Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 18 › Seite 144

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-27, Seite 144

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gen, damit Jeder andächtig mitbeten könne.
Dieſe Gebete bekräftigt die Gemeinde dadurch,
daß ſie mit dem Chore das „Amen“ ſingt.

Bei dieſen Collecten, ſowie beim heil. Abend-
mahle, wendet ſich der Pfarrer zum Altare, weil
er da mit der Gemeinde zu Gott betet; bei dem
Gruß, bei den Verleſungen und bei dem Segen
wendet er ſich zu der Gemeinde, weil er da zu
ihr redet.

Die Verleſung der Epiſtel vor dem ſogenann⸗
ten Hauptliede und die Verleſung des Evangelii
nach demſelben ſtammt aus alter chriſtlicher Zeit
und iſt ähnlich der Gewohnheit in der altteſta⸗
mentlichen Kirche, wo man auch Abſchnitte aus
den Büchern Moſis und den Propheten vorlas.

Nach dem Evangelium folgt das Bekenntniß⸗
Lied des chriſtlichen Glaubens. Das und die
zwei erſten Lieder zu Anfange des Gottes dienſtes
waren früher immer ſtehende Lieder, welche an
allen Sonn⸗ und Feſttagen geſungen wurden,
welche Ordnung wir auch bei uns beibehalten
wollen.

Während des Geſangs des letzten Verſes des
Glaubens geht der Pfarrer auf die Kanzel und
verlieſt ohne Weiters das Evangelium, da Se⸗
genswunſch und Gebet ſchon voraus gegangen
ſind. Nach der Predigt folgt das älteſte kurze
Kirchengehet von 1580. Dann an Abendmahls⸗
tagen die Fürbitte für die Communicanten, ſo
wie die Abkündigungen, worauf die ganze Noth
der Chriſtenheit in einem lauten Vaterunſer zu—
ſammengefaßt und dann mit dem apoſtoliſchen
Segenswunſch: „Die Gnade unſers Herrn Jeſu
Chriſti u. ſ. w.“ geſchloſſen wird.

Dann werden noch einige Verſe geſungen,
worauf der Pfarrer eine Intonation ſingt und
die Gemeinde ſingend antwortet.

Hierauf folgt eine Collecte und der Segen.
Nach dem „Amen“ ſingt die Gemeinde einen
kurzen Vers und betet zum Schluß ein ſtilles
Vaterunſer.

Wird das heil. Abendmahl gehalten, ſo gehen
die, welche dabei nicht gegenwärtig ſein wollen
oder können, unter dem Geſang und nach einem
ſtillen Vaterunſer fort. Dann ſingt der Pfarrer
mit der Gemeinde und dein Chor die Präfation,
und die beiden letztern ſtimmen das „Heilig“ an,
wie es im St. Louis Geſangbuch ſteht. Hierauf
folgt eine kurze Anrede au die Communicanten
aus der Agende, das Vaterunſer, wobei Chor
und Gemeinde den Schluß ſingt, dann die Ein⸗
ſetzungsworte und endlich das Lied „Chriſte, du
Lamm Gottes.“ Nach der Ausſpendung, unter
welcher ein Abendmahlslied geſungen wird, folgt
der Beſchluß des Gottes dienſtes, wie ſchon er—
wähnt.

In dieſer Weiſe iſt nun der Gottesdienſt ſeit
dem erſten Advent gehalten worden, und zwar
pflegt die Gemeinde nicht nur bei der Verleſung
des Wortes Gottes, ſondern auch bei allem dem
zu ſtehen, was der Prediger ſingt und ſie ſelbſt
ſingend antwortet; desgleichen bei dem Gebet,
bei der Präfation u. ſ. w. und bei dem Schluß⸗
verſe.

Sonntags, in den Nachmittags⸗ und in den

Wochengottesdienſten wird vor der Predigt ge⸗

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wöhnlich nur ein kurzes Lied geſungen, worauf
dann alles ſo gehalten wird, wie bei den Vor—
mittagsgottesdienſten, nur daß das Kirchengebet
wegbleibt. Nach der Katechismuspredigt werden
die zwei erſten Verſe des Liedes „Ach, bleib bei
uns, Herr Jeſu Chriſt, ꝛc.“ geſungen, worauf
das Eramen folgt und nach demſelben der Bers
„Laß mich dein ſein und bleiben.“ Der Schluß
iſt wie gewöhnlich.

