Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 4 › Seite 31

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-10-13, Seite 31

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— 31—

dort zu einer Unterhaltung von höherer Art, als
man gewöhnlich zu führen pflegt! — Dies iſt
urkundlich wahr und hat damals ſelbſt in höhe—
ren Kreiſen freudige Theilnahme gefunden.“ —

—— ⏑T — —

Das Spielen.

Dreierlei Leute ſind keines Erbarmens werth:
Spieler, Säufer und Seiltänzer. Verlieren ſie
ihr Geld, Ehr und Leben, haben alle drei das
ihrer Thorheit zu danken. Dinge, die in mei—
nem Vermögen ſtehen, ſie zu laſſen, ſo ſie doch
mir zum Schaden von mir ſelbſt begangen wer—
den, muß ich dann ſelbſt mit Spott tragen.
Nichts iſt ſo koſtbar als die Zeit: gleichwohl
wird dieſe von den Meiſten liederlich verſpielet.
Was hie bevor eine Schandewar, iſt nun zur Ehre
gedichen; worüber man voriger Zeit Jemand
ſelig pries, wann er es nicht wußte, macht einen
jetzt den Ramen eines Ignoranten führen, der
e nicht weiß. Als Würfel und Karten erſt in
die Welt kamen, hielt man die, ſo damit um—
gingen, für liederliche Leute, mußten auch zuletzt
den Namen der Beutelſchneider führen; nun iſt
es die Mode, daß die Klügeſten von der Welt
mit dieſem Handwerk umgehen, auch darin die
vornehmſten heißen wollen. Als man zuerſt
den Spatenknecht an die Lüſternde vermählen
wollte, gab man dem Spiel den Namen von zu⸗
gelaſſenem Zeitvertreib, oder nach der heutigen
überall vermiſchten und verbordirten Redeart ei⸗
nes Divertiſſements, oder wann es noch zierli—
cher kam, ein passe de temps. Nun die Kar⸗
ten erſt im Korbe ſitzen, und reiche, auch vor—
nehme Liebhaber gewonnen, ſind ſie zu Alle—
mannswerk ausgeſchlagen, haben unſerm Herrn
Gott manchen Tag, und dem Nächſten manchen
rrdlichen Beutel mit Gelde geſtohlen, Manchen
ganz bettelarm gemacht, nach dem gemeinen
Sprüchwort: es ſpiele ſich Jemand wohl müde,
aber nicht reich, und ſo das nicht gleich geſchehen
ſollte, habe es doch kein Gedeihen. Unmöglich!
wie gewonnen, ſo zerronnen. Sei es, wie es
wolle, und werde das Karten- und Würfelſpiel
getauſt, wie es könne: zwiſchen zwei Spielern
iſt doch der dritte Mann der Gewinn, der dem
Gewinnenden eine Luſt, dem Verſpielenden Ver⸗
druß macht. Jene lachen, dieſe fluchen; und ob
jener gleich heut zwei Pfenning gewinnen würde,
verſpielt er morgen zehn Thaler. Der die erſten
Karten gemacht, muß ein Gift daran gepappet
haben, ſo unmöglich kann, der einmal an dieſent
Angel gebiſſen, ſich deſſen entziehen. Die Hoff—
Uaung reich zu werden, hat ſo manchen Spieler

zum Bettler gemacht, ſo manchen in Schimpf
und Schande ſterben laſſen, der doch ſeinen Nach—
folgern zu keinem Exempel gedienet. Dieſer Zeit
ſpielet Hans und Greth, beide in die Wette; der
Geld in der Taſche hat, und der es borgen muß.
Sei was da oder nichts, ſo muß es doch geſpie—
let ſein, und dienen numnehr Karten und Wür⸗
feln zu einem Confekt nach der Speiſe, das dem
meiſten Mann zu großem Defekt in ſeiner Nah⸗
rung dienet, und dem Aufſetzer gemeiniglich am
meiſten koſtet, ihrer etliche auch Haus zu Hof
und allem Kredit würfelt. Zeit und Mode will

ihm aber faſt ſchlimm bekommen.

es ſo haben, und der Appetit zum Spielen wäch—
ſet alſo an, daß man Gottes und Alles, was
ehrbar iſt, dabei vergiſſet. Von den meiſten
Dopplern heißet es noch, ſie ſtunden auf zu ſpie⸗
len, 2. Moſ. 32, 6. 1. Cor. 10, 7. aber nicht zu
beten. Was beten? Der in die ſpäte Nacht ge—
ſpielet, auch wohl bis die Sonne wieder aufge⸗
gangen, den Kopf voll Gewinn oder Verluſt hat,
auch wohl gar falſch geſpielet und ſeinen Kame⸗
raden um das Seinige gebracht, des Morgens
halb Fiſch, halb Fleiſch, halb wachend, halb
ſchlafend in die Kirche kommt; ſollte er wohl
beten können? plappern wohl, wenn es hoch
kommt, beten nicht. Sollte er wohl Profit von
Gottes Wort machen können, der vom Spielen
das Wort zu hören hinlauft? ſobald er davon
kommt, wieder an den Spieltiſch läuft? Ich
glaub's nicht; das kann nimmer ſein; das wohl,
daß der das Wort Gottes mit ſammt ſeiner Seele
verſpielet. Ich kann Niemand wehren, daß er
ſeinen Zeitvertreib ſuche, wo er könne; das will
ich aber nicht, bei denen ich ein Wort zu reden
habe, und die meiner Seele die ihrige anvertrauet,
daß ſie dieſes Handwerk der Welt ablernen, und
ſo ſie ja dabei und darin ſein müſſen, daß ſie es
machen, wie man es mit dem Feuer thut, dem
man um des Winters halber ſich nähert, doch
nicht zu nahe, daß man ſich nicht verbrenne.
Wollte Jemand mit David Gott auf dem Pſal⸗
ter ſpielen (Pſ. 144, 9.), ſoll ihm das allemal
ungeweigert bleiben; ſonſt iſt alles Spielen der
Zeit, da für die Seele zu ſorgen verſäumet wird,
das der göttlichen Ehre zum Nachtheil gereichet,
auch dabei manch liederlich Wort geredet wird,
eine Hauptſüunde, und ſitzen jetzt vicl Hauptſpie—
ler der Zeit in dem Spielhaus der hoͤlliſchen Ge—
ſellſchaft, um welche die Teufel mit Höllenbrän⸗—
den ſpielen; damit will der Himmel und die
Seligkeit nicht gewonnen werden, wohl aber mit
Furcht und Zittern.
Im heut'gen Kartenſpiel

