Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 25 › Seite 201
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-07-19, Seite 201
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herin Helmſtädt die T
einem ſonter von ihm herausgegebenen Buche
über den Talmud, „ein ſolch Licht, daß ich billig
„Wahrheit überwunden.
aberſtadt, wo er ein Jahr lang bei einem gott—
ſeligen Prediger Unterricht nahm und ſich hier—
„Da fand ich,“ ſchreibt er ſelbſt in
Gott dafür zu danken habe.“ Er war von der
Er ging daher nach
auf taufen ließ. Nachdem aber Gott an ihm
Barmherzigkeit gethan und ihn aus großer höl—
liſcher Finſterniß ſo gnädig errettet hatte, ent—
ſtand in ihm das Verlangen, ein 2
Werkzeng zu
werden, durch welches auch Andere dieſer Gna—
de theilhaftig werden könnten. Er ſtudirte da—
Theologie, unterrichtete viele
vornehme Perſonen in der hebräiſchen Sprache,
Anhalt, den 25.
Ftie er gründlich verſtand, gab mehrere Schriften
zur Aufdeckung der jüdiſchen Irrthümer heraus
und ſtarb endlich als Paſtor im Fürſtenthum
September, 1627.
Nicolaus Selnereer
an diejenigen, welche die Lehrevom
man nicht S
beiligen Abendmahle füreine ge⸗
ringe Sache erklären, über welche
Streit anfangen ſollte.
Daß aber Eiliche ſagen, es ſei eine geringe
SEache, darauf ehurt keine andere Antwort,
denn die in der Epiſtel Judä B. Y. geſchrieben
Cbriſtus was redet,
neſtiret, bekräftiget
criſtlichen Chriſten, was gedenket oder redet ihr?
Wer will euch trauen oder glauben?
ſteht, da Michael, der Erzengel, mit dem Teufel
zankte und mit ihm über den Leichnam Mo-⸗
ſis redete und ſprach: „Der Herr ſtrafe dich!“
— 199—
alle erſchaffenen Himmel, Erde und an dere Crea⸗
turen ſind. (Siehe Warnung vor den Sacra⸗
mentariis.)
Andreas von Meyendorſ
geſtorben 1583, war ein rechtes Muſter eines
rechtſchaffenen Hausvaters und Gutsherrn.
Von ihm ſchreibt Spangenberg in ſeinem Adels⸗
ſpiegel: „Seinen Unterthanen zu Ummendorf
im Stift Magdeburg hat er auferlegt, den Kate⸗
chismum zu lernen, den Alten ſowohl, als den
Jungen, damit eins ſowohl, als das andere
Grund der Srligkeit wiſſen und haben möchte.
Da aber die Alten ſich deſſen beſchwert und eher
etwas Stattliches zu geben ſich dafür erboten,
weil ſie es für Schande achteten, daß ſie wie die
Kinder ſich ſollten in der Kirche fragen und exa—
miniren laſſen, fuhr Herr von Meyendorf zu und
war unter allen der erſte, der ſich mit ſeiner
Hausmutter aus dem Katechismo Lutheri, ſo
viel ihnen der Pfarrer aufgegeben hatte, fragen
und öffentlich vor der Gemeine verhören ließ;
und brachte alſo ſeine Unterthanen hiermit
an, daß ſie ihm folgten und ihm hernach ſolches
mit ihren Kindern nicht genugſam verdanken
konnten, auch frei bekannten, wie daß ſie nun
dafür nicht etwas Großes nehmen wollten.“
Da zu Mependorf's Zeit großer Streit unter
den lutheriſchen Theologen war und er befürch—
tete, daß ſeine Kinder und Unterthanen in die⸗
—Iſt das eine geringe Sache, wenn der HErr—
befiehlet, ordnet,
„gebeut, erhält? O
einſetzet
ihr un⸗
Welcher
ſen Zerwürfniſſen von der reinen Lehre abge—
führt werden möchten, ſetzte er ſelbſt ein weitläuf⸗
läuftiges herrliches Glaubensbekenntniß über
alle Punkte derſchriſtlichen Lehre auf, ließ daſſel⸗
von einer großen Anzahl rechtgläubiger Theolo⸗
gen durchſehen und Lab daſſelbe nach deren Ap⸗
Kaiſer, welcher Fürſt und Herr, ja, welcher ge⸗
der Unterſchrift: „Ach Gott, ſei mir armen Sün—
meine Hausvater kann was von euch halten?