Du wirſt nun wohl gerne wiſſen wollen, wie
den Leuten dieſe neue oder eigentliche alte Ord⸗
nung gefällt; darüber aber kann ich Dir nicht
viel ſchreiben, denn ich komme wenig zu den
Leuten. So viel habe ich hie und da gehört,
daß ſich Mancher die Sache ganz anders vorge—
ſtellt hat, als er nun erfährt. Der Eine hat ge—
meint, es würde weit mehr verändert werden, als
wirklich verändert worden iſt; ein Anderer hat
eine heimliche Scheu vor allerhand einzelnen Sa⸗
chen gehabt, z. B. vor weißen Chorhemden; noch
Andere haben gefürchtet der Vormittagsgottes-—
dienſt werde über die Maßen lange währen, da
er doch jetzt auch nicht länger als früher dauert,
nämlich zwei Stunden, wenn keine Communion
gehalten wird. Ich habe aber auch Manchen
geſprochen, der eine herzliche Freude darüber hatz
und ich wollte Dir das alles ſchreiben, damit
Du Dich auch mit uns freuen möchteſt. Gehab
Dich wohl im Herrn! W.

B., 13. Jan. 1852.

ISSS R

Berichtigung.

Im „lutheriſchen Kirchenboten,“ No. 6, iſt
von Herrn P. Steimle die Erklärung eingeſandt
und ſich zugleich auf das Zeugniß von „Hun—
derten“ berufen, daß es eine Lüge der N. Norker
Staatszeitung geweſen, Hr. P. Stohlmann habe
bei dem Beſuche des Gottesdienſtes von Koſſuth
„mit Beziehung auf die Ankunft deſſelben eine
Predigt gehalten und Gottes Segen für ſeine
heilige Sache erfleht.“ Da nun in No. 12
des „Lutheraner“ in dem Artikel: „das Koſſuth—
fieber“ unter der Vorausſetzung, daß jene Er—
dichtung Wahrheit ſei, die fälſchlich berichtete
Handlungsweiſe des Hrn. P. Stohlmann vom
kirchlichen Standpunkte aus natürlich entſchie—
den gemißbilligt und geſtraft werden mußte: ſo
ſoll dieſe Rüge, als unanwendbar auf Hrn. P.
St. hiermit widerrufen ſein und der Schreiber
dieſes kann mit gutem Gewiſſen, als vor Gott,
bezeugen, daß es ihm viel lieber ſei, daß die N.
Aorker Staatszeitung gelogen und er ihr ge⸗
glaubt habe, als daß Hr. P. St. dieſes wirklich
gethan, deß er fälſchlich beſchuldigt wurde.

Hr. P. Steimle bedauert nur bei dieſer Gele⸗
genheit, daß der „Lutheraner“ nicht erſt genauere
Erkundigungen eingezogen, bevor er ſolche Fakta
in die Welt hinausgeſchrieben und meint, er
ſollte doch bald wiſſen, daß derartige Blätter,
wie die N. NY. Stztg. nur die Prediger blamiren
wollen, wo ſie können.“

Darauf aber iſt Folgendes zu erwiedern:

Auf's Erſte ſcheint Hr. P. Steimle die gänzlich
verſchiedene Sachlage völlig zu verkennen; denn

+

im Sinne der N. A. Staatszeitung iſt es ſicher⸗
lich keine Schmähung, ſondern eher eine lobend—
werthe Anerkennung, wenn ſie Hrn. P. Stohl—
mann jenes Koſſuthianiſiren auf der Kanzel
erdichtet. Dazu auf's Andere war ja damals
der Enthuſiasmus für Koſſuth und ſeine Sache
ſo allgemein im Schwange unter Predigern und

