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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-12-08, Seite 29

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Union 10 · Kirchengemeinſchaften 3 · Lutheriſche Kirche 11 · Synode

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 2.                    St. Louis, Mo., den 13. December 1845.                    No. 8.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.

(Aus der lutherischen Kirchenzeitung.)
Welches sind die leitenden Grundsätze
zur Bildung rechtgläubiger Synoden
der luth. Kirche in hiesigen Landen?

Ein brüderliches Wort zur Besprechung und Erörterung
dem Gleichgesinnten und Zugeneigten dargeboten.*)

§ 1.
Einleitung.
Dermalige Lage und Umgebung der
lutherischen Kirche hiesigen Landes.

So groß auch die Anzahl der theils eingebornen, theils eingewanderten Lutheraner d. i. evangelischen Christen, lutherischen Bekenntnisses, hieselbst ist; so betrübt und traurig ist doch im Großen und Ganzen die Lage der luth. Kirche. Ein Theil derselben nämlich ist in den Waldungen und Prairien (Grasfluren) des Westens vereinzelt und zerstreut und besteht theils aus solchen, welche in fleischlichem Sinn die heilsame Pflege von Kirche und Schule muthwillig verlassen haben, theils aus solchen, die daselbst schon geboren und erzogen sind. Diese sind nun entweder ganz entblößt von Gottes Wort und dadurch in zunehmender Verwilderung und Verhärtung, die Kinder ohne Taufe, ohne Lehre und von jenen Rotten und Schwarmgeistern besucht, die zum Theil den Heilsgrund der reinen Lehre der lutherischen Kirche verlassen haben und unter dem Schein und Vorgeben der heil. Schrift ihre mancherlei Menschenfündlein einzuschmuggeln und die unwissenden und unerfahrenen Lutheraner für sich, nicht aber für Christum, zu gewinnen suchen.

Ein anderer Theil unserer Kirche ist von den Methodisten, Albrechtsleuten und ähnlichen Glaubensparteien bedrängt, die unter dem Schein des Evangeliums mancherlei Gesetzestreiberei aufrichten, als z. B. Bußbank nebst Zubehör, ihre Knie- und Schreigebete nebst sonstiger gemachter Geberdung u. s. f. und durch solches menschliches Mitwirkenwollen für und bei der Bekehrung die Gnade Gottes, das Verdienst Christi und die Gnadenmittel des heil. Geistes, zumal aber die heilige Taufe

*) Wir glauben es den meisten Lesern des Lutheraners schuldig zu sein, diesen wichtigen auch an sie gerichteten Aufsatz ihnen mitzutheilen. Möge derselbe seinen Zweck, die auch äußerliche Verbindung der rechtgläubigen Gemeinden hiesigen Landes zu befördern, erreichen!
Der Herausgeber.

verdunkeln und schmälern und demgemäß die armen verführten Seelen höchstens zu einem schwankenden und unsichern Gefühlsglauben, aber nicht zu dem wahren, rechtfertigenden Glauben bringen, den unsere Kirche lehrt, und der allein das Herz fest und gewiß macht.

Ein dritter Theil der Lutheraner hierselbst wird von den sogenannten evangelischen Predigern beschlichen und betrogen. Dies geschieht aber dadurch, daß diese den Leuten vornehmlich folgende Blendwerke vorgaukeln:

1. Es sei der Liebe gemäß und ein Fortschritt der Zeit, wenn Lutheraner und Reformirte sich friedlich und freundlich zusammen thäten und eine evangelische oder protestantische Kirche bildeten;

2. Es seien die trennenden Lehren, wie z. B. vornehmlich die von der heil. Taufe und vom heil. Abendmahl nicht so wichtig und wesentlich, und um solcher Nebenlehren willen solle man sich nicht von solcher schönen Vereinigung (Union) abhalten lassen; denn in den meisten und vornehmsten Artikeln stimmten ja doch beide überein.

Und leider sind allerdings gar viele Lutheraner hierbei nicht unterrichtet und erfahren genug in Gottes Wort, um zu wissen, daß schon ein wenig Sauerteig, d. i. falsche Lehre, den ganzen Teig versäure, daß aber die Irrlehre der Reformirten über die heil. Sacramente keineswegs ein Wenig sei, da sie nach wie vor behaupten: Brod ist Brod und Wein ist Wein! und darin den allmächtigen und wahrhaftigen Sohn Gottes eigentlich der Ohnmacht, ja der Lüge zeihen, wenn er behauptet: das ist mein Leib! das ist mein Blut! — und da ferner z. B. aus dem Unglauben an die Wirksamkeit der heil. Taufe so mancherlei gesetzestreiberische Fündlein und Zwangs- und Drangsmittel zu und bei der Bekehrung herstammen. Ja! leider wissen solche arme betrogene Lutheraner jenen Schleichern nicht zu antworten, daß die heil. Schrift nur eine Wahrheit zur Seligkeit lehre und daß dieselben Stellen in derselben Sache, wie also z. B. der Einsetzung des heil. Abendmahls, nicht zweierlei entgegengesetzte Wahrheit aussagen können, und daß man Gut und Blut, Leib und Leben dran setzen müsse, um diese eine „Wahrheit zur Seligkeit“ rein und ungefälscht zu erhalten und in keine sogenannte Liebes-Union auf Kosten dieser Wahrheit zu willigen.

Zudem aber sei die Lehre von den heil. Sacramenten keine Nebenlehre, da der heil. Geist das Heil in Christo nur durch die Predigt des Evangeliums und die heil. Sacramente den Menschen zueigne.

Ein vierter Theil der Lutheraner (und vielleicht nahe die Hälfte der hiesigen lutherischen Christen, und bei Weitem der größte Theil der englisch-Lutherischen) gehört zu der sogenannten luth. Generalsynode. Diese aber ist urkundlich von der reinen Lehre der lutherischen Kirche in ihren Bekenntniß- und Lehrschriften, und zumal von der Lehre von den heil. Sacramenten und dem Amte der Schlüssel, abgefallen und der unreinen Lehre der Reformirten, sowie desgleichen der unkirchlichen Praxis der Methodisten zugefallen und gibt mit Lust und Liebe sich gleichfalls der falschen Union unserer Zeit hin, in welcher der Satan sich abermals verstellet in einen Engel des Lichts, die aber durch Gottes Gnade schon dazu diente und noch dienen soll, unsre Kirche, als die Trägerin des reinen Worts und Sacraments, wiederum kräftig aus dem Schlafe zu rütteln und zu ihrem alten Wächter- und Zeugenamt von Neuem zu erwecken.

Ein fünfter Theil der lutherischen Kirche hiesigen Landes gehört zwar andern Synoden an, die bis jetzt mit der sogenannten lutherischen Gen.-Synode noch nicht verbunden sind, aber eben so wenig ein Synodal-Zeugniß wider die falsche Lehre und den Abfall dieser falschen Brüder öffentlich erhoben haben. Wiederum ein Theil dieser Synoden bekennt sich zwar äußerlich zu sämmtlichen Symbolen der lutherischen Kirche, verpflichtet aber sich nicht auf sie als feste Ordnung bei Ertheilung der Ordination, hält eine reformirte und unirte Formel bei der Austheilung des heil. Abendmahls fest, bedient hie und da auch Reformirte und Evangelische mit dem heil. Abendmahl und fördert also die schändliche Unirerei und Kirchenmengerei unserer Tage. Was aber das Schlimmste ist, sie wies die dringenden Bitten einzelner ihrer Glieder um Abhülfe auch nur des schreiendsten Nothstandes zur Erhaltung und Förderung der Kirche zurück und will also auf alle Weise in der confessionellen Gleichgültigkeit und Schlaffheit verharren.

Ein sechster Theil der Lutheraner hier zu Lande — und es sind dies größtentheils die ausgewanderten Preußen — scheinen wenigstens grade in das andere Aeußerste von diesem fünf-

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor ever."

Volume 2.

St. Louis, Mo., December 13, 1845.

No. 8.

Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at the subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, half of which they must pay in advance, and they must also bear the postage. — In St. Louis, each single number is sold for 5 cents.

(From the Lutheran Church Gazette.)

What Are the Guiding Principles for the Formation of Orthodox Synods of the Lutheran Church in This Country?

"A brotherly word, offered for discussion and deliberation to those of like mind and disposition."*

* We believe we owe it to most readers of the Lutheraner to share with them this important essay, which is addressed to them as well. May it attain its purpose — furthering also the outward union of the orthodox congregations of this country! — The Editor.

§ 1.
Introduction.
The Present Situation and Circumstances of the Lutheran Church in This Country.