Denn wie der Hauptmann ſagt: „Ich habe ge⸗
trene D
iener, und wenn ich einem ſage:
Thne
tas! ſo thut er's;
Komm her! ſo kommt er;“
und wie alſo eine jede unr ihren Befehl
will gehalten haben: was würde ein Herr dazu
ſagen, wenn der Rath oder Knccht ſpräche: Ey,
esHiſt ein gering Ding, wenn es gleich mein
Herr befohlen hat; es iſt um ein kleines zu
thun, ſo wird's anders werden (wie man ſolcher
Ungetreuen viel findet); es iſt nicht nöthig, daß
Befehls billig ſehen laſſen.
gegen den 2
mnan ſich dieſes Befehls halben viel bekümmere!
Da würde, wahrlich!
ein rechter Herr ſeinen
Ernſt wider ſolche Verächter ſeines ausdrücklichen
Aber was iſt das
Worten der göttlichen Majeſtät zu
nchnen! Wenn Chriſtus was beſiehlet, ſaget
und oronet, da ſoll Himmel und Erden, und al⸗
les, was darinnen iſt,
biegen,
kin, eine Splbe, ein B Buchſtab,
ſich dafür ſchmiegen und
vie Eſaias ſagt: „Höret, ihr Himmel,
und du, Erde, nimm n Ohren, denn der Herr
nedet.“ Himmel und Erden werden vergehen,
aber Gottes Wort bleibet in Ewigkeit allmächtig
und wahr, feſt und unverrückt. Ja, ein Wört⸗
der aus dem
Nund des HErrn Cheiſti geht, iſt ſtärker, kräfti⸗
aer, gewaltiger, mehr und ſtandhaftiger, denn
probation heraus.
ihn im Bilde,
In dieſem Buche findet man
vor einem Crueiſir knieend, mit
der gnädig „üGott gebe uns viele ſolche Lnien,
Bäter und Herren!
3
Die Veruunft und die Glaubens⸗
geheimniſſe.
So ſchrieb Melanchthon noch im Jahre
1529 an den Sacramentirer Oekolampadius:
„Du ſammelſt viele Ungereimtheiten, welche aus.“
dieſem Glauben“ (von der weſentlichen Gegen⸗
wart des Leibes und Blutes IEſu Chriſti im
hl. Abendmahl) „folgen ſollen. Du ſammelſt
auch einige Ausſprüche der Alten, welche für
Dich zu ſprechen ſcheinen. Aber Ungereimthei⸗
ten werden demjenigen weniger anſtößig ſein,
welcher daran denkt, daß man über himmliſche Din⸗
ge nach Gottes Wort, und nicht nach den Grund⸗
ſätzen der Geometrie urtheilen müſſe, und wel—
cher in der Anfechtung gelernt hat, daß es keine
Vernunft gebe, die das Gewiſſen bintenst ich un⸗
terrichten könne, wenn er von dem Worte Got—
tes abgewichen ſei.“
Hätte doch der theure Melanchthon dies im⸗
mer ſelbſt recht feſtgehalten, wie viel Jammer und
Noth würde er dadurch der armen Kirche erſpart
haben?
Bonifaeius.
