Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 18 › Seite 142
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-04-27, Seite 142
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„daß die Stelle Matth. 28. im 4. Hauptſtücke
dem Grundtexte gemäß getreu überſetzt in einer
Note angeführt werde;“ die Ausführung wird
zeigen, ob die Glieder des Miniſteriums beſſer
griechiſch verſtehen und jene Stelle beſſer in reines
Deutſch überſetzen können, als Dr. Luther. Was
wird aber das Volk dabei denken, wenn die lu⸗
theriſche Ueberſetzung im Texte, und die penn—
ſylvaniſche unter dem Texte ſteht? Es wird
denken, hat Luther Recht, ſo laßt ihm Recht, wo
nicht, ſo ſtreicht ſeinen Tert weg und ſetzt an
deſſen Stelle eure Note; ja das Volk wird ſolchen
Verböſerungen mit Luthers eigenen Worten aus
ſeiner Vorrede zum kleinen Katechismus das
Urtheil alſo ſprechen: „der Prediger nehme einer—
lei Form vor ſich, darauf er bleibe und dieſelbe
immer treibe ein Jahr wie das andere; denn das
junge und alberne Volk muß man mit einerlei
gewiſſen Tert und Formen lehren, ſonſt werden
ſie gar leicht irre, wenn man heute ſo und
über ein Jahr ſo lehret, als wollt man es beſ⸗
ſern, und wird damit alle Müh und Arbeit ver⸗
loren.“
Der Beſchluß der Synode, das neuepenn⸗
ſylvaniſche Geſangbuch nicht verändern
zu wollen (S. 29), gereicht ihr eben nicht zu
ſonderlicher Ehre, da dies ein deutlicher Beweis
iſt, daß ſie ihre ſchon öffentlich gerügten Mißgriffe
weder erkennen noch verbeſſern will.
Hinſichtlich des Sonntagsſchulgeſang⸗
buchs fragt der Präſident der Synode: „Würde
es nicht Jum Wohl unſerer Kirche, ſowie auch
der Reformirten dienen, wenn dieſe zwei Schwe—
ſterkirchen ein gemeinſchaftliches herausgeben
würden, welches auch ſo eingerichtet werden
könnte, daß es ebenfalls in jeder Kirche allein
gebraucht werden könnte?“ (S. 13.) Da hätten
mun alle Synodalen, wollten ſie anders lutheriſch
ſein, einſtimmig mit einem entſchiedenen Nein
antworten ſollen. Wie das Geſangbuch ſo ein—
zurichten ſei, daß es in jeder Kirche allein ge—
braucht werden könnte, das iſt mir ein Räthſel,
auf deſſen Löſung ich einen hohen Preis ſetzen
wollte; denn entweder müßte ein Theil des Ge⸗
ſangbuchs allein für die Lutheraner, und der
andere allein für die Reformirten beſtimmt ſein.
Dann aber blieben die Reformirten doch in ihrem
Irrthum und die Lutheraner fielen von ihrer
Wahrheit, oder es müßte das Gift der falſchen
Lehre aus dem ganzen Buche gezogen werden,
woran aber alle Kunſt der berühmteſten Chemi⸗
ker ſcheitern würde. Dennoch hat die Synode
einer Committee die Ausführung dieſes Kunſt⸗—
ſtücks übertragen und ſie angewieſen, deßhalb
mit der hochdeutſchen reformirten Synode zu
conferiren. (S. 17.)
Was ſoll man aber von dem Leichtſinn ſagen,
mit welchem die Synode die „ſchweren An⸗
klagen gegen Candidat Brandt,“
den damaligen Leiter der Emigrantenkirche in
New⸗Rork, behandelt und darüber entſchieden
hat? Was hat ſie mit den drei Schreiben gethan,
die ſie in Bezug darauf von glaubwürdigen
Zeugen, nämlich von einem luth. Paſtor, einem
Agenten der deutſchen Geſellſchaft und einem öf—
fentlichen Notar erhalten hatte? Die Synode
— 140—
nahm den Committee-Bericht an, in dem es un—
ter Andern heißt: „daß die Anklage gegen ihn
ihren Urſprung in Dingen habe, die in keiner
direkten Verbindung mit ſeiner Miſſion ſtehen,
ſondern in Geſchäftsunterhandlung, die er für
Emigranten unternahm, und die, wie es ſcheint,
nichts Verbrecheriſches enthalten.“ (S. 24.)
