Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 17 › Seite 99

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-03-29, Seite 99

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Lehren Paſtor Grabau's.

—98̃—

Lehren der römiſchen Kirche.

Lehren der lutheriſchen Kirche.

18. „Die Gemeine hat alſo nicht
zu richten und zu gebieten oder zu erklä⸗
ren, daß er“ (der Sünder) „dafür“ (für ei⸗
nen Heiden u. Zöllner) gehalten werden ſoll.“
(Zweiter Synodalbericht S. 28.) „Ebenſo ir—
rig iſt es, daß die Gemeine in ſtreitigen Fällen
die Entſcheidung über den Gebrauch des Bin⸗
e⸗ und Löſe-Schlüſſels habe.“ (Ebend a—
ſelbſt S. 16.)

18. Der ausgezeichnete däniſch⸗lurber. Theolog Broch⸗
mand erwähnt einen Einwurf des päpflichen Tleologen
Stapleton gegen die lutheriſche Lehre vom Bann in fol⸗
genden Worten: „Stapletonus wendet ein: 1. Die Auto⸗
rität u. das Beiſpiel Pauli, welcher den Corinthiſchen Blut⸗
ſchänder nach den Worten 1. Cor. 5, 3.: Ich habe ſchon
als gegenwärtig beſchloſſen — allein in den Bann getban
habe. 2. Die ſtete Praxis der apoſtoliſchen Kirche, in wel⸗
cher das Urtheit, das Gericht und die Gewalt
des Bannes immer bei Einem, Prälaten, Paſtor oder
Biſchof, geweſen ſei, nicht aber bei der Gemeinde. Hie⸗
rauf antwortet Brochmand umter Anderem: „Zwiſchen
die ſen beiden iſt ein Unterſchied: daß ein em unbußfertigem
Sünder verkündiget werde, daß er weder Theil noch Anfall
am Reiche Goties habe; und einen Unbußfertigen aus der
Gemeinde völlig ausſchließen .. Jenes kfann jeder
Diener des Wortes thun nach dem Befehle Chriſti Matth.
18, 18.; dieſes“ (der Ausſchluß oder Bann) „ iſt
Sache der Gemeinde, wie Chriſius Matth. 18, 17.
und Paulus 1. Cor. 5, 1. ff. erinnert.“ (System. univ.
to. II, 379.)

Die Klopfgeiſter.
(Rapping Spirits.)

„Daß nicht unter dir gefunden werde,
— der die Todten frage, denn wer ſolches
thut, der iſt dem HErrn ein Gräuel.“
5. Moſ. 18. 10—12.
(Schluß.)

Gegen dieſe meine angeführten Beweiſe kann
man freilich einige Stellen der heiligen Schrift
anführen, welche zu widerſprechen ſcheinen. Al—
lein auch dieſe widerſprechen bei genauer Be⸗
trachtung nicht.

Hiob 4, 12. ff. (ogl. 33, 15. f.) paßt nicht
zur Widerlegung. Denn da iſt von göttlichen
Offenbarungen die Rede, ſowie auch Ap. Geſch.
12, 15. von einem Geiſte redet, der in das Be⸗
reich der gewöhnlichen Erſcheinungen nicht ge—
hört. Mit ſcheinbar größerem Nechte wird die
Erſcheinunng Moſis und Eliä auf
dem Berge Tabor Luc. 9, 28. ff. und
die 1. Sam. erzählte Erſchein ung Sa⸗
muel's hieher gezogen.

Allein was zunächſt die Geſchichte der Er—
ſcheinung Moſis und Eliä anlangt; ſo iſt ſie
jedenfalls eiwas Beſonderes, woraus man keine
Regel für das gewöhnliche Leben machen muß.
Wenn auch auf dem Berge Tabor die Seelen
Moſis und Eliä ohne Körper ſichtbar wurden,
ſo hatte Gott dabei eine großt Abſicht, um de⸗
ren willen der gewöhnliche Lauf der Dinge
ausnahmsweiſe gar wohl unterbrochen werden
durfte. Sie erſchienen neben dem Sohne Got⸗
tes, von welchem die Stimme ſprach: „Den
ſollt ihr hören.“ Es ſollte offenbar wer⸗
den, daß auch Moſes und Elias nur aus IEſu
Fülle genommen hatten, daß das Geſetz und
die Propheten Seines Geiſtes voll und mit ihm
völlig Eins waren, daß Ihn oder Moſen oder
Eliam hören nur ein und derſelbe Gehorſam
gegen Gott ſei. Um aber dieſe Eintracht des
alten und neuen Teſtamentes ein für alle Male
außer allen Aveifel zu ſetzen und zu beweiſen,

Klauen finden; das würde denn heißen der Schaafe gehi⸗
tet!“ (Derſelbe XVII. 140.) „Die Paſtoren ſind (nicht
allein Gottes, wie die Engel,) der Krhe (nicht Leibeigne,
ſondern) Diener; der einzenen (Gemeindeglieder) Re⸗
gierer, aber der Gemeine Diener, an welche (ad
quam an welche Gemeinde) „das leßte Gericht zu übergeben
iſt.“ (Dannhauer Hodoſophie p. 79.)

18. „Chriſtus ſpricht bei dieſen Worten: Was ihr binden
werdet ꝛc. und deutet, wem er die Schlüſſel gegeben, nehm⸗
lich der Kirchen: Wo zween oder drei verſammelt
ſein ꝛ7c. Item, Chriſtus gibt das höheſt und leßie
Gericht der Kirchen, da er ſpricht: Sag's der Kirchen.“
(Schmalk. Art. Anhang 1. fol. 153 6.) „So iſt eine
chrißliche Gemeinde nicht des Offieials Dienſtmagd, noch des
Biſchofs Stockmeiſter, daß er möge zu ihr ſagen: Da, Gre⸗
tha, da, Hans, halt mir den oder den im Bann. Awe, ja,
ſeid uns willkommen, lieber Orficial. In weltlicher Oberkei
hätte ſolches wohl eine Meinung, aber hie, da es die Ses⸗
len betrifft, ſoll die Gemeint auch mit Richter u. Frau
ſein. (Luther XIX, IIS2.) „Paulus ermahnt daher,
daß ſie, wie jener Blutſchänder vorker durch öffentli⸗
ches Urtheil der Gemeinde gebannt und dem
Sakan übergeben d. i. durch die gemein ſamen
Stimmen der Gemeinde erklärt worcen war,
daß er nicht ein Glied Chriſti, ſondern des Satans ſei —
ſo nun hinwie derum die Wiederaufnahme u. Wiederverſöb⸗
nung deſſelben durch öffentliche Autorität der Gemeinde u.
ibre gemein ſame Stimme beſtätigten.“ (Chemniß in
dem Eramen des Tridentiniſchen Concils . 77.) „Dit
Gemeinde ſendet“ (bei dem Bann) „auch nicht allein Ge⸗
bete zu Gott, ſondern ſie fällt auch ein richterlichts im Him⸗

5. iges Urtheil.“ (Calov Biblia illustr. zu 1. Cor.
2

*

daß ſeine Stelle Luc. 16, 29 -— 31. ganz im
Sinne des neuen Teſtamenees geſagt ſei, —
durften wohl, wie geſagt, ausnahmsweiſe zwei
ſelige Geiſter erſcheinen. Indeß ſind gerade
Elias und Moſes auf eine ſo beſondere Weiſe
von der Erde weggenommen worden, daß es
ſchon in Bezithung auf die Verklärung Chriſti
hätte geſchehen ſein können. Wer kann ſagen,
ob nicht jene Erſcheinung Moſis und Eliä ſchon
im verklärten Leibe geſchehen iſt?

