Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 17 › Seite 109
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-29, Seite 109
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Ott herzlich danken für die gute Ruhe und
den ſüßen Frieden, den er uns in dieſem Lande
ſchenkt, ſo daß wir uns erbauen können auf un—
ſern allerheiligſten Glauben, unbehindert durch
den Druck von Seiteu der Obrigkeit, unbehin—
dert auch durch zu weite Entfernung von un⸗
ſern Berufnen und geliebten Seelſorgern.
Aber dieſe Thatſachen beſchämen uns auch
tief. Wir haben hier auch für Predigergehalt
zu ſorgen, Kirchen und Schulen zu bauen 2c.;
ſo ſind wir bald geneigt zu denken, wir thun et⸗
was Sonderliches. Und doch hat uns ſowohl
Niemand unſre Kirchen und die reiche Doti—
rung derſelben geraubt, als es auch auf der an⸗
dern Seite ung ſo ſehr viel leichter iſt, etwas für
dieſe heiligen Zwecke zu thun, da ja in dieſem
Lande ein jeder, der nur arbeiten kann und will,
ſein Auskommen leicht und reichlich findet. —
Was ſollen wir aber ſagen, wenn wir die rei⸗
chen Miſſionsgaben dieſer armen Gemeinden
betrachten? In der That, wir müſſen uns herz⸗
lich ſchämen, ſo wenig für die Ausbreitung des
Reiches Gottes gethan zu haben und noch zu
thun, trotzdem uns ſo leicht Gelegenheit und
Mittel dazu zu Gebote ſtehen. Ich weiß, es gilt
vielen unſrer Gemeinden für eine hinlängliche
Entſchuldigung, nichts für die Miſſian zu thun,
daß ſie ſelbſt noch Kirchſchulden ꝛc. haben. Und
doch iſt dies eine ſehr kalte, herz⸗ und liebloſe
Entſchuldigung, keines wahren Jüngers Jeſu
würdig. Denn dieſe, wiewohl ſie ſelbſt von. Al⸗
moſen lebten (Luc. 8, 2. 3. Joh. 12, 6.), theil⸗
ten doch den Armen mit (Joh. 13, 29.) Und
was wollen wir den armen Gemeinden in Preu⸗
ßen gegenüber für Eniſchuldigung vorbringen?
Die Gemeinde im Züllichau, aus 500 Seelen
beſtehend, hatte im Jahre 1848 3000 Thaler
Schuldenz. die Gemeinde zu Woſelwitz, aus
567 Seelen beſtehend, hatte 7500.Th. Schul⸗
den, und die Gemeinde in Breslau. ſogar über
20.000 Thaler. Die meiſten dieſer Glieder ſind
wirklich arm, haben neben den großen Zinſen
noch Paſtorgehalt ꝛc. aufzubringen, und finden
dennoch auch für die Miſſion noch Gaben.
Nein, gewiß, wir können uns in keiner Weiſe
entſchuldigen, ſondern müſſen mit Scham beken⸗
nen, daß wir kaum ein Scherflein von unſerm.
Ueberfluß hergaben, während jene von ihrer
Armuth ſo große Summen geben, weil ſie eben
Glauben haben, der nicht auf das Sichtbare,
den elenden Mammon, und eine cemkortable
Zukunft ſieht, ſondern auf das Unſichtbare, auf
den reichen Schatz der Erbarmung Gottes, aus
welchem täglich und reichlich alle guten Gaben
uns zufließen; und weil ſie die Liebe haben, die
nimmer ermüdet, auch im Geben nicht, ſondern
gottähnlich zu werden ſucht, auch im Erbarmen
über die verlornen Söhne der Heiden, und im
Darreichen der Mittel zu ihrer Bekehrung.
„Wir haben noch zu viel mit uns ſelber zu—
thun; wenn wir alles durchgekämpft' und unſre
Schulden bezahlt haben werden, dann wollen
wir auch für die Heiden was thun.“ Das iſt!
