Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 14 › Seite 114

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-02, Seite 114

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—11—

Sein verheißungsvoller Name iſt an uns Ja!] Armuth unter uns ſelbſt zuſammen bringen

„und Amen geworden; denn wunderbar hat der
Herr geholfen, wunderbar aus aller Noth. Als
3.B. die Noth, der Geldmangel am größten, und
die Ausſichten am trübſten waren, da mußten
uns die County-Commiſſionare auf ſein Ge—
heiß für achtzehn Fuß Breite von unſerm Bau—
platze, welchen das County zu einem öffentlichen
Gebäude bedurfte,
ſtärkt am Glauben ſchritt nun die Gemeinde
rüſtig zur Vollendung des Gebäudes; — ſo
daß unſere Kirche am erſten heil. Advent einge—
weiht werden konnte.

Mit herzlichem Danke gegen die Geber beken—
nen wir auch den Empfang von 152 Dollars
von der lutheriſchen Gemeinde in St. Louis und
der Unterſtützung durch Herrn Paſtor Seidel von
ſeiner Gemeinde, alsoewodurch unſer Vertranen
auf Gott in dieſer Sache die erſte Stärkung er—
hielt.

Die Kirche iſt ein im reinen gothiſchen Swld
ubautes backſteinernes Gebäude, mit welchem
auch die innere Einrichtung von Kanzel, Altar,
Cacriſtei ꝛe. harmonirt. Das Haus mißt in
der Länge 55 Fuß und in der Breite 33 Fuß. —

Das Innere der Kirche iſt ſo eingerichtet, daß
mit der ſich am Ende befindenden Emporkirche,
noch zwei Seitengallerien verbunden werden
fönnen. Dem Bauſtyl gemäß iſt die Decke nicht
flach, ſondern gewölbt. Das ganze Gebäude
iſt geziert durch einen von Grund auf geführten
maſſiven Thurm, welcher bis zur Spitze 89 Fuß
Höhe hat.

Die Einweihung geſchah vor einer zahlreichen
Zuhörerſchaft, durch den Serretär unſerer Sy⸗
node, Herrn Paſtor Habel von Pomeroy. Er
vnredigte bei dieſem Feſte unter großem Beiſtande
des heil. Geiſtes über das ſonntägliche Evange—
lium Matth. 21, 1 — Qund zwar inſonderheit
über die Worte v. 5: „Siehe, dein König
kommt zu dir“, und bei dem Nachm ittags⸗
gottesdienſte über die Epiſtel: Röm. 13, 11—
14., während von mir, dem Unterzeichneten, der
liturgiſche Theil des Gottesdienſtes, bei dem
heiligen Abendmahle ꝛc. verrichtet wurde.

Das Wort Gottes, welches unter des heil.
Geiſtes Beiſtand ſo kräftig und reichlich ausg e—
theilt wurde, wird, ſeiner Verheißung nach, auch
nicht leer wieder zurückkommen, ſondern als der
gute Same auch gutes Land gefunden haben,
und Frucht bringen, wenn gleich auch etliches
auf den Weg auf das Steinigte und unter die
Dornen gefallen ſein wird. Möge es die Hörer—
ſchaft bewahren in einem feinen, guten Herzen.
Zu beſonderem Danke fühlen wir uns auch noch
dem Herrn Paſt. Habel verpflichtet, welcher ſeiner
Leibesſchwachheit und des rauhen Winterwetters
ungeachtet, den über 70 Meilen weiten beſchwer⸗
lichen Weg nicht ſcheute, uns das Wort vom
Kreuz zu bringen und unſere Feier zu erhöhen.

