Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 14 › Seite 84
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-02-15, Seite 84
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Zucht der alten Zeit.
Der alte Herzog von Braunſchweig im vori⸗
gen Jahrhundert, ich weiß aber nicht, welcher
es geweſen iſt, hörte einſtmals von einem Dorfe
nahe bei der Stadt, daß die Bauern da anfin—
gen die „Herren“ zu ſpielen, d. h. daß ſie Sonn⸗
tags unter der Kirchzeit ſich in die Schenke ſetz—
ten, lärmten und zoteten. Den nächſten Sonn⸗
tag Morgen thut der Herzog einen alten ſchlech—
ten Mantel um, drückt den Hut in's Geſicht und
macht ſich auf nach dem genannten Dorfe. Er
kommt an, als die Glocken eben zur Kirche läu—
teten, und geht gradesweges zur Schenke. Da
ſaß um den Tiſch ein ganzer Haufe ſolcher Pa—
trone, kümmerten ſich weder um die Glocken,
noch um den Mann im Hut und Mantel, der
Guten Tag bietet und ſich zu ihnen oben an die
Tiſchecke ſetzt. Sie hatten aber vor ſich einen
großen Napf, der wurde mit Branntwein ange⸗
füllt, Zucker hineingethan und angezündet, daß
das Getränke heiß ward. Dann nahm der erſte
den Napf, trank und reicht ihn ſeinem Neben—
mann zur Rechten mit den Worten „lat et um—
me gahn.“ Und ſo ging er um von einem zum
andern, bis er an den Herzog kam, der ganz
ſchweigend dabei ſaß. Da rief der erſte über
den Tiſch des Herzogs Nachbarn zu: „lat et nu
ſau umme gahn.“ Und ſo reichte des Herzogs
Nachbar den Topf ſeinem Nebenmanne zur Lin⸗
ken zurück und der Napf machte abermals die
Runde bis er wieder von der andern Seite an
den Herzog kam.
Da griff der Herzog zu, ſtellte den Napf lang—
ſam vor ſich auf den Tiſch, dann langte er mit
der Hand aus und verſetzte damit ſeinem Nach-⸗
barn zur Rechten eins hinter die Ohren, daß
dem der Kopf brummte. „Lat et umme gahn,“
ſagte er ernſthaft. Und indem er ſeinen Man⸗—
tel auseinanderſchlug, daß Stern und Degen
hervorblitzten, ſetzte er hinzu: aber herzhaft, das
rathe ich euch! — Die Bauern ſaßen wie ver—
blüfft, aber jeder that ſein beſtes und ſo machte
die Ohrfeige in ungeſchwächter Kraft die Runde
um den Tiſch bis ſie an den Nachbarn des Her—
zogs zur Linken gekommen war. Darauf langte
der Herzog noch einmal aus und gab ſeinem
Nebenmann zur Linken eine zweite, die hatte
ſich gewaſchen. „Lat et nu ſau umme gahn,“
ſagte er ebenſo ernſthaft. Und die Ohrfeige
machte zum andernmale die Runde.
Darauf ſtund der Herzog auf, hielt den
Saufbrüdern, die muckſtill ſaßen, eine Lektion
über Sonntagsheiligung, die ſie all ihr Lebtage
nicht vergeſſen haben, und ging wieder heim
woher er gekommen war.
(Volksblatt.)
Weſten denkt.
So heißt es in dieſem Blatte, Nro. 404. v.
15. vor M.: „Die lutheriſche Kirche ſteht eben⸗
falls nicht müſſig da, allein das darf man mit
Recht beklagen, daß ſie im Weſten entweder
ſchwärmeriſchen oder ſeparatiſtiſchen Anſichten
wie die Altlutheraner mit ihren wiſſenſchaftli⸗
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ſchen Anſtalten huldigen. Das ſtört freilich das
Wohlthuende des Eindrucks, den die ſonſt edlen
Beſtrebungen dieſer Inſtitute auf chriſtliche Her—
zen machen.“
Was doch der Schreiber (ein gewiſſer Herr
Clauſen aus Rocheſter) unter Schwärmerei u.
Separatismus ſich vorſtellen mag? Wir hät—
ten kaum gemeint, daß die Reformirte Kirchen⸗
zeitung ſolche Beſchuldigungen aufnehmen wür—
de. Iſt das jenem Herrn etwa Schwärmerei,
wenn man eine wahre Herzensbekehrung lehrt,
und iſt das ihm Separatismus, wenn ein Lu⸗
theraner lutheriſch iſt?
Aufforderung.
In Folge des im 6. Synodal-Berichte der
Ehrw. Synode von Miſſouri ꝛc. vom J. 1852
Seite 28. unter 5. enthaltenen Beſchluſſes wer⸗
den die Inhaber von Actien der im J. 1850
aufgelöſten Bücher-Verlags-Geſellſchaft, ſo wie
Diejenigen, welche darauf abſchlägliche Zahlun—
gen geleiſtet haben, aufgefordert, mir, unter Bei—
fügung der Actien, ihre Erklärungen zukommen
zu laſſen darüber/
in welcher Weiſe ſie die Zurückzahlung ihrer
Actien und reſp. Anzahlungen darauf, ver⸗
langen, oder ob ſie das Geld der dermaligen
Verlags-Caſſe noch feruͤer belaſſen wollen.