However great the number — partly native-born, partly immigrant — of Lutherans, that is, of evangelical Christians of the Lutheran confession, may be in this country, the situation of the Lutheran Church is nevertheless, on the whole, sad and distressing. One part of it, namely, is scattered and dispersed in isolation through the forests and prairies (grasslands) of the West, and consists partly of such as have willfully forsaken, in a carnal spirit, the wholesome care of church and school, and partly of such as have already been born and raised there. These are now either wholly destitute of God's Word, and thereby given over to increasing degeneration and hardening — their children unbaptized, untaught, and visited by those factions and fanatical spirits who have in part abandoned the saving foundation of the pure doctrine of the Lutheran Church, and who, under the pretense and guise of Holy Scripture, seek to smuggle in their various human inventions and to win over the ignorant and inexperienced Lutherans for themselves, and not for Christ.

Another part of our church is hard pressed by the Methodists, the Albright People, and similar religious parties, who under the appearance of the Gospel set up all manner of legalistic works-mongering — as, for example, the mourners' bench and its accompaniments, their kneeling and shouting prayers along with other contrived displays, and so on — and who, through such a wish for human cooperation in and toward conversion, obscure and diminish the grace of God, the merit of Christ, and the means of grace of the Holy Spirit, and above all Holy Baptism, and accordingly bring the poor, seduced souls at best to a wavering and uncertain faith of feeling, but not to the true, justifying faith which our Church teaches, and which alone makes the heart firm and certain.

A third part of the Lutherans here is beguiled and deceived by the so-called evangelical preachers. This happens chiefly because these men hold out to the people the following delusions:

1. That it is in keeping with love, and a mark of the progress of the age, when Lutherans and Reformed peacefully and amicably join together and form one evangelical or Protestant church;

2. That the doctrines that divide them — such as, above all, the doctrine of Holy Baptism and of the Holy Supper — are not so important or essential, and that for the sake of such secondary doctrines one should not let oneself be kept from so fine a union; for in most, and in the chief, articles, both sides after all agree.

And unfortunately, indeed, a great many Lutherans are not sufficiently instructed and experienced in God's Word to know that even a little leaven — that is, false doctrine — sours the whole lump; and that the false teaching of the Reformed concerning the Holy Sacraments is by no means a small matter, since they maintain, now as before: bread is bread, and wine is wine! — and thereby, in effect, accuse the almighty and truthful Son of God of impotence, indeed of lying, when he declares: This is my body! This is my blood! — and further, since from unbelief in the efficacy of Holy Baptism there arise, for instance, so many legalistic inventions and instruments of compulsion and constraint toward and in conversion. Indeed, unfortunately, such poor, deceived Lutherans do not know how to answer those seducers, to say that Holy Scripture teaches but one truth unto salvation, and that the very same passages, on the very same subject — as, for instance, the institution of the Holy Supper — cannot state two contrary truths; and that one must stake goods and blood, body and life, in order to keep this one "truth unto salvation" pure and unfalsified, and not consent to any so-called love-union at the cost of this truth.

Moreover, the doctrine of the Holy Sacraments is no secondary doctrine, since the Holy Spirit imparts salvation in Christ to human beings only through the preaching of the Gospel and the Holy Sacraments.

A fourth part of the Lutherans (and perhaps nearly half of the Lutheran Christians here, and by far the greatest part of the English-speaking Lutherans) belongs to the so-called Lutheran General Synod. This body, however, has demonstrably fallen away from the pure doctrine of the Lutheran Church as set forth in its confessional and doctrinal writings — especially from the doctrine of the Holy Sacraments and of the Office of the Keys — and has gone over to the impure doctrine of the Reformed, as well as to the unchurchly practice of the Methodists, and likewise gives itself, with delight and affection, to the false union of our time, in which Satan once again disguises himself as an angel of light — a union which, however, by God's grace has already served, and shall yet serve, to shake our Church, as the bearer of the pure Word and Sacrament, vigorously awake once more from its sleep, and to rouse it anew to its old office of watchman and witness.

A fifth part of the Lutheran Church in this country does indeed belong to other synods which have not yet united with the so-called Lutheran General Synod, but which have just as little publicly raised a synodical testimony against the false doctrine and the apostasy of these false brethren. Again, one part of these synods does indeed outwardly profess all the symbolical books of the Lutheran Church, yet does not commit itself to them as a fixed rule in the conferring of ordination; holds fast to a Reformed and unionistic formula in the distribution of the Holy Supper; here and there even administers the Holy Supper to Reformed and Evangelical persons; and thus promotes the shameful unionism and ecclesiastical mingling of our day. But worst of all, it has rejected the urgent pleas of some of its own members for relief from even the most crying need for the preservation and furtherance of the Church, and thus is bent, in every way, on persisting in confessional indifference and slackness.

A sixth part of the Lutherans in this country — and these, for the most part, are the emigrated Prussians — seem, at least, to be falling into the very opposite extreme from this