Und nun zum Schluß noch eine Bitte an die
fteundlichen Leſer des Lutheraners:

Auf unſerer Kirche, die uns über zwei tauſend
Dollars koſtet, laſten noch vier hundert Dollars
Schulden. Außer der oben erwähnten Unter—
ſützung, haben wir alles Geld, motz unſerer

350 Dollars geben. — Ge⸗

(Von Johann Gerhard.

müſſen, weil wir eines Theils der apoſtoliſchen
Ermahnung: 1 Theſſ. 4, 12. „und ihrer
teines bedürfet“ zufolge, nicht gern bei
Fremden um Unterſtützung anriefen, andern
Theils wir auch von unſern Feinden bei unſern
engliſchen Nachbarn ſchon ſo verläumdet waren,
daß von ihnen, die der wahren lutheriſchen Kirche
ohnehin abhold ſind, eine kaum zu nennende Un—⸗

terſtützung erhalten wurde. Da haben ſich denn
die Glieder unſerer Gemeinde faſt über Bermö⸗

gen anſtrengen, und von 25 — 100 Dollars
beitragen müſſen. Zwar wiſſen wir wohl, daß
die Noth innerhalb der lutheriſchen Kirche groß
iſt, und der Hülferuf aller Orten erſchallt, weß—
halb wir denn aus Gewiſſensbedenken, es auch
bisher nicht gewagt haben, die Zahl der Bitten—
den zu vermehren, fürchtend, es möchten wohl
Andere der Hülfe bedürftiger ſein, als wir.
Allein unſere Kraft iſt zu ſehr geſchwächt, und
die Noth drängt uns, unſere Bedürftigkeit den
Brüdern und Glaubensgenoſſen an das Herz zu
legen, wobei wir uns erlauben, dieſelben auf
die wichtige Lage unſerer Gemeinde, welche ſie
für unſere Synode hat, aufmerkſam zu machen.
Im Herzen Ohios gelegen, umgeben von Seeten
und Pſeudo-Lutheranern — „die an ſie
ſetzen alle“ — ſteht ſie mit den mit ihr ver—
bundenen zwei Landgemeinden, einſam und ver—
laſſen, wie ein Roſe auf dürrer Heide, da. Be—
darf ſie nicht beſonderer Pflege und Wartung?
Milde Geber, denen unſer Zuſtand zu Herzen
geht, ſind daher gebeten, etwaige Gaben an
den Unterzeichneten einzuſenden.

Wie nun Gott bisher unſere Immanuels⸗
Gemeinde geſegnet hat in allerlei leiblichen und
geiſtlichen Gütern, ſo wolle derſelbe auch ferner
ſich derſelben erbarmen, ſeine Hand nicht von
ihr abziehen, ſie nicht verlaſſen noch verſäumen. —
durch reine Lehr und Predigt, durch rechte Verwal—
tung der Sacramente ſie warten und pflegen, ſie in
der Erkenntniß ſeines Willens, in der Bekennt—
nißtreue, im Glauben und der lautern, unge—
färbten Liebe immer weiter führen und befeſti⸗
gen; er wolle ſie beſonders durch ſeine Gnade
ſtärken, alle ihr noch anklebende Menſchenfurcht
und Menſchengefälligkeit und falſche Friedens—
und Liebdienerei von ſich abzuſtreifen, nur alle in
das Wohlgefallen Gottes zu erſtreben ſuchen;
damit ſie immermehr unter dieſem unſchlachtigen,
gottloſen Geſchlecht, werde eine Zeugin der Wahr⸗
heit und Gerechtigkeit. So ſegne uns denn un—
ſer Gott und ſei uns freundlich, und fördere das
Werk unſerer Hände bei uns, ja! das Werk un⸗—
ſerer Hände wolleſt du fördern. Amen.

F. W. Nichmann,

Paſtor an der deutſch ev. luth. St. Immanuels-Kirche
in Lancaſter, Ohio.

Die vier Grundveſten des Gebets.
Aus dem Lateiniſchen überſetzt.)

