Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 2, Nummer 8 › Seite 30

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-12-08, Seite 30

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Union 3 · Synode

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ten Theile zu gerathen. Denn in Folge der gewaltsamen Uebergriffe des weltlichen Regiments in das Recht d. i. die Freiheit des Bekenntnisses, die Ordnung und Verfassung der lutherischen Kirche in Preußen, und in Folge ihres langen und gerechten Protests gegen diese Uebergriffe und gegen den Zwang zu der schändlichen Unirung unserer Tage, scheinen diese lieben Brüder, mit denen wir auf dem Grunde desselben Glaubens, Bekenntnisses und Lehre völlig eins sind, den Kirchenordnungen und Liturgien des reformatorischen Zeitalters gleichen Werth mit den kirchlichen Symbolen einzuräumen und gegen den 7. Artikel der Augsburgischen Confession, die Einheit der Kirche in der Einheit der liturgischen Form und Verfassung zu suchen.

Ein siebenter Theil*) endlich der lutherischen Kirche hieselbst sind die meist aus den sächsischen Landen ausgewanderten Brüder in Missouri und Illinois. Diese sind, wie aus ihrem Organe, der trefflichen Zeitschrift, „dem Lutheraner“ hervorgeht, seit mehreren Jahren sehr gründlich von der Stephanistischen Bethörung gereinigt, stehen jetzt entschieden auf dem gesunden kirchlichen Standpuncte unsrer symbolischen Bücher und vertreten denselben nach Lehre und Wehre eben so entschieden in jenem Blatte, das wir mit gutem Gewissen jedem aufrichtigen und wahrheitsuchenden Lutheraner dringend empfehlen können.

Dieser Theil unserer Kirche ist es denn auch, der zur Einheit der Kirche wesentlich nur die Einheit des Glaubens, des Bekenntnisses und der Lehre, nicht aber der Ceremonien und der besondern Ordnungen und Verfassungen für zureichend hält, und von dieser Einheit und von diesem Grunde aus die reine kirchliche Lehre und Praxis gegen die römische, wie gegen die Secten, und vorzüglich gegen die trügerische Unionisterei jetziger Zeit eben so kräftig und ernst, im heiligen Eifer um die eine seligmachende Wahrheit, als mild und besonnen in Form und Ausdruck behauptet und vertheidigt.

Diese lieben Brüder sind es denn größtentheils, die wir unter den „Gleichgesinnten“ in der Ueberschrift zu dieser Einleitung und den folgenden Aufsätzen verstehen; und da sie bisher noch keine kirchliche Synodal-Gemeinschaft haben und einer constitutionellen Einheit im Regimente und Leitung der Kirche ermangeln, so sind diese brüderlichen Worte im Folgenden auch besonders an sie gerichtet, ob es uns durch den Beistand Gottes, des heil. Geistes, vielleicht gelingen möge, zunächst über die leitenden Grundsätze zur Bildung rechtgläubiger Synoden, und sodann von ihnen aus über die Grundzüge einer gemeinsamen Synodal-Constitution eins zu werden. Denn aus der obigen Ueberschau des dermaligen Zustandes unsrer Kirche erhellt wohl genugsam, wie kläglich und jämmerlich es mit ihr bestellt sei, und wie

*) Von der ehemaligen Tennessee Conferenz (englisch-lutherisch), jetzt, wie wir hören, Synode von Indiana genannt, konnten wir kein schriftliches Zeugniß ihrer kirchlichen Gesinnung zu Gesicht bekommen; sie soll aber das kirchliche Bekenntniß entschieden festhalten.

sie des einmüthigen Zusammentretens und Zusammenwirkens ihrer wahren Kinder auch zu einem festen und gesunden Synodal-Verbande auf das Dringenste bedürfe; denn es ist unleugbar, daß sie auch hiedurch einerseits je länger, je mehr zum Gesammtbewußtsein ihrer Einheit und Herrlichkeit, als die wahre Union und Concordie der in der römischen und reformirten Kirche streitenden Gegensätze, oder als die rechtgläubige Kirche von reinem Worte und Sacramente von Neuem erwachen und darin anderseits auch mit vereinten Kräften zu Felde ziehen und den guten Kampf des Glaubens zur Erhaltung des reinen Worts kämpfen werde gegen Römer, Schwärmer und Unionisten.

