Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 14 › Seite 111
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-03-02, Seite 111
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eifüllte, mit der unbefangenſten Würdigung al⸗
les wahrhaft guten Neuen, die gewiſſenhafteſte
Treue gegen das alte und ewig neue Bekennt⸗
niß unſerer Kirche und demüthigſte Unterſtel⸗
lung unter unſere alten Lehrer gepaart. Was
uns ſchon anderwärts bezeugt worden war, er⸗
fuhren wir auch hier, daß nehmlich jetzt unſere
amerikaniſch-lutheriſche Kirche ſich wenig Hoff—
nung machen könne, von Deutſchland aus durch
Zuſendung tüchtiger, rechtgläubiger Candidaten
der Theologie unterſtützt zu werden, da jetzt in
Deutſchland nicht nur viele ſogenannte Kirchen⸗
patrone, ſondern auch viele, die im Kirchenregi⸗
mente ſitzen, nicht mehr, wie vormals, gerade
die rechtgläubigen Candidaten zurückſetzen, ſon⸗
dern dieſelben vielmehr ſuchen und über Mangel
an ſolchen klagen. Herr Oberhofprediger Dr.
Harleß ſtimmte daher mit uns darin überein,
daß unter dieſen Umſtänden die wichtigſte Hülfe,
welche uns von Deutſchland werden könne, da⸗
rin beſtehe, daß uns von dort aus inſonderheit
materielle Mittel zur Förderung und Erweite⸗
rung unſerer hieſigen eigenen Anſtalten zur Er⸗
ziehung und Ausbildung von Predigern für un⸗
ſere Kirche hier beſchafft würden. Mit großem
Intereſſe hörte der Herr Oberhofprediger den
Bericht an, den wir ihm von unſeren bereits
beſtehenden Predigerſeminarien abſtatteten, und
inſonderheit wandte derſelbe unſerm Concordia⸗
Collegium ſeine herzliche Theilnahme zu. Da
gegenwärtig die Aufmerkſamkeit auf die ameri⸗
kaniſchen kirchlichen Angelegenheiten in Deutſch⸗
land, hauptſächlich in Bayern geweckt iſt, ſo
übergab uns Herr Dr. H arleß zunächſt ein
Empfehlungsſchreiben an Ihre Majeſtät, die
Königin Marie von Bayern und deren Beicht⸗
vater, Herrn Dekan Ritter Burger in München,
mit, damit uns durch Vermittelung der Erſtge⸗
nannten eine allgemeine Kollekte in der lutheri⸗
ſchen Kirche Bayerns gewährt werde. Der Herr
Oberhofprediger ſprach die Hoffnung aus, daß,
wenn die bayriſche lutheriſche Kirche vorange—
gangen ſein werde, die ſächſiſche, in welcher die
Sache der amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche noch
wenig bekannt und in Anregung gebracht ſei,
ohne Zweifel nachfolgen werde. Auch den Plan
der Schrift, welche unſere Synode über Kirche
und Amt herauszugeben beabſichiige, theilte ich
ich Herrn Dr. Harleß mit und es fand der⸗
ſelbe ſeine ausdrückliche Billigung. Es war
ihm lieb, zu hören, daß dieſe Schrift ſich nicht
nur von allen perſönlichen Angriffen fern halten,
ſondern auch überhaupt nicht ſowohl polemiſchen
Charakters ſein, ſondern die Lehre einfach und
und zwar durch reichliche Zeugniſſe aus unſeren
Symbolen und aus den Schriften unſerer beſten
Theologen darlegen werde.“) Herr Dr. Har⸗
„) Das genannte Buch ſollte nach dem Verſprechen des
VBerlegers, Herrn Th. Blaeſing's in Erlangen, im vorigen
Monat erſcheinen und ſobald es dit Preſſe verlaſſen hat,
in ein er entſprechenden Anzahl von Exemplaren anhergeſen⸗
det werden. Sobald dir Sendung hier iſt, wird es den
lieben Leſern durch den „Lutheraner““ bekannt gem ach
werden. Sowohl Herr J. H. Bergmann in N. Rork
als Herr F. W. Barthel in St. Louis werden die Güte
haben, etwaige Beſtellungen der Schrift ſo bald thunlich
—*
Candidaten Herrn Rudel.