Wer ein Kind Gottes iſt durch den Glauben,
der wird den himmliſchen Vater täglich in ſeinen
Gebeten mit kindlicher Zuverſicht anſprechen.
In weſſen Herzen der heilige Geiſt Wohnung

gemacht hat, der wird täglich als ein geiſtlicher
Prieſter jenes Rauchopfer des Gebetes darbrin⸗
gen. Es gibt aber vier unbewegliche
Grundveſten, auf denen unſer Vertrauen
ruht, vermöge welcher er der gnädigſten Erhö⸗
rung der Gebete gewiß ſein kann, nehmlich 1.
die allmächtige Güte Gottes und 2.
die untrügliche Wahrheit deſſelbenz
3. Chriſti, des Mittlers, Fürbitte,
und 4. die Bezeugung des heiligen
Geiſtes.

Die erſte Grundveſte der Erhörung ꝛiſt die
allmächtige Güte Gottes. Wie Großes
hat er ungebeten uns gegeben! Seele und
Leib hat er gegeben; ja, auch ſeinen Sohn hat
er uns gegeben: was wird er gebeten nicht
geben? Das Größere, was er für uns ge⸗
than hat, mache uns Muth, daß wir auch in
Betreff des Geringeren Zutrauen haben.
Denn alles, was wir bitten können, iſt geringer,
als daß der Sohn Gottes uns gewürdigt hat,
für uns zu leiden und zu ſterben. Dieſe Güte
Gottes iſt unermeßlich und unendlich,
was könnte er uns daher abſchlagen? Denn
wenn jene Liebe, mit welcher wir Gott umfaſ⸗
ſen, ob ſie auch noch ſo armſelig und gering iſt,
das in uns wirkt, daß wir von Herzen begehren,

in allem dem göttlichen Willen zu gehorchen:
wie vielmehr können wir uns daſſelbe von der

unſchätzbaren Liebe und Güte Gottes verſpre⸗
chen! Es wäre denn, wir wollten uns dünken
laſſen, daß unſere Liebe größer, als die
göttliche, ſei. „Der HErr thut, was die
Gottesfürchtigen begehren,“ ſagt der Pſalmiſt
(ſ. 145, 19.), nehmlich weil er denſelben mit
der innigſten und vollkommenſten Liebe zugethan
iſt; nun aber gibt ſich die vollkommene Liebt
ganz dem Geliebten hin und gehorcht dem Wil⸗
len deſſelben. Dieſe Güte Gottes iſt allmäch⸗
tig, was wird es ſein, das ſie uns nicht leiſten
könnte? Jener höchſten Macht iſt nichts von
dem, was ſie verheißen hat, hart nnd ſchwierig,
geſchweige zu thun unmöglich.

Die andere Grundveſte der Erhörung iſt
die untrügliche Wahrheit Gottes.
Er hat auf das gütigſte verheißen, daß ſeine
Ohren ſich der Stimme unſeres Gebetes zunei—
gen werden; dieſe Verheißung iſt ein Wort ewi⸗
ger und unbeweglicher Wahrheit; da er die
Wahrheit ſelbſt iſt, ſo kann er ſich ſelbſt und
ſein Wort nicht leugnen. Gott hat verhe i—
ßen, daß er die Gebete erhören wolle; ſcheint
dieß zu wenig zu ſein, ſo hat Chriſtus dieß auch
mit einem Schwur bekräftigt. „Wahrlich,
wahrlich, ich ſage euch,“ ſpricht er zu den Apo⸗
ſteln und unter dem Namen derſelben zu allen
wahrhaft Frommen, „ſo ihr den Vater etwas

fbitten werdet in meinem Namen, ſo wird er es

euch geben.“ (Joh. 16, 23.) Wenn du dem
Verheißenden noch nicht glaubſt, ſo glaube
dem Schwörenden. „Mein Herz hält dir
vor dein Wort: „Ihr ſollt mein Antliß ſuchen.
Darum ſuche ich auch, HErr, dein Antlitz.“

Die dritte Grundveſte der Erhörung iſt
Chriſti, des Mittlers, Fürbitte.

Denn derſelbe „iſt zur Rechten Gottes, und ver⸗

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