(Fortsetzung folgt.)

(Eingesandt von Pastor Keyl.)

Ueber die Worte St. Pauli: „Daß nur Christus verkündigt werde.“
Philipper 1, 18.

Diese Worte werden in unserer Zeit häufig gemißbraucht; denn wenn man die strafbarste Gleichgültigkeit gegen die strenge Unterscheidung von Wahrheit und Irrthum und die lästigen Bestrafungen wegen allerlei Irrthümer auf eine leichte Art von sich weisen, wenn man für gewisse Lehrer und Lehren, für gewisse Anstalten, Unternehmungen, Bücher ꝛc. unter dem Vorwande, als seien sie ächt christlich und evangelisch, Anerkennung suchen, wenn man seine Verführten, sobald sie über die entdeckte falsche Lehre in Angst und Unruhe gerathen, trösten und beruhigen will, so beruft man sich darauf, daß der Apostel Paulus selbst gesagt habe: wenn nur Christus verkündiget werde. Dabei forscht man nicht weiter darnach, was denn eigentlich wohl Pauli Meinung sei, sondern gibt seine eigene einmal angenommene Meinung dafür aus. So schreibt und schreit es denn einer dem andern nach, insonderheit die Streiter für die böse Sache der heutigen Union: Daß nur Christus gepredigt werde!

Zum besseren Verständniß dieses Ausspruchs möge Folgendes dienen. S. Paulus befand sich, als er den Brief an die christliche Gemeinde zu Philippi schrieb, um des Evangelii willen im Gefängnisse zu Rom um das J. 57 n. Chr. Geb. unter dem Kaiser Nero. Er läßt sie wissen, wie es um ihn stehe und daß seine Gefangenschaft zur Förderung des Evangelii gereiche, indem viele in dem Richthause und unter den kaiserlichen Hofleuten zum christlichen Glauben gekommen seien, und viele Brüder in dem HErrn mit desto größerem Eifer das Evangelium oder Christum predigten (Cap. I, V. 12—14.)

Allein sie thaten dies, wie Paulus zeigt, nicht alle aus einerlei Absicht; denn einige predigten Christum „um Haß und Haders willen“, „aus Zank und nicht lauter“, aus der Absicht, „seinen Banden eine Trübsal zuzuwenden“, denn sie wollten vielleicht durch die weitere Ausbreitung seiner Lehre seine Feinde noch mehr gegen ihn erbittern und dadurch seine Gefangenschaft erschweren und verlängern, oder gar seinen gewaltsamen Tod beschleunigen, um dann allein Meister zu sein. Endlich sagt Paulus von ihnen, daß sie Christum „zufallens“ verkündigten, d. h. unter dem Vorwande, als ob es ihnen damit ein rechter Ernst wäre. Die andern aber führten die rechte Lehre „aus guter Meinung“, „aus Liebe“, „rechter Weise“, (V. 15—18.) Wenn nun Paulus sagt: „daß nur Christus verkündigt werde, allerlei Weise,“ so versteht er darunter sowohl jene unlautere, als diese lautere Weise oder Absicht, und sagt nicht nur von der letztern, sondern auch von der erstern: „so freue ich mich doch darinnen, und will mich auch freuen.“ (V. 18.)

Da nun Paulus auch von denen, welche verwerfliche Absichten hatten, sagt, daß sie Christum predigten, so können darunter (nach Calov, Hunnius und Balduin) erstlich nicht Juden verstanden werden, welche allerlei Lästerungen gegen die Lehre Pauli ausgebreitet hätten, wodurch dann viele Neugierige zu ihm und zum Glauben an Christum gekommen wären. Es können aber auch darunter nicht solche christliche Lehrer verstanden werden, welche durch allerlei jüdischen Sauerteig, z. B. die Nothwendigkeit des Gesetzes zur Rechtfertigung, die rechte Lehre verderbt hatten, (wie dies Flacius, zum Theil auch Bengel und die weimarische Bibel annehmen.)

