Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 8 › Seite 31

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-12-08, Seite 31

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl

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seiner zuverlässigsten Schüler, Dr. Hieron. Weller; als Beweis führt dieser diejenigen Prediger an, welche zu seiner Zeit gegen die Adiaphoristen und Papisten nur aus Zank- und Ruhmsucht eiferten, und sagt, die wären deßhalb noch nicht zu verwerfen, und zwar darum, weil ihre Lehre noch recht wäre.

Endlich findet sich der Hauptsache nach dieselbe Erklärungsweise auch bei Brentius und M. Chemnitius.

Nach dem bisher Gesagten darf man sich nicht auf diesen Spruch berufen, wenn man behauptet, daß die verschiedenen Kirchen, Secten und Parteien, die sich christlich nennen, dennoch Christum predigten, obgleich auf allerlei Weise, denn es kommt hier nicht sowohl auf die persönliche Absicht der Lehrer an, indem dieselbe noch so gut sein, und doch weder ihnen selbst, noch ihren Zuhörern etwas helfen kann, sobald sie dieselben mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben, wie aus ihren öffentlichen Bekenntnißschriften und andern Zeugnissen ihrer Lehre, namentlich aus den Früchten derselben bei den Zuhörern zu ersehen ist.

Sie behaupten freilich alle, daß sie Christum predigten, aber höret, was Christus selbst spricht: „So alsdann (nehmlich in der ganzen Zeit von seiner Himmelfahrt bis zum Ende der Welt) jemand zu euch (meinen Jüngern) wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Matth. 24, 23. 24.

Wenn dazu, Christum zu verkündigen, nichts weiter erfordert würde, als einzelne biblische Worte und Wahrheiten im Munde zu führen, dann wären alle Irrlehrer, Lästerer, Spötter und Schwärmer, alter und neuer Zeit, dann wären auch die Türken, die bekanntlich mehr von Christo halten, als die Rationalisten, dann wären selbst die Teufel, die Christum Gottes Sohn nannten: sie wären allesamt solche, die Christum verkündigten „allerlei Weise,“ dann wäre ja die ersehnte Union nicht nur unter den verschiedenartigsten christlichen Parteien ihrer Vollendung nahe, sondern es würde auch dann bald der von Ammon'sche Plan, das Christenthum zur Weltreligion fortzubilden, ins Leben treten, indem auch die Juden, Türken und Heiden ohne viele Schwierigkeiten zu einem solchen Christenthume sich bequemen würden; dann dürften aber auch solche Leute sich vor Anderen, die Christum auf andere Weise, als sie thun, verkündigen, nicht eines Vorzugs rühmen, und weil nach ihrer Meinung nichts darauf ankommt, wie Christus verkündigt wird, so müssen sie jeden, der dies thut, und wenn es ein Papagai wäre, der nur: „Christus! Christus!“ ruft, für einen Verkündiger Christi ansehen und als einen lieben Bruder in Christo umarmen.

In solcher Aufklärung sind wir beschränkten Lutheraner freilich noch um ganzer 1800 Jahre zurück, zu solcher Weitherzigkeit in der christlichen Bruderliebe haben wirs noch nicht gebracht, sondern beschränken uns in der größten Engherzigkeit, was unser Urtheil über die Verkündigung Christi betrifft, die Absicht mag dabei sein welche sie will, auf das Urtheil St. Pauli Gal. 1, 8.: „So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würden Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!“

„Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“
Joh. 1, 16.

(Aus Luthers Auslegung der zwei ersten Capitel des Ev. St. Johannis. S. L. Werke. Hall. VII, 1591. ffl.)

Das ist auch der güldnen Texte einer in St. Johanne, gleich dem: „Der Sohn Gottes ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ Darum, wer Christum nicht erkennet, oder au ihn gläubet, und ihn zu eigen nicht hat, der ist und bleibt ein Kind des Zornes und Verdammniß, er heiße und sei wer er wolle. Soll er aber zu Gnaden kommen, so muß es allein durch Christum geschehen, welcher allein unsere Armuth durch seinen Ueberfluß reich macht, unsere Sünde durch seine Gerechtigkeit austreibt, unsern Tod durch sein Leben verschlingt, aus uns Kindern des Zorns, voller Sünden, Heuchelei, Lügen und Falschheit, Kinder der Gnaden und Wahrheit macht. Wer den Mann nicht hat, der hat nichts. —