Wenn alſo ein Prediger z. B. nicht gerade in der
Kirche, vor dem Altar oder auf der Kanzel, ſon⸗
dern außerhalb der Kirche in andern Häuſern
oder auf der Straße oder auf Schiffen, die Leute
betrügt, ſo ſteht das in „keiner direkten Verbin—
dung mit ſeinem Amte,“ ſondern ſolche Dinge
ſind als „Geſchäftsunterhandlungen“ anzuſehen!
Und wenn gleich die augenſcheinlichſten Beweiſe
von allerlei Betrügereien vorliegen, ſo ſollen ſol—
che doch, „wie es ſcheint, nichts Verbrecheriſches“
enihalten. Daß aber der Schein trügt, daran
hat man auch nicht im Entfernteſten gedacht.
Das iſt eine Sprache, wie ſie wahrhaftig nicht
von einer luth. Synode zu erwarten iſt. Hat
denn nicht ein einziges Mitglied an die Forde—
rung gedacht, welche Gottes heiliges Wort an
die Diener Gottes hinſichtlich ihres Lebens ſtellt,
z. B. 1 Timoth. 3, 1—10, Titum 1, 5—112
Denn da leſen wir: „Ein Biſchof oder Pfarrer
ſoll unſträflich ſein, nicht unehrliche Handthie—
rung treiben, nicht ſchändlichen Gewinn ſuchen;
er muß auch ein gutes Zeugniß haben von de—
nen, die draußen ſind, auf daß er nicht falle dem
Läſterer in die Schmach und Strick.“ Wollte
die Synode ihrer Pflicht nachkommen, ſo mußte
ſie dem Candidaten Brandt, der ja noch dazu
anweſend war, die Anklagen Punkt für Punkt
vorhalten und unterſuchen, ob und in welcher er
im Stande wäre, die Zeugniſſe jener Männer
als ungegründet zu widerlegen oder worin dieſe
gegen ihn Necht behielten. Die Synode hätte
dann unverzüglich das Ergebniß dieſer Unterſu—
chung veröffentlichen und entweder den ehelichen
Namen dieſes ihres Mitgliedes retten oder im
entgegengeſetzten Falle jenen Männern für ihre
Entdeckung der Bosheit danken, den Candidaten
Brandt aus ihrem Sonodalverband ausſchlie—
ßen und vor ihm und allem ſeinem Treiben war—
nen ſollen. Nun aber hat ſie ihm ſogar eine
abermalige Unterſtützung von 200 Dollars ver—
willigt (S. 39) und ſich ſo durch Wort und
That fremder Sünden theilhaftig gemacht.
So beklagenswerth nun ſolche Uebelſtände
ſind, ſo erfreulich iſt andererſeits Manches, was
in jenem Bericht vorkommt.
Erfreulich iſt nämlich die Geſinnung der
Synode in Bezug auf die allgemeinere
Verbreitung der Bibel, in welcher Ab—
ſicht die Bildung von Hülfsvereinen vorgeſchla—
gen wurde (S. 57). Nur wäre dabei zu wün⸗
ſchen, daß die Synode eine Ausgabe der Bibel
wählte, die wirklich den Namen lutheriſch ver—
dient, nämlich mit Hinzufügung der Apocryphi—
ſchen Bücher und mit einem wirklich rein luthe—
riſchen Tert, was beides bekanntlich in den, von
engliſchen und amerikaniſchen Bibelgefellſchaften
veranſtalteten Ausgaben vergeblich geſucht wird.