Denn daß Paulus weder von den Juden, die Christum lästerten, noch von den Christen, welche falsche Lehre führten, sagen konnte: so freue ich mich doch darinnen, und will mich auch freuen, dies lehrt schon die Sache selbst und auch Paulus bezeugt das gerade Gegentheil, wenn er C. 3, V. 18. mit Weinen der Feinde des Kreuzes Christi gedenkt. Endlich würden jene Lehrer, wenn sie eine andere Lehre als die des Paulus vorgetragen hätten, nicht haben hoffen dürfen, ihre schon erwähnte Absicht erreichen zu können, nehmlich durch die Ausbreitung seiner Lehre seine Feinde noch mehr gegen ihn zu erbittern.

Ihre Lehre war demnach richtig, denn sie predigten Christum, allein ihre Absicht dabei war verwerflich, denn ob sie es gleich unter dem Vorwande der Ehre Gottes, der Ausbreitung des Evangeliums ꝛc. thaten, so trieb sie doch eigentlich nur persönliche Feindschaft gegen den Apostel, Ruhmsucht ꝛc. dazu an.

Diese Erklärung gibt der Kirchenlehrer Chrysostomus in einer im Jahre 386 gegen die Anomöer (Arianische Ketzer) gehaltenen Predigt, woraus sie Theophylactus (im 11. Jahrhundert) genommen hat.

Damit stimmt auch Augustinus überein, wenn er (Quæst. ev. II, 33) von diesen Lehrern sagt: „sie verkündigten nichts anderes, (wie die Ketzer thaten,) sondern dasselbe, was Paulus predigte, jedoch nicht in der Absicht, in welcher Paulus es that.“

Derselben Meinung ist Dr. Luther gewesen, denn er spricht: man solle die Wahrheit zu aller Zeit, an allen Orten, in aller Weise predigen, und führt dann zum Beweise diese Worte Pauli Philipp. 1, 18. an. (Hall. Ausg. XVIII. 2108.)

Noch deutlicher aber erhellet seine Meinung aus einer Erklärung dieses Briefes, von einem

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fifth part. For, as a consequence of the violent encroachments of the secular government upon the right — that is, the freedom of confession — and upon the order and constitution of the Lutheran Church in Prussia, and as a consequence of their long and just protest against these encroachments and against the compulsion toward the shameful unionizing of our day, these dear brethren — with whom we are entirely one on the foundation of the same faith, confession, and doctrine — seem to grant to the church orders and liturgies of the Reformation era equal worth with the churchly symbols, and, contrary to Article VII of the Augsburg Confession, to seek the unity of the Church in the unity of liturgical form and constitution.

A seventh part,* finally, of the Lutheran Church here consists of the brethren, mostly emigrated from the Saxon lands, in Missouri and Illinois. These, as appears from their organ, the excellent periodical "Der Lutheraner," have for several years now been very thoroughly purged of the Stephanite delusion, and now stand decidedly upon the sound churchly ground of our symbolical books, and defend the same, in doctrine and in practice, just as decidedly in that paper, which we can, with good conscience, urgently recommend to every sincere and truth-seeking Lutheran.

* Concerning the former Tennessee Conference (English-Lutheran), now, as we hear, called the Synod of Indiana, we have not been able to obtain any written testimony of its churchly disposition; it is said, however, to hold firmly to the churchly confession.

It is this part of our Church, then, that holds the unity of faith, of confession, and of doctrine alone to be essentially sufficient for the unity of the Church — not, however, the unity of ceremonies and of particular orders and constitutions — and that, on this foundation and out of this unity, maintains and defends the pure churchly doctrine and practice against Rome as well as against the sects, and especially against the deceitful unionism of the present day, just as forcefully and earnestly, in holy zeal for the one saving truth, as it is gentle and measured in form and expression.

It is these dear brethren, for the most part, whom we mean by "those of like mind" in the heading to this introduction and to the essays that follow; and since they have as yet no churchly synodical fellowship, and lack a constitutional unity in the government and guidance of the Church, these brotherly words in what follows are addressed especially to them as well — in the hope that, with God's help, the aid of the Holy Spirit, it might perhaps succeed for us first to come to agreement concerning the guiding principles for the formation of orthodox synods, and then, proceeding from these, concerning the outlines of a common synodical constitution. For from the above survey of the present condition of our Church it is evident clearly enough how pitiful and wretched its state is, and how urgently it stands in need of the unanimous joining together and cooperation of its true children into a firm and sound synodical union as well; for it cannot be denied that, through this, on the one hand, it will more and more, the longer the better, awaken anew to a full consciousness of its unity and glory as the true union and concord of the contending opposites striving within the Roman and the Reformed churches, or as the orthodox Church of the pure Word and Sacrament, and that, on the other hand, it will thereby also go forth to battle with united strength and fight the good fight of faith for the preservation of the pure Word against Romanists, fanatics, and unionists.
(To be continued.)