Das heißt, auf einen Haufen nicht allein alle Menschen, sondern auch alle Heiligen, wie sie heißen, schlecht hinwerfen, zu Sündern, gnadenlos und Lügnern machen, so fern sie auf ihnen selbst stehen und Christum nicht haben. Denn alle Adamskinder sind in Sünden und Ungnade geboren, daß nichts Rechtschaffenes, sondern alles falsch, voll Heuchelei, Lügen und Betrugs an ihnen ist; hilft sie nicht, daß sie sich fromm und heilig stellen, köstlich Ding fürgeben, demüthig und geistlich wollen gehalten sein: sie werden denn Gottes Kinder durch den Glauben an Christum. —

Es ist wohl zu wundern, daß wir so stolz sind, rühmen, pochen und trotzen auf unsere Schöne, Reichthum, Adel, Gewalt, Kunst, Weisheit, ehrbar Leben, 'gute Werke, Orden, Verdienst ꝛc; denn es ist vor Gott eitel Zorn, Ungnade, falsch, Unflath und Dreck (Phil. 3,7—9.), da ist keine Gnade und Wahrheit. Und zwar, wenn wir mit sehenden Augen nicht blind wären, sollten wir ja sehen, daß uns (Menschen) Gott genug gedemüthiget, so mancherlei Plage, Kraukheiten und endlich den Tod zur Strafe unserer Sünde auferlegt, also, daß wir keines Augenblicks unsres Lebens sicher sind, und wo wir Christum zum HErrn und Heiland nicht haben, ewig verloren und verdammt sein müssen.

Wollen wir uns aber rühmen, so mögen wir uns deß rühmen, daß wir von des HErrn Christi Fülle nehmen, durch ihn erleuchtet werden. Vergebung der Sünden erlangen und Gottes Kinder werden. Denn das ist die Summa davon. Wer da will vor des Teufels Gewalt erhalten werden, der Sünde und Tod entrinnen, der muß aus diesem Brunnen, Christo, schöpfen, da soll alles Heil und Seligkeit herfließen. Dieser Brunnen ist unausschöpflich, er ist voller Gnade und Wahrheit vor Gott; er verliert nichts dran, wir schöpfen so viel wir wollen; ob wir schon allzumal ohn Unterlaß aus diesem Brunnen schöpfen, so kann er doch nicht ausgeschöpft werden, sondern bleibt eine unendliche Quelle aller Gnaden und Wahrheit, ein Brunnen ohne Grund und ewige Quelle; je mehr man davon schöpft, je reichlicher er gibt, „solch Wasser,“ wie er hernach sagt, „das bis ins ewige Leben springet.“

Gleichwie die liebe Sonne dadurch nicht verdunkelt oder verfinstert wird, daß sie vielen leuchten muß, ja die ganze Welt ihres Lichtes, Scheines und Glanzes geneußt; sie behält ihr Licht gleichwohl ganz, es gehet ihr nichts ab, sie ist ein unmäßig Licht, könnte noch wohl zehn Welten erleuchten; item, es können wohl hunderttausend Lichter von einem Lichte angezündet werden, und geht doch demselben Lichte (davon viele andere Lichter oder Kerzen angesteckt und angezündet werden), nichts ab; also kann ein gelehrter Mann wohl tausend gelehrter Leute machen, und geht ihm nichts ab an seiner Kunst; je mehr er andern gibt, je mehr er hat: also ist Christus, unser HErr, (zu dem wir Zuflucht haben müssen und von ihm alles bitten,) ein unendlicher Born und Hauptquelle aller Gnade, Wahrheit, Gerechtigkeit, Lebens, die ohne Maß, Ende und Grund ist, also, daß, wenn auch die ganze Welt so viel Gnade und Wahrheit daraus schöpfte, daß eitel Engel daraus würden, noch ginge ihm nicht ein Tröpflein ab; die Quelle läuft immerdar über, voller Gnade. Wer nun — keinen ausgeschlossen — seiner Gnade genießen will, der komme und hole sie bei ihm. Ihr werdet diese Quelle des lebendigen Wassers nicht austrocknen, sie wird nicht versiegen, ihr krieget alle überflüssig genug daraus, und bleibt doch eine unendliche Quelle. Einen solchen Prediger, sagt Johannes der Täufer, werdet ihr haben; versehet ihn nicht (damit), daß ihr fromm seid, euch nach dem Gesetz Mosis haltet, viel guter Werke thut ꝛc. Euer Thun hält den Stich nicht; und wenn es schon köstlich gleißet, so ist's doch alles falsch und ein leidiger Schein. Denn ihr wandelt nicht allein in Finsterniß, sondern seid die Finsterniß selbst, der Sünde und dem Tod unterworfen, sowohl als alle Menschen auf Erden. Wollet ihr aber wahrhaftig fromm, rein, gerecht und selig werden, so holet's bei dem, den Gott der Vater versiegelt hat, der da ist die reiche unendliche Quelle und Fülle, aus welcher alle Patriarchen, Propheten, in Summa alle Heiligen, ich Johannes selber, auch geschöpft haben und immer für und für schöpfen, genommen haben und noch nehmen. Wir allzumal, (keinen ausgenommen, er sei so heilig als er wolle,) kommen ledig, und schöpfen unser Fäßlein voll aus seiner Quelle und Fülle.