Nicht-Predigern, daß auch von der lutheriſchen

Kirche im Oſten, die ſchwerlich ſich zu den eng⸗
herzigen und beſchränkten ſog. Altlutheranern
bekennt, kein einziges ſchriftgemäßes Zeugniß,
dawider erſchien. Da nun bekanntlich Hr. P.
Stohlmann nicht zu dieſen gehaßten und ver⸗
ſchmähten Leutlein gehört, ſo war es doch in der
That viel glaublicher, daß derſelbe gethan, wie
die N. Rorker Staatszeitung berichtet, als daß

er, etwa im Sinne der verroſteten und kurzſichti⸗

gen Altlutheraner, das ſchwärmeriſche Unweſen
für Koſſuth und ſeine Sache aus und nach Got⸗

tes Wort von der Kanzel geſtraft hätte. Wärte

ſolche Beſtrafung von jenem politiſchen Blatte
gemeldet worden, ſo hätte allerdings ein unpar⸗
theiiſcher und verſtändiger Leſer viel eher darauf
fallen können, daß ſie eine böswillige Erdichtung
ſei, um Hrn. P. St. vor der Koſſuth-trunkenen
Maſſe in ein böſes Geſchrei zu bringen.
Endlich aber iſt dem Schreiber des „Koſſuth—
Fiebers“ im Lutheraner nirgendwo eine Gegen—
erklärung des Hrn. P. Stohlmann und ſeiner
Gemeinde, alsbald nach jener Erdichtung zu Ge⸗
ſicht gekommen, darin ſie aus kirchlichem Ehrge⸗
fühl ſolche Lüge geſtraft und die Wahrheit be—
zeugt hätte, welches doch billig der rechte chriſ—
liche und kirchliche Ernſt, gegenüber dem
ſchwärmeriſchen Enthuſiasmus für Koſſuth und
ſeine Sache, von beiden erfordert hätte. Auch

ſhat der „lutheriſche Herold“ für ſich nicht eine

ähnliche Gegenerklärung gethan und nirgends
eine kirchliche Entrüſtung über jene Erdichtung
der N. Norker Staatszeitung blicken laſſen, ob⸗
wohl er ſich nicht entblödet, wider das 8. Gebot,
dem Verfaſſer jenes Aufſatzes bösliche Abſicht
unterzuſchieben.“)

Gleichwohl, ſo wenig Wahrſcheinlichkeit
nach der Lage der Dinge für dieſen Verfaſſer
vorhanden war, daß jenes politiſche Blatt gelo—
gen habe, ſo hat er dennoch die Möglichkeit
der Erdichtung feſtgehalten; denn er hat alſo ge⸗
ſchrieben: „Hält es ſich nun wirklich ſo, wie hier
berichtet wird u. ſ. w.“ Und daraus iſt doch
für jeden unpartheiiſchen, nur die Sache, ohne

*) Was übrigens die Maſſe hämiſch⸗perſönlicher Ausfälle
und gehäſſiger Geſinnungsrichtererei gegen obigen Verfa ſſer
in No. 23 des „Herolds“ betrifft, ſo achtet es letzterer unter
ſeiner Würde, darauf auch nur ein Wort zu erwiedern.
Zudem achtet er es für eitel Zeitverluſt, ſich in einen unfrucht ·
baren Federkrieg mit dem Herausgeber des „Herolds“ einzu⸗
laſſen, da dieſer in jederRummer immer klarer beweiſt — ganz
abgeſehen von den eingeſandten und abgedruckten armſeligen
Lobebriefen des „Herolds“ wie von ſein en ſchmähſüchtigen und
gehäſſigen Ausfällen gegen gerechte Veurtheilung und Beſtra⸗
fung — daß er mehr Schreibekitzel als Lernluſt und überhaupt
aus Mangel theils an wahrhaft kirchlicher Geſinnung, theis an
geſunder nüchterner Erkenntniß wie des göttlichen Worts, ſo
der Zeichen der Zeit, weder innern noch äußern Beruf hat,
ein Blatt zu ſchreiben, das in Lehre und Wehre, Geſchichten
und Gedichten die lutheriſche Kirche zu vertreten vermöchte.

Anmerk, des Einſenders.

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