Es wird nicht überflüſſig ſein, wenn ich über
dieſen Gegenſtand einige Bemerkungen hinzu—
füge.
Die Summe der Forderungen aller Theilha—
ber betrug am Schluß der von Herrn Paſtor
Selle abgelegten Rechnung §327.00. Von
dieſem Gelde ſind inmittelſt und bis jetzt §103,
80 zum Theil der Caſſe geſchenkt, zum Theil
aus derſelben an die Creditoren zurückgezahlt
und P7.e9 Regie-Aufwand verausgabt wor—
den; und vom Saldo an 5223.20 habe ich
einſtweilen die Koſten für den Druck und das
Binden zweier im Verlage der Ehrw. Synode
herausgegebenen Schriftchen (den „Timothe—
us“ und, die Fibel,“ von denen ein großer
Theil noch unverkauft iſt,) beſtritten.
Da nun bei dem zur Zeit noch ſehr geringen
Beſtand der Verlags-Caſſe, ſo weit ſie meiner
Verwaltung übertragen iſt, dennoch für Rech—
nung derſelben die für den von der Chrw. Sy⸗
node angeſtellten Colporteur, Herrn Pfau, nö⸗
thigen Bücher, ſo weit thunlich, zu beſchaffen
ſind; ſo iſt es wenigſtens ſehr wünſchenswerth,
daß die Caſſe nicht in die Nothwendigkeit geſetzt
werde, obige 5223.20 auf einmal und in kur⸗
zer Friſt zurückzuzahlen.
F. W. Barthel.
—
Ich Endesunterzeichneter bekenne hiemit im
Ramen meiner Gemeinde, daß mir Herr Paſtor
Carl Fricke eine Collecte von ſeiner Gemeinde,
66.75, zum Ankauf eines Ofens für unſer
neues Kirchlein richtig bezahlt hat; worüber
ſch hiemit dankend quittire, und den Gebern
dieſer Gaben Gottes reichen Segen dafür an⸗
wünſche.
Friedrich Schumann, Paſtor.
Hamilton Co., Ja., 25. Jan. 1853.
Kirchweihe.
Da ſchon mehrfach die Frage an mich gerich—
tet wurde, wie weit unſer Kirchbau vorgeſchrit—
ten ſei, ſo fühle ich mich verbunden, noch nach—
träglich allen chriſtlichen Freunden, beſonders
milden Gebern, die öffentliche Mittheilung zu
machen, daß unſere St. Pauls-Kirche in Li—
verpool, Medina Co., Ohio, ſchon im vorigen
Herbſte bis zum inneren Ausbau vollendet und
am 17. October in Gemeinſchaft der HH. PP.
Schwan, Beſel und Strieter feierlich einge—
weiht worden iſt.
F. Steinbach.
Wo iſt Valtin Sauvage, aus
Oppau, Rheinkreis Bayern, gebürtig? Der—
ſelbe ſoll als Bäckergeſelle in St. Louis arbei—
ten. Er wird gebeten, ſich in der Erpedition
des „Lutheraner's“ einzufinden bei
F. W. Barthel,
wohnhaft: Süd-Oſt⸗Ecke der 3.
und Myrtle⸗Straße.
—.— —
Quittung und Dank.
Unterzeichneter beſcheinigt hiemit, durch Hrn.
Kirchhefer von mehreren ſeiner Freunde in St.
Louis 512, und von Frau Schubarth daſelbſt
g, nebſt einem Rock empfangen zu haben; wo⸗
für ich Ihnen allen recht herzlich danke und
Gott bitte, daß er ſeine Verheißungen des Gna—
thäi 25, 40., Ebr. 6, 10.
Joh. Nicol. Beyer, Zögling.
Fort Wayne am 4. Januar 1853.
Unterzeichnete bezeugen hiermit durch Herrn..
Pſt. Streckfuß an der St. Thomas-Gemeinde
in Van Wert County S6 erhalten zu haben.
Den freundlichen Gebern ſagen wir unſern
herzlichen Dank. Der gnädige und reiche Gott
wolle ſie mit leiblichem und geiſtlichen Segen
dafür krönen.
Joh. Nigol. Beyer.
Heinrich Jüngel.
Leonhard Daib.
Fort Wayne am 6. Januar 1853.
Der Unterzeichnete beſcheinigt hierdurch mit
dem innigſten Dank gegen Gott und die milden
Geber von dem Jünglings⸗Verein der ev. luth.
Dreifaltigkeits-Gemeinde zu Cineinnati 55,90
zu ſeiner Unterſtützung empfangen zu haben.
F. J. Th. Jungck.
Fort Wayne 12. Januar 1853.
Gott und den milden Gebern herzlich dan⸗
kend, bekennt hiemit von dem Jünglingsverein
zu Wittenberg. Franklin Co., O., empfangen
zu haben 55.00.
Theodor Gruber,
Zögling am Concordia⸗Collegium,
St. Louis, Mo.
denlohnes an Ihnen hinausführen wolle. Mat—
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