Auch soll niemand kleinmüthig sein, noch gedenken: Wie können wir alle von ihm nehmen? so bin ich es auch nicht würdig, gehöre unter die Zahl der Heiligen nicht!—darum sie verzagen wollen. So sagt St. Johannes:

English translation AI translation

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his most trustworthy disciples, Dr. Hieron. Weller; as proof, this man adduces those preachers who in his time zealously contended against the Adiaphorists and the Papists only out of contention and love of glory, and says that they were not therefore to be rejected — and precisely for this reason: that their doctrine was nevertheless correct.

Finally, essentially the same manner of explanation is also found in Brentius and M. Chemnitius.

According to what has been said so far, one may not appeal to this saying when one asserts that the various churches, sects, and parties that call themselves Christian nevertheless preach Christ, even if in various ways; for what matters here is not so much the personal intention of the teachers — since that intention, however good it may be, can help neither themselves nor their hearers, so long as they confuse them with all sorts of foreign doctrines, as may be seen from their public confessional writings and other testimonies of their teaching, namely from the fruits of that teaching among their hearers.

They all claim, of course, that they preach Christ; but hear what Christ himself says: "Then, if any man" (that is, throughout the whole time from his ascension to the end of the world) "shall say unto you [my disciples], Lo, here is Christ, or there, believe it not. For there shall arise false Christs and false prophets, and shall show great signs and wonders, so that, if it were possible, even the elect would be led astray into error." Matthew 24:23–24.

If nothing more were required to proclaim Christ than to have individual biblical words and truths on one's lips, then all false teachers, blasphemers, mockers, and fanatics of old and new times, then even the Turks — who, as is well known, hold Christ in higher regard than the Rationalists do — then even the devils, who called Christ the Son of God — all of these alike would be such as proclaimed Christ "in every way"; then the longed-for union would be near its completion not only among the most diverse Christian parties, but the plan of von Ammon, too, of developing Christianity further into a world religion, would then soon come into being, since Jews, Turks, and heathen alike would, without much difficulty, accommodate themselves to such a Christianity. But then such people also could not boast any advantage over others who proclaim Christ in a different way than they do; and since, in their opinion, it makes no difference how Christ is proclaimed, they would have to regard everyone who does so — even if it were a parrot that only cried, "Christ! Christ!" — as a proclaimer of Christ, and embrace him as a dear brother in Christ.

In such enlightenment we narrow-minded Lutherans are, to be sure, still fully 1800 years behind; to such broadmindedness in Christian brotherly love we have not yet attained, but confine ourselves, in the greatest narrowness, so far as our judgment concerning the proclamation of Christ is concerned — whatever the intention behind it may be — to the judgment of St. Paul, Galatians 1:8: "But though we, or an angel from heaven, preach any other gospel unto you than that which we have preached unto you, let him be accursed!"

"Of His Fullness Have We All Received, Grace for Grace."
John 1:16.

(From Luther's Exposition of the First Two Chapters of St. John's Gospel. St. Louis [Halle] Edition, VII, 1591 ff.)