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leß verſicherte uns, daß auch er gerade dieſen
zu unſerer Vertheidigung eingeſchlagenen Weg
als den erſprießlichſten anſehe, da wir keineswegs
vorausſetzen dürften, daß die Lehrentwickelung,
wie ſie ſich in unſeren alten Theologen finde,
unter den deutſchen Theologen ſo bekannt ſei,
als man erwarten ſollte.
In Dresden befindet ſich eine Anzahl Lu⸗
theraner, welche früher Glieder der hieſigen Ge—
meinde waren und wieder nach Deutſchland
zurückgewandert ſind; ſie hier wieder zu ſehen
und zu ſprechen, war für uns eine um ſo grö⸗
ßere Freude, da wir aus dem Munde aller ein
gutes Bekenntniß ihres Glaubens vernah⸗
men. Hier trafen wir auch einen alten chriſtli⸗
chen Freund aus meiner Candidatenzeit, den
Derſelbe fungirte
jetzt als Krankenhausprediger in Dresden.
Auch mit ihm erkannten wir uns bald nach kur⸗
zer gegenſeitiger Ausſprache völlig einig; frü—
her mit uns in gleichen Irrthümern von Kirche
und Amt befangen, war er durch ein gründli⸗
liches unbefangenes Studium der Bekenntniſſe
unſerer Kirche und der Schriften unſerer älteren
Theologen zu denſelben Reſultaten, wie wir,
gekommen. Die freilich nur kurze Gemeinſchaft,
die wir mit dieſem ausgezeichnet begabten wie
kenutnißreichen Manne hier pflegen konnten,
bereitete uns eine große Erquickung und Stär⸗
kung.
Als wir hier Herrn Buchhändler Juſtus
Naumann aufſuchten, wurden wir von der
Nachricht überraſcht, daß die Herrn Profeſſoren
und Doktoren der Theologie: Höfling, Tho⸗
maſius, Hofmann und Delitzſch in
Erlangen; Kahnis, Lindner ſen. und jun.
in Leipzig und Krabbe und Baumgarten
in Roſtock ſchon im Juli des laufenden Jahres
ein von ihnen unterzeichnetes lithographirtes
Circular an eine große Anzahl deutſcher Verlags⸗
buchhandlungen mit der Bitte um Unterſtützung
unſerer Seminare, inſonderheit des hieſigen, mit
literariſchen Hülfsmitteln haben ergehen laſſen.
Es hieß darin unter Anderem folgendermaßen:
„Ew. Wohlgeboren ſind ſicher nicht unbekannt
mit den kirchlichen Nothſtänden unſerer ausge⸗
wanderten nordamerikaniſchen Glaubensgenoſſen,
und wir, die Unterzeichneten, können bei Ihnen
die Überzeugung vorausſetzen, daß es unſere
Pflicht iſt, der jenſeitigen evang. luth. Kirche die
inmitten des Andranges fremder Kirchen und
Sekten nöthigen Mittel der Selbſterhaltung und
Selbſterbauung zuzuführen und ihr mit dem
mutterkirchl. Bekenntniß auch deutſche Sprache,
deutſche Sitte, deutſche Wiſſenſchaft und beſon⸗
ders Theologie bewahren zu helfen. In Aner⸗
kenntniß dieſer unſerer heiligen Pflicht hat ſich
zu beforgen. Der Titel derſelben iſt folgender: „Dlie
Stimme unſerer Kirche in der Frage von
Kirche und Amt, eine Sammlung von Zeugniſſen
über dieſe Frage aus den öffentlichen Bekenntnißſchriften
der ev.-lutheriſchen Kirche und aus den Privatſchriften
rechtgläubiger Lehrer derſelben. Von der deutſchen ev.-lu⸗
ther. Synode von Miſſouri ꝛc. als ein Zeugniß ihres Glau⸗
bens zur Abwehr der Angriffe des Herrn Paſtor Grabau
in Buffalo, N. R., in deren Namen und Auftrag vorgelegt
