# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 12 08_S31 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 31 seiner zuverlässigsten Schüler, Dr. Hieron. Weller; als Beweis führt dieser diejenigen Prediger an, welche zu seiner Zeit gegen die Adiaphoristen und Papisten nur aus Zank- und Ruhmsucht eiferten, und sagt, die wären deßhalb noch nicht zu verwerfen, und zwar darum, weil ihre Lehre noch recht wäre. Endlich findet sich der Hauptsache nach dieselbe Erklärungsweise auch bei Brentius und M. Chemnitius. Nach dem bisher Gesagten darf man sich nicht auf diesen Spruch berufen, wenn man behauptet, daß die verschiedenen Kirchen, Secten und Parteien, die sich christlich nennen, dennoch Christum predigten, obgleich auf allerlei Weise, denn es kommt hier nicht sowohl auf die persönliche Absicht der Lehrer an, indem dieselbe noch so gut sein, und doch weder ihnen selbst, noch ihren Zuhörern etwas helfen kann, sobald sie dieselben mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben, wie aus ihren öffentlichen Bekenntnißschriften und andern Zeugnissen ihrer Lehre, namentlich aus den Früchten derselben bei den Zuhörern zu ersehen ist. Sie behaupten freilich alle, daß sie Christum predigten, aber höret, was Christus selbst spricht: „So alsdann (nehmlich in der ganzen Zeit von seiner Himmelfahrt bis zum Ende der Welt) jemand zu euch (meinen Jüngern) wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Matth. 24, 23. 24. Wenn dazu, Christum zu verkündigen, nichts weiter erfordert würde, als einzelne biblische Worte und Wahrheiten im Munde zu führen, dann wären alle Irrlehrer, Lästerer, Spötter und Schwärmer, alter und neuer Zeit, dann wären auch die Türken, die bekanntlich mehr von Christo halten, als die Rationalisten, dann wären selbst die Teufel, die Christum Gottes Sohn nannten: sie wären allesamt solche, die Christum verkündigten „allerlei Weise,“ dann wäre ja die ersehnte Union nicht nur unter den verschiedenartigsten christlichen Parteien ihrer Vollendung nahe, sondern es würde auch dann bald der von Ammon'sche Plan, das Christenthum zur Weltreligion fortzubilden, ins Leben treten, indem auch die Juden, Türken und Heiden ohne viele Schwierigkeiten zu einem solchen Christenthume sich bequemen würden; dann dürften aber auch solche Leute sich vor Anderen, die Christum auf andere Weise, als sie thun, verkündigen, nicht eines Vorzugs rühmen, und weil nach ihrer Meinung nichts darauf ankommt, wie Christus verkündigt wird, so müssen sie jeden, der dies thut, und wenn es ein Papagai wäre, der nur: „Christus! Christus!“ ruft, für einen Verkündiger Christi ansehen und als einen lieben Bruder in Christo umarmen. In solcher Aufklärung sind wir beschränkten Lutheraner freilich noch um ganzer 1800 Jahre zurück, zu solcher Weitherzigkeit in der christlichen Bruderliebe haben wirs noch nicht gebracht, sondern beschränken uns in der größten Engherzigkeit, was unser Urtheil über die Verkündigung Christi betrifft, die Absicht mag dabei sein welche sie will, auf das Urtheil St. Pauli Gal. 1, 8.: „So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch würden Evangelium predigen, anders, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht!“ „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ Joh. 1, 16. (Aus Luthers Auslegung der zwei ersten Capitel des Ev. St. Johannis. S. L. Werke. Hall. VII, 1591. ffl.) Das ist auch der güldnen Texte einer in St. Johanne, gleich dem: „Der Sohn Gottes ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ Darum, wer Christum nicht erkennet, oder au ihn gläubet, und ihn zu eigen nicht hat, der ist und bleibt ein Kind des Zornes und Verdammniß, er heiße und sei wer er wolle. Soll er aber zu Gnaden kommen, so muß es allein durch Christum geschehen, welcher allein unsere Armuth durch seinen Ueberfluß reich macht, unsere Sünde durch seine Gerechtigkeit austreibt, unsern Tod durch sein Leben verschlingt, aus uns Kindern des Zorns, voller Sünden, Heuchelei, Lügen und Falschheit, Kinder der Gnaden und Wahrheit macht. Wer den Mann nicht hat, der hat nichts. — Das heißt, auf einen Haufen nicht allein alle Menschen, sondern auch alle Heiligen, wie sie heißen, schlecht hinwerfen, zu Sündern, gnadenlos und Lügnern machen, so fern sie auf ihnen selbst stehen und Christum nicht haben. Denn alle Adamskinder