(Submitted by Pastor Keyl.)
On St. Paul's Words: "That Only Christ Be Proclaimed."
Philippians 1:18.

These words are frequently misused in our time; for when someone wishes lightly to dismiss the most culpable indifference toward the strict distinction between truth and error, and the irksome censures for all sorts of errors; when someone seeks recognition, under the pretext that they are genuinely Christian and evangelical, for certain teachers and doctrines, for certain institutions, undertakings, books, and so forth; when someone wishes to comfort and quiet those he has led astray, as soon as they fall into fear and unrest over some discovered false doctrine — then he appeals to the fact that the apostle Paul himself said: "if only Christ be proclaimed." In doing so, one inquires no further into what Paul's actual meaning might have been, but simply passes off his own preconceived opinion as Paul's. And so one writes and cries it after another, especially the champions of the evil cause of today's union: That only Christ be preached!

For a better understanding of this saying, let the following serve. Saint Paul, when he wrote the letter to the Christian congregation at Philippi, was in prison at Rome for the Gospel's sake, in about the year 57 after Christ's birth, under the emperor Nero. He lets them know how things stand with him, and that his imprisonment serves to the furtherance of the Gospel, in that many in the praetorium and among the imperial courtiers had come to the Christian faith, and many brothers in the Lord, with all the greater zeal, preached the Gospel, that is, Christ (chap. 1, vv. 12–14).

Yet they did this, as Paul shows, not all from one and the same intention; for some preached Christ "out of envy and strife," "of contention, and not sincerely," with the intention "to add affliction to his bonds" — for they perhaps wished, by the wider spread of his teaching, to embitter his enemies against him yet further, and thereby to make his imprisonment harder and longer, or even to hasten his violent death, in order then to be sole master. Finally Paul says of them that they proclaimed Christ "as it were of pretense" — that is, under the pretext that it was in real earnest with them. The others, however, preached the right doctrine "of good will," "of love," "in the right way" (vv. 15–18). Now when Paul says: "that only Christ be proclaimed, in every way," he means thereby both that impure and this pure manner or intention, and says not only of the latter but also of the former: "I rejoice therein, yes, and will rejoice" (v. 18).

Now since Paul also says of those who had reprehensible intentions that they preached Christ, one may not, therefore (according to Calov, Hunnius, and Balduin), understand by them, in the first place, Jews who spread all manner of slanders against Paul's teaching, through which then many curious persons came to him and to faith in Christ. Nor, however, can one understand by them such Christian teachers as had corrupted the true doctrine through all sorts of Jewish leaven — for instance, the necessity of the Law for justification (as Flacius, and in part also Bengel and the Weimar Bible, assume).

For that Paul could say neither of the Jews who blasphemed Christ, nor of the Christians who taught false doctrine, "I rejoice therein, yes, and will rejoice" — this the matter itself already teaches, and Paul himself testifies the very opposite when, in chapter 3, verse 18, he speaks with weeping of the enemies of the cross of Christ. Finally, those teachers, had they set forth a doctrine other than Paul's, could not have hoped to attain their aforementioned purpose — namely, by the spreading of his doctrine, to embitter his enemies against him yet further.

Their doctrine, accordingly, was correct, for they preached Christ; only their intention in doing so was reprehensible, for although they did it under the pretext of the honor of God, the spread of the Gospel, and so forth, in fact only personal enmity toward the apostle, love of glory, and the like, drove them to it.

This explanation is given by the church teacher Chrysostomus, in a sermon preached in the year 386 against the Anomoeans (Arian heretics), from which Theophylactus (in the eleventh century) took it.

With this Augustinus also agrees, when he says of these teachers (Quaest. ev. II, 33): "They proclaimed nothing else (as the heretics did), but the very same thing that Paul preached — only not with the intention with which Paul did so."

Dr. Luther was of the same opinion, for he says: one should preach the truth at all times, in all places, in every way — and then cites, as proof, these words of Paul, Philippians 1:18 (Halle edition, XVIII, 2108).

His meaning, however, becomes still clearer from an exposition of this letter by one of