Herr Paſt. Grabau macht es dem „Luthera⸗
ner“ in allem Ernſte zum Vorwurf, daß derſelbe
eine zum Theil lobende Beſchreibung von der
Miſſionsthätigkeit des Bonifacius mitgetheilt
hat. Ja, Herr Paſt. Grabau geht ſo weit, zu
ſchreiben: „Herr Walther muß auch den Erzpa⸗
piſten, den unwiſſenden, abergläubiſchen Win⸗
fried (Bonifacius, der ſonſt wohl etliche vor—
treffliche Gaben hatte,) hochpreiſen und hoch⸗
preiſen laſſen als den Apoſtel und Miſſionar der
der Deutſchen (750 p. Ch.), damit er ihm ja
nachahmen dürfe in Verfolgung lutheriſcher Pa—
ſtoren und Zerſtörung deren Gemeinen in dieſem
Lande, und in aller papiſtiſchen Tyrannei. Gott
bekehre in Gnaden dieſen miſſouriſchen Wolfs⸗
apoſtel“ ꝛc. Herr Paſtor Grabau weiß recht
gut, daß wir in der Zeit, in welcher der Artikel
von Bonifaeius in den Lutheraner aufgenom⸗
men wurde, uns gar nicht in Amerika aufhiel⸗
ten!—Da der genannte Herr, wie es ſcheint, ein
beſonders gutes Vertranen zu B. E. Löſcher
hat, ſo möge hier ein Urtheil dieſes Theologen
über Bonifacius Platz finden. Löſcher
ſchreibt nehmlich:
„Von Bonifacius merket man, daß er wohl
gute Meinungen gehabt, aber doch aus Reſpect
vor dem römiſchen Stuhl oder aus dem ihm da
durch anhangenden Aberglauben hier und dort
ein wenig von dem geraden Wege abgewichen.
Dannenhero wir mit Philippo Melanchtho ne bil⸗
lig bedauern, daß dieſer Bonifacius des Grego⸗
rii Lehre und Exempel gefolget habe. Wir dan⸗
ſen aber dem höchſten Gott für alle das Gute,
welches er durch dieſes, obgleich nicht völlig ge—
ſänbertes Werkzeug den in heidniſcher Finſter⸗
niß damalen ſitzenden Deutſchen widerfahren laſ⸗
ſen.“ Unſchuldige Nachrichten. Jahrgang
1713. Seite 760. —
n, Chriſten, geiſtliche Prieſter.
7.
Der Papiſt Wei Ilin ger ſagt in ſeiner
Läſterſchrift: „Friß 2 S
531 Folgendes: „Als die Leute aus Luther's
Evangelio gelernet, daß alle Chriſten Prieſter
ſeien, haben ſie die Prädicanten (Prediger) ver⸗
achtet; Lutherus ſelbſt bekennet, daß ſie ohne
che 1 geſprochen: Sauhirten, Scböln und
chiuder muß man in Städt' und 2 Dörfern ha⸗
Prädicanten aber braucht man nicht.“
erauf antwortet der gottſelige Freſe nius:
„Daß alle Chriſten Prieſter ſeien, iſt nicht Dr.
Luther's, ſondern Gottes evangeliſche Lehre 1
Petri 2, 5. 9, Offb. 1, 6, wodurch doch das or—
dentliche Lehramt nicht wird aufgehoben. Epheſ.
4, 11. 1 Cor. 12, 28—30. Wurde aber nicht
Chriſtus und die Apoſtel auch verachtet!“
Hier haben denn Hr. Paſter Grabau und
Gleichgeſinnte die kurze Antwort auf ihre Be⸗
ſchuldigung, daß unſere Lehre vom geiſtlichen
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chtet
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Vogel, oder ſtirb!“ Seite
Prieſterthum eine neue „miſſouriſche“ Lehre ſei,
und daß ſelbige daran Schuld ſei, daß ſchon
manche Gemeinden Prediger unſerer Synode auf
und davon gejagt haben. Ueberhaupt dürften jene
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