Wenn die Lutheraner nicht bald Hand ans Werk
legen, für eine von den vielen eingeſchlichenen
ſorgen, ſo wird es in kurzer Zeit dahin kommen,
lutheriſche Ueberſetzung ſei.
ſche Erſcheinungen aufmerkſam, die wir Dr.
Hopf in Nürnberg zu verdanken haben. Dit
eine iſt deſſen Würdigung der lutheriſchen Bi⸗
belverdeutſchung, die andere eine neue Ausgabt
der von Lnther ſelbſt im Jahr 1545 revidirten
deutſchen Bibel, von der bereits einige Lieferun⸗
den erſchienen ſind.
Sehr lobenswerth iſt endlich auch der Syno⸗
dalbeſchluß, „daß eine Committee ernannt werde,
um eine kurze jedoch hinlängliche Erklärung
der fünf Hauptſtücke des luth. Katechid⸗
mus in Fragen und Antworten mit beigefügten
Bibelſtellen zu bearbeiten und zum Drucke zu
befördern, jevoch daß dieſe Erklärung ſo einge⸗
mus nicht verdränge.“ (S. 31.) Je mehr die
dazu Beauftragten die Wichtigkeit, aber auch die
nen, deſto gewiſſenhafter werden ſie an die Vor—
bereitung zu dieſer Arbeit gehen, und nament—
lich eine ſtrenge Sichtung der vorhandenen
Hülfsmittel vornehmen, unter denen die aus der
techismus unbedingt den Vorzug vor den meiſten
ſpäteren verdienen.
PSV
(Eingeſandt.)
ordnung in B.
.——
Gnade und Friede in Chriſto! Mein geliebter
Gruß über meinen Brief ſchreibe, weil doch das
gar nicht mehr gewöhnlich ſei. Ich habe einmal
Chriſten ſchreiben, und zwar darum, daß ſie ſich
auch darin von den Kindern dieſer Welt unter⸗
ſcheiden ſollen; beſonders aber deshalb, weil in
dieſem Gruße Pauli alles Gute gewünſcht wird,
was wir uns nur wünſchen können. Die Gna⸗
de iſt nämlich die Vergebung der Sünde, und
der Friede iſt die Ruhe des Gewiſſens, die da
iſt, wo Vergebung der Sünde iſt. Was ich Dit
aber eigentlich ſchreiben wollte, iſt das. Wir
haben ſeit dem erſten Advent den alten ſchͤ—
nen lutheriſchen Gottesdienſt in unſerer Kirche.
Du wirſt Dich wundern, daß dies nicht immer ſo
bei uns geweſen iſt, und ich wunderte mich auch,
als ich hieher kam; denn wir ſind's ja gar nicht
anders gewohnt. Nun ſind aber hier die meiſten
Leute ſo etwas nicht gewohnt.
Denn in Deutſchland iſt's an vielen Orten
geführt iſt. Der vorige Herr Pfarrer hatte alle
Hände voll mit andern Händeln zu thun, als
mit dem Kampf gegen die Reformirten und ge⸗
heimen Geſellſchaften; der mußte vor Allem
zeigen, was eigentlich die lutheriſche Lehre ſei;
darum konnte er gar nicht dazu kommen, den lu⸗
Veränderungen gereinigte Bibel-Ausgabe zu
daß ſie ſelbſt nicht mehr wiſſen, welches die ächte +
Ich mache hierbei auf zwei wichtige literar⸗
richtet werde, daß ſie den Gebrauch des Katechida;
vielfachen Schwierigkeiten dieſer Aufgabe erken⸗
Zeit Luthers und namentlich deſſen großer Ka⸗
Einführung der lutheriſchen Gottesdienſt⸗
Bruder, Du wunderſt Dich, daß ich einen ſolchen
in einem alten Buche geleſen, daß Chriſten einen
ſolchen Gruß obenan ſetzen ſollen, wenn ſie an 4
nicht mehr ſo, beſonders ſeitdem die Union ein- *
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