ſo die gewöhnliche Entſchuldigung, die auch.
wa zur Zeit der Apoſtel u.
manuche Paſtoren vorzubringen kein Bedenken.
tragen. Und mit dieſem kalten, „Gott berathe.
euch!“ ſollen denn die armen Heiden ſich be⸗
gnügen, und geiſtlich verhungern und erfrieren,
bis dieſe faulen Chriſten comfortable genug
geſtellt ſein werden, um dann dem vor ih⸗
ren Thüren liegenden Lazarus einige Broſamen
zufallen zu laſſen. O, betrüge ſich doch Keiner!
Die Zeit wird nimmer kommen, in welcher
maͤn nicht mehr mit ſich ſelber zu thun hätte.
Und bei dem Trachten nur für nch (es ſei eine
einzelne Perſon oder eine ganze Gemeinge.
ſchrumpft das Herz ſo zuſammen, daß es ſich
ſpäter ſchwer oder nie mehr fremder Noth auf—
thun lernt. Dagegen wird die Liebe, dir bereit
it müzutheilen und wäre es auch das letzte
Scherflein, „alles was ſie hat, ihre ganze Nay⸗
rung (Marc. 12, 44.),“ reichlich geſegnet von
oben. Nicht zwar um des äußern Werkes wil⸗
leu, wohl aber darum, daß bei ſolcher ſeligen
Uebung das Vertrauen des Herzens inmnner mehr
abgezogen wird von den vergäuglichen Dingen
dieſer Welt, und auf Gott allein gerichtet, der
ein ſolches unbedingtes und völliges Vertrauen
auf Ihn ja nimmermehr zu Schanden werden
läßt.
Oder meinſt du, deine Miſſionsgaben ſeien
nicht angewandt, weil gar keine großen augen—
fälligen Bekehrungen ſtattfinden, keine welthi—
ſtoriſchen Gemeinden gegründet werden, wir et⸗
Irre dich nicht!
Deine Gaben ſind wohl angewandt, wenn du
ſie mit treuem, einfältigem Herzen giebſt, auch
wenn nichts dadurch ausgerichtet würde. Denn
dein iſt die Pflicht der Liebe, Segen und Erfolg
aber ſind Gottes. Er wirket ſtets, wann, und
wo, und wie es Ihm gefällt; ſein Werk kann
Niemand hindern, kann aller Geiz der Welt
nicht aufhalten; nur in dir ſelbſt kannſt du es
hindern, wenn du ſeine irdiſchen Gaben höher
achteſt, als ſeine Liebe, ſein Gebot. Ueberſchätze
auch deine Gaben nicht! Alle Güter dieſer Er⸗
den ſind nichts im Vergleich zu einer Seele, die
errettet von der Obrigkeit der Finſterniß, eingeht
in die Hütten des Friedens, Gott ewiglich zu
preiſen. Wie ſollten nicht ge, im Feuer des
Weltgerichts zu Staub u. Aſche ſich verkehrende
Scheingüter dieſer Erde auch nur in Vergleich
kommen können mit unſterblichen Seelen, für
die der HErr Himmels u. der Erden ſein theu—
res Gottesblut und ſein Leben dahingegeben
hat? Möchteſt du aber zur Stärkung deines
Glaubens wiſſen, ob der liebe Gott auch'wirk⸗
lich ſich deiner Mittel bedienen und ſie ſegnen
will: ſo verſchließe dein Auge nicht für das,
was auf beiden Miſſionsſtationen der Synode
unter den armen Indianern durch Gottes Gna⸗
de geſchieht. Welthiſtoriſche Begebenheiten lie—
gen freilich nicht vor; glänzende Umwandlun—
gen in ein comfortables Leben findeſt du auch
nicht. Aber wenn du einen Blick haſt für das
ſtille Werk Gottes tief im Herzen des Menſchenʒ
wie er dort die Götzen aller Art nach einander
ſtürzt; wie er das harte mißtrauiſche, abergläu—
bige Herz erweicht, erleuchtet, und das Wort der.