Was aber die Geſchichte der Erſcheinung Sa—
muel's anlangt, ſo hat zwar Sirach 46, 23.
vorgegeben, daß die Erſcheinung wirklich Sa—
muel geweſen ſei. Aber gerade daraus neh—
men wir einen der Beweiſe, daß das Buch Si⸗
rach nicht von Gott ſtamme. Wie könnte es
auch von Gott ſein, da es den klaren Stellen
der hl. Schrift widerſpricht? Denn nach der
hl. Schrift kann einmal die Erſcheinung keine
Erſcheinung des wirklichen Samuel's geweſen
ſein. Erwäge einmal folgende Gründe und ſieh
zu, ob du nach der hl. Schrift anders urtheilen
kannſt.

1. Gott antwortete Saul auf ſein Anfragen
nicht mehr. 1. Sam. 28, 6. Sollte nun die
heilige Prophetenſeele Samuel's dem geantwor⸗
tet haben, dem Gott nicht antwortete? Gott
war von Saul gewichen, V. 15. Sollte nicht
Samuel's fromme Seele von dem geſchieden ge⸗
weſen ſein, von welchem Gott geſchieden und
gewichen war?

2. Der Samuel, welcher erſchien, erſchien auf
Befehl eines zauberiſchen Weibes. Werden wir
alſo glauben müſſen, daß fromme Seelen, ja
Prophetenſeelen nicht einmal in Gottes Hand,
nicht einmal in Abraham's Schvoße, nicht ein⸗
mal im Paradieſe vor der Macht der Zauberei
ſicher ſeien? Es ſteht geſchrieben: „Selig ſind
die Todten, die in dem HErrn ſterben. Der
Geiſt ſpricht, daß ſie ruhen von ihrer Arbeit.“
Es ſteht geſchrieben: „Seine Schaafe kann ihm
niemand aus den Händen reißen.“ Kann es

denn aber Seligkeit, kann es Nuhe von zeitli⸗
cher Arbeit, kann es Sicherheit in Gottes Hän—
den genannt werden, wenn erlöste Seelen der
Eitelkeit dienen und Zauberern gehorchen müſ⸗
ſen, ſo oſt es dieſen beliebt? Spricht nicht die⸗
ſer Samuel der Zauberin, den Saul gar nicht
ſah, ſondern nur das Weib: „Warum haſt du
mich unruhig gemacht, daß du mich her⸗

ſein? Nimmermehr!

3. Der Samuel, welcher der Hexe erſchien,
ſpricht V. 19. zu dem Selbſtmörder Saul:
„Morgen wirſt du „mit mir' ſein.“
Wird alſo der heilige Prophet und der Selbſt⸗
mörder ein ewiges Loos und einerlei Aufent⸗
halt haben? Iſt's einerlei Volk, zu welchem
ſie beide werden geſammelt werden? Wäre das
ſchriftgemäß?

Du ſiehſt alſo, lieber Leſer, wie wenig dit
angeführten Stellen für den Satz beweiſen, daß
die erſcheinenden Geiſter abgeſchiedene Seelen
ſeien.

Man könnte zwar in Betreff der angeblichen
Erſcheinung Samuel's einwenden, daß noch ei⸗
ne andere Erklärungsweiſe frei ſtehe, daß zwar

habt habe, daß aber Samuel auf des HErrn
Geheiß wider alles Verhoffen der Hexe ſelber
erſchienen ſei. Aber angenommen, daß dieſe Er⸗
klärung richtig wäre, ſo könnte man aus ihr
keinen Beweis für den Satz nehmen, daß die
erſcheinenden Geiſter abgeſchiedene Seelen ſeien.
Es waͤre vann wie bei Moſe und Elias eint
Ausnahme, welche keine Regel begründen kann.
Allein es kann dieſe Erklärung nicht ange⸗
nommen werden, denn dieſer Samuel ſpricht es
ja B. 15. geradezu aus, daß er von Men⸗
ſchen herbeigerufen, daß er beunruhigt
worden ſei. Wäre er auf Gottes Geheiß er⸗
ſchienen, ſo könnte er ohne Lüge Menſchen ſein
Kommen nicht zuſchreiben, noch weniger konnit

er ſich durch's Geheiß Gottes beunruhigt

—

aufbringen läſſeſt?“ — Und das ſoll Samuel

die Here keine Macht Über Samuel's Seele ge⸗

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