlegung und Erklärung
der Lehre der Augsb. Confeſſion wahrnehmen
könne. Lautet das ſchon ſehr verdächtig, ſo le⸗
ſen wir gar S. 20., daß zwar in unſern ſym⸗
boliſchen Büchern eine Anſicht von den Saera⸗
menten ausgeſprochen ſei, die von der mancher
Proteſtanten abweiche, und von einem Theile
unſerer Prediger und Laien gehegt werde, die
aber von der römiſch-katholiſchen ſo verſchieden
ſei, wie der Tag von der Nacht, und überdies
zu den Punkten gehöre, über die wir eins ge—
worden ſeien, verſchiedene Meinungen zu hegen.
Sollte man es für möglich halten, daß ein Lu⸗
theraner, ja ein Mann, der einen Lehrſtuhl der
Theologie zu beſteigen im Begriff iſt, dgl. Rede
führen kann! Wer hat ihm denn das Recht ge—
geben zu ſagen, daß wir, die luth. Kirche, über⸗
eingekonmen ſeien, über die Lehre von dem
Sacrament des Altars und andere Lehren ver⸗
ſchiedene Meinungen zu hegen, alſo auch die
für Glaubensgenoſſen anzuſehen, die nicht die
lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahl anneh⸗
men! Hr. Harkey wird wohl wiſſen, daß dies
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