Wahrheit lieb gewinnen macht; wie er die Set⸗
len ſammelt unter das Panier ſeines Kreuzes,
im rechten Glauben ſie heitigt und auch erhält,
du hörſt, wie auch die jungen. Heidenchriſten mit
Freuden und für ihre Armuth reichlich darrei⸗
chen lernen den Dürftigen, ſo wirſt auch du!
nimmer warten wollen, bis du reich ſeiſt und
mit freudigem Herzen den Abgebrannten dar⸗
»reichten.
trotz vieler und ſchwerer Verſuchung, trotz aller
Liſt u. Macht des Satans und ſeines Schwar⸗
mes; wenn du dafür einen Blick haſt, ſage ich,
ſo wirſt du nicht vergeblich ſchauen; du witſt
den HErrn fröhlich preiſen können. Und wenn
gar ſatt habeſt. Dieſe Seligkeit im Geben of⸗
fenbarte ſich jüngſt in rührender Weiſe, als zu
Bethanien eine Indianerwoͤhnung abbrannte,
mit welcher die Bewohner, die gerade zum Abend⸗
gottesdienſt gekommen waren, auch alles verl⸗
ren, was ſie auf Erden beſeſſen hatten. Wir.
ſorgten für das Nothdürftigſte, und erinnerten
unſor gläubiges Häuflein an die Pflicht der
chriſtlichen Liebe, as Kinder Eines Vaters im
Himmel Schmerz und Freude mit einander zu
theilen. Alle waren freudig bereit, gingen in
ihre Hütten, und kehrten zurück, ein jedes mit
einer für ſeine Umſtände reichen Gabe; die ſit xů
Dieſe Armen hielten ihre Gaben nicht zuruͤc,
bis ſich ihre Umſtände vortheilhaft geändert ha⸗
ben würden, wiewohl im ganzen Jahre weniy
Stücklein Brots in ihre Hütten kommen. S⸗
warte denn auch du nicht darauf, mein liebt
Lrſer, ſondern laß deinen Unglauben und deit
Kargheit heilſam beſchämt werden durch die l⸗
reitwilligen und reichen Gaben der armen R⸗
theraner in Preußen, und, wenn du willſt, arch
durch die armen Indianerchriſten zu Bethazien,
u. thue Gott dem HErrn dein Herzweit auffdaß
Er vorerſt es dir fülle, dann aber thue auch dei—
ne Hand für die armen, noch in den Banden der
Finſterniß ſchmachtenden Heiden weit auf, dar⸗
reichend von dem, was Gott dir beſchieden.
So laß uns, mein lieber Leſer, wirken, ſo
lauge es Tag iſt! Wer weiß, wie bald für dich,
wer weiß, wie bald für mich die Nacht kommt,
da niemand mehr wirken kann. — Ach, wann
dieſe Stunde konnmnt, von welcher Paul Gerhard
ſingt: Nackend werd' ich auch hinziehen, wenn
ich werd' von der Erd' als ein Schatten fliehen,“
wie werden wir da mit ſo ganz andern Augen
die Scheingüter dieſer Welt anſehen, die uns
jetzt ſo ſchön, ſo reizend, ſo begehrenswerth er—
ſcheinen! Wie werden wir da wünſchen, willi—
ger, fröhlicher, reicher dem HErrn unſre (Sei—
ne) Gaben dargebracht, für die Ewigkeit geſiitt
zu haben!
wir dann ohnfehlbar gethan zu haben wünſchen
So laß uns denn jetzt thun, was
werden. Gott der HErr aber ſchenke uns Bei—
den ein glaubenstreues Herz, damit wir, ein je—
der in ſeinem. Berufe, uns erweiſen als die Die⸗
ner Gottes, die, wiewohl ſie arm ſind, doch viele
reich machen, die, wiewohl ſie nichts inne ha—
ben, doch Alles haben. — Ihm aber, unſerm
Gotte, ſei Allein und in Ewigkeit Nuhm und
Preis und Ehre; Amen.
Baierlein.
XFε
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