This is also one of the golden texts in St. John, like this one: "The Son of God is the true Light, which lighteth every man that cometh into the world." Therefore, whoever does not know Christ, or does not believe in him, and does not have him for his own, is and remains a child of wrath and damnation, be he called and be he who he will. But if he is to come to grace, this must happen through Christ alone, who alone makes our poverty rich through his abundance, drives out our sin through his righteousness, swallows up our death through his life, and out of us — children of wrath, full of sin, hypocrisy, lies, and falsehood — makes children of grace and truth. Whoever does not have this man has nothing.

That is to say: not only all men, but also all the saints, whatever they may be called, are, taken together, simply thrown down and made sinners, graceless, and liars, insofar as they stand upon themselves and do not have Christ. For all children of Adam are born in sin and disgrace, so that there is nothing upright in them, but everything is false, full of hypocrisy, lies, and deceit; it does not help them to pretend to be devout and holy, to put forward fine things, to wish to be considered humble and spiritual — they become children of God only through faith in Christ.

It is indeed to be wondered at that we are so proud, boasting, vaunting, and defiant about our beauty, wealth, nobility, power, art, wisdom, honorable life, good works, orders, merit, and so on; for before God it is all vain wrath, disgrace, falsehood, filth, and dung (Philippians 3:7–9); there is no grace and truth in it. And indeed, if we were not blind even with seeing eyes, we ought surely to see that God has humbled us (mankind) enough — laying upon us so many kinds of plagues and sicknesses, and finally death, as punishment for our sin — so that we are not sure of a single moment of our life, and that, where we do not have Christ as Lord and Savior, we must be lost and damned forever.

But if we wish to boast, then let us boast of this: that we take of the fullness of the Lord Christ, are enlightened through him, obtain forgiveness of sins, and become children of God. For that is the sum of the matter. Whoever wishes to be preserved from the power of the devil, and to escape sin and death, must draw from this well, Christ; from it all salvation and blessedness must flow. This well is inexhaustible; it is full of grace and truth before God; it loses nothing by it, however much we draw from it. Though we should all without ceasing draw from this well together, it still cannot be exhausted, but remains an unending source of all grace and truth, a well without bottom and an eternal spring; the more one draws from it, the more richly it gives — "such water," as he says afterward, "as springs up into everlasting life."

Just as the dear sun is not darkened or dimmed by having to give light to many — indeed, the whole world enjoys its light, its shining, and its splendor, and yet it keeps its light wholly entire, nothing is taken from it; it is an immeasurable light, and could well illumine ten more worlds besides; likewise, a hundred thousand lamps can well be kindled from one light, and yet that one light (from which many other lights or candles are lit and kindled) loses nothing; so too a learned man can well make a thousand learned people, and loses nothing of his own learning — the more he gives to others, the more he has: so also is Christ, our Lord (to whom we must have recourse, and from whom we must ask everything), an unending fountain and chief source of all grace, truth, righteousness, and life, which is without measure, end, or bottom — so that even if the whole world drew so much grace and truth from it that pure angels came of it, not one little drop would yet be lacking to him; the spring runs over forever, full of grace. Whoever, then — none excluded — wishes to enjoy his grace, let him come and fetch it from him. You will not dry up this spring of living water; it will not run dry; you will all draw abundantly enough from it, and it will yet remain an unending spring.

Such a preacher, says John the Baptist, you shall have; do not imagine that it will help you to be pious, to keep yourselves according to the Law of Moses, to do many good works, and so on. Your doing will not hold up; and though it should gleam ever so preciously, it is all nevertheless false and a wretched appearance. For you do not merely walk in darkness, but are darkness itself, subject to sin and death, just as are all people on earth. But if you wish truly to become devout, pure, righteous, and blessed, then fetch it from him whom God the Father has sealed, who is the rich, unending spring and fullness from which all the patriarchs, the prophets — in short, all the saints, I, John, myself as well — have drawn, and ever and again draw, have received, and still receive. All of us together (none excepted, however holy he may claim to be) come empty, and draw our little vessel full out of his spring and fullness.

Also, no one should be fainthearted, or think: How can we all take from him? I too am not worthy of it, I do not belong among the number of the saints — and therefore wish to despair. So says St. John: