Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 1 › Seite 7
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-01, Seite 7
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Sohne, unſer Aller Schuld bezahlen und an ihm
als dem Fluchträger, ſo erſchrecklich heimgeſucht
und geſtraft habe.
Wenn er nun aber in der Größe ſolcher
Strafe die Größe ſeiner Sünde und Schuld
reumüthig erkenne und den rechten tiefen Haß
und Abſcheu auch wider ſein bisheriges Sau⸗
fen bekomme und es laſſe, das dem werthen Hei⸗
land auch vorzüglich ſeine Geißelung und ſein
Dürſten mitgewirkt habe, dann ſolle er nun auch
gläubig zu demſelben gekreuzigten HErrn und
Heiland aufſchauen und deß ſich wiederum tröſt⸗
lich annehmen und gewißlich verſichert halten,
daß Chriſtus auch für ihn gekreuzigt und ge⸗
ſtorben ſei, daß auch ihm von Neuem aus ſei⸗
nem Blute quille Vergebung der Sünden, Le⸗
ben und Seligkeit.
Endlich aber, ſo er ſolches von Herzen glaube,
ſo möge er nun auch Fleiß thun, dieſen durch
Gottes Gnade wiedergewonnenen Glauben auch
durch allerlei Frucht des Geiſtes und durch gute
Werke in rechtſchaffener Gottſeligkeit je länger
je mehr gegen die Menſchen zu beweiſen; und
da er nun durch den ihm einwohnenden heil.
Geiſt auch eine heilige Luſt zu und an Gott und
deſſen Wort, Willen und Reich bekommen habe,
ſo gelte es jetzt, nicht blos die gröberen Aus⸗
brüche der Sünde, als das früher beliebte und
gewohnte Saufen zu meiden (was ja in der
That der natürliche Menſch vermöge) ſondern
ſchon innerhalb wider die alte böſe Luſt zu ſtrei⸗
ten und ſie durch den Geiſt und das Wort Got⸗
tes und den nun befreiten und geheiligten Wil—
len immer mehr zu dämpfen und zu tödten.“
Dieſes alſo wäre, mein lieber Vater Matthew,
— ſo würde ich luth. Ketzer etwa ſchließen — in
flüchtiger Andeutung und ungefähren Umriſſen,
die evangel. Wegweiſung und Handleitung, wie
man durch Gottes Gnade aus einem Sünder
einen Gerechten, alſo auch aus einem Trunken⸗
kenbold einen Nüchternen mache und ihn aus
der tollen und vollen Welt in die rechte Mäßig⸗
keits⸗Geſellſchaft, d. i. in die h. chriſtl. Kirche
verpflanzen könne, die aber weſentlich — das
merke wohl, mein lieber Vater Matthew — nur
aus ſolchen beſteht, die in dem rechtfertigenden
Glauben an den HErrn Chriſtum ſtehen, mögen
ſie geweihete Prieſter ſein oder Kindlein in der
Wiege und Mütterlein am Stabe.
m
Von dem hohen Werth, gebührender
Hochachtung und rechtem Brauch unſerer
ſymboliſchen Bücher.
Aus Chemnit. Exam. Concil. Trid. — Aus dem
Lateiniſchen überſetzt von J. G.
Die Erkenntniß des hohen Werthes und rech⸗
ten, heilſamen Brauches dieſer Schriften wird
beſonders durch zwei Mittel, oder unter zwei
Bedingungen erlangt: erſtlich, durch genaue,
vertraute Bekanntſchaft mit dem Inhalt derſel⸗
ben; und zweitens dadurch, daß man wohl dar⸗
auf Acht habe, zu welchem Zwecke ſie abgefaßt
und der Kirche Gottes übergeben ſind. Eive
—4—
richtige Erkenntniß hinwiederum des wahren
Sinnes und Zweckes dieſer Schriften wird ſehr
gefördert und geſtärkt durch eine hinlängliche
Kenntniß der Geſchichte dieſer Bücher, zuerſt der
Augsburgiſchen Confeſſion und dann der übri⸗
gen Bekenntnißſchriften. Die Geſchichte der
Augsburgiſchen Confeſſion iſt ein ſehr wichtiger
Theil der Reformationsgeſchichte, welche unter
Anderem beſonders auch dieſes zeigt und nach⸗
weiſ't, wie und wodurch die Augsburgiſche Con⸗
feſſion veranlaßt worden, wie ſie zu Stande ge⸗
kommen, und wie viel Gutes, Großes und Herr⸗
liches Gott durch dieſelbe ausgerichtet habe. Die
Reformationsgeſchichte kann uns alſo belehren
über den hohen Werth unſerer Bekenntnißbücher;
ſie fordert uns auf und ermahnt uns zur gebüh⸗
renden Hochachtung derſelben; ſie gibt uns auch
Anweiſung und Lehre über ihren rechten und
heilſamen Gebrauch. Es iſt alſo ſehr nützlich,
wenn wir bei Betrachtung der Lehre und des
Bekenntniſſes unſerer Kirche auch öfters die Ge⸗
ſchichte dieſes Bekenntniſſes oͤfters mit dazu ziehen
und vergleichen. Es wird dies nicht nur zu
mehrerer Erkenntniß, ſondern auch zu mehrerer
Erbauung, Erweckung und Ermunterung zum
Lob und Dank gegen Gott für ſolche große Wohl⸗
that dienen; und dadurch wird auch unſer Be⸗
trachten und Lernen deſto fruchtbarer und heil⸗
ſamer werden; wie Gott im Pſalm verheißt:
Wer Dank opfert, der preiſet mich; und das
iſt der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.
So bleibet ſein Lob in der Gemeine der Heili⸗
gen Pſalm 149. ſo bleibet unter uns ſein Tem⸗
pel und Wohnung; und wir fürchten uns nicht,
wenn auch das Meer wüthete und wallete und
von ſeinem Ungeſtüm die Berge einfielen: den⸗
noch ſoll die Stadt Gottes fein luſtig bleiben,
da die heiligen Wohnungen des Höchſten ſind:
Gott iſt bei ihr drinne, und hilft ihr früh. Zu
ſolcher ferneren Betrachtung nehmen wir Über⸗
blick und Einleitung, ſo wie
Ermunterung aus einer Jubel⸗
predigt des ehurfürſtl. ſächſiſchen
Hofpredigers Laurentius.
(1630.)
Früchte der Erhöhung Chriſti.
Unter anderen vielfältigen und großmächtiden
Nutzbarkeiten und Früchten der fröhlichen und
ſiegreichen Auferſtehung unſeres Herrn und Hei⸗
landes JeſulChriſti, ſeiner triumphirenden Him⸗
melfahrt und majeſtätiſchem Sitzen zur Rechten
der Kraft Gottes iſt, meine Geliebte und Aus⸗
erwählte in demſelbigen auch dieſe, daß er ſeine
arme Chriſtenheit auf Erden vor dem grauſamen
Wüthen und Toben des Teufels, der Welt und
aller Feinde, welche die Pforten der Höllen hei⸗
ßen, zu jeden und allen Zeiten ſo gewaltiglich
geſchützet, daß er hat das Scepter ſeines Rei⸗
ches geſendet aus Zion; daß er von Zion das
Geſetz hat ausgehen laſſen, und ſein Wort von
Jeruſalem; daß das Wort uns iſt gegeben wor⸗
den mit großen Schaaren Evangeliſten; auch
deſſen Anfang gemacht iſt zu Jeruſalem; und
daſſelbe auch auf uns bisher wunderlich iſt pro⸗
pagiret und fortgepflanzet worden.
Zeichen, ſagt Tertullian, nicht eines todter
ſondern lebendigen, und zur Rechten Gottes er⸗
höheten Chriſtus.
Eine ſolche Frucht iſt die Refor⸗
mation Lutheri.
Welche Worte freudiger Verwunderung wir
billig ziehen auf das hohe, große Werk, welches
der barmherzige, gütige Gott bei der Reforma⸗
tion Lutheri angefangen, und bis auf den heu⸗
tigen Tag ſo gnädig und väterlich unter uns er⸗
halten hat; indem unſere höchſtgeehrteſten, from⸗
men Vorfahren ihr freudiges Glaubensbekennt⸗
niß zu Augsburg vor dem ganzen römiſchen Reich
gethan; auch bei der einmal erkannten und be⸗
kannien evangeliſchen Wahrheit unverrückt ge⸗
blieben; alſo, daß durch ſolche ihre Beſtändig⸗
keit auch nachmalen viel andere Churfürſten und
Fürſten, Grafen und Herren, Städte und Par⸗
ticularperſonen in ſehr großer Anzahl ſind bewo⸗
gen und verurſacht worden, ſich gleichfalls zu
der Lehre, ſo in der Augsburgiſchen Confeſſion
begriffen, zu begeben, und von den päpſtiſchen,
entdeckten Irrthümern ſich abzuwenden. Das iſt
vom Herrn geſchehen, und iſt ein Wunder vor .
unſeren Augen; das iſt ein Zeichen, daß Chri⸗
ſtus noch nicht todt, ſondern lebendig, unſer Kö⸗
nig und ewiger Hoheprieſter ſei, zur rechten HBand
Gottes ſitze, und mitten unter ſeinen Feinden
herrſche. Das iſt ſo ein hohes und großes Wert,
daß wir billig ins Haus des Herrn kommen mit
Danken, und dieſe Zeit, in welcher es ſich hat
angefangen, feierlich halten und begehen. Wehe
thut dieſes den blutdürſtigen Eſauiten (Jeſui⸗
ten), die bis anhero uns für Ketzer ausgerufen,
auch alle Welt bereden wollen, unſere chriſtliche
Religion, die ihnen Ketzerei heißen muß, könne
keine 100 Jahr dauern, wie ſonſten keine über
100 Jahr beſtanden ſei: nunmehr iſts offenbar:
das iſt vom Herrn geſchehen, und iſt ein Wun⸗
der vor unſern Augen. Wehe thuts dem Anti⸗
chriſt vu Rom; dem Papſt und ſeinem Anhang,
daß wir für dieſes große Gnadenwerk der Of⸗
fenbarung göttlichen Wortes Gon
dem Herrn in ſeiner Gemeine dankbar ſein, und
deßwegen ein großes Evangeliſches Ju⸗
belfeſt anſtellen und halten. Wir aber geden⸗
ken deſſen mit Lob nud Dank Gottes, daß er
nach ſeiner großen Barmherzigkeit unſere from⸗
men Vorfahren mit ſeinem freudigem Geiſt aus⸗
gerüſtet, daß ſie anno w1530 vor dem großmäch⸗
tigſten Kaiſer Carolo V. und dem ganzem römi⸗
ſchen Reich ihr frei, öffentlich Glaubensbekennt⸗
niß gethan. Und ob man gleich auf des päpſt⸗
ſchen Gegentheils Seiten ſich äußerſt bemühet,
mit päpſtlichen Bullen und Bannbriefen, auch
mit ſcharfen weltlichen Decreten und Edicten,
zu verbieten und zu verhüten, daß Niemand dem
Papſtthum abſagen, noch zu der Evangeliſchen
Lehre ſich bekennen ſollte, als welche ſtracks für
ketzeriſch, für verrammlich und höchſt ärgerlicht
wiewohl zur Ungebühr, ausgerufen wurde: 00
hat doch der allgewaltige Gott, der aller Könige
und Fürſten Herzen in ſeiner Hand hat, es alſo“
gefüget, daß auch die Gewaltigen ihm Ehre ge⸗
bracht ſeines Namens, und nicht mehr die Jung
Das ſind frau Maria oder andere Heiligen, ſondern allein
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