Thut Mancher viel zu viel,

Das iſt das beſte Spiel,

Wo uns zuletzt zufiel

Des ſüßen Himmels Ziel.

(Laſſenius.)

—— — ———

Joachim von Ziethen.

Joachim von Ziethen, nachmals ein
berühmter General, war in ſeinem 11. Jahre
Page oder Edelknabe an dem Hofe Friedrichs
des Großen. Die Edelknaben mußten wech—
ſelsweiſe des Nachts in einem Zimmer neben des
Königs Schlafgemach wachen und dem König
aufwarten, wenn er es verlangte. Das war
nun Manchem zu beſchwerlich, und er bezahlte
es gern von ſeinem Taſchengeld, wenn ein An-—
derer es für ihn thun wollte. Unſer guter Joa—
chim hatte kein Taſchengeld, denn er hatte
keinen Vater mehr, und ſeine Mutter war eine
arme Wittwe. Er hätte aber doch auch gern ein
Taſchengeld gehabt, und ſo erbot er ſich denn,
um's Geld für Andere zu wachen. Das wäre
Einſt konnte
nämlich der König nicht ſchlafen, und wollte ein
Buch aus einem andern Zimmer haben; er

klingelte dem Pagen, aber der rührte ſich nicht.
Er klingelte noch einmal und zum dritten Mal,
aber es kommt kein Page. Endlich ſteht der Kö⸗
nig auf, geht in's Vorzimmer, um zu ſehen, ob
denn keiner da ſei. Hier findet er Ziethen, aber
ſchlafend am Tiſche ſitzen. Das iſt ein ſauberer
Wächter mochte er denken; und ihr werdet ſagen:
Der hatte wohl Urſache, ſich auch noch für An⸗
dere anzubieten! Allein höret erſt! Der König
tritt näher und ſieht nun, daß er einen Brief vor
ſich hat, über dem er eingeſchlafen iſt. Er nimmt
den Brief und lieſ't: „Meine beſte, geliebteſte
Mutter! Jetzt iſt nun ſchon die dritte Nacht, da
ich für Geld die Wache habe. Beinahe kann
ich's nicht mehr aushalten. Indeſſen freue ich
mich, daß ich nun wieder zehn Thaler für Sie
verdient und geſpart habe, und dieſe ſchicke ich
Ihnen hiebei.“ Da ſeht ihr, wo zu Joachim
ein Taſchengeld haben wollte.
Der König ſah es auch und dachte: er hat
Recht; legte ihm alſo ſeinen Brief wieder hin,
ging in ſeine Kammer, holte zwei Rollen mit
Dukaten, ſteckte ihm in jede Taſche eine, und
legte ſich wieder zu Bette. Wie erſchrack aber der
Page beim Aufwachen, als er in ſeine Taſche
fühlte und aus dem Gelde merkte, der König
habe ihn ſchlafend gefunden. Sobald er ihn am
Morgen ſah, bat er ihn demüthigſt, ihm ſeinen
Fehler zu verzeihen, und dankte ihm für das
gnädige Geſchenk. Der König lobte ſeine kind⸗
liche Liebe und Dankbarkeit, ernannte ihn bald
darauf zum Offizier, und ſchenkte ihm noch eine
Summe Geldes, um ſich dafür Alles, was er zu
ſeiner neuen Stelle brauchte, anzuſchaffen.
Da ging die Verheißung des vierten Gebotes
„auf daß dir's wohl gehe!“ recht in Erfüllung!

— — ————

(Eingeſandt.
6. zeſanbt.)

Aus dem Lied der Lieder.

Weur ſoll ich dich vergleichen,
Du Uunvergleichliche?
Wer wird dein Lob erreichen,
Das unerreichliche?

Chor.
O Salomo, du Fürſt der Pracht,
Du Fürſt in goldenen Zeiten,
Du ſammelteſt Egyptens Macht,
Meit Roſſen und Wagen dir zugebracht;
Reichthum auf allen Seiten.

Dem Zeuge am Wagen Pharao
Vergleich ich meine Taube;

So lauter von Gold und gewaltig ſo,
Die Starken nimmt ſie zum Raube.

Sieh, wie die Backen ſtehen
Dir lieblich in den Spangen,
Geſchmeide, ſchön anzuſchen,
Und Steine am Halſe prangen.
Chor.
Das ſind die edlen Steine gut,

Mit denen Zion pranget,

Wenn Salomo's Schild und treue Hut
Auf ihr mit Blicken der Liebe ruht,

Und ewig zu ſegnen verlanget.

O wünſchet Jeruſalem Glück der Stadd
Die ſolch einen König und Bräutigam hat!

G. Schaller.

English translation

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