sind in Sünden und Ungnade geboren, daß nichts Rechtschaffenes, sondern alles falsch, voll Heuchelei, Lügen und Betrugs an ihnen ist; hilft sie nicht, daß sie sich fromm und heilig stellen, köstlich Ding fürgeben, demüthig und geistlich wollen gehalten sein: sie werden denn Gottes Kinder durch den Glauben an Christum. — Es ist wohl zu wundern, daß wir so stolz sind, rühmen, pochen und trotzen auf unsere Schöne, Reichthum, Adel, Gewalt, Kunst, Weisheit, ehrbar Leben, 'gute Werke, Orden, Verdienst ꝛc; denn es ist vor Gott eitel Zorn, Ungnade, falsch, Unflath und Dreck (Phil. 3,7—9.), da ist keine Gnade und Wahrheit. Und zwar, wenn wir mit sehenden Augen nicht blind wären, sollten wir ja sehen, daß uns (Menschen) Gott genug gedemüthiget, so mancherlei Plage, Kraukheiten und endlich den Tod zur Strafe unserer Sünde auferlegt, also, daß wir keines Augenblicks unsres Lebens sicher sind, und wo wir Christum zum HErrn und Heiland nicht haben, ewig verloren und verdammt sein müssen. Wollen wir uns aber rühmen, so mögen wir uns deß rühmen, daß wir von des HErrn Christi Fülle nehmen, durch ihn erleuchtet werden. Vergebung der Sünden erlangen und Gottes Kinder werden. Denn das ist die Summa davon. Wer da will vor des Teufels Gewalt erhalten werden, der Sünde und Tod entrinnen, der muß aus diesem Brunnen, Christo, schöpfen, da soll alles Heil und Seligkeit herfließen. Dieser Brunnen ist unausschöpflich, er ist voller Gnade und Wahrheit vor Gott; er verliert nichts dran, wir schöpfen so viel wir wollen; ob wir schon allzumal ohn Unterlaß aus diesem Brunnen schöpfen, so kann er doch nicht ausgeschöpft werden, sondern bleibt eine unendliche Quelle aller Gnaden und Wahrheit, ein Brunnen ohne Grund und ewige Quelle; je mehr man davon schöpft, je reichlicher er gibt, „solch Wasser,“ wie er hernach sagt, „das bis ins ewige Leben springet.“ Gleichwie die liebe Sonne dadurch nicht verdunkelt oder verfinstert wird, daß sie vielen leuchten muß, ja die ganze Welt ihres Lichtes, Scheines und Glanzes geneußt; sie behält ihr Licht gleichwohl ganz, es gehet ihr nichts ab, sie ist ein unmäßig Licht, könnte noch wohl zehn Welten erleuchten; item, es können wohl hunderttausend Lichter von einem Lichte angezündet werden, und geht doch demselben Lichte (davon viele andere Lichter oder Kerzen angesteckt und angezündet werden), nichts ab; also kann ein gelehrter Mann wohl tausend gelehrter Leute machen, und geht ihm nichts ab an seiner Kunst; je mehr er andern gibt, je mehr er hat: also ist Christus, unser HErr, (zu dem wir Zuflucht haben müssen und von ihm alles bitten,) ein unendlicher Born und Hauptquelle aller Gnade, Wahrheit, Gerechtigkeit, Lebens, die ohne Maß, Ende und Grund ist, also, daß, wenn auch die ganze Welt so viel Gnade und Wahrheit daraus schöpfte, daß eitel Engel daraus würden, noch ginge ihm nicht ein Tröpflein ab; die Quelle läuft immerdar über, voller Gnade. Wer nun — keinen ausgeschlossen — seiner Gnade genießen will, der komme und hole sie bei ihm. Ihr werdet diese Quelle des lebendigen Wassers nicht austrocknen, sie wird nicht versiegen, ihr krieget alle überflüssig genug daraus, und bleibt doch eine unendliche Quelle. Einen solchen Prediger, sagt Johannes der Täufer, werdet ihr haben; versehet ihn nicht (damit), daß ihr fromm seid, euch nach dem Gesetz Mosis haltet, viel guter Werke thut ꝛc. Euer Thun hält den Stich nicht; und wenn es schon köstlich gleißet, so ist's doch alles falsch und ein leidiger Schein. Denn ihr wandelt nicht allein in Finsterniß, sondern seid die Finsterniß selbst, der Sünde und dem Tod unterworfen, sowohl als alle Menschen auf Erden. Wollet ihr aber wahrhaftig fromm, rein, gerecht und selig werden, so holet's bei dem, den Gott der Vater versiegelt hat, der da ist die reiche unendliche Quelle und Fülle, aus welcher alle Patriarchen, Propheten, in Summa alle Heiligen, ich Johannes selber, auch geschöpft haben und immer für und für schöpfen, genommen haben und noch nehmen. Wir allzumal, (keinen ausgenommen, er sei so heilig als er wolle,) kommen ledig, und schöpfen unser Fäßlein voll aus seiner Quelle und Fülle. Auch soll niemand kleinmüthig sein, noch gedenken: Wie können wir alle von ihm nehmen? so bin ich es auch nicht würdig, gehöre unter die Zahl der Heiligen nicht!—darum sie verzagen wollen. So sagt St. Johannes: