# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S100 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) füblen, da ja der Wille Gottes der Seelen Se⸗ ligkeit iſt. Auch wird ja ausdrücklich V. 6. 15. bezeugt, daß Gott von Saul gewichen war und ihm nicht mehr antwortete. Wie ſollte ſich nun Gott widerſprechen — oder, wenn einer be— hauptete, es läge kein Widerſpruch darin, wie ſollte er dem Saul in einer Weiſe und unter Umſtänden geantwortet haben, durch welche der Zauberei eine Art von Ehre eingeräumt würde und Gott in dieſelbe als verwickelt erſchiene. Gott ſelbſt würde da ſeine Ausſprüche zu Zau⸗ berſprüchen gemacht haben, ja Er würde Ge⸗ meinſchaft haben mit den unfruchtbaren Wer⸗ ken der Finſterniß. Das aber ſei ferne! Hier ſind wir nun an dem Punkte angekom⸗ men, wo einfach herausgeſagt werden muß, was denn alſo die Erſcheinungen ſeien, welche heut zu Tage ſo viele Menſchen ängſtigen. Daß es keine Engel ſeien, — denn Engelerſcheinungen wollten alle dieſe bisherigen Reden durchaus nicht längnen, — iſt offenbar. Engel begehren keine Hülfe und ihre Erſcheinungen ſind ganz anderer Art. Menſchenſeelen find es auch nicht, das iſt's ja eben, was wir bisher weitläufig auseinanderſetzten. Daß ſie auf purer Einbil— dung beruhen, iſt eben ſo thöricht zu behaupten, als daß die Einbildung und Furcht nicht Gei— ſter ſehen lönne, wo keine ſind. Es iſt eine übereinſtimmende Ausſage aller Völker u. Zei— ten, daß es Erſcheinungen der Geiſter gebe. Selbſt die heilige Schrift (Matthäi 14, 26. Marc. 6, 49.) widerſpricht es nicht. Was ſind ſie denn alſo? Ja, was können ſie ſein? Schon aus der Wirkung kann man die Urſache erkennen. Nie und nirgends hat Geiſterei der Welt wahrhaft gute Früchte gebracht. Wo man ſie als Gutes aufnahm, folgten zahlloſe, ſchäd— liche Irrthümer und Lügen im Geiſtlichen und Leiblichen nach. Darum ſind treue Diener der heil. Kirche allezeit der innigen Ueberzeugung geweſen, daß lügenhafte Kräfte der Hölle walten, wo die Geiſterei im Schwange geht, daß die Geiſterſcheinungen teuf⸗ liſcher Spuk ſeien, vom Satan er⸗ dichtet und vor armen Menſchenkindern auf⸗ geführt, um die Scelen von der Wahr⸗ heit zu kehren, von Gott zugelaſſen, um die gottloſe Welt mit Lügen zu ſtra⸗ fen und mit Schattenwerk zufpla⸗ gen, weil ſie die einfältige lichte Wahr— heit in ihrer Schönheit nicht an⸗ nimmt. 2. Theſſ. 2, 9. ff. iſt anzuwenden. Ganz auf vieſe Weiſe ſprechen ſich die edel⸗ ſten Lehrer des Chriſtenthums aus. Die alten Väter geben etwa wohl zu, daß eine abgeſchie— dene Seele zu beſonderer Abſicht, durch Gottes beſondere Schickung den Lebendigen erſcheinen könne (Luc. 9. die Erſcheinung Moſis u. Eliä.) Aber ſie behaupten feſt, daß die Seelen nicht nach eigenem Willen erſcheinen und wiederkom⸗ men können, — Gott habe verhindert, daß die Lebendigen den Aufenthaltsort und Zuſtand der Todten von ihnen ſelber lernen. Die heilige Schrift offenbare uns in lichter Klarheit vom Zenſeits alles, was wir zu wiſſen nöthig ha— ben. Sie berufen ſich einſtimmig auf Luc. 16. —99— — und beweiſen daraus mit Macht, daß hier auf Erden keine abgeſchiedene Seele irre. So urtheilt z. B. der heil. Chry ſo ſto⸗ muls (geſt. 407 nach Chriſti Geburt) unter ſummariſcher Anführung faſt alles deſſen, was dir oben vorgelegt iſt: „Es iſt keine ab— geſchiedene Seele, die da ſpricht: „ich bin die Seele deß und deß,“ ſondern ein Teufel iſt's, der dieſe Worte erdichtet, um die zu betrü⸗ gen, welche darauf merken.“ Und wie viele andere Zeugniſſe könnte man aus den Schriften der Bäter anführen, welche ganz mit Chryſoſtomus übereinſtimmen. Auch könnte man eine ganze Reihe von hohen berühmten Namen nennen, welche die Geſchichte 1. Sam. 28. ganz ſo auslegen, wie du oben geleſen haſt. An dieſes Urtheil des Alterthums ſchließe ſich Martin Luther an. Er ſagt am Dreikö— nigstage in der Kirchenpoſtille von den wan⸗ delnden Geiſtern alſo: „Laß wandeln, was da wandelt. Du hörſt, was dir dein Gott gebeut. So du dieſelbigen Geiſter alle verdäch— tig hältſt, ſündigſt du gar nichts. So du aber Einen für rechtſchaffen hältſt, biſt du ſchn in Gefahr des Irrthums. Warum das? Darum: Gott will's nicht haben, daß du von den Todten ler⸗ nen und Wahrheit forſchen ſollſt. Er will ſelbſt dein lebendiger, überflüſſiger, ge— nugſamer Lehrer ſein. An Sein Wort ſollſt du dich halten. Er weiß wohl, was Er dir von Todten und Lebendigen ſagen ſoll, denn Er weiß alle Dinge. Jeſ. 9.“ So weit der Beweis des Herrn Pfarrer Lö- he. Dazu vernimm noch, lieber Leſer, die ernſte göttliche Drohung Jeſaias 8, 19 -—22.: „Wenn ſie zu euch ſagen: Ihr müſſet die Wahr⸗ ſager u. Zeichendeuter fragen, die da ſchwatzen u. disputiren, ſo ſprechet: „Soll nicht ein Volk ſeinen GOtt fragen? Oder ſoll man die Todten für die Leben⸗ digen fragen? Ja, nach dem Geſetz u. Zeugniß.“ Werden ſie das nicht ſagen, ſo werden ſie die Morgen⸗ röthe nicht haben, ſondern werden im Lande umhergehen, hart geſchla⸗ gen u. hungrig.“ So iſt nach dem Worte Gottes derjenige dem HErrn ein Greuel, derje— nige wird die Morgenröthe, das heißt, das ſe⸗ lige Gnadenlicht des HErrn JEſu nicht ſehen, ſondern in zeitliches u. ewiges Verderben ſtür— zen, welcher mit den Geiſtern ſich einläßt und die Todten fragt. Denn wer dies thut, begeht eine ſchwere Sünde: er übertritt das ausdrück⸗ liche Gebot Gottes, und verachtet und verleug⸗ net den HErrn IEſum und ſein Wort. Da⸗ rum habe du, lieber Leſer, mit den Klopfgei⸗ ſtern und all' derartigem unheimlichen Höllen— ſpuk nichts zu ſchaffen. Bedenke, wer die Tod⸗ ten fragt, kann nicht ſelig werden. Haſt du aber aus Unwiſsenheit und Vorwitz dich dazu ſchon einmal verleiten laſſen, ſo thue ernſtliche Buße und ſuche bei dem HErrn IEſu die Vergebung dieſer Sünde. Zugleich aber faſſe den heiligen Vorſatz, nie und nimmer wieder in dieſe Sünde — * 2 zu willigen. Irret euch nicht, Gott läßt ſich nicht ſpotten. So wir muthwillig ſün⸗ digen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahr⸗ heit empfangen haben, haben wir weiter kein anderes Opfer mehr für die Sünde, ſondern ein ſchreckliches Warten des Gerichts und des Feu— ereifers, der die Wiederwärtigen verzehren wird. Hebr. 10, 26. 27. Frage du nach dem Geſetz und Zeugniß, ſo wird die ſelige Morgenröthe, ja die herrliche Gnadenſonne, der HErr JEſus Chriſtus dir leuchten und du wirſt alle ande⸗ ren Offenbarungen fröhlich verachten. F. (Für den „Lutheraner.“) Beurtbeilung. Vor kurzem iſt eine Rede im Druck erſchienen, die Herr H. W. Harkey, D. D., vormals Pre⸗ diger einer Engliſch-lutheriſchen Gemeine im Staate Maryland, im November 1852 bei ſei⸗ ner Inauguration als Profeſſor der Theologie in „Illinois State University' gehalten hat, und welche „die Miſſion der lutheriſchen Kirche in Amerika“ betitelt iſt. Ein jeder, der nicht blos dem Namen nach ein Lutheraner iſt, ſon⸗ dern für ſeine Kirche ein Herz hat, wird begie— rig ſein, zu erfahren, wie die lutheriſche Kirche jenen neuen Lehrſtuhl anzuſehen habe, und ob ſie ihn mit Freuden zu den ihrigen zählen dürfe, oder ob ſie ihn für einen, der unter der Decke ihres eigenen Namens wider ſie gekehrt ſei, hal⸗ ten müſſe. Leider ergiebt ſich aus der Rede das Letztere. S. 27. ſagt der Verfaſſer, der im Namen der lutheriſchen Kirche zu reden vorgibt: „Wir müſ⸗ ſen feſten Fuß auf der Augsburgiſchen Confeſ⸗ ſion, als einem Ganzen, faſſen, ohne die Ge⸗ wiſſen der Menſchen durch unweſentliche und Einzel-Beſtimmungen derſelben binden zu wol⸗ len.“ Und S. 18. heißt es, daß ihm (dem Verfaſſer) die übrigen ſymboliſchen Bücher keine Schwierigkeit machen, ſo weit er in ihnen eine richtige und getreue Darlegung und Erklärung der Lehre der Augsb. Confeſſion wahrnehmen könne. Lautet das ſchon ſehr verdächtig, ſo le⸗ ſen wir gar S. 20., daß zwar in unſern ſym⸗ boliſchen Büchern eine Anſicht von den Saera⸗ menten ausgeſprochen ſei, die von der mancher Proteſtanten abweiche, und von einem Theile unſerer Prediger und Laien gehegt werde, die aber von der römiſch-katholiſchen ſo verſchieden ſei, wie der Tag von der Nacht, und überdies zu den Punkten gehöre, über die wir eins ge— worden ſeien, verſchiedene Meinungen zu hegen. Sollte man es für möglich halten, daß ein Lu⸗ theraner, ja ein Mann, der einen Lehrſtuhl der Theologie zu beſteigen im Begriff iſt, dgl. Rede führen kann! Wer hat ihm denn das Recht ge— geben zu ſagen, daß wir, die luth. Kirche, über⸗ eingekonmen ſeien, über die Lehre von dem Sacrament des Altars und andere Lehren ver⸗ ſchiedene Meinungen zu hegen, alſo auch die für Glaubensgenoſſen anzuſehen, die nicht die lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahl anneh⸗ men! Hr. Harkey wird wohl wiſſen, daß dies