durch C. F. W. Walther.“
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unſere Theilnahme neben dem Prediger⸗ und
Schullehrer-Seminar in Fort Wayne beſonders
einer Anſtalt zuzuwenden, welche diePflege deut⸗
ſcher kirchlicher Wiſſenſchaft zu ihrer eigentlichen
Aufgabe gemacht hat. Es iſt das in Pem
County erblühte und jetzt nach St. Louis ver⸗
pflanzte College. Die beiden Vorſitzenden der
Synode von Miſſouri ꝛe., die Pfarrer Wyneken⸗
und Walther . „ſind in einer amtlichenReiſe nach
Deutſchland begriffen und werden im Laufe des
Auguſts eintreffen. Ihnen ein anſehnliches
Geſchenk von Büchern aus dem Bereiche der
Theologie, der Philologie und der angrenzenden
allgemeinen Bildungsfächer für das College in
St. Louis mitgeben zu können, iſt einer der in⸗—
nigſten Wünſche der Unterzeichneten. Die Ern⸗
werbung einer ſolchen Auswahl von Büchenn
auf gewöhnlichemWege iſt bei der Menge ander⸗
weitiger Bedürfniſſe, welche unmittelbare Dar⸗
reichung von Geidmitteln fordern, nicht wohl,
thunlich, und wir haben deßhalb uns entſchlo⸗
ſen, deutſche Buchhandlungen mit der Bitte an⸗
zugehen, den bedürftigen Glaubensgenoſſen in
Nordamerika ein Geſchenk aus ihren Verlags⸗
artikeln zu machen. Die Buchhandlung Dörff⸗
ling und Franke in Leipzig iſt zurilbernahmt
ſolcher freundlicher Schenkungen bereit und die
Unterzeichneten verbürgen die ausſchließliche Ver⸗
wendung derſelben zu dem bezeichneten Zwecke“ꝛr.
Auf unſerer Rückreiſe über Leipzig hatten wir
die Freude, zu ſehen, daß der Fürbitte der hoch⸗
theuren würdigen Herren über das Erwarten
reichlich entſprochen worden war.
Indeß nun Paſtor Wyneken von Drisden
unmittelbar nach Leipzig zurückkehrte und hier
Gelegenheit nahm, ſich mit Herrn Prof. Lin d⸗
ner ſen. (Prof. Bruno Lindner jun. war
leider! gerade verreiſt) zu beſprechen, machte ich
jetzt einen Abſtecher über Kleinhartmanns⸗
dorf, wo ich die andere meiner zwei noch leben⸗
den Schweſtern, und über Leulitz bei Wurzen,
wo ich einen alten Schul- u. Univerſitätsfreund,
Paſtor M. H. Ha ſſe daſelbſt, auf einige Stun⸗
den beſuchte. Was den letzteren betrifft, ſo war
unſerer ſchon in früher Jugend in beiderſeitigem
Mangel an chriſtl. Erkenntniß geſchloſſenen inni⸗
gen Freundſchaft dadurch natürlich nicht geringer
Eintrag geſchehen, daß mich Gott ſchon auf der
Univerſität zu confeſſioneller Entſchiedenheit kom⸗
men ließ, während mein Freund Haſſe allein
einen allgemein chriſtlichen Standpunkt gewann.
Zu meiner großen Freude war aber derſelbe auf
dieſem vom ihm früher behaupteten Standpunktt
nicht ſtehen geblieben; gerade die Stürme der
letzten Zeit, in denen ſo vielen der Grund ihres
Glaubens wankend geworden, hatte der HErr
an ihm dazu geſegnet, daß er von der Nothwen⸗
digkeit überzeugt worden war, auf den Felſen
des kirchlichen Bekenntniſſes auch Anker zu
werfen.
Nach nochmaligem kurzen geſegneten Aufent⸗
halte in Leipzig bei meiner Durchreiſe durch
dieſe Stadt, eilte ich nun dem eigentlichen Ziele
unſerer Reiſe, Bayern, enigegen.
(Jortſetzung folgt.)
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